Shays's Rebellion. Ursachen und Auswirkungen


Seminararbeit, 2001
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die politische und soziale Lage der Konföderation in der Postkriegsphase, Beispiel Massachusetts

2. Der Widerstand

2.1 Die ersten Schritte
2.2 Die Antwort aus Boston und ihre Folgen

3. Die politische Reaktion

4. Der Einfluss auf die Verfassungsdebatte und die Bewegung der Federalists

Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

„our affairs seem to lead to some crisis, some revolution – something that I cannot foresee or conjecture.“[1]

Was John Jay am 27.6.1786 durch seine Äußerung in seinem Brief an Washington erahnte, schien schon wenige Monate später Tatsache zu werden, als in dem Hinterland von Massachusetts, in Hampshire County, ein Aufruhr von besorgten und verzweifelten Farmern unter Daniel Shays ausbrach; bekannt geworden als Shays’s Rebellion.

Diese Arbeit zum Proseminar „Amerikanische Revolution“ versucht diesen Aufstand näher zu betrachten und seine Umstände, Geschehnisse und Konsequenzen zu beleuchten. Da es als unerlässlich gilt, das soziale Umfeld und den Nährboden zu betrachten auf dem es überhaupt zu der Erhebung kommen konnte, werden unter Punkt 1 die Umstände beschrieben, die zu den Geschehnissen führten. Die Geschehnisse selbst werden zum Gegenstand des folgenden Kapitels, um dann unter Punkt 3 auf die politischen Reaktionen auf staatlicher und nationaler Ebene einzugehen bzw. die Folgen die diese hatten. Unter Punkt 4 wird schließlich die Wirkung des Aufstandes untersucht, die dieser auf die Entstehung der noch heutige gültigen Verfassung bzw. auf die Verfassungsdebatte hatte. Dabei wird unter den ersten zwei Punkten das Augenmerk auf Massachusetts liegen, einerseits als repräsentatives Beispiel für die Neuenglandstaaten nach dem Ende des Unabhängigkeitskrieges gegen England und andererseits als Schauplatz und Ursprung des Rebellion.

Spezifische Sekundärliteratur zu der Thematik ist relativ knapp, zumindest was die in Deutschland verfügbaren Werke angeht. Gerade Monographien sind rar, jedoch gibt es eine verhältnismäßig große Zahl von Aufsätzen, die zur Verfügung standen. Als Primärquellen wurden englische Originale oder auch deutsche Übersetzungen verwendet, je nach ihrer Verfügbarkeit, wobei die Unterschiede zur heutigen Orthographie beibehalten wurden.

1. Die politische und soziale Lage der Konföderation in der Postkriegsphase, Beispiel Massachusetts

In dem noch jungen Bund der dreizehn, nun unabhängigen, Einzelstaaten, schien in den 1780er Jahren die weitverbreitete Euphorie nach dem Abschütteln des lästig gewordenen Mutterstaates einer gewissen Verzweiflung zu weichen, einer „Nachkriegsdepression im psychologischen Sinne“[2]. Diese Verzweiflung begründete sich vorwiegend auf die ökonomischen Schwierigkeiten, vor die man jetzt gestellt war: der Nachkriegsrezession und der Deflation, sowie den hohen Kriegsschulden und dem Verlust Englands als Handelspartner.

Die schon 1776 ausgearbeiteten, aber erst 1781 ratifizierten Articles of Confederation erwiesen sich als eine nur leidlich fähige Grundlage für einen funktionierenden Staatenbund, waren diese doch der Ausdruck eines obrigkeitsfeindlichen Denkens und geprägt von der Erfahrung der Auseinandersetzung mit England. Die Articles of Conferderation, in ihrer Anfangsphase noch scheinbar funktionsfähig, schienen nun nicht mehr ausreichend zu sein, um dem Staatenbund die nötige Stärke zu verleihen, mit den drückenden Problemen der Nachkriegszeit fertig zu werden. Verschiedene Versuche die Missstände der schwachen Zentralgewalt zu beseitigen, scheiterten an den Regierungen der einzelnen Staaten, die zu sehr auf ihre Unabhängigkeit pochten. Obwohl es sich in den 1780er Jahren herauskristallisierte, dass es dem Kongress unter den Konföderationsartikeln an finanzieller Unabhängigkeit, der Befugnis zur Handelsregulierung und Macht über die Einzelstaaten fehlte, war das labile System der lockeren Verbindung zwischen den Einzelstaaten nicht in der Lage, eine Verbesserung herbeizuführen. Initiativen zur Stärkung der Kongresses, u.a. durch Herbeiführung von mehr finanzieller und politischer Unabhängigkeit oder das Recht zur Besteuerung den Handel zu regulieren, scheiterten immer wieder an den Regierungen der Einzelstaaten.[3]

Die These, dass die 1780er Jahre grundsätzlich eine Zeit des wirtschaftlichen Wachstums und zunehmendem Wohlstand der Bevölkerung waren bzw. die Articles of Confederation durchaus funktionsfähig waren[4], mag zumindest teilweise auf die Küsten- und Handelszonen zutreffen, jedoch nicht auf die ländlichen Gebiete.

Am Beispiel von Massachusetts wird ersichtlich, inwiefern sich die Nachkriegswehen und das Fehlen einer wirksamen Zentralmacht in der sozialen und politischen Lage der Einzelstaaten manifestierte. Massachusetts, abgesehen von dem kommerziellen Westen, noch weitgehend agrarisch-ländlich geprägt, bestand vorwiegend aus einer breiten Schicht von landbesitzenden Farmern, die meist auf der Basis von Subsistenz lebten und arbeiteten. Durch den Besitz von Land stellte sich bei ihnen ein Gefühl von Unabhängigkeit ein, dass sie misstrauisch gegen die Bostoner Politik machte und gegen jede potentielle Einschränkung ihre tief verwurzelten Freiheits- und Besitzrechte. Trotz der Betonung der eigenen Unabhängigkeit war das Leben unter den yeomen und husbandmen gemeinschaftlich und von starkem Zusammenhalt geprägt, wobei auch die gesellschaftliche Schicht der nichtbesitzenden Landarbeiter und die der Handwerker integriert wurde. Im krassen Gegensatz dazu stand die oben schon erwähnte kommerziell geprägte Bevölkerung der Küste und der Handelsstädte. Dort war der Sprung zu einer Kommerzgesellschaft schon geschafft; das Leben dort richtete sich nach kapitalistischen Zielen, die der Bevölkerung im Hinterland fremd waren. Weitgehend bestehend aus „merchants, shopkeepers, professionals, commercial farmers, urban artisans, sailors and fishermen“[5] lebte diese Schicht in oder um die großen Städte herum; die wichtigsten wirtschaftlichen und politischen Zentren waren Boston, Newport und Providence. So wie das ländliche Leben von Gemeinschaftlichkeit, Tradition und Subsistenzwirtschaft geprägt war, so war es die kommerzielle Bevölkerung von Individualismus und dem Streben nach persönlichen Reichtum.[6]

In der Krise der postrevolutionären Zeit verhärteten die anstehenden Probleme noch die Unterschiedlichkeit zwischen den „two worlds of New England“[7], und verhinderten die Möglichkeit einer friedlichen Koexistenz beider Gesellschaftsgruppen. Die Krise war stark ökonomischer Natur, deren Ursachen im Krieg gegen England zu suchen sind. So litt die Wirtschaft in Massachusetts während der Auseinandersetzungen 1775 - 83 durch die führende Rolle die der Staat während des Kriegs innehatte. Gerade Boston, eine der Handelsmetropolen in den Neuenglandstaaten, musste viele Einbußen hinnehmen durch die Bostoner Blockade und den Boykott englischer Waren durch den Kontinentalkongress. Zusätzlich war da die große Masse von Männern, die zumindest zeitweise den Dienst an der Waffe leisteten, anstatt auf den heimischen Feldern zu arbeiten. Dies führte dann in der Postkriegsphase zu einer weiteren Belastung: die großen Zahl von Witwen und Kriegsinvaliden. Die daraus resultierenden Probleme auf die noch immer weitgehend auf Subsistenz beruhende Agrarwirtschaft waren enorm steigende Preise für Getreide und eine zunehmende Verarmung der davon abhängigen Schicht von Armen, Witwen und Farmern mit geringem Landbesitz. Nur wenige Bauern profitierten davon: d.h. nur jene mit viel Land, die es sich leisten konnten ihren Überschuss so lange vom Markt fernzuhalten bis die Preise noch weiter angestiegen waren.[8]

Dabei wurde auch der auf Kommerz ausgerichtete Westen nicht von den Nachkriegswehen verschont; Zwar war der Handel mit den britischen Inseln seit 1783 wieder eröffnet worden, jedoch blieben die Westindischen Inseln weiterhin einer strengen Handelsblockade unterstellt, die den Staaten der Konföderation jeglichen Warenexport auf diese verboten hatte. Der im Gegensatz weiterhin bestehende Import von Waren in die dreizehn ehemaligen Kolonien von Seiten der Westindischen Inseln und der britischen Inseln, den die Engländer nach dem Krieg noch forcierten, sorgte für eine negative Außenhandelsbilanz für den noch jungen Staatenbund. Es herrschte ein Überfluss von englischen und westindischen Waren, deren Volumen in keiner Relation zu dem amerikanischen Export stand. Erschwerend kam noch hinzu dass der Handel mit den mediterranen und baltischen Staaten bzw. mit dem Verbündeten Frankreich sich aufgrund von Piraterie, weiter Entfernung und Problemen bei der Kreditvergabe als unerwartet schwierig herausstellte.[9]

Der daraus resultierende kontinuierliche Abfluss von ohnehin schon knappem Hartgeld war dabei der Hauptauslöser für die zunehmende Anspannung der Lage. So wurde herkömmliche Bezahlung durch das Gewähren von Krediten ersetzt, was sich von den Überseekaufmännern der Ostküste bis hin zu den Händlern im Hinterland durchsetzte.

Dass auch die eher wenig kommerziell orientierten Farmer in dieses System

eingebunden waren, ist darauf zurückzuführen dass auch sie im Krieg durch die stationierten Truppen der Kontinentalarmee und dem Handel um deren Verpflegung mit Geld in Berührung kamen. Der zunehmende Einfluss der Kommerzgesellschaft des Ostens, was sich in neuen Werbestrategien der kleinen Händler und dem Überfluss an Luxusprodukten aus England und von den Westindischen Inseln zeigte, trug seinen Teil dazu bei dass auch die Bauern des Hinterlandes in die „chain of debt“[10] involviert wurden. Da gerade unter ihnen das Bargeld nach dem Abzug der Truppen besonders knapp war, und die eigene Produktion wenig Überfluss abwarf, führte dies dazu, dass sie besonders tief in die Schuldnerschaft abrutschten.[11]

Diese „chain of debt“ und der daraus entstandene Mangel an Hartgeld, erwies sich schon nach kurzer Zeit als nicht mehr tragbar, weder für die britischen Kaufleute, noch für die Händler in den ehemaligen Kolonien. So begannen um 1785 viele englische Händler konsequent ihre Anleihen und Schulden einzutreiben. Davon waren besonders die handelsorientierten Neuenglandstaaten betroffen. Es war für die Händler der Ostküste nahezu unmöglich genug harte Währung aufzubringen um ihre Schulden zu bezahlen. Um dem eigenen Bankrott zu entgehen und um weitere Kredite zu erhalten, blieb ihnen nur die Möglichkeit die eigenen ausstehenden Schulden einzutreiben. Dieser ins Rollen gebrachte Stein erreichte durch die „chain of debt“ über die kleinen Händler auf dem Lande, auch die Bauern, die daran gewöhnt waren ihre Schulden quartalsmäßig und oft durch Waren oder Dienstleistungen anstatt durch Geld zu begleichen.[12]

Die drückende und lähmende Schuldenlast war jedoch nicht nur auf privatem Sektor so eminent, sondern auch auf staatlicher Ebene „the key problem of the 1780s“.[13] Der Kongress, ebenso wie die Einzelstaaten, litt noch immer unter der hohen Verschuldung aus Kriegsjahren, und versuchte diese, meist mit geringen Erfolg, abzubauen. Massachusetts’ Gouverneur John Hancock, von 1780 – 85 im Amt, war trotz seiner großen Popularität nicht in der Lage den Problemen der Privat- und Staatsschulden wirksam entgegenzutreten. Sein Nachfolger John Bowdoin setzte jedoch schon bald nach seiner Wahl 1785 eine strenge Steuerpolitik durch, mit der er innerhalb einer Frist von fünfzehn Jahren die Kriegsschulden abbauen wollte, „whatever the cost in popularity“[14]. Jedoch verschlimmerte seine merkantil ausgerichtete Politik so nur das belastende Zusammenspiel aus den „twin problems of public debt and a North Atlantic credit crisis which made civil unrest inevitable throughout the confederation“[15], welches erheblich zur Verschlechterung der finanziellen Lage der Bevölkerung des westlichen Hinterlandes durch weiteren Abfluss von Hartgeld beitrug.[16]

Die Misere aus Mangel und Überteuerung von Getreide, hoher Steuerlast und privater Verschuldung kumulierte darin dass die Händler dazu übergingen ihren Willen die Schulden einzutreiben dadurch umzusetzen, indem sie vor Gericht zogen um auf rechtlichem Wege ihre ausstehenden Verpflichtungen einzuholen. Welches Ausmaß dies annahm zeigt, dass in Hampshire County, dort wo wenig später der Aufstand unter Daniel Shays ausbrach, in den Jahren zwischen 1784 – 86 31,4% der männlichen Bevölkerung über sechzehn Jahren in Fälle vor dem Schuldgericht verwickelt waren, was eine Verdreifachung zu den Vorjahren bedeutete[17]. Fast sämtliche zivilen Fälle vor Gericht hatten mit der Auseinandersetzung um ausstehende Zahlungen zu tun, was dazu führte das viele der Angeklagten in Schuldhaft genommen wurden, wenn auch meist nur für kurze Zeit.[18]

2. Der Widerstand

2.1 Die ersten Schritte

Die angespannte soziale und politische Lage in Massachusetts, noch intensiviert durch die pro-kommerzielle Politik Bowdoins, führte dazu dass die Farmer in Westmassachusetts ihre Situation als nicht länger tragbar einstuften, und den Versuch unternahmen die Missstände zu beseitigen. Damit bildeten sie die Grundlage für Shays’s Rebellion, ohne jedoch vorher einen bewaffneten Aufstand gegen die Staatsgewalt im Sinn gehabt zu haben.[19]

[...]


[1] Jay to Washington, in: Morison, Samuel Eliot (Hg.), Sources and Documents illustrating the American Revolution 1764 – 1788 and the formation of the Federal Constitution, London, Oxford, New York 1967 , S. 214.

[2] Schröder, Hans-Christoph, Die Amerikanische Revolution, München 1982, s. 135.

[3] vgl. ebd., s. 131-135.

[4] vgl. Wood, Gordon, Interests and Disinterestedness in the making of the Constitution, in: Beyond Confederation, Origins of the Constitution and American National Identity, Beeman, Richard u.a. (Hg.), Chapel Hill & London 1987, S. S.69 – 112, hier: S. 69.

[5] Szatmary, David P., Shays’ Rebellion, The Making of an Agrarian Insurrection, Amherst 1980, s. 10.

[6] vgl. ebd., s. 1-11.

[7] ebd., s. 2.

[8] vgl. Brown, Richard D., Massachusetts, A Bicentennial History, New York 1978, 102 –105.

[9] vgl. Szatmary, s. 20 – 23.

[10] ebd. s. 30.

[11] vgl. Patterson, Stephen E., The Federalist Reaction to Shays’s Rebellion, in: In Debt to Shays’ s, The Bicenntenial of an Agrarian Revolution, Robert A. Gross (Hg.), Charlottesville & London: 1993, S. 101 – 120, hier: S. 102 – 108.

[12] vgl. Szatmary, S. 27 – 31.

[13] Buel, Richard Jr., The Public Creditor Interest in Massachusetts Politics, 1780 – 86, in: In Debt to Shays

S. 47 – 57, hier: S. 47.

[14] Brown 1978, s. 115.

[15] Brooke, John L., To the Quiet of the People, Revolutionary Settlements and Civil Unrest in Western Massachusetts 1774 – 1789, in: The William and Mary Quarterly, vol. 46, Williamsburg, Virginia 1989 S. 425 – 462, hier: S. 426.

[16] vgl. Brown 1978, s. 115.

[17] vgl. Szatmary, s. 29 –34.

[18] vgl. Chu, Jonathan M., Debt Ligitation and Shays Rebellion, in: In Debt to Shays S. 81 - 101, hier: S. 81-85.

[19] vgl. Szatmary, s. 37.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Shays's Rebellion. Ursachen und Auswirkungen
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar: Amerikanische Revolution
Note
1,7
Autor
Jahr
2001
Seiten
22
Katalognummer
V13896
ISBN (eBook)
9783638194204
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Shays, Rebellion, Ursachen, Auswirkungen, Proseminar, Neuere, Neueste, Geschichte
Arbeit zitieren
Daniel Brombacher (Autor), 2001, Shays's Rebellion. Ursachen und Auswirkungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13896

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