Stellen wir uns die Frage: Was geschieht nach dem Tod? Eine einheitliche christliche Antwort auf diese Frage zu finden scheint eher schwierig vorstellbar im Angesicht aller möglichen Perspektiven, die zu dieser Frage aufgetan werden können. Führen die guten Werke, die im Leben vollbracht wurden in den Himmel? Oder doch durch die Gerechtsprechung durch wahren Glauben, wie es Luther sagt? Oder folgen wir doch der Theorie der Allversöhnung, nach welcher alle Menschen, unabhängig von Taten und Glauben in das Himmelreich eintreten dürfen? Das Wort „Theorie“ beschreibt die Gedankengänge, die hinter all den Überlegungen stecken sehr genau, da nicht gewusst werden kann, was jeden von uns nach dem Tod erwartet. Auch wenn Jenseitsvorstellungen nicht beweisbar sind, so können sie doch eventuell eine Rolle in unserem Leben spielen, denn nicht umsonst beschäftigt die Menschen die Frage nach dem Tod, was das Jenseits bringt oder ob mit dem Tod alles vorbei ist. Gerade mit Kindern über diese Fragen zu sprechen erscheint als große Herausforderung, wenn man bedenkt, dass auch Erwachsene keine Antworten haben und vor einem großen Rätsel stehen. Nur sind Fragen nach Tod und Leben Bestandteil des Religionsunterrichts in der Schule, sodass sich die Fragen nach einer möglichen Umsetzung dieses Themas aufdrängen. Spätestens, wenn Kinder einen Trauerfall verarbeiten müssen, steht die Thematik im Raum und muss auf einer für die Kinder und Jugendlichen gerechten Ebene besprochen werden. Sind also Jenseitsvorstellungen hilfreich für die Trauerverarbeitung von Kindern und Jugendlichen und kann eine Vorstellungserzeugung zum Thema Tod bei Kindern und Jugendlichen eine Hilfestellung sein mit Tod und Trauer umzugehen? Diese und weitere Fragen werden Gegenstand dieser Ausarbeitung sein.
Inhaltsverzeichnis des E-Books
- 1. Einleitung
- 2. Fachliche Hintergründe
- 2.1. Der Tod in der Bibel
- 2.1.1. Psalmen
- 2.1.2. Paulus
- 2.1.3. Evangelien
- 2.1.4. Bezug auf den Menschen
- 2.2. Todesvorstellungen von Kindern und Jugendlichen
- 2.3. Der Trauerprozess bei Kindern und Jugendlichen
- 2.3.1. Trauerprozess nach Verena Kast
- 2.3.2. Trauerverhalten nach Altersklassen
- 2.4. Trauerbewältigung bei Kindern und Jugendlichen
- 2.5. Mögliche Hilfestellung während der Trauer
- 2.1. Der Tod in der Bibel
- 3. Interpretation
- 3.1. Ansatzpunkt für den Religionsunterricht
- 3.1.1. Verortung im Kernlehrplan NRW
- 3.2. Konkretes Beispiel zur Umsetzung
- 3.3. Ausgestaltung einer Jenseitskiste nach christlicher Vorstellung
- 3.1. Ansatzpunkt für den Religionsunterricht
- 4. Fazit
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit befasst sich mit der Fragestellung, inwiefern Jenseitsvorstellungen hilfreich für die Trauerverarbeitung von Kindern und Jugendlichen sind und ob die Entwicklung solcher Vorstellungen im Religionsunterricht eine Unterstützung im Umgang mit Tod und Trauer bieten kann. Sie untersucht die Möglichkeiten und Grenzen schulischer Unterstützung in diesem sensiblen Themenfeld.
- Christliche Todes- und Jenseitsvorstellungen in der Bibel
- Psychologische Modelle des Trauerprozesses bei Kindern und Jugendlichen
- Altersgerechte Ansätze zur Trauerbewältigung
- Die Rolle und Potenziale des Religionsunterrichts als Unterstützung bei Trauerfällen
- Konkrete didaktische Umsetzungsbeispiele, wie die Gestaltung einer Jenseitskiste
- Pädagogische Herausforderungen und Möglichkeiten zur Förderung emotionaler Stabilität
Auszug aus dem Buch
2.3. Der Trauerprozess bei Kindern und Jugendlichen
In der Literatur ist einiges zu Trauerprozessen von Kindern und Jugendlichen zu finden. Eine gewisse Idee des Trauerprozesses zu entwickeln ist Voraussetzung für das weitere Vorhaben dieser Ausarbeitung, da nur über eine Hilfestellung zu einem Thema nachdenken kann, das verstanden wurde bzw. systemhaft eine Idee dessen bietet, worum es geht. In Bezug auf den Religionsunterricht bietet die Auseinandersetzung mit dem Trauerprozess von Kindern und Jugendlichen die Grundlage dafür, geeignete Unterrichtsvorhaben zu planen. Die Frage nach einer möglichen Unterstützung im Trauerprozess durch den Religionsunterricht zieht die Frage nach sich, an welchem Punkt des Prozesses angesetzt und geholfen werden kann.
Im Folgenden werden 2 Modelle zum Trauerprozess vorgestellt, von denen das eine altersunabhängig anwendbar ist und das andere nach Altersklassen sortiert wurde.
2.3.1. Trauerprozess nach Verena Kast
Nach Verena Kast existieren vier Trauerphasen, die für die meisten Menschen gelten.
- 1. Phase: Nicht-Wahrhaben-Wollen
- 2. Phase: Aufbrechende Emotionen
- 3. Phase: Suchen und Sich-Trennen
- 4. Phase: Neuer Selbst- und Weltbezug
Die erste Phase kann stunden- aber auch wochenlang anhalten. Charakteristisch für diese Phase ist eine Empfindungslosigkeit ausgelöst durch einen Gefühlsschock. Die Empfindungslosigkeit wird in dem Modell als Folge der Verdrängung der Todesnachricht gewertet. (vgl. Kast, 2013 S. 69f.)
In der Phase der aufbrechenden Emotionen gibt es ein regelrechtes Chaos aus Empfindungen. Leid, Schmerz, Wut, Zorn, Freude, Traurigkeit und Angst sind mögliche Gefühle, die zum Vorschein kommen können. Ausgelöst sind diese Gefühle meist durch Fragen, die sich innerlich gestellt werden. Beispielsweise ist Zorn ein Motiv, das bei der Suche nach einem Schuldigen gegen alle möglichen Personen gerichtet sein kann, denen Schuld zugesprochen wird. Ebenfalls ist es möglich, eine gewisse Schuld auf einen selbst projiziert wird, wodurch Schuldgefühle entstehen. (vgl. Kast, 2013 S. 71-75)
2.3.2. Trauerverhalten nach Altersklassen
Nachdem die Trauer in Phasen eingeteilt wurde, lassen sich auch noch Unterschiede innerhalb der Altersklassen finden. Im Wesentlichen können 5 sinnvolle Einteilungen im Kinder- und Jugendalter vorgenommen werden, die für Lehrkräfte von Bedeutung sind. Diese Einteilungen beziehen sich in gekürzter Form auf Matthias Günther.
Im Kleinkindalter (ca. 3-6 Jahre) bedeutet der Tod nicht den endgültigen Verlust einer Person, die Kinder sehen den Tod eher als temporäre Abwesenheit des Verstorbenen. Kleinkinder nehmen Leben und Tod als praktisch austauschbare Konstrukte wahr, somit ist der Tote nicht ganz tot, sondern eher weniger lebendig, hat aber das Potential wiederzukommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Relevanz von Jenseitsvorstellungen für die Trauerverarbeitung von Kindern und Jugendlichen im Kontext des Religionsunterrichts vor.
2. Fachliche Hintergründe: Dieses Kapitel beleuchtet biblische Perspektiven auf Tod und Jenseits, untersucht Todesvorstellungen sowie Trauerprozesse bei Kindern und Jugendlichen nach verschiedenen Modellen und Altersklassen.
3. Interpretation: Hier werden die gesammelten Informationen für die Praxis aufbereitet, indem Ansatzpunkte für den Religionsunterricht diskutiert und ein konkretes Beispiel zur Umsetzung einer Jenseitskiste vorgestellt wird.
4. Fazit: Das Fazit unterstreicht die Notwendigkeit und den Nutzen einer altersgerechten Auseinandersetzung mit Tod und Trauer im Religionsunterricht zur emotionalen Unterstützung von Kindern und Jugendlichen.
Schlüsselwörter
Tod, Trauer, Religionsunterricht, Kinder, Jugendliche, Jenseitsvorstellungen, Trauerverarbeitung, christliche Perspektive, Bibel, Trauerphasen, Verena Kast, Kernlehrplan, Jenseitskiste, Unterstützung, Schule
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Themen Tod und Trauer im Religionsunterricht und untersucht mögliche Unterstützungsformen für Kinder und Jugendliche innerhalb der schulischen Grenzen, insbesondere durch die Auseinandersetzung mit Jenseitsvorstellungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die biblischen und christlichen Todes- und Jenseitsvorstellungen, die psychologischen Trauerprozesse bei Kindern und Jugendlichen, altersgerechte Trauerbewältigung sowie konkrete didaktische Ansätze für den Religionsunterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu klären, ob Jenseitsvorstellungen hilfreich für die Trauerverarbeitung von Kindern und Jugendlichen sind und ob eine Vorstellungserzeugung zum Thema Tod im Religionsunterricht eine Hilfestellung im Umgang mit Tod und Trauer sein kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theologische, psychologische und didaktische Fachhintergründe zusammenführt und für die praktische Umsetzung im Religionsunterricht interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die fachlichen Hintergründe zu Tod und Trauer, einschließlich biblischer Perspektiven, Todesvorstellungen von Kindern und Jugendlichen sowie deren Trauerprozesse. Des Weiteren werden Interpretationsansätze für den Religionsunterricht und konkrete Umsetzungsbeispiele wie die Jenseitskiste dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Tod, Trauer, Religionsunterricht, Kinder, Jugendliche, Jenseitsvorstellungen und Trauerverarbeitung.
Wie werden christliche Jenseitsvorstellungen in der Bibel dargestellt?
Die Bibel bietet keine einheitliche Jenseitsvorstellung; es werden unterschiedliche Perspektiven aus Psalmen, Paulusbriefen und Evangelien beleuchtet, die von der Vorstellung eines endgültigen Endes bis hin zu einem ewigen Leben nach dem Tod reichen.
Welche Modelle des Trauerprozesses werden vorgestellt und warum sind sie wichtig?
Es wird der Vier-Phasen-Trauerprozess nach Verena Kast vorgestellt (Nicht-Wahrhaben-Wollen, Aufbrechende Emotionen, Suchen und Sich-Trennen, Neuer Selbst- und Weltbezug) sowie altersklassenspezifische Trauerverhalten. Diese Modelle sind wichtig, um eine systemhafte Grundlage für die Planung geeigneter Unterstützungsmaßnahmen im Religionsunterricht zu schaffen.
Was ist eine "Jenseitskiste" und wie kann sie im Religionsunterricht eingesetzt werden?
Eine "Jenseitskiste" ist ein (Schuh-)Karton, den Kinder und Jugendliche gestalten können, um ihre persönlichen Vorstellungen vom Jenseits oder vom Leben nach dem Tod auszudrücken. Sie dient als bildhafte Methode, um eine geistige Umgebung zu schaffen, die Halt geben und den Tod in ein Weltmodell integrieren kann.
Welche alterspezifischen Unterschiede im Trauerverhalten werden beschrieben?
Es werden fünf Altersklassen unterschieden: Kleinkinder sehen den Tod als temporäre Abwesenheit; Kinder (6-12 Jahre) verstehen ihn als endgültigen Verlust, wehren aber Selbstbezug ab; Frühadoleszenz (12-16 Jahre) akzeptiert die Sterblichkeit, verdrängt aber Ängste; Adoleszenz (16-18 Jahre) erlebt verstärkte Selbstkonzeptbelastung; Spätadoleszenz (18-25 Jahre) betrifft oft zwei Beziehungssysteme.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Tod und Trauer im Religionsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1390019