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Arthur Schnitzlers "Reigen" als gesellschaftskritisches Stück

Title: Arthur Schnitzlers "Reigen" als gesellschaftskritisches Stück

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 25 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Monika Panhirsch (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

„Reigen“, eins der interessantesten und sicherlich das umstrittenste Stück Arthur
Schnitzlers, ist ein Einakterzyklus. Diese offene, um die Jahrhundertwende sehr populäre
Form erlaubt das Fehlen eines dramatischen Konflikts, sowie der Kausalität der
Kompositionseinheiten, was hier eben der Fall ist. „Reigen“ besteht aus zehn Akten, in denen
verschiedene Figuren, insgesamt zehn, in einer intimen Situation geschildert werden. In jeder
Szene agieren jeweils zwei Personen, die sich entweder absichtlich treffen oder auch zufällig
begegnen, miteinander flirten und sich gegenseitig verführen, einen Sexualakt vollziehen und
eine konventionelle Konversation „danach“ führen, um sich anschließend wieder zu trennen.
Jeder geht seinen eigenen Weg, wobei wir die eine der Personen gleich in der folgenden
Szene mit einem neuen Partner wieder sehen. Auf diese Art und Weise schließt sich der
Kreis: die Dirne, die in der ersten Szene mit dem Soldaten verkehrt, tritt in der letzten Szene
zum zweiten Mal auf, diesmal in „Begleitung“ des Grafen. Übrigens ist dieser letzte Akt der
einzige, in dem keine sexuelle Handlung stattfindet, wodurch er von der Komposition des
gesamten Dramas abweicht. Schon der Titel deutet auf die besprochene Kreisform hin:
Reigen ist nämlich nichts anderes als „ein Tanz im Kreis mit Gesang“.
In seinem „Reigen“ verstößt Schnitzler gegen die Konventionen des zeitgenössischen
Salontheaters, in dem Erotik zwar thematisiert wird, aber keinesfalls so explizit, und
ausschließlich auf der verbalen Ebene. Im „Reigen“ dagegen lässt der Autor seine Figuren
ihre sexuellen Triebe nicht nur in Gesprächen zum Ausdruck bringen, sondern auch noch
ausleben, wobei der Ort des Sprechens und der Ort des Handelns der gleiche ist. Obwohl die
Grenze zwischen Erotik und Sexualität eindeutig überschritten wird, was mit einem zur
damaligen Zeit unverzeihlichen Tabubruch gleichzusetzen ist, geschieht dies auf eine sehr
dezente Art und Weise. Der Sexualakt selbst ist im Text des Stücks nicht dargestellt, sondern
lediglich durch Gedankenstriche markiert. In einer Theateraufführung sollte er nach
Schnitzlers Idee durch eine „möglichst kurze Pause“ angedeutet werden, „ob diese nun durch
Vorhang, Schleier oder Verdunkelung symbolisiert und zugleich verwirklicht wird“.

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Komposition und Problematik des „Reigen“

1.2 Fragestellung und Vorgehensweise in dieser Hausarbeit

2. Eine kurze Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Dramas

3. Die wichtigsten Kritikpunkte in Arthur Schnitzlers „Reigen“

3.1 Prostitution im Zwielicht der Sitten(losigkeit) der Epoche: Szene 1 („Die Dirne und der Soldat“) und Szene 10 („Der Graf und die Dirne“)

3.2 Widerlegung der These über die Unterteilung aller Frauen in die zwei Typen „Dirne“ und „Mutter“: Szene 5 („Die junge Frau und der Ehemann“) und Szene 4 („Der junge Herr und die junge Frau“)

3.3 Fokussierung der Sexualität, Verlogenheit und Oberflächlichkeit der Beziehungen zwischen Mann und Frau als Folgen der bürgerlichen Pseudomoral: am Beispiel der ausgewählten Szenen

3.4 Scheinheiligkeit der Ehe als der Grundlage und Stütze der bürgerlichenGesellschaft: Szene 5 („Die junge Frau und der Ehemann“) als Kulminationspunkt des Dramas

4. Resümee

Zielsetzung & Themen

Diese Hausarbeit untersucht die sozialkritischen Aspekte in Arthur Schnitzlers Drama „Reigen“. Dabei liegt der Fokus auf der Enthüllung der verlogenen bürgerlichen Sexualmoral der Jahrhundertwende sowie der Analyse, wie Schnitzler durch die Darstellung unterschiedlicher Geschlechterkonstellationen die gesellschaftlichen Konventionen seiner Zeit hinterfragt.

  • Analyse der Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des „Reigen“ und der damit verbundenen Skandale.
  • Untersuchung der Prostitution als Schattenseite der bürgerlichen Gesellschaft.
  • Widerlegung der zeitgenössischen Typisierung von Frauen in „Dirne“ und „Mutter“.
  • Dechiffrierung der Ehe als scheinheiliges Konstrukt und Ort gesellschaftlicher Verlogenheit.

Auszug aus dem Buch

3.1 Prostitution im Zwielicht der Sitten(losigkeit) der Epoche: Szene 1 („Die Dirne und der Soldat“) und Szene 10 („Der Graf und die Dirne“)

In der ersten Szene, die sich spät abends an der Augartenbrücke am Donaukanal, also in freier Natur abspielt, treten die Dirne und der Soldat auf. Obwohl die beiden Vertreter des einfachen Volkes sind, steht die Dirne aufgrund ihrer Profession ganz unten auf der sozialen Stufenleiter, während der Soldat, erstens als Mann und zweitens seiner Tätigkeit wegen einen viel höheren Status hat. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er die Dirne verachtet, sich, zwar implizit, dafür aber unzweideutig, missbilligend über sie äußert und sich ihr gegenüber, besonders nach dem Geschlechtsakt, höchst arrogant verhält. Die Dirne dagegen scheint sich völlig unprofessionell zu benehmen: statt zuerst zu versuchen, einen möglichst hohen Preis für ihre Leistungen zu verhandeln, verlangt sie überhaupt kein Geld.

„Ich brauch kein Geld. (...) Zahlen tun mir die Zivilisten. So einer wie du, kann`s immer umsonst bei mir haben“ – erklärt sie dem erstaunten Soldaten. Sie ist auch diejenige, die die Initiative ergreift, den Soldaten mit den schmeichelnden Worten: „Komm, mein schöner Engel“ anspricht, ihn in Versuchung führt und nicht locker lässt, wenn dieser ihr Angebot ablehnen will. Seine Argumente: „Ich hab keine Zeit. Ich muss in die Kasern`!“, „Lass mich in Ruh. Geld hab ich eh keins“ und „Nein, ich geh nicht mit dir, es ist mir zu weit“ überzeugen die Dirne keineswegs. Letzten Endes gibt der Soldat nach und die beiden vollziehen unter freiem Himmel am Donaukanal einen schnellen Geschlechtsakt. Nachdem der Soldat seine sexuelle Gier befriedigt hat, wendet er sich rasch ab und geht, ohne sich in ein weiteres Gespräch mit der Dirne einzulassen. Ihre Bitte, er möge ihr wenigstens „ein Sechserl für`n Hausmeister“ geben, schlägt er mit unerhörter Frechheit ab: „Ha! ... Glaubst, ich bin deine Wurzen ... Servus! Leocadia ...“ Da rastet die Dirne plötzlich aus und beschimpft ihn als „Strizzi” und „Fallot”, worauf der Soldat gar nicht mehr reagiert, da er bereits weg ist...

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Komposition des „Reigen“ und die Zielsetzung der Arbeit, die gesellschaftskritischen Aspekte des Stücks zu beleuchten.

2. Eine kurze Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Dramas: Darstellung der kontroversen Entstehung, der Zögerlichkeit bei der Veröffentlichung sowie der heftigen Skandale und Gerichtsprozesse rund um die Uraufführungen.

3. Die wichtigsten Kritikpunkte in Arthur Schnitzlers „Reigen“: Detaillierte Untersuchung der zentralen Kritikpunkte, angefangen bei der Prostitution bis hin zur Dekonstruktion der bürgerlichen Ehe.

3.1 Prostitution im Zwielicht der Sitten(losigkeit) der Epoche: Szene 1 („Die Dirne und der Soldat“) und Szene 10 („Der Graf und die Dirne“): Analyse des Geschlechterrollenwechsels und der Bedeutung der Prostitution als soziales Nebenprodukt der Pseudomoral.

3.2 Widerlegung der These über die Unterteilung aller Frauen in die zwei Typen „Dirne“ und „Mutter“: Szene 5 („Die junge Frau und der Ehemann“) und Szene 4 („Der junge Herr und die junge Frau“): Untersuchung der künstlichen Spaltung des Frauenbildes durch die Erziehung und Aufdeckung der dahinterstehenden Illusion.

3.3 Fokussierung der Sexualität, Verlogenheit und Oberflächlichkeit der Beziehungen zwischen Mann und Frau als Folgen der bürgerlichen Pseudomoral: am Beispiel der ausgewählten Szenen: Analyse, wie das Streben nach sexueller Befriedigung und die soziale Oberflächlichkeit die zwischenmenschlichen Beziehungen bestimmen.

3.4 Scheinheiligkeit der Ehe als der Grundlage und Stütze der bürgerlichenGesellschaft: Szene 5 („Die junge Frau und der Ehemann“) als Kulminationspunkt des Dramas: Darstellung der bürgerlichen Ehe als verlogenes Konstrukt, das die Untreue der Partner begünstigt.

4. Resümee: Abschließende Betrachtung des „Reigen“ als gnadenloses sozialkritisches Stück, das die doppelte Moral der Epoche demaskiert.

Schlüsselwörter

Arthur Schnitzler, Reigen, bürgerliche Gesellschaft, Pseudomoral, Sexualität, Prostitution, Doppelmoral, Geschlechterrollen, Gesellschaftskritik, Jahrhundertwende, Ehe, Literaturgeschichte, Wien, Konventionen, Sittenbild.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Arthur Schnitzlers Drama „Reigen“ als ein zentrales gesellschaftskritisches Werk, das die moralischen Missstände und die verlogene Sexualmoral des Bürgertums um 1900 aufdeckt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Kernbereichen gehören die Kritik an der Institution der Ehe, das Frauenbild der Epoche, die Prostitution als gesellschaftliches Korrelat und die generelle Verlogenheit menschlicher Beziehungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schnitzler durch die Struktur seines Stücks und die verschiedenen Figuren die Ideologie der „doppelten Moral“ entlarvt und demaskiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, ergänzt durch historische Kontexte, Aussagen von Zeitgenossen sowie theoretische Grundlagen zur Sexualanthropologie und Sozialgeschichte.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse spezifischer Szenen, die Kritik an sozialen Hierarchien, die Dekonstruktion des Eheideals und die Untersuchung der verschiedenen Verhaltensmuster in erotischen Begegnungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlagworte sind neben dem Autor und Titel vor allem Begriffe wie Pseudomoral, Doppelmoral, Gesellschaftskritik, Geschlechterkonstellationen und bürgerliche Gesellschaft.

Warum spielt die fünfte Szene eine so zentrale Rolle im Drama?

Die Szene zwischen der jungen Frau und dem Ehemann gilt als Kulminationspunkt, da sie die Diskrepanz zwischen öffentlicher „Heiligkeit der Ehe“ und privater Lebensrealität am deutlichsten verdeutlicht.

Inwieweit spiegelt das Stück die damalige Zeit wider?

Das Stück dokumentiert durch die Variationen des „So-tun-als-täte-man-nicht“ das Ritual des Begehrens in einer Zeit, in der Sexualität zwar ein starkes Tabu war, aber dennoch alle sozialen Schichten durchdrang.

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Details

Title
Arthur Schnitzlers "Reigen" als gesellschaftskritisches Stück
College
University of Hamburg  (Institut für Germanistik II)
Course
Hauptseminar: Geschlechterkonstellationen in der Literatur um 1900
Grade
1,5
Author
Monika Panhirsch (Author)
Publication Year
2004
Pages
25
Catalog Number
V139010
ISBN (eBook)
9783640478897
ISBN (Book)
9783640478606
Language
German
Tags
Arthur Schnitzlers Reigen Stück
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Monika Panhirsch (Author), 2004, Arthur Schnitzlers "Reigen" als gesellschaftskritisches Stück, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139010
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