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Jenseits der Zeit(en)? Zum Problem der Zeit in Christoph Ransmayrs Roman "Die letzte Welt"

Title: Jenseits der Zeit(en)? Zum Problem der Zeit in Christoph Ransmayrs Roman "Die letzte Welt"

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 16 Pages , Grade: 2

Autor:in: Tanja Stramiello (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Als Christoph Ransmayr begann, sich intensiv mit den „Metamorphosen“ des Ovid
zu beschäftigen, hatte er ursprünglich vor diese in Form eines Prosatextes zu übersetzen.
Glücklicherweise kam es nie dazu; statt dessen resultierte aus dieser Arbeit sein zweiter
Roman: „Die letzte Welt“.
In diesem Roman erzählt Ransmayr die Geschichte des Römers Cotta, der in die
Stadt Tomi reist, um dort nach dem Verbannten Ovid und seinem Werk – den
„Metamorphosen“ – zu suchen. Soweit scheint der Roman in der Tradition der
historischen Romane zu stehen, doch schon bald bekommt dieses Bild Risse: Nicht nur,
daß Ovids Werk im Roman als verloren gilt, weil es von Ovid verbrannt wurde,
sondern auch die gesamte Zeit des Romans, in der die Handlung spielt, scheint auf dem
Kopf zu stehen. So läßt Ransmayr etwa im historischen Tomi eine verrostete
Bushaltestelle entstehen oder aber Ovid vor einem Strauß Mikrophone sprechen.
Neben den genannten Beispielen wimmelt das Werk geradezu von Anachronismen, die
2000 Jahre Menschheitsgeschichte vereinen. Warum bricht Ransmayr so deutlich mit
der Tradition des historischen Romans und läßt statt dessen die Zeiten miteinander
verschmelzen? Zudem tauchen die Figuren aus Ovids Metamorphosen, zumindest
namentlich, als Akteure in Tomi auf, wobei sie durchaus Eigenschaften ihrer
Namensgeber aufweisen, und erscheinen gleichzeitig auf Zelluloid gebannt – in
klassischen ovidischen Geschichten, die der Filmvorführer Cyparis zeigt.
Daneben sollen auch andere Probleme der Zeit in Ransmayrs Roman betrachtet
werden. Besonders hervorgehoben werden hierbei statische Elemente, wie z.B. der
„Maulbeerbaum“, welcher – im Gegensatz zu fast allen anderen Elementen des Romans
– im Laufe der Handlung keiner Veränderung unterliegt, aber auch zirkuläre Momente.
Hat „Die letzte Welt“ wirklich einen Schluß oder scheint mit ihrem Ende nicht auch ein
Neubeginn der Zeit erreicht?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gleichzeitigkeit

2.1 Anachronismen

2.1.2 Zweck und Wirkung

2.2 Die Bewohner Tomis

3. „Zeitlosigkeit“

3.1 Der Maulbeerbaum

3.2 Das Nashorn

4. Zirkuläre Momente

4.1 Rückblicke

4.2 Beginn der Zeit

4.2.1 Ende oder Anfang?

5. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Umgang mit dem Zeitbegriff in Christoph Ransmayrs Roman „Die letzte Welt“. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Vordergrund, wie der Autor durch die bewusste Auflösung linearer Zeitstrukturen und den Einsatz von Anachronismen sowie zirkulären Elementen den Roman aus einer historisch festlegbaren Realität in eine fiktive, zeitlose Dimension überführt.

  • Analyse von Anachronismen als narratives Verfahren zur Zeitaufhebung
  • Untersuchung der mythischen Figurenkonstellation und deren Zeitbezug
  • Interpretation statischer und zeitloser Symbole wie Maulbeerbaum und Nashorn
  • Diskussion der zirkulären Zeitstruktur im Kontext der „ewigen Wiederkehr“

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Zweck und Wirkung

Dadurch, daß Ransmayr moderne Begriffe durch Rost oder ähnlichen Verfall altern läßt, scheinen auch sie aus der Zeit herausgehoben, denn es wird der Eindruck erweckt, sie seien selbst bereits veraltet, obwohl sie eigentlich eher neu sein müßten. Hierdurch wird der Eindruck unterstützt, den der Leser allein schon durch die Verwendung moderner Begriffe gewinnt, nämlich daß sich nicht sagen läßt, in welcher Zeit der Roman spielt.

Ransmayr scheint bewußt keinen historischen Roman schaffen zu wollen, denn eine zufällige Verwirrung der Zeiten ist eher unwahrscheinlich. Vielmehr scheint sich Ransmayr der Anachronismen bewußt zu bedienen. Anders ausgedrückt könnte man sagen: „[...] in diesem Werk sind die Anachronismen Teil des Verfahrens“, oder aber: „Das Spiel mit Anachronismen hat Methode.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Entstehungsgeschichte des Romans ein und formuliert das Ziel der Untersuchung bezüglich des Zeitproblems bei Ransmayr.

2. Gleichzeitigkeit: Dieses Kapitel thematisiert die Vermischung von historischen und modernen Zeitebenen sowie die Bedeutung der Bewohner von Tomis.

3. „Zeitlosigkeit“: Hier werden statische Symbole wie der Maulbeerbaum und das Nashorn analysiert, die als immun gegen den Zeitfluss dargestellt werden.

4. Zirkuläre Momente: Dieser Abschnitt beleuchtet die kreisförmigen Erzählstrukturen und die Frage nach einem Neuanfang der Zeit am Ende des Romans.

5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Erkenntnisse, die Ransmayrs Roman als bewusste Konstruktion jenseits historischer Zeitgebäude verortet.

Schlüsselwörter

Christoph Ransmayr, Die letzte Welt, Zeitbegriff, Anachronismus, Ovid, Metamorphosen, Fiktion, Postmoderne, Zirkuläre Zeit, Zeitlosigkeit, Literaturwissenschaft, Narratologie, Mythologie, Zeitgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie Christoph Ransmayr in seinem Roman „Die letzte Welt“ mit dem Begriff der Zeit experimentiert und eine historisch nicht einzuordnende Welt erschafft.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von Anachronismen, der Rolle mythischer Figuren, der Bedeutung zeitloser Symbole und der zirkulären Zeitstruktur.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Ransmayr durch die Verschmelzung von Vergangenheit und Moderne den Leser in eine rein fiktive, zeitlose Realität entführt.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die sich auf den Roman sowie auf relevante Sekundärliteratur zur Postmoderne und Fiktionstheorie stützt.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Anachronismen, die Interpretation der zeitlosen Statik von Symbolen und die Untersuchung zirkulärer Zeitmomente.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind Anachronismus, Zeitlosigkeit, Fiktion, Metamorphosen und zirkuläre Zeit.

Warum wählt Ransmayr ein Nashorn als Symbol für das römische Reich?

Das Nashorn symbolisiert für den Autor Beständigkeit, Macht und Dauerhaftigkeit, soll jedoch durch seine Hilflosigkeit gegenüber Insekten auch die Brüchigkeit diktatorischer Herrschaft illustrieren.

Inwiefern spielt der Maulbeerbaum von Trachila eine besondere Rolle?

Der Baum wird als statisches, „zeitloses“ Element eingeführt, das sich selbst während eines zweijährigen Winters nicht verändert und somit die fiktive Natur des Romans betont.

Welcher philosophische Bezug wird am Ende der Arbeit hergestellt?

Die Arbeit vergleicht Cottas Akzeptanz seines Schicksals am Ende des Romans mit Nietzsches Konzept der „ewigen Wiederkehr“ und dem „heiligen Ja-Sagen“.

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Details

Title
Jenseits der Zeit(en)? Zum Problem der Zeit in Christoph Ransmayrs Roman "Die letzte Welt"
College
Technical University of Braunschweig  (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Grade
2
Author
Tanja Stramiello (Author)
Publication Year
2002
Pages
16
Catalog Number
V13902
ISBN (eBook)
9783638194266
ISBN (Book)
9783656240815
Language
German
Tags
Problem Zeit Roman Welt Christoph Ransmayr Ransmayr
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tanja Stramiello (Author), 2002, Jenseits der Zeit(en)? Zum Problem der Zeit in Christoph Ransmayrs Roman "Die letzte Welt", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13902
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