Diese Hausarbeit gibt einen Überblick über verschiedene Definitionen der "Ästhetischen Erfahrung", bietet Beispiele ihrer Existenz und stellt die damit verbundene zu erwerbende Handlungskompetenz heraus.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Definitionen in der Forschung
Definition von Ästhetik
Definitionen von Ästhetischer Erfahrung
Eigene Definition und Kritik
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem komplexen Begriff der ästhetischen Erfahrung auseinander. Das Hauptziel besteht darin, den Begriff über die reine Kunstbetrachtung hinaus als Teil menschlicher Lebenswelt und Wissensbildung zu begreifen, um daraus pädagogische Schlussfolgerungen für die kunstpädagogische Praxis zu ziehen.
- Theoretische Verortung des Ästhetik-Begriffs
- Analyse klassischer Definitionen (Dewey, Maed, Jauss)
- Kritische Reflexion der "exklusiven" vs. "inklusiven" Erfahrung
- Bedeutung der Wahrnehmungsdiskrepanz für das Lernen
- Verknüpfung von Kunstpädagogik und lebenspraktischer Kompetenz
Auszug aus dem Buch
Eigene Definition und Kritik
Ästhetische Erfahrung hat allen Definitionen gemeinsam, dass sie auf Wahrnehmung beruht. Nur wer in der Lage ist, eine Wahrnehmung bewusst zu erleben, kann diese Wahrnehmung zu einer ästhetischen Erfahrung machen. Dieses Bewusstwerden von Wahrnehmung ist eine Fähigkeit, die uns Menschen angeboren ist. Ein kleines Kind ist in der Lage jeden Tag Wahrnehmungen bewusst zu erleben.
Ich möchte hier ein Beispiel aus meiner frühesten Kindheit anführen: Im Alter von ca. 3 Jahren, sah ich auf dem Weg zum Spielplatz etwas, was ich für ein Tier, vielleicht ein totes Tier, hielt. Ich riss mich von meiner Mutter los und lief an den Bürgersteigrand um dieses Tier zu begutachten. Ich spürte eine unfassbare Neugier, rebellisches Aufbegehren gegen die Rufe meiner Mutter ich solle zurück kommen, den Drang, das unbekannte Tier zu identifizieren. Als ich bei dem Tier ankam stellte sich heraus es war ein Ast, der am Rand der Straße lag. Es war keine wirkliche Enttäuschung, die ich dann fühlte, sondern eher Erkenntnis. Erkenntnis, dass manche Objekte wie ganz andere Objekte aussehen können. Doch das Bewusstsein über die Emotionen, die in diesem Moment mitschwangen, war in mir überdeutlich zu spüren: Neugier-Aufbegehren gegen Autorität-Erkenntnis und im Nachgang das gelassene Annehmen der verdienten Rüge.
Im Sinne von John Dewey wäre hier der Fall von Wahrnehmung-Wille-Handlung gegeben. Eine gesteigerte Lebensfreude wurde in diesem Moment freigesetzt. John Dewey beschreibt die ästhetische Erfahrung auch als eine schöpferische Befriedigung; die Frage, die sich stellt ist, ob die schöpferische Befriedigung einzig und allein aus dem materiellen Schaffen zu ziehen ist, oder ob auch die Schöpfung einer Idee, einer Imagination dieselben Möglichkeiten von Zufriedenheit bietet. Am Abschluss meiner Erfahrung stand Erkenntnis, welches mir die Möglichkeit zum Fortschritt bot, nämlich die Fähigkeit eigene Wahrnehmung anzuzweifeln und alternative Möglichkeiten in Betracht zu ziehen: Es könnte auch etwas anderes sein. Also habe ich im Dewey'schen Sinne eine ästhetische Erfahrung gemacht.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehung der Arbeit aus einem fachdidaktischen Seminar und stellt die Forschungsfrage nach den Möglichkeiten einer Definition sowie der Bedeutung ästhetischer Erfahrung für die menschliche Bildung.
Definitionen in der Forschung: Dieses Kapitel gibt einen theoretischen Überblick über die historische Entwicklung des Ästhetik-Begriffs (Aisthesis) und analysiert grundlegende Theorien von John Dewey, George Herbert Maed, Hans Robert Jauss und Gundel Mattenklott.
Eigene Definition und Kritik: Die Autorin verbindet die Theorie mit einem kindlichen Erlebnisbeispiel, um die These zu stützen, dass ästhetische Erfahrung auf einer bewussten Wahrnehmungsdiskrepanz basiert und für die Entwicklung von Handlungs- und Lebenskompetenz essenziell ist.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine starre Definition des Begriffes wenig sinnvoll ist, da ästhetische Erfahrung ein dynamisches Feld der Wechselwirkung zwischen Kunst, Alltag und menschlichem Bewusstsein darstellt.
Schlüsselwörter
Ästhetische Erfahrung, Kunstpädagogik, Wahrnehmung, John Dewey, Hans Robert Jauss, Gundel Mattenklott, Selbstreflexion, Bildung, Alltagswirklichkeit, Aisthesis, Katharsis, Poiesis, Kompetenzerwerb, Ästhetische Bildung, Erkenntnis
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Hausarbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Begriff der ästhetischen Erfahrung und untersucht dessen Definitionen und Bedeutung im Kontext der Kunstpädagogik.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Annäherung an Ästhetik, der wissenschaftlichen Definition von Erfahrung nach verschiedenen Theoretikern sowie der praktischen Relevanz für die allgemeine Bildung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Begriff der ästhetischen Erfahrung zu hinterfragen und zu prüfen, inwiefern dieser über reine Kunstbetrachtung hinaus auch im Alltag zur Förderung von Handlungskompetenz beitragen kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse bedeutender kunstpädagogischer und philosophischer Quellen sowie einer kritischen Reflexion anhand eines persönlichen Fallbeispiels.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil der Arbeit?
Im Hauptteil werden zunächst die Konzepte von Theoretikern wie Dewey, Maed, Jauss und Mattenklott gegenübergestellt, gefolgt von einer eigenen, lebensweltlich fundierten Definition der Autorin.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Kern der Arbeit beschreiben?
Die zentralen Aspekte sind Ästhetische Erfahrung, Kunstpädagogik, Wahrnehmungsdiskrepanz, Selbstreflexion und der Kompetenzerwerb für das lebensweltliche Handeln.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen "exklusiver" und "inklusiver" ästhetischer Erfahrung?
Während die "exklusive" Sichtweise Ästhetik primär an die Kunstbetrachtung bindet, plädiert die Autorin für ein "inklusives" Verständnis, das ästhetische Erfahrungen in allen Bereichen der sinnlichen Wahrnehmung ermöglicht.
Warum hält die Autorin ästhetische Erfahrungen für "überlebenswichtig"?
Sie argumentiert, dass die Fähigkeit zur kritischen Wahrnehmung von Abweichungen und Diskrepanzen – ein Kern der ästhetischen Erfahrung – biologisch notwendig ist, um in einer komplexen Umwelt handlungsfähig zu bleiben.
- Arbeit zitieren
- Elisa Schnieder (Autor:in), 2017, Erforschung der Ästhetischen Erfahrung. Die Schlüsselrolle der Kunstpädagogik in der Persönlichkeitsentwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1390229