Die nun folgende wissenschaftliche Arbeit wird versuchen offenzulegen, wie ernst zunehmen die Thematik Kinderarmut in Deutschland aktuell ist und welchen Belastungen Kindern dadurch ausgesetzt sein können. Eine verantwortungsvolle Thematik und Handlungsherausforderung, welcher sich vor allem die Soziale Arbeit nicht entziehen sollte, da es sich bei armen Familien mit Kindern um eine ihrer Adressatengruppen handelt. Im Mittelpunkt dieser wissenschaftlichen Arbeit soll genauer der Frage nachgegangen werden, ob und wie sich die Armutsbetroffenheit von Kindern im Bildungsbereich äußert. Stellt sich Kinderarmut sogar als Bildungsbarriere heraus? Mit anderen Worten, stellt Kinderarmut, trotz aller Bemühungen von Sozial-, Familien- und Bildungspolitik heutzutage tatsächlich noch ein Hindernis (oder sogar mehrere Hindernisse) im Bereich der schulischen Bildung und Sozialisation dar, d.h. lassen sich gar Chancenungleichheiten aufgrund des familialen Hintergrunds feststellen? Wenn es Risiken gibt, wie sind diese in eine demokratische Gesellschaft eingebettet und kommt der Schule als Sozialisationsinstanz ebenfalls eine Rolle zu? Dies waren die zentralen, erkenntnisleitenden Fragen, die diese Arbeit begleiteten.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Arme Kinder im reichen Deutschland? – Ein Überblick
1.1 Dimensionen und Struktur von Kinderarmut Heute
1.1.1 Definition von Armut
1.1.2 Armutskonzepte
1.2 Quantitative Situation und Verbreitung
1.3 Meine Familie ist arm - Qualitative Situation der Kinder
2. Bildung und soziale Ungleichheit
2.1 Sozialisationstheoretische Grundlagen – gelingende und misslingende Sozialisation
2.2 Zur Bedeutung von Bildung Heute – Bildungseinrichtungen als ,Dirigierungsstellen‘ sozialer Chancen
2.3 Bildungschancen versus Bildungsbarrieren
2.4 Strukturen des Aufwachsens im Bildungs- und Ausbildungsbereich
2.4.1 Entwicklung des relativen Schulbesuchs
2.4.2 Aktuelle Entwicklung im Bildungsbereich
2.4.3 Aktuelle Entwicklung im Ausbildungs- und Erwerbsbereich
2.5 Zur Bedeutung der Familie Heute – Familie als ,zentrale Dirigierungsstelle‘ sozialer Chancen
2.5.1 Schichtspezifische Sozialisation – leistungsunabhängige soziale Filter
2.5.2 Orientierungen und Verhaltensweisen der Eltern
2.5.3 Der Nachteil der sozialen Selektivität des Bildungssystems
2.6 Konkurrenzkämpfe mit ungleichen Startchancen – Kinderarmut als Bildungsbarriere
2.7 Institutionalisierte Ungleichheiten - Institutionalisiertes Leistungsprinzip als akzeptierter Mechanismus ungleicher Verteilungen
3. Resilienz – eine Chance der Sozialen Arbeit?
3.1 Resilienzkonzept – Definition und Charakteristik
3.1.1 Resilienz, Bildung und Soziale Ungleichheit
3.1.2 Die Chance der Resilienz in der Sozialen Arbeit – Eine Kritische Perspektive
4. Exkurs mit Ausblick: PISA 2006 – Ein internationaler Vergleich weckt Hoffnungen
5. Kritisches Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Kinderarmut in Deutschland als Bildungsbarriere fungiert und welche Auswirkungen die sozioökonomische Lebenslage auf die Bildungs- und Sozialisationschancen von Kindern hat. Dabei wird analysiert, wie familiale Hintergründe, das Bildungssystem und institutionelle Prozesse die Chancengleichheit beeinflussen und ob resilienzorientierte Ansätze in der Sozialen Arbeit neue Handlungsperspektiven eröffnen können.
- Dimensionen und strukturelle Verbreitung von Kinderarmut in Deutschland
- Zusammenhang zwischen sozioökonomischer Lebenslage und Bildungserfolg
- Rolle des Bildungssystems und der Familie als Dirigierungsstellen sozialer Chancen
- Soziale Selektivität im Bildungswesen und institutionelles Leistungsprinzip
- Potenziale der Resilienzforschung für die pädagogische Praxis mit armen Kindern
Auszug aus dem Buch
1.1 Dimensionen und Struktur von Kinderarmut Heute
Bereits vor dem ersten nationalen Armuts- und Reichtumsbericht ist Armut wieder vermehrt in den Fokus der (Fach-)Öffentlichkeit gerückt. Doch erst durch dessen umfangreiche Bestandsaufnahme wurde jede vorherige Debatte um Armut und soziale Ausgrenzung in Deutschland fundiert und dadurch gleichzeitig intensiviert. Die entscheidende Erkenntnis des Berichts: Armut im reichen Deutschland hat sich wesentlich verändert. Den bisherigen benannten Armutsgruppen wie etwa Randgruppen, alte Menschen, Behinderte, Obdachlose etc. sind neue und zahlenmäßig größere Gruppen von ,neuen‘ Armen hinzugetreten. Zu den ,neuen‘ Armen zählen jetzt Erwerbslose mittleren Alters, Menschen mit unzureichendem Arbeitseinkommen, alleinerziehende Frauen, kinderreiche Familien und MigrantInnen. Entscheidend im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit ist vor allem, dass Kinder bzw. Familien mit Kindern als zunehmend arm beschrieben werden. Kinder stellen inzwischen sogar diejenige Altersgruppe dar, die am häufigsten von Armut bedroht ist.
Dieser Trend ist nicht neu. Studien, die altersunterschiedliche Daten bspw. zum Sozialhilfebezug berücksichtigen, liegen R. Merten zufolge seit nunmehr 1980 vor. Diese legen eine als ,prekär‘ zu bezeichnende Entwicklungsdynamik offen (vgl. Chassè 2007, S. 9 ff sowie Merten 2005, S. 149).
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Kinderarmut in Deutschland ein und verdeutlicht, dass es sich hierbei nicht nur um ein Randgruppenphänomen, sondern um eine gesellschaftliche Herausforderung handelt, die in engem Zusammenhang mit Bildungschancen steht.
1. Arme Kinder im reichen Deutschland? – Ein Überblick: Dieses Kapitel definiert Armutskonzepte und beleuchtet die qualitative sowie quantitative Situation von Kindern in prekären Lebenslagen, wobei die Abhängigkeit von elterlichen Lebensbedingungen im Vordergrund steht.
2. Bildung und soziale Ungleichheit: Hier werden die sozialisationstheoretischen Grundlagen erörtert und die zentrale Rolle von Bildungseinrichtungen und der Familie als Dirigierungsstellen für soziale Chancen analysiert.
3. Resilienz – eine Chance der Sozialen Arbeit?: Das Kapitel diskutiert das Resilienzkonzept als ressourcenorientierte Alternative zu defizitorientierten Ansätzen und bewertet dessen Nutzen für die Arbeit mit Kindern in Armut.
4. Exkurs mit Ausblick: PISA 2006 – Ein internationaler Vergleich weckt Hoffnungen: Der Exkurs nutzt PISA-Ergebnisse, um den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg international einzuordnen und diskutiert Tendenzen zur Chancenverbesserung.
5. Kritisches Resümee: Das abschließende Resümee reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und betont die Notwendigkeit einer frühzeitigen, ressourcenorientierten Reaktion auf Kinderarmut im Kontext einer zunehmend prekarisierten Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, Bildungschancen, Bildungsbarrieren, soziale Ungleichheit, Resilienz, Sozialisation, Armutsrisiko, meritokratisches Prinzip, Chancengleichheit, Familienressourcen, Bildungsarmut, soziale Herkunft, Bildungsbeteiligung, soziale Selektivität, PISA-Studie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Problematik von Kinderarmut in Deutschland und deren Einfluss auf den Bildungserfolg sowie die Sozialisationschancen betroffener Kinder.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Armutsforschung, die Analyse sozialer Ungleichheiten, Bildungsprozesse sowie das Potenzial des Resilienzkonzepts in der Sozialen Arbeit.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Kinderarmut trotz politischer Bestrebungen weiterhin als gravierende Bildungsbarriere existiert, und zu prüfen, wie pädagogische Fachkräfte dem begegnen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Verwendung?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse soziologischer und pädagogischer Studien sowie der Auswertung aktueller Bildungsberichte und Armutsdaten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Strukturen des Aufwachsens, den Einfluss familialer Milieus, die Rolle des Bildungssystems bei der sozialen Selektion und die Möglichkeiten der Resilienzförderung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Kinderarmut, Bildungsbarriere, Chancengleichheit, soziale Herkunft, Resilienz und soziale Ungleichheit.
Warum spielt das Bildungssystem eine so zentrale Rolle bei der sozialen Auslese?
Das Bildungssystem fungiert oft als „Dirigierungsstelle“ für soziale Chancen, wobei die Leistungsbewertung und Schullaufbahnempfehlungen stark durch schichtspezifische Erwartungen und habituelle Faktoren verzerrt werden.
Inwiefern kann das Resilienzkonzept bei der Bekämpfung von Bildungsarmut helfen?
Resilienz erlaubt einen Perspektivwechsel weg von der Defizitorientierung hin zur Stärkung vorhandener Ressourcen und Bewältigungskompetenzen des Kindes, was Fachkräfte für eine präventive Arbeit motivieren kann.
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- Thomas Hermann (Author), 2009, Kinderarmut als Bildungsbarriere, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139073