Die muslimische Bevölkerung bildet in Deutschland einen wichtigen Teil der Gesellschaft, mit ca. 3,5 Mio. Muslimen aus verschiedenen Herkunftsländern. Die Türken bilden unter diesen Muslimen die größte Gruppe und ein Großteil ist dem sunnitischen Islam zuzuordnen. Der Rest bekennt sich zum Alevitentum. Die türkisch- muslimischen Vereinigungen verstehen sich als Repräsentanten der türkisch-muslimischen Gesellschaft und konnten sich mit den Jahren hervorragend organisieren und ein europaweites Netzwerk aufbauen.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den türkisch-muslimischen Vereinigungen, Islamische Gemeinschaft Milli Görüs e.V. (IGMG) , Verein islamischer Kulturzentren e. V. (VIKZ), Türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB) und der Alevitischen Gemeinde Deutschland e.V. (AABF). Die Vereinigungen werden zunächst anhand der Sekundärliteratur dargestellt und zusätzlich wird die Internetpräsenz der Vereinigungen als Vergleich herangezogen. Die türkisch-islamischen Vereinigungen sind wichtige Kooperationspartner der deutschen Integrationspolitik. Aber der IGMG und VIKZ sind dabei umstrittene Partner und werden oft als ein Hindernis für die Integrationsbemühungen betrachtet, da sie aufgrund ihrer Haltung dem islamistischen Flügel zuzuordnen sind. Die Vorstellung der Vereinigungen versucht gleichzeitig Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den aufzuzeigen und ihre historische Entwicklung zu verstehen. Auffällig ist, dass keiner dieser Vereine ein „deutsches Produkt“ ist, sondern mit der Türkei eng in Verbindung steht und vor ihrer Gründung in Deutschland, in der Türkei bereits existiert hat. Der erfolgreichste ist wohl die IGMG, obwohl laut statistischen Angaben die Mehrheit der Türken sich durch die DITIB repräsentiert fühlen. Im Jahre 2005 fühlten sich 51,5 % der Türken durch die DITIB vertreten und nur 3,0 % von der IGMG.
Die IGMG ist im Gegensatz zu DITIB viel repräsenter und der Zusammenhalt ihrer Mitglieder stärker. Sie ist jedoch aus der Sicht der deutschen Politik ein hemmender Part der Integration. Es wäre nicht falsch zu behaupten, dass die IGMG sogar systematisch die „selbstgewollte Ausgrenzung“ von Türken, insbesondere von Mädchen und Frauen unterstützt. Zum Beispiel wird Eltern geholfen, ihre Töchter und auch Söhne vom Schwimm- und Sportunterricht zu befreien, dabei beruft sich die IGMG gerne auf die Grundrechte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB)
2.1 Selbstdarstellung und Internetpräsenz der DITIB
3. Islamische Gemeinschaft Milli Görüs e. V. (IGMG)
3.1 Selbstdarstellung und Internetpräsenz der IGMG
4. Verband islamischer Kulturzentren e.V. (VIKZ)
4.1 Selbstdarstellung und Internetpräsenz der VIKZ
5. Alevitische Gemeinde Deutschland e.V. (AABF)
5.1 Selbstdarstellung und Internetpräsenz der AABF
6. Zusammenfassung
7. Islam im Osmanischen Reich
7.1 Atatürk und seine Reformen
8. Zusammenfassung der Rolle des Islam in der Türkei
9. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wirken und die Struktur verschiedener türkisch-islamischer Vereinigungen in Deutschland sowie deren historische und politische Verflechtungen mit der Türkei. Ziel ist es, die Rolle dieser Organisationen im Kontext der deutschen Integrationspolitik zu analysieren, ihre jeweiligen Selbstverständnisse zu hinterfragen und die Entwicklung der Rolle des Islams in der Türkei seit der Gründung der Republik zu beleuchten.
- Struktur und Selbstdarstellung der DITIB, IGMG, VIKZ und AABF
- Einfluss der türkischen Innenpolitik auf in Deutschland ansässige Vereine
- Historische Entwicklung des Laizismus und des Islams in der Türkei
- Herausforderungen für die Integration muslimischer Gemeinschaften in Deutschland
- Unterschiede im Verständnis von Religion, Staat und Gesellschaft zwischen den Verbänden
Auszug aus dem Buch
2. Die türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB)
Die DITIB wurde am 05. Juli 1984 in Köln gegründet. Sie ist eine Institution des Ministeriums für religiöse Angelegenheiten, mit Hauptsitz in Köln-Ehrenfeld. Das Ministerium für religiöse Angelegenheiten wurde am 03. März 1942 erstmals in der Türkei erschaffen. Diese Institution ist in der Türkei dem Ministerpräsidenten unterstellt. Die Aufgabe des DITIB ist die Definition der islamischen Lehre und ihre angemessene Umsetzung. Im Artikel 136 aus der 1982 verabschiedeten Verfassung wird der Aufgabenbereich des Instituts ausgeweitet. Es wird der unpolitische und unparteiische Charakter des DITIB betont und außerdem die Treue zum laizistischen Prinzip.
Obwohl die DITIB in ihren Grundsätzen sich von der Politik distanziert, ist sie trotzdem ein politisches Verfassungsorgran und wird oft wegen ihrer Staatsnähe kritisiert. Die DITIB zählt in Deutschland zur letzten gegründeten islamisch-türkischen Vereinigung. Vor der DITIB existierten zahlreiche andere Vereinigungen wie z.B. Milli Görüs. Die DITIB konnte nach ihrer Gründung sehr schnell die Mehrheit der türkischen Arbeitnehmer für sich gewinnen. Deswegen entfachte aber ihre Gründung auch scharfe Diskussionen unter den bisherigen Vereinigungen. Denn die DITIB wurde vom Staat unterstützt und bekam dadurch viel Vertrauen von den türkischen Bürgern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der muslimischen Bevölkerung in Deutschland und Vorstellung der behandelten Vereinigungen sowie deren Bedeutung für die Integrationspolitik.
2. Die türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB): Analyse der institutionellen Anbindung der DITIB an das türkische Staatsministerium und ihre Rolle in Deutschland.
2.1 Selbstdarstellung und Internetpräsenz der DITIB: Untersuchung der modernen Kommunikationsstrategien der DITIB und ihres Auftretens als Repräsentant einer gemäßigten islamischen Lehre.
3. Islamische Gemeinschaft Milli Görüs e. V. (IGMG): Historischer Rückblick auf die Entstehung der IGMG und ihre ideologische Prägung durch die politische Bewegung von Necmettin Erbakan.
3.1 Selbstdarstellung und Internetpräsenz der IGMG: Auswertung der Schwerpunkte Bildung und Identität auf der Website und die Wahrnehmung der IGMG als umstrittener Integrationsakteur.
4. Verband islamischer Kulturzentren e.V. (VIKZ): Porträt der Süleyman-Bewegung und deren organisatorische Entwicklung in Deutschland sowie ihr Verhältnis zum Laizismus.
4.1 Selbstdarstellung und Internetpräsenz der VIKZ: Einblicke in die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes und dessen Wunsch nach Anerkennung als Religionsgemeinschaft.
5. Alevitische Gemeinde Deutschland e.V. (AABF): Erläuterung der alevitischen Identität und des Strebens nach eigenständiger Anerkennung neben dem sunnitischen Islam.
5.1 Selbstdarstellung und Internetpräsenz der AABF: Darstellung der säkularen Ziele des Verbandes und der Forderung nach Gleichberechtigung im gesellschaftlichen und schulischen Bereich.
6. Zusammenfassung: Synthese der Unterschiede zwischen den Verbänden hinsichtlich ihrer Organisationsstruktur und ihrer Integrationsfähigkeit.
7. Islam im Osmanischen Reich: Überblick über die historische Machtstellung der Religion und deren Transformation bis zum Ende des Osmanischen Reiches.
7.1 Atatürk und seine Reformen: Beschreibung der gesellschaftlichen Umbrüche und der Implementierung des Laizismus durch Mustafa Kemal Atatürk.
8. Zusammenfassung der Rolle des Islam in der Türkei: Analyse der Re-Islamisierungstendenzen und des spannungsreichen Verhältnisses zwischen Religion und staatlicher Ordnung.
9. Schluss: Abschließende Betrachtung der zukünftigen Herausforderungen für die muslimischen Gemeinschaften in Deutschland und die Entwicklung der Rolle des Islams in der Türkei.
Schlüsselwörter
DITIB, IGMG, VIKZ, AABF, Integration, Laizismus, Islam, Türkei, Osmanisches Reich, Religionspolitik, Identität, sunnitischer Islam, Alevitentum, Atatürk, Parallelgesellschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Rolle türkisch-islamischer Vereinigungen in Deutschland und vergleicht diese mit der historischen und aktuellen Entwicklung des Islams in der Türkei.
Welche Organisationen stehen im Zentrum der Untersuchung?
Untersucht werden die DITIB, die IGMG, der VIKZ sowie die Alevitische Gemeinde Deutschland (AABF).
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Es soll analysiert werden, wie diese Vereinigungen das Leben türkischstämmiger Bürger beeinflussen, inwiefern sie als Integrationspartner fungieren und wie sie historisch mit dem türkischen Staat verbunden sind.
Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer Auswertung von Sekundärliteratur sowie einer vergleichenden Analyse der offiziellen Internetpräsenzen der untersuchten Organisationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben der detaillierten Vorstellung der vier genannten Vereine widmet sich ein umfangreicher Teil der Geschichte des Islams im Osmanischen Reich, den Reformen Atatürks und dem daraus resultierenden Spannungsfeld zwischen Laizismus und Religiösität.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Integration, Laizismus, Identitätsbildung, staatliche Beeinflussung und das Spannungsverhältnis zwischen Religion und Moderne.
Warum wird die DITIB oft als „Staat-naher“ Akteur kritisiert?
Aufgrund ihrer direkten institutionellen Anbindung an das türkische Staatsministerium für Religionsangelegenheiten (Diyanet) wird ihr oft eine mangelnde Eigenständigkeit und eine starke Beeinflussung durch die türkische Regierung vorgeworfen.
Wie unterscheidet sich die AABF von den sunnitisch geprägten Vereinigungen?
Die AABF vertritt eine säkulare und demokratische Ausrichtung, lehnt die fünf Säulen des Islam im traditionellen Sinne ab und fordert explizit eine Gleichberechtigung, die von den anderen sunnitischen Vereinen teils weniger konsequent verfolgt wird.
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- Ayca Aytekin (Author), 2009, Türkisch-Islamische Vereinigungen in Deutschland und die Rolle des Islams in der Türkei im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139132