Die Figuration des Verbrechers in der Literatur lässt sich in vier verschiedene Schwerpunkte unterteilen: Die Figur des geborenen Verbrechers, die Korrelation von Verbrecher und Genie, das Phantasma des Verbrechers als Spinne im Netz/Strippenzieher und der Verbrecher als krimineller Doppelgänger (Unheimlicher personaler Doppelgänger von Verbrecher und Nicht-Verbrecher oder Figur des Verbrechers als Doppelgänger des großen Detektivs). All diese Charaktertypen werden im Portfolio anhand verschiedener Literaturbeispiele dargestellt und ausgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
Vorlesung 1
Vier Figurationen des Verbrechers:
Zu: Eine kleine Geschichte des Verbrechers: Vom Outsider zum Mastermind
Zu: Outsider
Vorlesung 2
Zu: Vorstellung des „geborenen Verbrechers“
Vorlesung 3
Die Vorstellung eines geborenen Verbrechers
Vorlesung 4
Die Figuration eines Verbrechers als Genie
Vorlesung 5
Literarische/genuin fiktionale Vorstellungen in Bezug zum Verbrecher (verborgene, im Hintergrund agierende Geheimbunde):
Vorlesung 6 – Zoom
Vorlesung 7
Figuration des Doppelgängers
Vorlesung 8
Vorlesung 9
Modelle, an denen sich die Geschichte des Verbrechers orientiert
Vorlesung 10
Vorlesung 11
Vorlesung 12
Vorlesung 13 – Zoom
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die literatur- und mediengeschichtliche Entwicklung der Figur des „großen Verbrechers“ (Criminal Mastermind) und untersucht, wie dieses Narrativ als Projektionsfläche für gesellschaftliche Ängste, moralische Grenzziehungen und die Faszination für das Bösartige fungiert.
- Die verschiedenen Figurationen des Verbrechers in Literatur und Medien
- Das Verhältnis von Genie und Verbrecher sowie die Doppelgängerthematik
- Die soziologische und psychologische Bedeutung der Verbrecherimagination
- Der Wandel der Verbrecherfigur von frühen Schauerromanen bis hin zu modernen Medieneinflüssen
Auszug aus dem Buch
Die Figuration eines Verbrechers als Genie
Im 18. Jahrhundert hatte das Genie eine besondere Rolle. Hiermit wurde eine bestimmte Vorstellung auch in der Literatur verbunden. Darunter verstand man darunter die intrinsische Schöpfungskraft mancher Menschen. Diese zusammenfassende Definition des Genies ermöglichte sogar die Zusammenfassung des ehemals (Antike) vielgliedrigen Begriff der Künste zu einem einzigen Kunstbegriff. Auch hat der Geniebegriff den Grundstein für die Betrachtung und Bedeutung von Kunst in Bezug auf ihre Rezipienten gehabt (Kunst als Quasi-Religion: Künstler als „Gott/ etwas Göttliches“, Überformung).
Genau wie beim Verbrecher wird die Eigenschaft „Genie“ auf die Natur zurückgeführt. In der Wertschätzung der Taten unterscheiden sich erst Genie und Verbrecher, während des Ersteren Taten bewundert werden, werden die Taten des Verbrechers gefürchtet. Nietzsche bezeichnet auch das Genie als lasterhaft und amoralisch. Es erscheint also, als wären Genie und Verbrecher (metaphorisch gesagt) in ihrem Grundstamm und dem, worauf sie wurzeln, identisch, nur, dass an dem einen Baum süße, an dem anderen Baum giftige Früchte wachsen.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorlesung 1: Einführung in die zentralen vier Figurationen des Verbrechers und erste historische Einordnung der Trennung von der göttlichen Ordnung hin zum gesellschaftlichen Außenseiter.
Vorlesung 2: Untersuchung der historischen Entwicklung und der Kriminologie des „geborenen Verbrechens“ sowie der psychologischen Prägungen.
Vorlesung 3: Vertiefung der Vorstellung des geborenen Verbrechers und der Zusammenhänge zwischen Genetik und kriminellem Potenzial.
Vorlesung 4: Analyse des „Genies“ als komplementäre oder identische Figur zum Verbrecher, basierend auf ihrer gemeinsamen Außenseiterrolle und Innovationskraft.
Vorlesung 5: Literarische Bearbeitung von Geheimbünden und der Figur des „Strippenziehers“, der die Fäden im Hintergrund kontrolliert.
Vorlesung 7: Behandlung der Figuration des Doppelgängers, insbesondere basierend auf Freuds Theorien und E.T.A. Hoffmanns Werken.
Vorlesung 9: Modellbildung für die Geschichte des Verbrechers, exemplifiziert an Sherlock Holmes und seinem Widersacher Professor Moriarty.
Vorlesung 10: Vergleich zwischen dem kriminellen Mastermind und dem Hochstapler (Felix Krull) hinsichtlich ihrer Rolle innerhalb gesellschaftlicher Systeme.
Vorlesung 11: Erörterung der Abhängigkeit der Verbrecherimagination vom Betrachter und der Projektion des Bösen.
Vorlesung 12: Psychologisierung als Ende des klassischen großen Verbrechers und dessen mediale Wandlung in modernen Kontexten.
Vorlesung 13 – Zoom: Abschließende Reflexion über die kurze historische Epoche des klassischen Verbrecher-Modells im Zuge der zunehmenden Globalisierung und Sicherheitstechnik.
Schlüsselwörter
Verbrecher, Literaturgeschichte, Mediengeschichte, Mastermind, Genie, Doppelgänger, Geheimbund, Kriminologie, Sublimierung, Schauerroman, Projektion, Soziologie, Psychologie, Narrativ, gesellschaftliche Ängste.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen und mediengeschichtlichen Darstellung des „großen Verbrechers“ und wie sich diese Figur über verschiedene Epochen hinweg gewandelt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Figuration des Bösen, dem Zusammenhang zwischen Genie und Verbrechen, der Funktion des Doppelgängers sowie der Projektion gesellschaftlicher Ängste auf kriminelle Archetypen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass der „große Verbrecher“ weniger ein reales Objekt darstellt, sondern eine wandelbare Imagination ist, die durch gesellschaftliche, psychologische und mediale Bedingungen geformt wird.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden genutzt?
Die Arbeit kombiniert literaturwissenschaftliche Analysen mit kriminologischen Theorien, philosophischen Ansätzen (u.a. von Nietzsche oder Jung) und psychologischen Konzepten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert verschiedene Verbrechenstypen, von den frühen Schauergestalten und Geheimbünden bis hin zur medial präsenten Figur des kriminellen Mastermind in Literatur, Comics und Film.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Verbrecher, Genie, Dopplung, Geheimbund, Sublimierung, Fiktionalität und gesellschaftliche Projektion.
Wie unterscheidet sich der Mastermind vom klassischen Kleinkriminellen?
Der Mastermind agiert im Hintergrund, plant im großen Maßstab und versteht sich oft als systemübergreifende Instanz, während Kleinkriminelle eher innerhalb oder gegen bestehende Ordnungen in eigennütziger Weise agieren.
Welche Rolle spielt Technik für den Verbrecher der Moderne?
Moderne Verbrecherfiguren nutzen geniale Technik und Medienkompetenz als machtvolle Werkzeuge, um sich an die Spitze gesellschaftlicher Innovationen zu setzen und ihre Dominanz auszubauen.
Wird der "große Verbrecher" in der heutigen Realität aussterben?
Der Autor legt nahe, dass die Ära des klassischen Criminal Mastermind durch moderne Sicherheitstechniken und die Dezentralisierung von Macht (Viren, KI) vor dem Ende stehen könnte, da sich die Angst auf abstraktere Bereiche verlagert.
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- Anonym (Autor:in), 2022, Mabuse und Co. Literatur- und Mediengeschichte des "großen Verbrechers". Portfolio zur Vorlesung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1391370