Innerhalb eines Jahrhunderts konnte sich der Fußballsport zu einem weltweiten Massenphänomen entwickeln, der Woche für Woche Millionen Zuschauer in den Fußballstadien und vor den Fernsehbildschirmen versammelt. Seit Anbeginn seines Bestehens wird der Fußballsport von gelegentlichen Ausschreitungen begleitet, jedoch bildete sich in den 1960er Jahren eine neue, organisierte Form der Gewalt – Hooliganismus.
Angesichts der dynamischen Entwicklung des Fußballsports haben sich Fußball-Welt- und –Europameisterschaften zu Sportgroßereignissen entwickelt. Von 7. bis 29. Juni 2008 veranstalteten Österreich und die Schweiz die drittgrößte Sportveranstaltung der Welt, die UEFA EURO 2008™. Aufgrund von Ausschreitungen bei vergangenen Fußballgroßereignissen wurde die internationale Zusammenarbeit der Polizei und der Fußballverbände intensiviert, um gegen gewaltbereite Fußballfans konsequent vorzugehen.
Im Zuge dieser Arbeit werden die Geschichte des Fußballsports sowie die Entwicklung des Zuschauerverhaltens näher beleuchtet. In weiterer Folge werden die verschiedenen Zuschauertypen erarbeitet, um im Anschluss die Ursprünge, Merkmale und Auswirkungen des Phänomens Hooliganismus zu beleuchten. Des Weiteren soll die Verwendung des Risikomanagement-Prozesses als Ansatz zur Erarbeitung präventiver Sicherheitsmaßnahmen verdeutlicht werden sowie jene Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der UEFA EURO 2008™, von Seiten der Polizei und des Veranstalters Anwendung fanden erläutert und deren Vorgehensweise mittels Beispiele veranschaulicht werden. Die im Rahmen der UEFA EURO 2008™ getroffenen Maßnahmen, wurde durch ausführliche persönliche leitfadengestützte Experteninterviews mit den Sicherheitsverantwortlichen der involvierten Parteien erarbeitet. Anhand dieses Großereignisses wird die praktische Anwendung des Risikomanagement-Prozesses als Instrument zur Gewährleistung der Zuschauersicherheit erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Problemdefinition
1.3 Zieldefinition
1.4 Methodik und Aufbau
2 Die Entwicklung des Fußballsports zum Zuschauersport
2.1 Die Geschichte des Fußballsports
2.1.1 Die Vorboten des modernen Fußballs
2.1.2 Die Geburtsstunde des modernen Fußballs
2.1.3 Vom Gentlemen- zum Arbeitersport
2.1.4 Die internationale Ausbreitung des Fußballsports
2.2 Der Zuschauersport Fußball
2.2.1 Die Entwicklung zum Zuschauersport
2.2.2 Fußball als Zuschauersport in den 1980er Jahren
2.2.3 Fußball als Zuschauersport in den 1990er Jahren
3 Der Fußballzuschauer
3.1 Die Motive des Fußballzuschauers
3.2 Ausdifferenzierung der Fußballzuschauer
3.2.1 Der konsumorientierte Typ
3.2.2 Der sportzentrierte Typ
3.2.3 Der erlebnisorientierte Typ
4 Zuschauerausschreitungen und Hooliganismus
4.1 Die Entwicklung des Hooliganismus
4.2 Ursachen von Gewalt/Hooliganismus im Fußballsport
4.2.1 Die soziale Herkunft
4.2.2 Der zivilisationstheoretische Ansatz
4.2.3 Die Aggressionstheorie
4.2.4 Verlust der Selbstregulation
4.3 Merkmale des Hooliganismus
4.3.1 Gewalt
4.3.2 Vereinsidentifikation
4.3.3 Die Hierarchie
4.3.4 Der Ehrenkodex
4.3.5 Alkohol und Drogen
4.3.6 Die eigene Darstellung nach außen
4.4 Die aktuelle Hooligan-Situation
5 Risikomanagement als Ansatz zur Erstellung präventiver Sicherheitsmaßnahmen
5.1 Die Risikoidentifikation
5.2 Die Risikoanalyse
5.3 Die Risikobewertung
5.4 Die Risikohandhabung
5.5 Risikokontrolle
6 Maßnahmen zur Eindämmung von Zuschauergewalt in Österreich bei der UEFA EURO 2008™
6.1 Die Unterteilung der Sicherheitsbereiche
6.2 Möglichkeiten zur Verhinderung von Zuschauerausschreitungen
6.2.1 Das Bundesministerium für Inneres
6.2.2 Die EURO 2008 SA
6.2.3 Fanprojekte
6.2.4 Erfahrungswerte von vorangegangen Großveranstaltungen
6.3 Die Anwendung des Risikomanagement-Prozesses zur Gewährleistung der Zuschauersicherheit
6.3.1 Die Identifikation und Analyse der Risiken
6.3.2 Die Bewertung der Risiken
6.3.3 Die Bewertung der Zuschauer
6.3.4 Die Risikohandhabung
6.3.5 Vorfälle während der UEFA EURO 2008™
6.4 Der Wissenstransfer und die Nachhaltigkeit der UEFA EURO 2008™
7 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Entwicklung des Fanverhaltens im Fußballsport und beleuchtet die Ursprünge sowie Merkmale des Hooliganismus. Das primäre Ziel ist es, die Wirksamkeit des Risikomanagement-Prozesses als Instrument zur präventiven Sicherheitsplanung bei Sportgroßereignissen, insbesondere am Beispiel der UEFA EURO 2008™ in Österreich, aufzuzeigen und Strategien zur Eindämmung von Zuschauergewalt zu analysieren.
- Historische Entwicklung des Fußballs zum Massen- und Zuschauersport.
- Soziologische Typisierung von Fußballzuschauern.
- Ursachenforschung und Merkmale des Hooliganismus.
- Einsatz und Phasen des Risikomanagements bei Sicherheitsvorkehrungen.
- Praktische Sicherheitsmaßnahmen im Kontext der UEFA EURO 2008™.
Auszug aus dem Buch
Die Geburtsstunde des modernen Fußballs
Aufgrund seiner Brutalität verschwand Volksfußball durch gewaltsame Unterdrückung des Staates beinahe vollständig. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte sich dieses Spiel lediglich an den Public Schools, den Ausbildungsstätten der zukünftigen britischen Elite, weiterentwickeln, da hier keine Gefährdung des Eigentums und der öffentlichen Ordnung bestand. Dieser sportliche Wettkampf diente zum einen um eine Hierarchisierung zwischen den älteren und jüngeren Schülern zu schaffen und zum anderen als bewusste Provokation gegenüber dem Lehrkörper, der bei der vornehmlich bürgerlichen und aristokratischen Jugend einen geringen Stellenwert genoss.
Anfänglich wurde das Spiel lediglich gebilligt, um die Jugendlichen unter Kontrolle zu halten, doch in weiterer Folge befanden Pädagogen, dass sich das Spiel hervorragend zur Charakterbildung der heranwachsenden Jugend eignete, da es als Spiegel der Gesellschaft verstanden wurde und in weiterer Folge zu einem fixen Bestandteil des Unterrichts deklariert wurde. Jede Schule hatte ihr eigenes Regelwerk, doch zeigten sich mit dem kicking game und dem handling game zwei Grundströmungen, die sich in späterer Folge in eine Soccer- und in eine Rugby-Variante des Fußballs entwickeln sollten. Da die unterschiedlichen Spielvarianten einerseits direkte Vergleiche unter den Schulen verhinderten und andererseits Absolventen, die weiterhin das Spiel ausüben wollten, sich lediglich mit jenen Personen messen konnten, denen das gleiche Reglement bekannt war, ergab sich die Notwendigkeit, eine einheitliche Spielweise zu kreieren.
Diesem Verlangen kam man am 26. Oktober 1863 nach, als sich elf Vertreter von Londoner Klubs und Schulen in der Freemason’s Tavern mit der Absicht trafen, das Regelwerk zu vereinheitlichen, um sportliche Wettkämpfe untereinander durchführen zu können. So wurde beschlossen, dass anstatt eines eiförmigen ein runder Ball eingesetzt wird, der Ball nur mit dem Fuß weitergegeben werden darf, es eine vorgegebene Spielzeit und Feldgröße gibt, Schiedsrichter eingesetzt werden, um die Einhaltung der Regeln zu gewährleisten und es keine Festlegung sozialer Teilnahmekriterien gibt. Im Zuge dessen wurde die Gründung des weltweit ersten Fußballverbandes, der Football Association (FA), beschlossen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Stellt die Relevanz des Fußballs als Massenphänomen dar und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Sicherheitsaspekte bei internationalen Turnieren.
2 Die Entwicklung des Fußballsports zum Zuschauersport: Beschreibt die historische Evolution des Fußballs von antiken Ursprüngen über den englischen Arbeitersport bis hin zur globalen Kommerzialisierung.
3 Der Fußballzuschauer: Analysiert die unterschiedlichen Motive und soziologischen Hintergründe von Stadionbesuchern und nimmt eine Typisierung vor.
4 Zuschauerausschreitungen und Hooliganismus: Untersucht die historischen und soziologischen Ursachen sowie spezifische Merkmale und Erscheinungsformen des Hooliganismus.
5 Risikomanagement als Ansatz zur Erstellung präventiver Sicherheitsmaßnahmen: Erläutert die theoretischen Grundlagen und Phasen des Risikomanagements als methodischen Ansatz für Sportgroßereignisse.
6 Maßnahmen zur Eindämmung von Zuschauergewalt in Österreich bei der UEFA EURO 2008™: Analysiert die empirische Umsetzung von Sicherheitsvorkehrungen, das Risikomanagement der Veranstalter und die Rolle der Exekutive während der Europameisterschaft.
7 Schlussbetrachtung: Fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Nachhaltigkeit der getroffenen Sicherheitskonzepte für zukünftige Veranstaltungen.
Schlüsselwörter
Fußball, Hooliganismus, Sicherheitsmanagement, UEFA EURO 2008, Fanverhalten, Risikomanagement, Zuschauergewalt, Prävention, Polizei, Stadionverbote, Fantrennung, Sicherheit, Sportveranstaltung, Gefährderdatei, Fanprojekt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen der Zuschauersicherheit bei Fußball-Großereignissen und beleuchtet, wie durch Risikomanagement-Prozesse präventive Maßnahmen gegen Hooliganismus und Ausschreitungen entwickelt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die historische Entwicklung des Fußballs, die Typisierung von Zuschauern, die Analyse von Hooliganismus-Ursachen sowie die praktische Umsetzung von Sicherheitskonzepten bei der UEFA EURO 2008™.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Untersuchung der Wirksamkeit präventiver Sicherheitsstrategien und die Frage, wie ein strukturierter Risikomanagement-Prozess dazu beitragen kann, Gewalt bei Sportgroßereignissen zu minimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine umfangreiche Literaturrecherche durchgeführt, die durch persönliche Interviews mit Experten der EURO 2008 SA, dem Bundesministerium für Inneres und Sicherheitsdiensten ergänzt wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Hooliganismus und Risikomanagement sowie einen empirischen Teil, der die konkreten Sicherheitsmaßnahmen während der UEFA EURO 2008™ beschreibt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Hooliganismus, Risikomanagement, Sicherheitsplanung, UEFA EURO 2008 und Fantrennung.
Welche Rolle spielte die Polizei während der EURO 2008?
Die Polizei war maßgeblich für die öffentliche Sicherheit zuständig, setzte auf eine 3-D Philosophie (Dialog, Deeskalation, Durchgreifen) und arbeitete eng mit internationalen Behörden und Fußballinformationsstellen zusammen.
Warum wurde bei der EURO 2008 auf personalisierte Tickets verzichtet?
Man entschied sich gegen eine flächendeckende Personalisierung vor Ort, da dies den Einlass massiv verzögert hätte und das Risiko einer Dichte-Problematik an den Eingängen zu hoch eingestuft wurde.
Welchen Zweck erfüllt der „äußere Sicherheitsring“?
Er diente dazu, den Zugang zum Stadion weiträumig zu kontrollieren und zu verhindern, dass unerlaubte Gegenstände an spielfreien Tagen oder im Vorfeld von Spielen in das Stadiongelände gelangen.
Was ist das Fazit zur Nachhaltigkeit der Maßnahmen?
Obwohl die Konzepte während der EM erfolgreich waren, ist die dauerhafte Umsetzung im Ligaalltag oft an finanzielle Grenzen gebunden, weshalb eine stärkere Kooperation zwischen Vereinen und öffentlichen Institutionen nötig ist.
- Quote paper
- Andreas Koschutnig (Author), 2008, Fanausschreitungen - Maßnahmen zur Eindämmung und Vermeidung von Zuschauergewalt im Fußballsport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139173