Die untersuchten Proben stammen aus Israel, vom Rande des Toten Meeres. Es handelt sich dabei um geschichtete Sedimente eines Paläosees, dem Lake Lisan, der sich im letzten Glazial zwischen 70-14 ka BP im Rift des Toten Meeres bzw. entlang des Jordantals erstreckte (Begin et al. (2004).
Die Lisanformation besitzt eine Gesamtmächtigkeit von 30 m und wird nach oben durch eine mächtige Gipsschicht begrenzt. Im Rahmen des Praktikums wurde der oberste Bereich (etwa 1,5 m) der Lisanformation untersucht.
Die Sedimente zeigen durch markantes Alternieren von hellen und dunklen Lagen einen wiederkehrenden Sedimentationszyklus. Dieser wird als jahreszeitliche Schichtung gedeutet. Man unterscheidet zwischen Sommer- und Winterlage, beide zusammen bilden eine Jahreslage bzw. Warve. Während die Sommerlagen durch Aragonitausfällung in Folge starker Evaporation hell erscheinen, sind die Winterlagen durch klastischen, fluvialen Eintrag dunkel. Im Einzugsgebiet sind käno- und mesozoischer Calcit und Dolomit das dominierende anstehende Gestein, vereinzelt ist neogener Basalt anzutreffen. Hintergrund der Untersuchungen ist die Korrelation von Klimaereignissen während des letzten Hochglazials von Mittel- und Nordeuropa mit dem Klimageschehen im Nahen Osten. Untersuchungen an grönländischen Eisbohrkernen und marinen Sedimenten aus dem Atlantik zeigten, dass die Klimaentwicklung des letzten Glazials in Europa von abrupten Klimaschwankungen auf Zeitskalen von 10er bis 100er Jahren geprägt war. Diese Klimaschwankungen sind als Dansgaard-Oeschger-Zyklen bekannt und stehen mit den Heinrich-Events, Phasen weitem Vordringens von gekalbten Eisblöcken nach Süden, in Verbindung. Auslöser dieser Klimaschwankungen sind möglicherweise Fluktuationen der Sonnenintensität. Untersuchungen an jahres-zeitlich geschichteten Sedimenten der Lisanformation liefern hochauflösende Paläo-klimainformationen aus dem Ostmediterranraum und ermöglichen somit einen Vergleich mit den Ergebnissen der grönländischen Eisbohrkerne.
Inhaltsverzeichnis
1.Untersuchungsgebiet, Sedimentationsbedingungen und Hintergrund der Untersuchungen
2. Bearbeitung der Proben
3. Arbeitsmethoden
3.1 Mikroskopie
3.2 μ-XRF
4. Ergebnisse und Datenauswertung
4.1 Mikroskopie
4.2 μ-XRF
4.3 Mineralogie
5. Bildung von Sedimentationsklassen und Interpretation
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit zielt darauf ab, die paläoklimatischen Bedingungen des Lake Lisan während des letzten Glazials durch die Analyse sedimentärer Archive zu rekonstruieren. Dabei wird untersucht, wie die Schichtung der Sedimente (Warven) sowie deren geochemische Zusammensetzung als Indikatoren für Klimaschwankungen, insbesondere Feuchtigkeits- und Trockenheitsperioden, dienen können.
- Analyse der Sedimentationszyklen (Warven) zur Chronologiebildung.
- Untersuchung der geochemischen Zusammensetzung mittels μ-XRF-Spektroskopie.
- Klassifizierung von Sedimentationsphasen zur Interpretation paläoumweltlicher Bedingungen.
- Korrelation lokaler Klimadaten mit überregionalen Klimaereignissen.
- Untersuchung des Einflusses von Evaporation und fluvialem Eintrag auf die Sedimentzusammensetzung.
Auszug aus dem Buch
1. Untersuchungsgebiet, Sedimentationsbedingungen und Hintergrund der Untersuchungen
Die untersuchten Proben stammen aus Israel, vom Rande des Toten Meeres. Es handelt sich dabei um geschichtete Sedimente eines Paläosees, dem Lake Lisan, der sich im letzten Glazial zwischen 70-14 ka BP im Rift des Toten Meeres bzw. entlang des Jordantals erstreckte (siehe Abb. 1) (Begin et al. (2004)). Die Lisanformation besitzt eine Gesamtmächtigkeit von 30 m und wird nach oben durch eine mächtige Gipsschicht begrenzt. Im Rahmen des Praktikums wurde der oberste Bereich (etwa 1,5 m) der Lisanformation untersucht.
Die Sedimente (siehe Abb. 2) zeigen durch markantes Alternieren von hellen und dunklen Lagen einen wiederkehrenden Sedimentationszyklus. Dieser wird als jahreszeitliche Schichtung gedeutet. Man unterscheidet zwischen Sommer- und Winterlage, beide zusammen bilden eine Jahreslage bzw. Warve. Während die Sommerlagen durch Aragonitausfällung in Folge starker Evaporation hell erscheinen, sind die Winterlagen durch klastischen, fluvialen Eintrag dunkel. Im Einzugsgebiet sind käno- und mesozoischer Calcit und Dolomit das dominierende anstehende Gestein, vereinzelt ist neogener Basalt anzutreffen.
Hintergrund der Untersuchungen ist die Korrelation von Klimaereignissen während des letzten Hochglazials von Mittel- und Nordeuropa mit dem Klimageschehen im Nahen Osten. Untersuchungen an grönländischen Eisbohrkernen und marinen Sedimenten aus dem Atlantik zeigten, dass die Klimaentwicklung des letzten Glazials in Europa von abrupten Klimaschwankungen auf Zeitskalen von 10er bis 100er Jahren geprägt war. Diese Klimaschwankungen sind als Dansgaard-Oeschger-Zyklen bekannt und stehen mit den Heinrich-Events, Phasen weitem Vordringens von gekalbten Eisblöcken nach Süden, in Verbindung. Auslöser dieser Klimaschwankungen sind möglicherweise Fluktuationen der Sonnenintensität. Untersuchungen an jahreszeitlich geschichteten Sedimenten der Lisanformation liefern hochauflösende Paläoklimainformationen aus dem Ostmediterranraum und ermöglichen somit einen Vergleich mit den Ergebnissen der grönländischen Eisbohrkerne.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Untersuchungsgebiet, Sedimentationsbedingungen und Hintergrund der Untersuchungen: Dieses Kapitel führt in das geologische Untersuchungsobjekt, den Lake Lisan, ein und erläutert den klimatischen Kontext sowie die Relevanz der Sedimente für die paläoklimatische Forschung.
2. Bearbeitung der Proben: Es wird die methodische Vorbereitung der Dünnschliffe und Tränklinge beschrieben sowie das Verfahren zur Korrelation überlappender Proben erläutert.
3. Arbeitsmethoden: Dieser Abschnitt beschreibt die angewandten Techniken der Polarisationsmikroskopie und der Mikro-Röntgenfluoreszenz-Spektroskopie zur Datengewinnung.
4. Ergebnisse und Datenauswertung: Hier werden die Zählung der Warven, die Auswertung der geochemischen Elementdaten und die mineralogische Differenzierung detailliert dargestellt.
5. Bildung von Sedimentationsklassen und Interpretation: Das letzte Kapitel führt eine Klassifizierung der Sedimentationsmerkmale ein, um die klimatische Entwicklung des untersuchten Zeitraums zu interpretieren.
Schlüsselwörter
Lake Lisan, Sedimentologie, Warven, Paläoklima, Lisanformation, μ-XRF, Aragonit, Klimaschwankungen, Sedimentationsklassen, Holozän, Glazial, Geochemie, Evaporation, Paläosee, Klima-Korrelation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung von Sedimentproben aus der Lisanformation in Israel, um paläoklimatische Informationen über den Lake Lisan während des letzten Glazials zu gewinnen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Analyse der jahreszeitlichen Schichtung (Warven), die mineralogische Zusammensetzung der Sedimente und die Bestimmung geochemischer Trends zur Rekonstruktion ehemaliger Umweltbedingungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch die Analyse der Sedimente feuchtere und trockenere Klimaabschnitte der Vergangenheit zu identifizieren und diese mit überregionalen Klimazyklen in Europa zu korrelieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es kommen hauptsächlich die Polarisationsmikroskopie zur Gefügeanalyse und die Mikro-Röntgenfluoreszenz-Spektroskopie (μ-XRF) zur semiquantitativen Bestimmung der chemischen Elementverteilung zum Einsatz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Probenaufbereitung, die methodische Analyse der Schichten, die Auswertung der geochemischen Daten sowie die abschließende Zusammenführung dieser Merkmale in Sedimentationsklassen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Lake Lisan, Warvenchronologie, Aragonitbildung, Paläoklimarekonstruktion und geochemische Elementanalyse charakterisiert.
Warum war für die Probe LM 5 ein Korrekturfaktor notwendig?
Da der ursprüngliche Tränkling der Probe LM 5 nicht auffindbar war und eine Neupräparation erforderlich wurde, wichen die Ca-Werte aufgrund der veränderten Probenbeschaffenheit von den übrigen Proben ab, was durch einen Korrekturfaktor ausgeglichen werden musste.
Was zeigen die Ereignislagen im Sedimentprofil an?
Die Ereignislagen markieren Abschnitte, die vom typischen Sedimentationsmuster abweichen. Einige dieser Lagen konnten als Rutschungen identifiziert werden, bei denen eine Mischung aus Sommer- und Winterlagenkomponenten vorliegt.
- Quote paper
- Eric Petermann (Author), 2008, Paläoklimarekonstruktion im nahen Osten während des letzten glazialen Maximums anhand jahreszeitlich geschichteter Seesedimente, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139191