Die Bedeutung und das Interesse am Gebiet der internationalen Verrechnungspreise hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Zurückzuführen ist dies auf die Globalisierung der Weltwirtschaft und die damit zunehmende Intensität von Forschung und Entwicklung, sinkenden Transport- und Telekommunikations-kosten, eine Liberalisierung der Märkte und einen zunehmenden Steuerwettbewerb. Während grenzüberschreitende Tätigkeiten schon immer vorhanden waren, so hat sich die Geschwindigkeit und das Ausweiten internationaler Geschäftstätigkeiten stark erhöht, wie der Anstieg der Exporte von nahezu 65 Mrd. EUR im Jahre 1970 auf fast 995 Mrd. EUR im Jahr 2008 deutlich belegt. Des Weiteren haben sich auch die Direktinvestitionen im Ausland im Laufe der Jahre erhöht. Die positive Entwicklung der Direktinvestitionen sagt aus, inwieweit Investoren bereit sind, im Ausland zu inves-tieren. Unternehmen dezentralisieren ihre Organisationen und sichern sich somit ihre internationale Wettbewerbsposition oder bauen diese weiter aus. Aktuelle Studien besagen, dass sich der weltweit grenzüberschreitende Handel auf nahezu 70 % befindet. Daraus lässt sich die zunehmende betriebswirtschaftliche und fiskalpolitische Bedeutung der Verrechnungspreise erklären. Ziel dieser Arbeit ist die Darstel-lung der in Deutschland anerkannten Verrechnungspreismethoden und deren typischen Anwendungsbereiche. Zunächst wird auf den Begriff und die Bedeutung des Verrechnungs-preises sowie auf den Fremdvergleichsgrundsatz eingegangen. Dabei werden die Ausprägungen des Fremdvergleichsgrundsatzes, der tatsächliche und hypothetische, sowie der direkte und indirekte Fremdvergleich besonders hervorgehoben. Im Anschluss daran, werden die in Deutschland zulässigen Verrechnungspreismethoden definiert und anhand eingängiger Beispiele verdeutlicht. Die den Verrechnungspreisen zugehörigen typischen Anwendungsgebiete wird ein eigenes Kapitel gewidmet, in der diese anhand eines strukturierten Prüfungsablaufes herausgefiltert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Entwicklung der Verrechnungspreise
2. Begriff und Bedeutung des Verrechnungspreises
3. Fremdvergleichsgrundsatz (dealing at arm´s principle)
3.1. Tatsächlicher und hypothetischer Fremdvergleich
3.2. Direkter und indirekter Fremdvergleich
4. Die in Deutschland anwendbaren Verrechnungspreismethoden
4.1. Die Standardmethoden
4.1.1. Die Preisvergleichsmethode
4.1.2. Die Wiederverkaufspreismethode
4.1.3. Die Kostenaufschlagsmethode
4.2. Die gewinnorientierten Methoden
4.2.1. Die transaktionsbezogene Nettomargenmethode (TNMM)
4.2.2. Die transaktionsbezogene Gewinnaufteilungsmethode (profit split)
4.3. Rangfolge der Methoden
4.4. Verrechnungspreisbandbreiten
5. Typische Anwendungsbereiche der einzelnen Verrechnungspreismethoden
6. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Darstellung der in Deutschland anerkannten Verrechnungspreismethoden sowie deren spezifischen Anwendungsgebieten. Ziel ist es, den komplexen Entscheidungsprozess bei der Wahl der geeigneten Methode vor dem Hintergrund steuerlicher und betriebswirtschaftlicher Anforderungen zu erläutern und den Fremdvergleichsgrundsatz als maßgebliches Instrument zur Einkunftsabgrenzung zu analysieren.
- Grundlagen und Bedeutung von Verrechnungspreisen in der globalisierten Wirtschaft.
- Analyse des Fremdvergleichsgrundsatzes als international anerkannter Maßstab.
- Systematische Einordnung der Standardmethoden (Preisvergleich, Wiederverkaufspreis, Kostenaufschlag).
- Darstellung gewinnorientierter Methoden (TNMM und Profit-Split-Methode).
- Entscheidungskriterien für die Wahl der optimalen Verrechnungspreismethode im Unternehmensalltag.
Auszug aus dem Buch
4.1.1. Die Preisvergleichsmethode
Sie ist die unmittelbarste und direkteste Methode zur Feststellung der Fremdverhaltenskonformität der vereinbarten und auferlegten Bedingungen zwischen verbundenen Unternehmen. Im Rahmen der Preisvergleichsmethode wird der zwischen „Nahestehenden“ vereinbarte Preis mit den Preisen verglichen, die bei vergleichbaren Geschäften zwischen Fremden im Markt vereinbart worden sind. Möglich ist bei der Preisvergleichsmethode ein innerer oder ein äußerer Preisvergleich. Beim inneren Preisvergleich werden die Vereinbarungen herangezogen, die seitens des Steuerpflichtigen mit einem fremden Unternehmen für das zu betrachtende Rechtsgeschäft vereinbart worden sind. Der äußere Preisvergleich wird durch die Heranziehung der Marktpreise, die voneinander unabhängige Unternehmen vereinbaren, als angemessenes Entgelt für konzerninterne Leistung bestimmt (Börsen/Marktpreis).
Die Preisvergleichsmethode stellt somit auf einen tatsächlichen Preisvergleich ab. Die Verfahrensgrundsätze fassen unter der Vergleichbarkeit der Gütereigenschaften Aspekte der Art, Beschaffenheit, Qualität sowie der Innovationsgehalt der gelieferten Güter auf. Außerdem werden bei der Prüfung der maßgebenden Verhältnisse die Vergleichbarkeit der Gütereigenschaften um weitere Faktoren erweitert (bspw. Marktbedingungen, Geschäftsstrategie, Vertragsbedingungen). Falls Differenzen in einen oder mehreren Kategorien auftauchen, ist anschließend zu beurteilen, inwiefern diese einen erheblichen Einfluss auf den Preis nehmen und ob dieser Einfluss anhand von Anpassungsrechnungen korrigiert werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Entwicklung der Verrechnungspreise: Das Kapitel thematisiert die zunehmende Bedeutung von Verrechnungspreisen durch die Globalisierung und erläutert die Zielsetzung der Arbeit.
2. Begriff und Bedeutung des Verrechnungspreises: Es werden Definitionen für Verrechnungspreise als Wertansätze zwischen verbundenen Unternehmen geliefert und deren steuerliche sowie betriebswirtschaftliche Funktionen beschrieben.
3. Fremdvergleichsgrundsatz (dealing at arm´s principle): Dieses Kapitel führt in den international anerkannten Grundsatz zur Gewinnkorrektur ein und differenziert zwischen tatsächlichem/hypothetischem sowie direktem/indirektem Vergleich.
4. Die in Deutschland anwendbaren Verrechnungspreismethoden: Hier werden die Standardmethoden und gewinnorientierten Methoden detailliert definiert, deren methodische Vorgehensweise erläutert und die Rangfolge sowie Preisbandbreiten diskutiert.
5. Typische Anwendungsbereiche der einzelnen Verrechnungspreismethoden: Das Kapitel liefert eine 3-stufige Prüfungsmatrix, um die jeweils passende Methode basierend auf Unternehmensfunktion und Risiko auszuwählen.
6. Schlusswort: Das Fazit fasst zusammen, dass die Methodenwahl einen komplexen Entscheidungsprozess darstellt, der stark von den individuellen Umständen der globalen Geschäftstätigkeit abhängt.
Schlüsselwörter
Verrechnungspreise, Fremdvergleichsgrundsatz, Steuerplanung, Gewinnaufteilung, Preisvergleichsmethode, Wiederverkaufspreismethode, Kostenaufschlagsmethode, TNMM, Profit Split, internationale Steuerplanung, Unternehmenssteuern, Funktionsanalyse, Risikoanalyse, OECD-Richtlinien, Verrechnungspreisbandbreite
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die in Deutschland zulässigen Methoden zur Bestimmung von Verrechnungspreisen innerhalb international agierender Konzerne und deren korrekte Anwendung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind der Fremdvergleichsgrundsatz, die Differenzierung zwischen Standardmethoden und gewinnorientierten Methoden sowie die Auswahlkriterien für diese Verfahren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen strukturierten Überblick über die anerkannten Methoden zu geben und aufzuzeigen, wie Unternehmen den "angemessenen Preis" im Sinne der Finanzverwaltung bestimmen können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgreifende Literatur- und Rechtsquellenanalyse, ergänzt durch die Darstellung von Fallbeispielen zur Verdeutlichung der methodischen Anwendung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Fremdvergleichs, die detaillierte Definition einzelner Preismethoden und eine praxisorientierte Anleitung zur Auswahl der Methode.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Verrechnungspreise, Fremdvergleichsgrundsatz, internationale Steuerplanung und Gewinnaufteilung definieren.
Wie unterscheidet sich die TNMM von den Standardmethoden?
Im Gegensatz zu den Standardmethoden, die primär auf Bruttomargen abstellen, betrachtet die TNMM (transaktionsbezogene Nettomargenmethode) das Betriebsergebnis und ist somit weniger anfällig für geringfügige Funktionsunterschiede.
Wann findet die Gewinnaufteilungsmethode (Profit Split) Anwendung?
Sie wird vor allem dann angewendet, wenn Transaktionen hochgradig integriert sind, einzigartige immaterielle Wirtschaftsgüter involviert sind oder keine direkten Fremdvergleichsdaten existieren.
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- Markus Sedlmeier (Author), 2009, In Deutschland zulässige Methoden zur Verrechnungspreisbestimmung und deren typische Anwendungsbereiche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139196