Medien und Gewalt

Mediale Wirkung von Gewaltszenen auf den Rezipienten am Beispiel des Films “Hooligans”


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. HOOLIGANISMUS
2.1 Gewalt im Umfeld von Fußballspielen
2.2 Kurzbeschreibung der relevanten Fanszene
2.3 Hooligans und Antisemitismus - Fallbeispiele
2.3.1. Zabrze, 4. September 1996, Polen-Deutschland
2.3.2. Lens, WM 1998, Deutschland - Jugoslawien
2.3.3 Berlin, 26. September 2006, TUS Makkabi – VSG Altglienicke

3. THEORIEN ZUR WIRKUNG VON MEDIEN
3.1 Katharsistheorie
3.2 Inhibitionstheorie
3.3 Habitualisierungstheorie
3.4 Stimulationstheorie
3.5 Lerntheorie

4. „HOOLIGANS“– KURZVORSTELLUNG DES FILMS

5. DISKUSSION ZUM FILM

6. SCHLUSSBEMERKUNG

7. LITERATURVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

Am 11. Februar 2007 habe ich in den Morgennachrichten von Radio SAW von den Hooliganausschreitungen in Leipzig nach dem Fußballspiel Lok Leipzig gegen Erzgebirge Aue gehört. Diese Nachrichten sind mir besonders deshalb fast wörtlich im Gedächtnis geblieben, weil mich die Hilflosigkeit und die Angst der Polizei in diesem Ausmaß erschrak: Polizeibeamte die absolut in der Unterzahl waren, Warnschüsse die vor Angst abgegeben wurden und Undercoverpolizisten die die Flucht ergriffen, bestimmten in diesem Zusammenhang den Hauptteil der Nachrichten. Ich hörte im Radio eine verängstigte Polizistin, die öffentlich bei ihren Vorgesetzten um Hilfe ruft: „Bitte machen Sie, dass es aufhört! Wir haben Angst!“ (vgl. Radio SAW, 11.02.07).

Zu dieser Zeit überschlugen sich die Medien mit Presseberichten, Dokumentationen und Informationen über die Hooligangruppierungen in Deutschland. Die Inhalte waren widersprüchlich, Vertreter der Cliquen kamen selbst kaum zu Wort. Im Vordergrund standen meist die Opfer bzw. die Ohnmachtssituation der Behörden insbesondere an diesem 10. Februar 2007. Zeitgleich erschien in Deutschland ein Film auf DVD, der von den Medien nicht sehr stark beworben wurde und bis heute den meisten Menschen, die ich danach fragen konnte, nur als „Da hab ich schon mal was von gehört. Soll ja brutal sein“ im Gedächtnis ist: „Hooligans“. Berühmtheit erlangte der Film insbesondere durch den sehr schüchtern aussehenden Elijah Wood, der in einer ebensolchen Rolle als Hobbit Frodo in „Herr der Ringe“ die Welt vor dem Bösen errettet. Der Film „Hooligans“ jedoch war bis dahin weitestgehend unbekannt und stellte mich nach dem ersten Mal Anschauen vor viele Fragen: Was ist das Ziel eines mit offener Gewalt gespickten Films? Sollen Konsumenten abgeschreckt werden, sollen wir und identifizieren oder sollen wir vielleicht sogar Verständnis aufbringen? Und wenn ja, für wen? Wen soll der Film erreichen und wie nah orientiert er sich an realen Fakten und Begebenheiten?

Da es mir sehr schwer gefallen ist, anhand von Internet- und Literaturrecherchen Antworten auf diese Fragen zu finden, habe ich Freunde (im Nachhinein Teilnehmer genannt) gebeten, sich diesen Film mit mir gemeinsam anzuschauen und in einer Art offenem Interview mit mir über die Intentionen und Eindrücke dieses Films zu sprechen. Ich habe hierzu die o. g. Fragen als Leitfragen für die Diskussion mit eingebracht. Es ergaben sich aus dem Film heraus sieben Fragen:

1. Welche Eindrücke hinterlässt der Film?
2. Wie könnte der Film auf die Rezipienten wirken: eher als harmlose Unterhaltung oder als gefährliches Vorbild?
3. Welches könnte die Zielgruppe des Films sein?
4. Welche Intention hat der Film?
5. Wie wirkt die musikalische Untermalung im Film?
6. Ist dieser Film reine Fiktion oder ist er in der Realität übertragbar?
7. Gibt es den Hooliganismus so auch in Deutschland?

Die Fragen sollten helfen, in die Diskussion, die direkt nach Ende des Films erfolgte, einzuleiten. Keiner der Anwesenden hatte den Film zuvor gesehen, sodass die Eindrücke, wie von mir erhofft, spontan und objektiv widergegeben werden konnten. Alle Teilnehmer waren damit einverstanden, die Diskussion mit einem Diktiergerät aufzunehmen und die Inhalte im Rahmen dieser Arbeit zu veröffentlichen. Die Namen wurden auf Wunsch der Teilnehmer geändert, die Altersangaben entsprechen dem tatsächlichen Alter ebenso wie die Angabe der Geschlechtszugehörigkeit. Ich werde diese Daten teilweise aus Gründen des besseren Verständnisses den jeweiligen Inhalten beifügen und teilweise auch kommentieren. Eine eigene Auswertung des Films und der Wirkung von Filmen dieses Genres wird in Abschnitt sechs von mir abschließend, unter besonderer Einbeziehung der von mir recherchierten Medien und ihres Einflusses diskutiert.

Ich habe diese Arbeit in einen theoretischen und einen praktischen Teil gegliedert. Abschnitt zwei setzt sich mit den Grundlagen des Hooliganismus auseinander, erklärt kurz einige Begrifflichkeiten und Hintergründe. Insbesondere wird untersucht, ob sich Hooliganismus mit Antisemitismus verbindet. Dies wird in drei Beispielen verdeutlicht, die im besonderen Rahmen traurige bzw. erschreckende Berühmtheit erlangt haben. Abschnitt 3 setzt sich mit den theoretischen Grundlagen der Wirkung von Medien auf das menschliche Bewusstsein auseinander. Hier soll geprüft werden, inwieweit wir dem Einfluss brutaler medialer Bilder ausgesetzt sind und was diese mit uns bewirken. Anschließend wird als Beispiel für eine gewalttätige mediale Ausreizung der Film Hooligans kurz vorgestellt.

Anmerken möchte ich, dass Begriffe wie Teilnehmer, Rezipienten usw. aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung in der maskulinen Form dargestellt sind, ohne dass dadurch eine geschlechtsspezifische Wertung vorgenommen wurde. Grundsätzlich sind beide Geschlechter angesprochen.

2. HOOLIGANISMUS

„Gewalt ist die Tankstelle für unser Selbstbewusstsein“[1]

Über die Geschichte des Begriffes Hooligan gibt es keine eindeutige Zuordnung. Eine Version sieht darin einen Kunstbegriff aus dem Englischen, sinngemäß mit Straßenrowdy, Halbstarker oder Rabauke übersetzt. Eine andere Variante: Das irische Wort „hooley“ (Sauforgie) wurde zu Hooligan verdreht. Die dritte Möglichkeit: Es soll eine irische Familie namens Hooligan gegeben haben, die prügelnd durch die Straßen zog. Einer anderen Theorie unbekannter Herkunft zufolge geht die Bezeichnung auf den Iren Patrick Hooligan zurück, der 1898 in London in einem Polizei-Bericht als Randalierer und Anführer einer Jugendbande auftaucht. Das Wort entstammt demnach dem Londoner Polizeijargon und ist zurückzuführen auf den Bandenführer mit dem Spitznamen „Hooley“, der die Bevölkerung des Londoner Stadtteils Islington geraume Zeit terrorisiertem(vgl. www.hooligans.de).

Der Begriff „Hooligan“ geht verschiedenen, nicht näher benannten Quellen zufolge auf eine irische Familie namens O`Hoolihan zurück, die sich im 19. Jh. vor allem wegen heftiger Prügeleien einen derart üblen Ruf erworben hatte, dass sie später sogar in einem Trinklied besungen wurde. Das Wort „hooley“ stammt aus dem Irischen und bedeutet „wild“. Die Hooligan-Bewegung hat sich sehr schnell weltweit ausgebreitet. Die ersten Vorfälle von Hooligans gehen bis ans Ende des 19. Jahrhunderts zurück (vgl. www.wikipedia.de).

Mit großer Wahrscheinlichkeit wird man in den Stadien, sowohl in England als auch in Deutschland, nicht mit Hooliganismus in Kontakt kommen. Dieses Problem ist mehr oder weniger aus den Stadien verschwunden, nicht zuletzt weil diese heute fast alle über eine Videoüberwachung verfügen. Die Anlässe, bei denen Vorfälle es in die Presse schaffen, sind rar geworden, was nicht heißen soll, dass es diese nicht mehr gibt. In diesem Punkt unterscheidet sich die englische Szene kaum von der deutschen. In den Hochzeiten des Hooliganismus (80er Jahre) waren in England insbesondere Teams aus London bekannt für ihre sogenannten Mobs, zum Beispiel die ICF von West Ham, Bushwackers von Millwall oder die Headhunters von Chelsea. Oftmals wird die ICF als rassistisch oder rechtsradikal dargestellt, was aber laut Cass Pennant, dunkelhäutiger Buchautor und früher eine der führenden Personen bei der ICF, nicht zutreffend ist. Die deutsche Regisseurin Lexi Alexander nahm die ICF zum Vorbild ihres Filmes „Hooligans“. Die in dem Film dargestellte, der ICF stark nachempfundene fiktive Gruppe heißt Green Street Elite (GSE) (vgl. ebenda).

Das Oxford Advanced Learner’s Dictionary beschreibt den Hooligan als „disorderly and noisy young person who often behaves in a violent and destructive way; young thug or ruffian” (Crowther, 1995, S. 531). Im Kern handelt es sich um Gewalttaten etwa 15 – 35 Jahre alter Männer, die in Gruppen geschehen, sich gegen ähnlich motivierte Gegner richten, spontan oder organisiert sind und mehr oder weniger im Kontext von Fußballspielen stattfinden. Daneben gibt es Hooligans-Gewalt ohne Bezug zu Sportveranstaltungen, Angriffe auf Dritte (Polizeibeamte, Unbeteiligte) und Schlägereien zwischen Einzelnen (vgl. www.wz.nrw.de).

Obwohl es andere Formen des Hooliganismus gibt und der Begriff teilweise pauschal für jegliche Form des Rowdytums benutzt wird, ist Hooliganismus im Rahmen des professionellen Fußballsports die Erscheinungsform, die vor allem medial die größte Beachtung findet (vgl. Kerr, 1994, S. 120).

2.1 Gewalt im Umfeld von Fußballspielen

Zuschauerausschreitungen werden zumeist als ein völlig neues Phänomen betrachtet das sich vor allem seit 1985 nach dem Europapokalendspiel zwischen Liverpool und Turin in Brüssel, als 39 Fußballfans bei Ausschreitungen ums Leben kamen, zu einem gravierenden sozialen Problem entwickelte. Nun sind aber bereits von den Wettkämpfen der Antike Zuschauerausschreitungen überliefert: Bereits um 450 vor Christus sah sich die Heiligtumsverwaltung des Stadions von Delphi genötigt, nachdem wiederholt betrunkene Zuschauer bei Wettkämpfen randalierten, die Mitnahme von Wein in den inneren Bereich des Stadions zu untersagen. Den Denunzianten wurde die Hälfte des Strafgeldes in Aussicht gestellt, um dieser unpopulären Maßnahme zum Erfolg zu verhelfen.

Die jüngsten Alkoholverbote in bundesdeutschen Fußballstadien hatten also bereits berühmte antike Vorbilder. Auch aus dem Mittelalter sind uns gewalttätige Auseinandersetzungen im Umfeld von Sportwettkämpfen überliefert und Ende des 19. Jahrhunderts sorgte man sich in England „um die steigende Zahl unkontrollierter Fans" (vgl. Dunning; Murphy; Williams, 1992, S. 78).

Waren die Zuschauerausschreitungen in der Antike und im Mittelalter noch weitestgehend im Kontext mit der gesellschaftlich erheblich höheren Gewalttoleranz und Akzeptanz individueller körperlicher Gewalt zu sehen, und die Pöbeleien, der Vandalismus, die Gewalt Ende des 19. Jahrhunderts/Anfang des 20, Jahrhunderts noch sehr viel stärker im Zusammenhang mit dem eigentlichen Spielgeschehen zu sehen, so hat sich heute die Gewalt der Hooligans weitestgehend vom Zusammenhang mit dem Spielgeschehen gelöst und eine Eigendynamik entwickelt (vgl. Pilz, 1993, S. 61).

Gewalt im Umfeld von Fußballspielen ist somit kein neues Problem, in Bezug auf die Ursachen und die Anlässe der Gewalt hat sich jedoch ein wesentlicher Wandel vollzogen (vgl. Schulz, 1986, S. 151).

2.2 Kurzbeschreibung der relevanten Fanszene

Jede Fanszene eines Vereins kann grundsätzlich in die Verhaltenskategorien Friedlich - Zuschauer - (A), Konfliktgefährdet/-bereit - Fans - (B), Gewalttäter - Hooligans - (C) grob unterteilt werden:

Kategorie A:

Sie stellen den größten Teil der Stadionbesucher dar. Der Anteil friedlicher Zuschauer schwankt zwischen 90-98 %. Ein Teil der friedlichen Fußballanhänger gehört organisierten Fan-Clubs an. Sie identifizieren sich mit ihrem Verein und unterstützen ihn nach außen sichtbar durch Schals, Mützen, Fahnen und tragen auch Westen mit Emblemen, sogenannte Kutten (Kuttenträger) (vgl. Bahr, 1991, S. ...).

Kategorie B:

Letztgenannte Kuttenträger stellen auch einen Anteil der „bei Gelegenheit" gewaltgeneigten Fans. Häufig ist in Verbindung mit Alkohol ihre Bereitschaft zu gewalttätigen Aktionen zu erkennen. Diese Fan-Kategorie umfasst grundsätzlich die gleichen Altersgruppen wie die Kategorie C: 14 bis über 30jährige, mit den 18-30 jährigen als Kernbereich. Eine besondere Rolle scheinen 14-18jährige zu spielen, die sich durch besondere Aktionen und Aggressivität für die Aufnahme in den Kreis der „etablierten Hooligans" qualifizieren wollen (vgl. ebenda).

[...]


[1] www.bpb.de

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Medien und Gewalt
Untertitel
Mediale Wirkung von Gewaltszenen auf den Rezipienten am Beispiel des Films “Hooligans”
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
25
Katalognummer
V139206
ISBN (eBook)
9783640483624
ISBN (Buch)
9783640483860
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, Gewalt, Mediale, Wirkung, Gewaltszenen, Rezipienten, Beispiel, Films, Hooligans
Arbeit zitieren
Tanja Lange (Autor:in), 2009, Medien und Gewalt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139206

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