Wer ist eigentlich Narcissus? Ein eitler, egozentrischer, selbstverliebter Knabe, der zur Liebe unfähig ist? Narcissus beweist, dass er Liebe empfinden kann und zwar ist er bereit sein leben dafür zu opfern. In der Narcissus - Sage ist die Unwissenheit ein wichtiger Aspekt, der untersucht werden soll. Am Anfang ist Narcissus ein naiver Knabe, der ein Bild eines Menschen nicht vom Menschen unterscheiden kann. Ein unbewusster Junge, der sich verzweifelt in ein Spiegelbild verliebt hat und zwar in sein eigenes Abbild. Im Unterschied zu vielen Narcissus - Deutungen stellt Ovid einen Narcissus dar, der im Bewusstsein seiner Liebe stirbt. Die qualvolle Selbstliebe führt ihn zur Selbstzerstörung und der Tod scheint der einzige Ausweg davon zu sein. Narcissus stirbt an sich selbst. Er wünscht sich von seinem Körper zu trennen, um den anderen berühren zu können. Gleichzeitig ist er Geliebter und Liebender, Zünder und Entflammter. Er entbrennt in seiner leidenschaftlichen Liebe, aber trotz allem wird der Tod keine eigentliche Rettung von der qualvollen Liebe, denn Narcissus betrachtet sich selbst immer weiter im Wasser in der Unterwelt.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1 EINFÜHRUNG IN DAS THEMA
12. DER AUTOR UND WERK
13. DER MYTHOS NARCISSUS
2. HAUPTTEIL
2.1 DIE PROPHEZEIUNG TIRESIAS UND IHRE ROLLE IN DER GANZEN GESCHICHTE
2.2. NARCISSUS JUGEND
2.3 DIE BEGEGNUNG VON ECHO UND NARCISSUS
2.4. DER FLUCH DES ABGEWIESENEN LIEBHABERS – BEGINN DER BESTRAFUNG
2.5. DAS HERZSTÜCK DER NARCISSUSERZÄHLUNG
2.5.1 NARCISSUS AN DER QUELLE
2.5.2. ERKENNTNIS UND SELBSTERKENNTNIS
2.5.3. SELBSTLIEBE FÜHRT ZUR SELBSTZERSTÖRUNG
2.6. DAS AUFTRETEN VON ECHO
2.7. TOD, BEGRÄBNIS, UNTERWELT UND BLUME
3. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Narzissuserzählung in Ovids Metamorphosen mit dem Fokus auf die psychologische Entwicklung des Protagonisten Narcissus. Ziel ist es zu analysieren, wie Ovid das Motiv der Selbstliebe verarbeitet und inwiefern diese zur unausweichlichen Selbstzerstörung des Protagonisten führt, wobei die Interaktion mit dem eigenen Spiegelbild zentral beleuchtet wird.
- Psychologische und existentielle Analyse des Narcissus-Mythos bei Ovid.
- Untersuchung der Rolle der Prophezeiung von Tiresias für den Handlungsverlauf.
- Kontrastierung von Erkenntnis und Unwissenheit im Prozess der Selbstwahrnehmung.
- Bedeutung der Homosexualität und des homoerotischen Motivs im Vergleich zu anderen antiken Fassungen.
- Analyse der Metamorphose als Folge von leidenschaftlicher Selbstliebe.
Auszug aus dem Buch
2.5.1 Narcissus an der Quelle
Ab Vers 406 beginnt der Autor mit plastischem Aufbau des Hains, in den er Narcissus platzieren will und an dem die Strafe nach dem Willen der Götte vollzogen werden soll. Ovid macht einleitende Bemerkungen (vv. 407 - 412) über die besondere Natur und Lage der Quelle, an der sich das Schicksal Narcissus vollendet. Dieser Ort ist von ganz besonderer Art. Um den ungewöhnlichen Charakter zu schildern, bildet Ovid gleich zu Anfang ein neues und ausgefallenes Wort: „inlimis“. Das helle Wasser symbolisiert die Idylle und Unberührtheit der Quelle. Das Zentrum des künftigen Geschehens steht am Anfang und in der Mitte des Verses, “fons“, ein unberührtes, klares, fließendes Wasser. „Fons“ verbirgt hier als Metapher auch die Verwandlung des Menschen in der Spanne zwischen Geburt und Tod, steht für Geburt und Tod selber („coeamus“-„soitus“) und dies nicht ausschließlich im physischen Sinn.
Die Quelle, als solche, das Gras und die schattige Kühle, erklären warum Narcissus sich an diesen Ort begibt (vgl. auch vv. 413f.). Die Szene (vv. 407 - 436), in der sich Narcissus nicht erkennt, erinnert sehr an die ursprüngliche Sagenversion bei Pausanias5, der sich auf den Aspekt des unwissenden Narcissus beschränkt. Auf der Höhe des Helikons, berichtet Pausanias, im Gebiete der Thespier, befindet sich die Narzissquelle, von der man sich zwei Geschichten erzählt. Nach der einen habe Narziß in diese Quelle geschaut, nicht begriffen, dass er seinen eigenen Schatten sah, und deshalb nicht bemerkte, dass er sich liebte. Und wegen dieser Liebe sei er gestorben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Fragestellung, wer Narcissus ist, und Vorstellung von Ovids Werk Metamorphosen als Kontext der Erzählung.
2. HAUPTTEIL: Detaillierte Analyse des Mythos, beginnend bei der Prophezeiung des Tiresias über die Begegnung mit Echo bis hin zur finalen Selbstzerstörung an der Quelle.
3. ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der Ergebnisse, die Selbstliebe als destruktive Kraft ohne Ausweg und die Bedeutung der finalen Verwandlung herausstellt.
Schlüsselwörter
Narcissus, Ovid, Metamorphosen, Selbstliebe, Selbstzerstörung, Echo, Mythos, Tiresias, Spiegelbild, Selbsterkenntnis, Antike, Literaturwissenschaft, Homosexualität, Metamorphose, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Narzissuserzählung bei Ovid und untersucht, wie der Dichter das Thema Selbstliebe und die daraus resultierende Selbstzerstörung darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die psychologische Entwicklung des Narcissus, die Rolle von Spiegelmotiven, die Bedeutung von Tiresias' Prophezeiung und die Verwandlung am Ende der Geschichte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Narcissus vom unbewussten Knaben zur Erkenntnis seiner ausweglosen Lage gelangt und warum diese Selbsterkenntnis bei Ovid unweigerlich zum Tod führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, um Ovids Erzählweise, Metaphern und die Bezüge zu anderen antiken Sagenversionen zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert den Mythos chronologisch: von der Prophezeiung über die Jugend des Narcissus und die Begegnung mit Echo bis zur zentralen Szene an der Quelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Narcissus, Ovid, Selbstliebe, Metamorphosen, Selbsterkenntnis, Spiegelbild und Identität.
Inwiefern unterscheidet sich Ovids Darstellung von der Version des Pausanias?
Ovid verleiht Narcissus ein Bewusstsein seiner Lage und seiner Liebe, während die Figur bei Pausanias wesentlich naiver bleibt und die Zwillingsschwester als Objekt der Liebe eingeführt wird.
Welche Bedeutung hat die Figur der Echo in Ovids Erzählung?
Echo fungiert als Spiegelung des Narcissus; ihre akustische Unfähigkeit, eigenständig zu sprechen, korrespondiert mit der psychologischen Gefangenheit des Narcissus in seiner Selbstliebe.
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- Milena Vasileva (Author), 2002, Die Narcissuserzählung bei Ovid, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13920