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Plinius und die Geschichtsschreibung

Title: Plinius und die Geschichtsschreibung

Term Paper (Advanced seminar) , 2000 , 25 Pages , Grade: 2

Autor:in: Oliver Kast (Author)

Latin philology - Literature
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Summary Excerpt Details

Gaius Plinius Caecilius Secundus könnte man heutzutage sicherlich salopp als ein antikes Multitalent bezeichnen, da er sich in der frühen Kaiserzeit sowohl als Politiker, als auch als Anwalt, als Redner und auch als Schriftsteller praktisch in allen Belangen des damaligen öffentlichen Lebens hervortat. Er war eben ein vielseitiger Mann. So ist es denn auch kaum verwunderlich, daß er sich als Literat nicht ausschließlich auf die schriftliche Überarbeitung seiner Reden und auf seine Briefe beschränkte, sondern daß er daneben auch einen Panegyricus auf Kaiser Trajan, unter dem er als Beamter mit häufig wechselndem Ressort Ruhm und Ansehen erlangte, verfaßte, und sogar begann, Gedichte zu schreiben. Für kurze Zeit trug er sich überdies mit dem Gedanken, als Geschichtsschreiber tätig zu werden, was er aber scheinbar doch recht schnell wieder verwarf. Dieses Vorhaben hätte er wohl auch weniger aus literarischem Interesse für das Genre, als vielmehr aus dem alten menschlichen Verlangen heraus, sich mit seinem Werk verewigen zu wollen und so Unsterblichkeit und Ruhm bei der Nachwelt zu erlangen, in Angriff genommen. So sagt Plinius z. B. in III, 7,14: „Wenn es uns schon nicht vergönnt ist, länger zu leben, so wollen wir doch etwas hinterlassen, das später einmal unsere Existenz bezeugt“. Angesichts dieser Furcht vor dem Nichts, das den Menschen nach dem Tod zu verschlucken droht, und aufgrund des Glaubens, daß nur das Vollendete eine Chance besitze zu überleben, ist solche existenzielle Angst der Hintergrund von „amor immortalitatis“ (III, 7,15), die er durch literarischen Ruhm zu erreichen strebt. Er sieht sich quasi einem Wettlauf mit dem Tod ausgesetzt, dem er durch die gloria zu entrinnen sucht.
Ziel dieser Arbeit wird nun sein, anhand der Briefe V, 8; VI, 16; IV, 11 sowie VII, 33 Plinius‘ Einstellung zur Geschichtsschreibung darzustellen und aufzuzeigen, inwiefern er trotz seines Entschlusses, keine Geschichte schreiben zu wollen, dies dann letztendlich doch tut. Hierbei werde ich in detaillierter Analyse auf den für das Thema zentralen Brief V, 8 eingehen (wobei ich diesen nach mir sinnvoll erscheinenden Abschnitten, denen jeweils ein Übersetzungs-vorschlag vorangestellt wird, gliedern werde) und die drei übrigen Briefe VI, 16; IV, 11 und VII, 33 als Beispiele für Plinius‘ Darstellung von Geschichte heranziehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einführung in die Thematik: Plinius‘ Ringen um Unsterblichkeit

II. Plinius‘ Einstellung zur Geschichtsschreibung

1) Detaillierte Analyse des Briefes V, 8

2) Analyse des Briefes VII, 33

III. Plinius‘ Art der Geschichtsschreibung in Briefform

1) Plinius‘ Darstellung des Vesuvausbruches i. J. 79 als Geschichtsschreibung (Ep. VI, 16)

2) Plinius‘ Darstellung der Hinrichtung einer Vestalin auf Befehl Domitians (Ep. IV, 11)

IV. Zusammenfassung und Ausblick

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis des jüngeren Plinius zur antiken Geschichtsschreibung, indem sie analysiert, inwieweit er – trotz seines erklärten Verzichts auf ein klassisches Geschichtswerk – historische Ereignisse in seiner Korrespondenz gestaltete und zur literarischen Verewigung nutzte.

  • Die psychologische Motivation des Plinius: Das Ringen um "amor immortalitatis" und persönlichen Ruhm.
  • Die theoretische Auseinandersetzung mit den Gattungen Rede (oratio) und Geschichte (historia) im Brief V, 8.
  • Die Umsetzung historiographischer Kunstmittel in der Briefform, insbesondere am Beispiel des Vesuvausbruchs.
  • Die politische Instrumentalisierung von Geschichtsschreibung zur Charakterisierung der Ära Domitian.

Auszug aus dem Buch

II. Plinius‘ Einstellung zur Geschichtsschreibung

Der Brief entstand wohl im Jahre 105 oder 106.

Gaius Plinius grüßt seinen Titinius Capito.

Über den Adressaten Titinius Capito ist nur wenig bekannt. Er war ein pensionierter kaiserlicher Sekretär, der sich wie Plinius für Geschichte interessierte und zudem ein Geschichtswerk über die Herrschaft Domitians verfaßte. Er wird außer hier noch in den Briefen I,17 und VIII,12 erwähnt.

Du rätst mir, Geschichte zu schreiben, und du rätst mir das nicht als einziger; viele haben mich schon oft dazu aufgefordert, und ich möchte es auch, nicht, weil ich glaubte, es wäre leicht zu tun (das könnte man so ohne weiteres glauben, wenn man darin unerfahren ist), sondern weil es mir vor allem schön erscheint, diejenigen Männer nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, denen Ewigkeit gebührt, und den Ruhm anderer zusammen mit dem eigenen zu vergrößern.

Plinius wird hier also von Capito aufgefordert, sich als Geschichtsschreiber zu betätigen und begrüßt diesen Vorschlag sogar zuerst, da es ihm dadurch möglich wäre, sowohl den Ruhm großer Männer zu bewahren, als auch seinen eigenen Ruf zu steigern. Außerdem scheint er aufgrund seiner Vielfältigkeit von der Idee, einfach einmal etwas Neues auszuprobieren, durchaus nicht abgeneigt gewesen zu sein. „Diese Neigung, verborgener Größe nachzuspüren und ihr die gebührende Anerkennung zu verschaffen –was aeternitas verdient, darf nicht untergehen- gehört zu seinen besonderen Wesenszügen“ (Bütler, 24).

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einführung in die Thematik: Plinius‘ Ringen um Unsterblichkeit: Dieses Kapitel skizziert die literarische Ambition des Plinius als Ausdruck seines existenziellen Strebens nach Ruhm und Überwindung der Vergänglichkeit.

II. Plinius‘ Einstellung zur Geschichtsschreibung: Hier wird anhand der Briefe V, 8 und VII, 33 dargelegt, dass Plinius das Interesse am Historiker-Genre primär als Mittel zur Selbstinszenierung und zur Verewigung seines eigenen Namens betrachtete.

III. Plinius‘ Art der Geschichtsschreibung in Briefform: Der Hauptteil analysiert, wie Plinius durch die Anwendung hellenistisch-peripatetischer Kunstmittel und dramatischer Strukturen den Vesuvausbruch und die Hinrichtung einer Vestalin zu einer Art Geschichtsschreibung stilisierte.

IV. Zusammenfassung und Ausblick: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Plinius zwar keine formale Geschichtsschreibung betrieb, aber innerhalb seiner Briefsammlung eine hochgradig stilisierte und zweckgebundene Form der Historiographie entwickelte.

Schlüsselwörter

Plinius der Jüngere, Geschichtsschreibung, Briefliteratur, Unsterblichkeit, Ruhm, Historiographie, Vesuvausbruch, Domitian, Tacitus, Antike, Rhetorik, Kaiserzeit, Literaturgeschichte, Gattungstheorie, Erinnerungskultur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie der jüngere Plinius trotz seiner Entscheidung, kein formales Geschichtswerk zu verfassen, historische Ereignisse in seinen Briefen aufbereitet hat.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen das Motiv des Nachruhms, der Vergleich zwischen Rhetorik und Historiographie sowie die narrative Gestaltung politischer Ereignisse.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Plinius‘ Briefe als "Geschichtsschreibung in Briefform" fungieren, die zur Selbstdarstellung und historischen Einordnung genutzt wurden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine detaillierte textanalytische Methode, indem er ausgewählte Briefe philologisch untersucht und diese in den Kontext antiker literarischer Gattungstheorien stellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die theoretischen Überlegungen des Plinius zur Geschichte sowie die praktische Anwendung dramatischer Kunstmittel anhand konkreter Fallbeispiele wie dem Vesuvausbruch.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen Plinius der Jüngere, historiographische Briefe, amor immortalitatis, literarischer Ruhm und antike Narratologie.

Wie bewertet der Autor die Ernsthaftigkeit von Plinius' Historiker-Plänen?

Der Autor argumentiert, dass Plinius' Interesse an einer eigenen Geschichtsschreibung vermutlich weniger ernst gemeint war und eher der literarischen Spielerei oder dem Wunsch nach Unsterblichkeit entsprang.

Welche Rolle spielt Tacitus in diesem Kontext?

Tacitus wird als ein Freund und zeitgenössischer Historiker dargestellt, dessen literarischen Ruhm Plinius bewunderte und dessen Werk er durch die Lieferung von historischem Material (z.B. über den Vesuvausbruch) unterstützte.

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Details

Title
Plinius und die Geschichtsschreibung
College
University of Würzburg  (Philosophische Fakultät I)
Course
Lateinisches Hauptseminar
Grade
2
Author
Oliver Kast (Author)
Publication Year
2000
Pages
25
Catalog Number
V13922
ISBN (eBook)
9783638194457
ISBN (Book)
9783638643221
Language
German
Tags
Plinius Geschichtsschreibung Lateinisches Hauptseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oliver Kast (Author), 2000, Plinius und die Geschichtsschreibung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13922
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