König Dareius von Persien lässt eine dreisprachige Inschrift an einem Felsen bei Behistum anfertigen, in dem er seine angebliche Herkunft vom Geschlecht der Achämeniden formuliert, eine neue Sprache darstellt und seinen Kampf gegen die "Lügenkönige" schildert.
Diese Arbeit geht den Fragen nach, warum der König gerade diesen Standort gewählt hat, in welcher Zeitfolge die Texte angebracht wurden und was Texte und Reliefbilder berichten und zu berichten beabsichtigen. Gibt uns Dareius ein Zeugnis
der Geschichte Persiens oder verfolgt er möglicherweise mit seinem „Tatenbericht“ einen anderen Zweck? Durch Vergleich einiger Darstellungen von Ereignissen, über die auch Herodot berichtet, sollen Probleme der historischen „Wahrheitsfindung“ beleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Quellen
3. Historische Ausgangslage
4. Das Behistum-Relief
4.1. Die Lage des Reliefs
4.2. Beschreibung des Reliefs
4.3. Die Chronologie des Denkmals
4.4. Es kündet Dareius der König über sich
4.5. Dareius über die „Lügenkönige“
4.5.1. Die Machtübernahme
4.5.2. Die Niederschlagung der Aufstände
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Behistum-Inschrift als zentrales Medium zur Selbstdarstellung des persischen Königs Dareius I., um die ideologische Legitimierung seiner Machtübernahme und die historische Darstellung seiner Herrschaft kritisch zu hinterfragen.
- Analyse der Behistum-Inschrift als politisches Propagandainstrument
- Untersuchung der Legitimationsstrategien des Dareius nach dem Sturz Gaumatas
- Vergleich der inschriftlichen Berichte mit herodotischen Überlieferungen
- Interpretation der chronologischen Gestaltung und Anordnung des Denkmals
- Deutung der Darstellungsweise der sogenannten „Lügenkönige“
Auszug aus dem Buch
4.2. Beschreibung des Felsenreliefs
An Hand der Anbringung von Bild- und Textteil lässt sich vermuten, dass Dareius zunächst nur das Bildrelief geplant hatte.
Das Relief ist von drei Seiten mit Keilinschriften in elamischer (Susa), babylonischer und altpersischer Schrift umgeben. Später wurden diese zwecks wissenschaftlicher Zuordnung in Kolumnen und in 76 Paragraphen gegliedert, (DB §§ 1–76).
Mehr als ein Kopf größer als die hinter ihm stehenden beiden Bogen- und Lanzenträger, hält Dareius einen Bogen in der Linken und setzt seinen rechten Fuß auf die Brust des am Boden liegenden Gaumata, der ihm die Hände flehend entgegenstreckt. Der Großkönig erhebt seine Hand zu dem über ihm schwebenden Symbol einer Gottesfigur. (Möglicherweise der Zarathustragott Ahuramazda oder das Symbol eines Glücksgottes). Diese hält den Ring der Herrschaft in der Hand, wie auch auf dem Felsenbild des Anubanini, um ihm den König zu überreichen. Rechts von dem am Boden liegenden Gegner Gaumata stehen nacheinander die neun besiegten „Lügenkönige“, erheblich kleiner als der König und die Höflinge. Ihre Hände sind auf dem Rücken gefesselt und alle sind durch eine am Hals befestigte Schnur miteinander verbunden. Ganz rechts außen befindet sich eine Figur mit Spitzhelm (ein Sarke), die ganz offensichtlich später hinzugefügt wurde. Alle Figuren, mit Ausnahme des Gottessymbol und der Höflinge, tragen Beschriftungen. Die „Lügenkönige“ hat Borger der Reihenach nummeriert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Behistum-Relief als archäologischen Fund ein und umreißt die Fragestellung zur historischen Authentizität von Dareius' Tatenbericht.
2. Quellen: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die verwendeten Originalquellen und ordnet diese im Kontext der antiken Geschichtsschreibung, insbesondere zu Herodot, ein.
3. Historische Ausgangslage: Es wird die politische Situation im Achämenidenreich während der Übergangsphase von Kambyses zu Dareius beschrieben, die durch Machtkämpfe und Aufstände geprägt war.
4. Das Behistum-Relief: Dieser Hauptteil analysiert Lage, Beschreibung, Chronologie und inhaltliche Schwerpunkte des Denkmals als politische Selbstdarstellung des Königs.
5. Resümee: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und beleuchtet das Spannungsverhältnis zwischen dem historischen Geschehen und der propagandistischen Selbstdarstellung des Dareius.
Schlüsselwörter
Dareius I., Behistum-Inschrift, Achämeniden, Perserreich, Lügenkönige, Gaumata, Keilschrift, Machtlegitimation, Herodot, Smerdis, Ahuramazda, Geschichtsschreibung, Aufstände, Selbstdarstellung, Propaganda.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Behistum-Inschrift des persischen Königs Dareius I. und analysiert diese als zentrales Medium seiner Selbstdarstellung und Machtlegitimation.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Machtübernahme durch Dareius, der Umgang mit internen Aufständen sowie die ideologische Aufarbeitung dieser Ereignisse in Text und Bild.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es wird untersucht, mit welcher Intention Dareius das Denkmal errichten ließ und inwieweit sein „Tatenbericht“ zur historischen Wahrheitsfindung gegenüber anderen Quellen, wie Herodot, beitragen kann oder als Propaganda zu werten ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Methode, indem sie epigraphische Erkenntnisse zur Behistum-Inschrift mit literarischen antiken Quellen vergleicht und hinterfragt.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die archäologische Beschreibung des Reliefs, die chronologische Einordnung der Inschriften sowie eine tiefgehende Analyse der ideologischen Aussagen über die „Lügenkönige“ und die Machtübernahme.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Dareius I., Achämeniden, Lügenkönige, Propaganda, Machtlegitimation und antike Geschichtsschreibung.
Welche Bedeutung hat das „Gottesurteil“ für die Argumentation des Dareius?
Dareius nutzt den Verweis auf das „Gottesurteil“ und den Beistand Ahuramazdas, um seinen gewaltsamen Umsturz als göttlich legitimierten Akt darzustellen und sich selbst als rechtmäßigen König zu stilisieren.
Wie unterscheidet sich die Darstellung des Dareius von der Überlieferung Herodots?
Während Dareius in seiner Inschrift alles als zweifelsfrei wahr und folgerichtig darstellt, überliefert Herodot alternative Versionen, die Dareius' Rolle und seine Legitimität kritischer hinterfragen.
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- Michael Ferger (Author), 2018, Die Selbstdarstellung des Dareius. Die Behistum Inschrift, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1392435