Am Anfang des 19. Jahrhunderts regierte in Deutschland ein „Münzwirrwarr“, das ganz wesentlich die ökonomische Expansion in Deutschland behinderte. Zwei Entwicklungen sollten nun langfristig zur Lösung des Problems beitragen: die allmähliche Verbreitung von Papiergeld und die Versuche zur Kontrolle des Geldumlaufs durch eine Zentralnotenbank.
Bis diese Entwicklungen jedoch zu einem zufrieden stellenden Ergebnis führten, musste man sich noch im bestehenden Münzgeldsystem behelfen. Dies gelang durch eine Vereinheitlichung der verschiedenen Münzsysteme seit 1837/38 im Zollverein. Daraus entwickelte sich ein relativ einheitliches Münz-Währungsgebiet, auf der Basis des Silberstandards mit festen Wechselkursen zwischen den beiden Hauptwährungen Taler und Gulden.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es kaum Banknoten, noch dominierten Gold und Silbermünzen als Zahlungsmittel neben dem Staatspapiergeld. Erst mit der Gründung der Preußischen Bank 1846 erlangte die Banknote gegenüber dem Staatspapiergeld endgültig den Vorrang. Zuvor dienten diese „Tresorscheine“ als Hilfsmittel für die Händler und sollten die Expansion der Wirtschaft fördern.
Die Preußische Bank, eine private Aktiengesellschaft mit Staatsbeteiligung, war der staatlichen Kontrolle unterworfen. Sie emittierte etwa zwei Drittel des gesamten Notenumlaufs, was sie zum führenden Institut machte. Davor waren bereits Private Notenbanken unter Staatskontrolle in Bayern und Sachsen entstanden. Dadurch kam es verstärkt zur Gründung von „Zettelbanken“, die dazu beitrugen, dass sich Papiergeld neben Münzen als allgemeines Zahlungsmittel in Deutschland durchsetzte.
Mit der Münzreform um 1870 und der Schaffung der Reichsbank gelang es einen homogenen Münzumlauf in Deutschland zu schaffen. Die Reichsbank etablierte sich zunehmend zur dominierenden Zentralnotenbank und erhielt im Laufe der Zeit zusätzliche Kompetenzen. Daneben entwickelte sie sich auch zum Reservehalter des außerordentlich stark expandierenden Systems privater Geschäftsbanken. In dieser Funktion schaffte die Reichsbank durchaus moderne Elemente in der Geldpolitik, wie z.B. den geschickten Einsatz der Variationen des Diskontsatzes oder des Handels mit Staatspapieren am offenen Markt.
Mit der Errichtung der Reichsbank und der späteren Deutschen Bundesbank war es gelungen, das Geld besser zu steuern, wie auch die Preise zu stabilisieren. Die Deutsche Bundesbank hat hierbei stilbildend für die Ausbildung einer Stabilitätskultur in Europa...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ziele und Aufgaben der EZB
3. Organisation und Struktur der EZB
3.1 Beschlussorgane und Ihre Aufgaben
3.2 Zentralbankunabhängigkeit
4. Geldpolitische Steuerungsinstrumente der EZB
4.1 Offenmarktgeschäfte
4.1.1 Tenderverfahren
4.1.2 Transaktionsarten
4.1.3 Arten von Offenmarktgeschäften
4.1.3.1 Hauptrefinanzierungsgeschäfte
4.1.3.2 Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte
4.1.3.3 Feinsteuerungsoperationen
4.1.3.4 Strukturelle Operationen
4.2 Ständige Fazilitäten
4.2.1 Spitzenrefinanzierungsfazilität
4.2.2 Einlagenfazilität
4.3 Mindestreserven
4.3.1 Festlegung und Haltung von Mindestreserven
4.3.2 Funktionen von Mindestreserven
5. Zusammenfassung
6. Die aktuelle Geldpolitik der EZB
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die geldpolitischen Instrumente der Europäischen Zentralbank (EZB) und analysiert, wie diese zur Steuerung der Preisniveaustabilität und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eingesetzt werden.
- Struktur und Beschlussorgane der EZB
- Unabhängigkeit der Zentralbank
- Offenmarktgeschäfte und Tenderverfahren
- Ständige Fazilitäten zur Zinssteuerung
- Mindestreservesystem als Liquiditätspuffer
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Tenderverfahren
Die Liquiditätszuführung auf dem Geldmarkt erfolgt durch die Versteigerung von Zentralbankgeld, in Form des Standardtenders. Allen Kreditinstituten, die dem ESZB als Geschäftspartner fungieren und die allgemeinen Zulassungskriterien erfüllen, wird diese Möglichkeit der Geldmittelzuteilung angeboten.
Diese geldpolitischen Operationen des ESZB werden dezentral von den nationalen Zentralbanken durchgeführt und haben in der Regel eine Laufzeit von einer Woche. Die Transaktionen werden innerhalb von 24 Stunden, von der Tenderankündigung bis zur Bestätigung des Zuteilungsergebnisses, abgewickelt.
Hierbei stehen zwei Tenderverfahren zur Verfügung, der Mengentender und der Zinstender.
Bei einem Mengentender wird der Zinssatz im Voraus von der EZB festgelegt. Die teilnehmenden Geschäftsbanken geben Gebote über den Geldbetrag ab, für den sie, zu dem angegebenen Zinssatz, abschließen wollen. Übersteigt das gesamte Bietungsaufkommen den von der Zentralbank vorgesehenen Betrag der Liquiditätszuführung, dann erfolgt eine verhältnismäßige Zuteilung von Zentralbankgeld. Dabei werden die Gebote der Geschäftspartner mit einer Zuteilungsquote berücksichtigt, welche durch das Verhältnis des vorgesehenen Zuteilungsbetrages zum gesamten Bietungsaufkommen bestimmt wird (siehe Abb.2).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung des Geldwesens in Deutschland und erläutert die Entstehung der EZB als Vorbild der Deutschen Bundesbank.
2. Ziele und Aufgaben der EZB: Dieses Kapitel definiert die Preisniveaustabilität als primäres Ziel und listet die gesetzlichen Aufgabenbereiche der EZB auf.
3. Organisation und Struktur der EZB: Der Abschnitt erläutert die Zusammensetzung der Beschlussorgane, wie EZB-Rat und Direktorium, sowie die institutionelle Unabhängigkeit.
4. Geldpolitische Steuerungsinstrumente der EZB: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil und detailliert Offenmarktgeschäfte, ständige Fazilitäten und das Mindestreservesystem als zentrale Instrumente.
5. Zusammenfassung: Hier werden die wesentlichen Ergebnisse zur Funktionsweise und zum Einsatz der verschiedenen geldpolitischen Instrumente komprimiert dargestellt.
6. Die aktuelle Geldpolitik der EZB: Das Abschlusskapitel analysiert eine konkrete Leitzinsentscheidung und begründet diese vor dem Hintergrund der Inflationsrisiken im Jahr 2005.
Schlüsselwörter
Europäische Zentralbank, EZB, Geldpolitik, Offenmarktgeschäfte, Tenderverfahren, Zinssatz, Preisniveaustabilität, Zentralbankunabhängigkeit, Liquidität, Ständige Fazilitäten, Spitzenrefinanzierungsfazilität, Einlagenfazilität, Mindestreserve, Eurosystem, Leitzins.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den geldpolitischen Instrumenten, die der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Erfüllung ihres Mandats zur Verfügung stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Organisation der EZB, der Funktionsweise der Offenmarktgeschäfte, den ständigen Fazilitäten und der Bedeutung des Mindestreservesystems.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Mechanismen aufzuzeigen, mit denen die EZB die Geldmenge steuert und somit die Preisniveaustabilität im Euro-Raum gewährleistet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Arbeit, die auf Basis von Verträgen (EG-Vertrag) und wirtschaftswissenschaftlicher Fachliteratur die Instrumente erläutert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die drei Säulen der Geldpolitik: Offenmarktgeschäfte, ständige Fazilitäten und Mindestreserven.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören Preisniveaustabilität, EZB-Rat, Liquiditätssteuerung, Zinstender, Mengentender und Zentralbankunabhängigkeit.
Wie wirkt sich der Zinskorridor aus?
Durch die ständigen Fazilitäten (Spitzenrefinanzierung und Einlagefazilität) schafft die EZB einen Zinskorridor, der die kurzfristigen Zinsschwankungen am Interbanken-Geldmarkt begrenzt.
Warum spielt die Unabhängigkeit eine Rolle?
Die Unabhängigkeit der EZB soll die Beeinflussung durch politische Parteien und Interessengruppen verhindern und somit die langfristige Stabilität der Währung sichern.
Wie reagiert die EZB auf Inflationsgefahren?
Wie im Kapitel 6 beschrieben, reagiert die EZB auf eine zu hohe Inflation, beispielsweise durch eine Erhöhung des Leitzinses, um die Preissteigerungen abzubremsen.
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- Mehmet Yay (Author), 2006, Die geldpolitischen Instrumente der Europäischen Zentralbank, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139253