Der vollständige Finanzplan als Alternative zur Investitionsrechnung. Potentiale und Schwächen


Seminararbeit, 2009

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Der vollständige Finanzplan als Instrument zur Investitionsentscheidung
2.1 Abgrenzung zu dynamischen und statischen Verfahren der Investitionsrechnung
2.2 Struktur und Grundaufbau eines vollständigen Finanzplans
2.3 Ergänzungs,- und Zusatzinvestitionen anhand des VoFi

3. Zielsetzungen des Investors
3.1 Renditekennziffern zur Beurteilung der Vorteilhaftigkeit
3.2 Einbeziehung von Ertragssteuern und Abschreibung
3.3 Beispiel für eine Investitionsentscheidung mit Hilfe des VoFi

4. Zusammenfassung und Kritik am Modell der vollständigen Finanzplanung

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Im Jahr 2008 haben deutsche Unternehmen laut einem am 2. März 2009 veröffentlichten Bericht der Bankengruppe KfW[1] Investitionen in Höhe von 311,6 Milliarden Euro getätigt. Das entspricht 12,5 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts 2008. Auch die staatlichen Bruttoinvestitionen betrugen im Jahr 2008 mehr als 470 Milliarden Euro[2].

Diese immensen Summen sollen zeigen, was für eine große Bedeutung Investitionen bzw. Investitionsentscheidungen im öffentlichen und privaten Bereich haben. Da es bei Investitionen von Unternehmen oder auch im öffentlichen Bereich in der Regel um viel Geld geht, das langfristig an das jeweilige Projekt oder die jeweilige Anschaffung gebunden ist, sind Investitionsentscheidungen mit aller Sorgfalt vorzubereiten. Verschiedene Investitionsalternativen sind von den Verantwortlichen häufig nach dem Kriterium zu beurteilen, welche Investition den höheren Rückfluss zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft liefert.

Die Investitionsplanung wird größtenteils von der Investitionsrechnung bestimmt, denn sie „hat die Aufgabe, die finanziellen Wirkungen einer geplanten Investition zu prognostizieren und die dabei gewonnenen monetären Daten so zu verdichten, dass eine zielkonforme Entscheidung getroffen werden kann.“[3] Die Investitionsrechnung soll also die Cashflows einer Investition prognostizieren, gegenüber stellen und somit dem Entscheidungsträger helfen eine zielführende Entscheidung zu treffen.

Der vollständige Finanzplan (engl. Visualization of Financial Implications) stellt laut Literatur eine Alternative zur „klassischen formelorientierten Investitionsrechnung dar“[4] Im Folgenden soll untersucht werden: Welchem Bereich der Investitionsrechnung der vollständige Finanzplan zuzuordnen ist, wie er sich aufbaut, inwiefern er sich als Instrument für Investitionsentscheidungen eignet und welche Schwächen er hat.

2. Der vollständige Finanzplan als Instrument zur Investitionsentscheidung

2.1 Abgrenzung zu dynamischen und statischen Verfahren der Investitionsrechnung

Wie eingangs erwähnt lässt sich das Instrument des vollständigen Finanzplans nur schwer in die Gruppe der klassischen Verfahren der Investitionsrechnung einordnen. Als statisches Verfahren scheidet der vollständige Finanzplan aus, da er im Gegensatz zu Gewinn,- Kosten und Renditevergleichsrechnung ein zeitraumbezogenes Verfahren darstellt. Die zeitliche Struktur von Ein,- Auszahlungen bleibt bei der statischen Investitionsrechnung unberücksichtigt. Im VoFi hingegen sollen die in Zukunft erwarteten Ein,- und Auszahlungen eines Unternehmens vollständig und termingenau erfasst werden, um anhand der zukünftigen Liquidität des Unternehmens Aussagen über die Vorteilhaftigkeit von Investitionsprojekten machen zu können.

Trotz der zeitraumbezogenen Betrachtungsweise des VoFi kann man ihn auch nicht direkt als dynamisches Verfahren betrachten. Bei den dynamischen Verfahren (z.B. Kapitalwertmethode oder Methode des internen Zinsfußes) gilt meist die Annahme des vollkommenen Kapitalmarkts, das heißt: überschüssige finanzielle Mittel können am Kapitalmarkt zu einem festen und über den gesamten Planungszeitraum gleichbleibenden Zinssatz angelegt und aufgenommen werden. Außerdem werden die Bonität und die Zugangsmöglichkeiten zum Kapitalmarkt vernachlässigt.[5] Des Weiteren wird keine Unterscheidung der Finanzierungsmittel einer Investition unternommen, ob es sich also um Eigenkapital oder um Fremdkapital handelt.

Wie Grob schreibt, ist die vollständige Finanzplanung offen für eine individuelle Modellgestaltung.[6] Schon der Begriff zeigt, dass Vollständigkeit relativ ist. Im VoFi kann sowohl die Fremdkapitalaufnahme, dessen Tilgung, der Zinsaufwand für Fremdkapital als auch steuerliche Belastungen als seperate Auszahlung dargestellt werden. Auch die Tilgung lässt sich in der vollständigen Finanzplanung explizit als Raten-, Annuitäten-, oder Kontokorrentkredit darstellen. Darüber hinaus kann der vollständige Finanzplan nicht nur die Überschüsse aus dem Investitionsprojekt verdeutlichen, sondern auch Einnahmen aus Ergänzungsinvestitionen (wie Zinsen) oder Einlagen des Investors tabellarisch für den gesamten Planungszeitraum aufzeigen.

Allein schon durch seine Darstellung in Tabellenform ist der vollständige Finanzplan ein sehr übersichtliches Hilfsmittel in der Investitionsrechnung. Durch die Berücksichtigung tatsächlicher Kapitalmarktbedingungen (zu welchen Konditionen Geld geliehen bzw. angelegt werden kann) wird der VoFi zwar komplexer, ist andererseits aber ausführlicher und detaillierter als viele andere Instrumente der Investitionstheorie.[7]

2.2 Struktur und Grundaufbau eines vollständigen Finanzplans

Ein weiterer wichtiger Vorteil des vollständigen Finanzplans ist, dass in ihm auch Investitionen oder Tilgungen unterschiedlicher Laufzeit berücksichtigt werden können (Konditionenvielfalt[8] ). Es lassen sich zwar auch vereinfachende Annahmen treffen (z.B. hinsichtlich der Bedingung des vollkommenen Kapitalmarkts, der Abschreibungsmodalitäten oder der durchschnittlichen Kapitalkosten) aber für den Grundaufbau des vollständigen Finanzplans gibt es gewisse Anforderungen[9], die jeder Finanzplan erfüllen sollte:

1) Vollständigkeit : Alle durch das Investitionsprojekt ausgelösten Ein-, und Auszahlungen, die während des gesamten Planungszeitraums erwartet werden, müssen erfasst werden. (Hierzu gehören zum Beispiel Fremdkapitalaufnahme, Zinsaufwand, Überschüsse aus dem Investitionsprojekt, Konsumentnahmen oder Zusatzinvestitionen)
2) Bruttoprinzip : Aus Übersichtlichkeitsgründen dürfen Ein,- und Auszahlungen nicht miteinander saldiert werden.
3) Genauigkeit : Alle Cashflows müssen in der Periode im vollständigen Finanzplan erfasst werden, in der sie auch angefallen sind.
4) Vergleichbarkeit : Generell liegt ein Entscheidungsproblem nur bei mindestens zwei sich gegenseitig ausschließenden Alternativen vor. Da in der Realität nur selten Investitionen auftauchen, die sich hinsichtlich Kapitalbindung und Nutzungsdauer vergleichen lassen, müssen Investitionen mit Hilfe vollständiger Finanzpläne vergleichbar gemacht werden. Es ist auch möglich Alternativen, mit unterschiedlich langen Planungszeiträumen vergleichbar zu machen, indem man die Investitionsalternative mit dem kürzeren Planungszeitraum aufzinst oder die Alternative mit dem längeren Planungszeitraum auf den Schlusszeitpunkt der kürzer laufenden Alternative abzinst.

Beispiel für die Grundstruktur eines (einfachen) vollständigen Finanzplans.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: eigene Erstellung

In diesem Beispiel handelt es sich um eine Investition mit einem Planungshorizont von 4 Jahren. Die geplante Investition kostet 1000 und bringt Überschüsse von jeweils 300 in t1 und t4 und 500 in t2 und t3. Das Anfangsvermögen des Investors beträgt 1000 in t0 , sein Vermögen setzt sich zusammen aus 800 eigenen Mitteln und 200 Fremdkapital, dass er durch einen Ratenkredit aufnimmt. Die Zinsen für den Kredit sollen 10% betragen. In der Zeile ZFK ist der Zinsaufwand für jedes Jahr einzeln dargestellt. Überschüssige Mittel sollen am Kapitalmarkt zu 8% verzinst werden. Das Endvermögen des Investors berechnet sich aus dem Saldo seiner Überschüsse, seiner Kreditkosten und seiner Habenzinsen, die seine Investition bringt. Private Entnahmen, Einlagen des Investors werden ebenso wie Steuern nicht berücksichtigt. Unter Fremdkapital wären noch die unterschiedlichen Kreditformen (Annuitätendarlehen, Kontokorrentkredit, Kredit mit Endfälligkeit) aufzuführen.

Wenn der Investor keine Alternative zu seiner Investition hat und wissen möchte, ob es sich um ein lohnendes Projekt handelt, kann er sein Endvermögen mit dem der Unterlassensalternative (Opportunität) vergleichen. In diesem Beispiel gilt dann:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit der Unterlassensalternative hätte der Investor nur ein Endvermögen von 1088,39 erreicht, dementsprechend handelt es sich um eine absolut vorteilhafte Investition.

2.3 Ergänzungs-, und Zusatzinvestitionen anhand des VoFi

Das Beispiel zeigt, dass der vollständige Finanzplan beliebig ausbaufähig ist. Grob spricht in diesem Zusammenhang vom „Konkretisierungsgrad der Modellsegmente“[10]. Ein vollständiger Finanzplan mit hohem Konkretisierungsgrad ist hinsichtlich der Eigenkapitaldispositionen (Bestand an eigenen Mitteln, Einlagen, Entnahmen, Ausschüttungen, Subventionen, u.a.) und der Fremdkapitaldispositionen[11] (Kreditaufnahmen, Tilgung, Zinsaufwand, u.a.) sehr ausführlich aufgebaut.

Um einen hohen Konkretisierungsgrad zu erreichen ist es wichtig, die Ergänzungs- und Zusatzinvestitionen in den VoFi einzubeziehen. Eine standardmäßige Zusatzinvestition wäre zum Beispiel eine Finanzinvestition, die der Investor aus überschüssigen Mitteln tätigt, die aus seinem Investitionsprojekt stammen, die er aber selbst nicht benötigt. Im Bereich von Sachinvestitionen können Ergänzungsinvestitionen wie Instandsetzungsmaßnahmen einer Immobilie oder Wartung einer Maschine nötig werden.

Die Einbeziehung von Ergänzungs- und Zusatzinvestitionen ist wichtig, da sie als Konsequenz/ im Zuge der ursprünglichen Investition anfallen und sich somit auch direkt auf die Vorteilhaftigkeit der eigentlichen Investition auswirken. Es ist ein Vorteil der vollständigen Finanzplanung, dass solche zusätzlichen Einwirkungen auf die Entscheidung mitberücksichtigt werden. Im Gegensatz zur Kapitalwertmethode werden überschüssige Mittel nicht zum Kalkulationszinsfuß angelegt, sondern es werden realistische Kapitalmarktbedingungen für den Zinssatz angenommen. Allerdings wird der VoFi gerade durch derartige Konkretisierungen sehr komplex. Angenommen es gibt mehrere Ergänzungsinvestitionen, die fremdfinanziert werden müssen, so wird der Finanzplan durch die Ausweisung von Zinsaufwand und Liquiditätsveränderung komplizierter.

3. Zielsetzungen des Investors

Jeder Investor der mit seiner Investition monetäre Ziele verfolgt wird am Ende seines Planungszeitraums einen höheren Vermögensendwert erwarten. Hierfür kann man den Vermögensendwert mit der Unterlassensalternative vergleichen. Wieviel bringt dem Investor die Investition gegenüber dem Fall, dass er die Investition nicht ausführen würde. In diesem Fall würde gelten:

Cn > 0 vorteilhafte Investition

Werden mehrere Investitionen miteinander verglichen, so gilt (wie bei der Kapitalwertmethode) diejenige als die vorteilhafteste, die den höchsten Vermögensendwert aufweist.[12] Wobei zu beachten ist, dass für jede Investitionsalternative ein eigener VoFi aufgestellt werden muss.

[...]


[1] http://www.kfw.de/DE_Home/Research/KfW-Indika17/KfW-Investbarometer/Aktuelle_Meldung.jsp

[2] http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pk/2009/BIP2008/ Pressebroschuere__BIP2008,property=file.pdf

[3] Wöhe, G. / Döring, U.: Einführung in die allgemeine Betriebswirtschaftslehre, München: Vahlen 2008 (S. 523)

[4] vgl. Grob, L. : Investitionsrechnung mit vollständigen Finanzplänen, München: Vahlen 1989

[5] vgl. Maier, K. Risikomanagement im Immobilien und Finanzwesen, 2007, Seite 264

[6] vgl. Grob, L. Investitionsrechnung mit vollständigen Finanzplänen, 1989, Seite 5

[7] vgl Drukarczyk, J. Finanzierung, 2008, Seite 91 ff.

[8] vgl. Götze, U. Investitionsrechnung, 2008, Seite 119ff. 9 vgl. Drukarczyck, J. Finanzierung, 2008, Seite 92f.

[9] vgl. Drukarczyck, J. Finanzierung, 2008, Seite 92f.

[10] vgl. Grob, L. Einführung in die Investitionsrechnung, 2006, Seite 109

[11] vgl. Grob, L. Einführung in die Investitionsrechnung, 2006, Seite 109

[12] vgl. Maier, Kurt M. Risikomanagement im Immobilien und Finanzwesen, 2007, Seite 264

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der vollständige Finanzplan als Alternative zur Investitionsrechnung. Potentiale und Schwächen
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; Standort Nürtingen
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V139260
ISBN (eBook)
9783668175808
ISBN (Buch)
9783668175815
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
finanzplan, alternative, investitionsrechnung, potentiale, schwächen
Arbeit zitieren
Jochen Henze (Autor), 2009, Der vollständige Finanzplan als Alternative zur Investitionsrechnung. Potentiale und Schwächen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139260

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