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Der Sozialistische Realismus und die Aufgaben des sowjetischen Schriftstellers

Unter besonderer Beachtung von "Sovetskaja literatura" von Maksim Gor’kij und "Čto takoe socialističeskij realizm?"von Andrej Sinjavskij

Title: Der Sozialistische Realismus und die Aufgaben des sowjetischen Schriftstellers

Term Paper , 2009 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anonym (Author)

Russian / Slavic Languages
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Summary Excerpt Details

Gegenstand der folgenden Arbeit soll der Sozialistische Realismus als künstlerische Hauptmethode und die damit verbundenen Anforderungen an den sowjetischen Schriftsteller sein. Nicht nur das Revolutionsjahr von 1917, sondern auch die Etablierung des Sozialistischen Realismus als offizielle Kunstdoktrin Anfang der 30er Jahre wird als entscheidender Einschnitt und Veränderung, sowohl auf der literarischen, als auch auf der literaturpolitischen Ebene gesehen. Mit dem Dekret „О перестройке литературно-художественных оргаизаций“ („Über den Umbau der literarisch-künstlerischen Organisationen“) des CK der Kommunistischen Partei am 23.04.1932 wurde der dynamischen Vielfalt der literarischen Gruppen („групповщина“), die etwa seit 1918 das Wesen der sowjetischen Literatur bestimmt hatte, ein Ende gesetzt. Damit wurden nicht nur die zu der Zeit bestehenden literarischen Gruppen aufgelöst, sondern auch ein homogener Schriftstellerverband gegründet, der alle sowjetischen Schriftsteller vereinigen sollte, die bereit waren „am sozialistischen Aufbau teilzunehmen“ , und die sich ab nun der Methode des Sozialistischen Realismus bedienen sollten. Dies beinhaltete nicht nur die homogene Vereinheitlichung der Struktur des Schriftstellerverbandes als Folge des Dekretes, sondern auch den Anfang zur kunsttheoretischen Vereinheitlichung der Literatur in Bezug auf den sozialistischen Realismus, welche die Literatur für mehr als zwei Jahrzehnte fest im Griff hatte. Damit wurde die Literatur endgültig in den Dienst des Staates gestellt. Doch wie sahen die Anforderungen an die Schriftsteller aus, die sich der neuen Methode bedienen sollten? Eine oft zitierte Aussage Stalins beschreibt die Schriftsteller als Ingenieure der Seele („инженер человеческих душ“ ):
„Es gibt eine Arbeit von gewaltiger Wichtigkeit […] es gibt Ingenieure, die Traktoren bauen können, es gibt Ingenieure, die die Konstruktion von Industriegiganten leiten. Ihr Schriftsteller seid auch Ingenieure, die die Konstruktion der menschlichen Seele leitet. Dies ist eine nicht weniger wichtige Arbeit als jede andere Arbeit, die in unserem Land für den Aufbau des Sozialismus und seinen Sieg geleistet wird.“

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Hintergrund des sozialistischen Realismus

3. Maksim Gor’kij und Andrej Sinjavskij in ihrer Beziehung zum Sozialistischen Realismus

3.1 Maksim Gor’kij als Gründervater des Sozialistischen Realismus

3.2. Andrej Sinajvskij/Arbam Terc: Bruch mit den Normen des Sozrealismus

4. Sinjavskij - Terc: „Čto takoe socialističeskij realizm?” (1959)

4.1. Struktur und Inhalt des Essays

4.2. Die Aufgaben des sowjetischen Schriftstellers

4.2.1. Anwendung der Formel des Sozialistischen Realismus

4.2.2. Der „positive Held“ und die Heldenmystifizierung mit einem Exkurs zu Maksim Gor‘kij

5. Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Sozialistischen Realismus als offizielle Kunstdoktrin der Sowjetunion sowie die daraus resultierenden, teils paradoxen Anforderungen an den sowjetischen Schriftsteller. Im Fokus steht dabei die Analyse des literaturkritischen Essays „Čto takoe socialističeskij realizm?“ von Andrej Sinjavskij (unter dem Pseudonym Abram Terc) und dessen Vergleich mit den theoretischen Positionen von Maksim Gor’kij, um die Konstruktion und Funktionalisierung des „positiven Helden“ zu demaskieren.

  • Die Etablierung des Sozialistischen Realismus als staatliche Kunstmethode ab 1932.
  • Die Rolle des sowjetischen Schriftstellers als „Ingenieur der Seele“.
  • Analyse und Dekonstruktion des Konzepts des „positiven Helden“.
  • Die Funktion der Heldenmystifizierung und der Arbeit als zentralem Motiv.
  • Kritische Gegenüberstellung der Positionen von Maksim Gor’kij und Andrej Sinjavskij.

Auszug aus dem Buch

4.2.1. Anwendung der Formel des Sozialistischen Realismus

Sinjavskij/Terc bezeichnet diese Definition als eine unschuldige und trockene Formel („Эта невинная формула,[…]“;“ […] по поверхности сухой формулы“)48. Der Formel wird damit nicht nur eine Eigenschaft gegeben, der es an Erfahrung, an persönlicher Verantwortlichkeit und moralischer Schuld mangelt, sondern sie wird von Sinjavskij damit gleichzeitig ironisiert. Denn es handelt sich keineswegs um eine „unschuldige“ Formel. Ihr „[…]liegt eine Vorstellung von dem Ziel zugrunde, von jenem allumfassendem Ideal, dem die wahrheitsgetreu abgebildete Wirklichkeit unentwegt und revolutionär entgegen strebt“ („B основе этой формулы […] лежит понятие цели того всеохватывающего идеала, по направлению к которому неуклонно и революционно развивается правдиво изображаемая действительность.“ 49). Diese Formel ist nicht einfach nur „trocken“ und „unschuldig“, sie hat einen bestimmten Sinn. Diesen Sinn drückt Sinjavskij/Terc durch ein Adjektiv „allumfassend“ („всеохватывающего“) aus, das dem Ideal einen lebendigen Zustand verleiht, das alle um sich herum umfasst. Der Sinn der Formel besteht nun mehr darin, dass sie als Mittel zu einem bestimmten Zweck eingesetzt wird. Es herrscht aber auch ein Paradoxon, denn weniger die wahrheitsgetreu abgebildete Wirklichkeit strebt dem Ideal entgegen, sondern die Menschen, die sie anscheinend wahrheitsgetreu abbilden. Die Funktionalität der Formel auf das Ziel hin liegt darin, indem „das Bewusstsein des Lesers diesem Ziel entsprechend verändert wird“ („переделывая сознание читателя в соответствие с этой цели“50). Der Zweck bzw. das Ziel ist der Idealzustand des Kommunismus. Die „Veränderung des Bewusstseins“ ist von Sinjavskij/Terc neutral ausgedrückt, meint aber im gewissen Sinne die Manipulation des Lesers zu Propagandazwecken und Unterstützung des Sozialismus. Diese Moral ist nicht die Sinjavskij, der davon ausgeht, dass die Kunst frei von jeglichem Zweck und Dienst sein müsste.51 Der staatliche Dienst, dem die Literatur unterliegt spiegelt sich auch im nächsten Zitat wider:

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Sozialistischen Realismus als staatliche Kunstmethode ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Anforderungen an den sowjetischen Schriftsteller kritisch zu hinterfragen.

2. Geschichtlicher Hintergrund des sozialistischen Realismus: Das Kapitel erläutert den kulturpolitischen Kontext und die Machtkämpfe zwischen literarischen Gruppierungen, die zur Etablierung des Schriftstellerverbandes und der neuen Kunstdoktrin führten.

3. Maksim Gor’kij und Andrej Sinjavskij in ihrer Beziehung zum Sozialistischen Realismus: Hier werden die Biographien und Positionen der beiden zentralen Autoren im Hinblick auf den Sozialistischen Realismus gegenübergestellt und deren unterschiedliche Verhältnisse zum sowjetischen System beleuchtet.

3.1 Maksim Gor’kij als Gründervater des Sozialistischen Realismus: Dieses Kapitel behandelt Gor’kijs Rolle als mythischer Begründer der Methode und seine theoretische Verankerung der Literatur im sozialistischen Aufbau.

3.2. Andrej Sinajvskij/Arbam Terc: Bruch mit den Normen des Sozrealismus: Hier wird der kritische Bruch Sinjavskijs mit dem dogmatischen System während und nach der Tauwetter-Periode sowie die daraus resultierenden Konsequenzen beschrieben.

4. Sinjavskij - Terc: „Čto takoe socialističeskij realizm?” (1959): Das Kapitel liefert eine detaillierte Analyse der Struktur und des Inhalts des Essays, das als Abrechnung mit der stalinistischen Kulturtheorie dient.

4.1. Struktur und Inhalt des Essays: Hier werden die drei Teile des Essays hinsichtlich ihrer thematischen Ausrichtung und der methodischen Herangehensweise des Autors untersucht.

4.2. Die Aufgaben des sowjetischen Schriftstellers: Dieses Kapitel widmet sich den expliziten Anforderungen an die Literatur und den Künstler innerhalb der sozialistisch-realistischen Methode.

4.2.1. Anwendung der Formel des Sozialistischen Realismus: Es wird analysiert, wie die offizielle Formel zur Manipulation des Lesers und zur Unterordnung der Literatur unter den staatlichen Zweck dient.

4.2.2. Der „positive Held“ und die Heldenmystifizierung mit einem Exkurs zu Maksim Gor‘kij: Dieser Teil dekonstruiert das Konstrukt des idealisierten Helden und zeigt auf, wie Gor’kij Mythen schuf, um die Arbeit zu glorifizieren.

5. Schlusswort: Das Schlusswort fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet Sinjavskijs essayistische Leistung als ein demaskierendes Dekonstruieren der stalinistischen Literaturdoktrin.

Schlüsselwörter

Sozialistischer Realismus, Sowjetische Literatur, Andrej Sinjavskij, Abram Terc, Maksim Gor’kij, Positiver Held, Heldenmystifizierung, Literaturtheorie, Stalinismus, Kulturpolitik, Zensur, Ideologie, Propaganda, Schriftstellerverband, Ästhetik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert den Sozialistischen Realismus als offizielle künstlerische Methode der Sowjetunion und untersucht, wie diese Methode den sowjetischen Schriftsteller in den Dienst des Staates stellte.

Was sind die zentralen Themenfelder dieser Analyse?

Die zentralen Themen sind die Rolle der Literatur unter stalinistischer Kontrolle, die Funktion des „positiven Helden“ sowie die theoretische Aufarbeitung durch den Dissidenten Andrej Sinjavskij.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das Ziel ist die kritische Analyse und Dekonstruktion der offiziellen sowjetischen Literaturdoktrin, indem die theoretischen Grundlagen von Maksim Gor’kij den entlarvenden Analysen von Andrej Sinjavskij gegenübergestellt werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewendet?

Die Arbeit nutzt die literaturkritische Analyse von Primärquellen (Essays und Reden) sowie den Vergleich verschiedener theoretischer Positionen zur sowjetischen Kulturpolitik.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Struktur des Essays von Sinjavskij, der Rolle der offiziellen "Formel" des Sozialistischen Realismus und der Funktion des positiven Helden als Mittel zur Erziehung und Lenkung der Massen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Charakterisierende Begriffe sind unter anderem Sozialistischer Realismus, Heldenmystifizierung, Ideologisierung der Kunst, dissidentes Schreiben und die Entlarvung der staatlichen Literaturpolitik.

Welche Rolle spielt Maksim Gor’kij im Kontext des Sozialistischen Realismus?

Gor’kij wird in der Arbeit als mythischer Gründervater der Methode identifiziert, dessen Rhetorik und Mythenbildung als theoretisches Fundament dienten, um die Literatur in den Dienst des sozialistischen Aufbaus zu stellen.

Warum wird Sinjavskij in der Arbeit als "Mythenzerstörer" bezeichnet?

Er erhält diese Bezeichnung, weil er in seinem Essay den Sozialistischen Realismus nicht als Realismus, sondern als künstliche Heldenmystifizierung dekonstruiert und dessen aggressive, manipulative Natur offenlegt.

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Details

Title
Der Sozialistische Realismus und die Aufgaben des sowjetischen Schriftstellers
Subtitle
Unter besonderer Beachtung von "Sovetskaja literatura" von Maksim Gor’kij und "Čto takoe socialističeskij realizm?"von Andrej Sinjavskij
College
University of Freiburg  (Philologie)
Course
Hauptseminar
Grade
1,0
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2009
Pages
26
Catalog Number
V139275
ISBN (eBook)
9783640491193
ISBN (Book)
9783640491421
Language
German
Tags
Sozialistische Realismus Aufgaben Schriftstellers Unter Beachtung Sovetskaja Maksim Gor’kij Andrej Sinjavskij
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2009, Der Sozialistische Realismus und die Aufgaben des sowjetischen Schriftstellers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139275
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