Immer häufiger werden Aussagen dieser Art gemacht und es wird immer mehr von
Rechenschwäche, Rechenstörung oder auch Dyskalkulie gesprochen. Mit der Literatur zu
diesen Themen muss sehr behutsam umgegangen werden. Es gibt viele unseriöse Artikel, die
im Internet oder anderen Medien veröffentlicht werden. Immer wieder wird von „Ursachen“
für Rechenstörung gesprochen. Mit dem Begriff „Ursachen“ sollte man jedoch vorsichtig
umgehen und besonders mit den teilweise abstrusen „Ursachen“. Wenn auf einer zuerst seriös
erscheinenden Internetseite steht, dass eine Rechenstörung von Geburt an vorherbestimmt ist,
müssen wir uns über Aussagen, wie sie die oben zitierte Schülerin macht, nicht wundern. Eine
Vielzahl von Beiträgen zeugt davon, dass die Gesellschaft ein allgemeines Interesse an dem
Thema hat. Die häufig falsche Aufklärung und Beratung vermittelt größtenteils das Bild einer
„Krankheit“, wie bei der oben zitierten Schülerin. Es gibt viele unerforschte Bereiche auf
diesem Gebiet, die mit Sicherheit nicht aufgeklärt werden können. Jedoch ist die Forschung
bereits soweit fortgeschritten, dass Kinder in der Grundschule mit Hilfe von Testverfahren auf
Rechenstörung untersucht werden können. Die Förderung kann somit frühzeitig beginnen.
Hierzu gibt es verschiedene Arten und Formen von Tests. Einer dieser Tests wurde an der
Universität Bielefeld entwickelt: Der Bielefelder Rechentest „BIRTE“. Mit BIRTE sollen
Kinder mit Rechenstörungen frühzeitig erkannt werden, um eine entsprechende Förderung zu
erhalten. BIRTE beinhaltet verschiedene Module zu unterschiedlichen Aufgabentypen, die für
Schüler 1 Mitte des zweiten Schuljahres zu lösen seien sollten. Es handelt sich dabei um
produkt- und prozessorientierte Aufgaben. Im Unterschied zu anderen Testverfahren ermittelt
BIRTE keine leistungsstarken Schüler, sondern gibt nur Aufschluss darüber, welche Kinder
rechenschwach sein könnten. Zurzeit wird der Mathetest BIRTE evaluiert. Der Test, der von
Fachpersonal persönlich an der Universität Bielefeld (Erstüberprüfung) durchgeführt wird,
soll in der Zukunft am Computer erfolgen. Dabei sind die Aufgaben sehr ähnlich. BIRTE soll
sehr viel von der erfolgreichen prozessorientierte Erstüberprüfung übernehmen. Der
Unterschied besteht darin, dass die Kinder vor einem Computer sitzen und die Arbeitsaufträge
per Computerstimme übermittelt bekommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kompetenzen von Kindern im zweiten Schuljahr
2.1 Kompetenzen zum Halbieren und Verdoppeln
2.2 Kompetenzen zu Zahlzerlegungen
2.3 Kompetenzen zu Rechenstrategien
3. Diagnostische Möglichkeiten beim Verdacht auf Rechenstörung
3.1 Begriffsklärung
3.2 Typen diagnostischer Verfahren
3.2.1 Etikettierungstest am Beispiel des Zareki
3.2.2 Klassifizierungstest am Beispiel von OTZ und DEMAT
3.2.3 Prozessorientierte Diagnostik am Beispiel der Erstüberprüfung
3.2.4 Der Bielefelder Rechentest (BIRTE)
3.3 Diagnostik der Kompetenzen „Halbieren und Verdoppeln“, „Zahlzerlegungen“ und „Rechenstrategien“
3.3.1 Diagnose der Kompetenz „Halbieren und Verdoppeln“
3.3.2 Diagnose der Kompetenz „Zahlzerlegungen“
3.3.3 Diagnose der Kompetenz „Rechenstrategien“
4. Fragen und Design der Studie
4.1 Forschungsfrage
4.2 Forschungsdesign
5. Darstellung der Befunde
5.1 Vergleich der Ergebnisse
5.1.1 Vergleich der gesamten Testergebnisse von BIRTE und Erstüberprüfung
5.1.2 Vergleich der Testergebnisse von BIRTE und Erstüberprüfung beim Halbieren und Verdoppeln
5.1.3 Vergleich der Testergebnisse von BIRTE und Erstüberprüfung bei den Zahlzerlegungen
5.1.4 Vergleich der Testergebnisse von BIRTE und Erstüberprüfung bei den Rechenstrategien
5.2 Fallanalysen
5.2.1 Max beim Halbieren und Verdoppeln
5.2.2 Lea bei den Zahlzerlegungen
5.2.3 Tabea bei den Rechenstrategien
5.3 Ergebniszusammenfassung
6. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen einem persönlichen, prozessorientierten Diagnoseverfahren (Erstüberprüfung) und einem computergestützten Test (BIRTE) bei Zweitklässlern. Ziel ist es zu prüfen, ob der Computertest als Diagnostikinstrument für Kinder mit mathematischen Schwierigkeiten valide Ergebnisse liefert und einen individuellen Förderplan ermöglicht.
- Kompetenzen im Bereich Halbieren & Verdoppeln, Zahlzerlegung und Rechenstrategien.
- Vergleichende Analyse von Diagnoseverfahren bei Rechenstörungen.
- Evaluierung des computergestützten Bielefelder Rechentests (BIRTE).
- Empirische Untersuchung der Übereinstimmung von Computer- und Interviewdiagnostik.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Ich kann das nicht! Ich kann seit meiner Geburt kein Mathe!“ (Schülerin einer 3. Klasse)
Immer häufiger werden Aussagen dieser Art gemacht und es wird immer mehr von Rechenschwäche, Rechenstörung oder auch Dyskalkulie gesprochen. Mit der Literatur zu diesen Themen muss sehr behutsam umgegangen werden. Es gibt viele unseriöse Artikel, die im Internet oder anderen Medien veröffentlicht werden. Immer wieder wird von „Ursachen“ für Rechenstörung gesprochen. Mit dem Begriff „Ursachen“ sollte man jedoch vorsichtig umgehen und besonders mit den teilweise abstrusen „Ursachen“. Wenn auf einer zuerst seriös erscheinenden Internetseite steht, dass eine Rechenstörung von Geburt an vorherbestimmt ist, müssen wir uns über Aussagen, wie sie die oben zitierte Schülerin macht, nicht wundern. Eine Vielzahl von Beiträgen zeugt davon, dass die Gesellschaft ein allgemeines Interesse an dem Thema hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik der öffentlichen Wahrnehmung von Rechenstörungen und stellt das Forschungsprojekt BIRTE zur frühzeitigen Identifikation rechenschwacher Kinder vor.
2. Kompetenzen von Kindern im zweiten Schuljahr: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden mathematischen Kompetenzen – Halbieren/Verdoppeln, Zahlzerlegung und Rechenstrategien –, die für Zweitklässler essenziell sind.
3. Diagnostische Möglichkeiten beim Verdacht auf Rechenstörung: Es erfolgt eine theoretische Abgrenzung der Begriffe Rechenschwäche/Dyskalkulie sowie ein Vergleich verschiedener Diagnosetypen (Etikettierung vs. Prozessorientierung) inklusive der Vorstellung von BIRTE.
4. Fragen und Design der Studie: Die zentralen Forschungsfragen und das methodische Vorgehen der empirischen Untersuchung (Interviews vs. Computertest) an 47 Kindern werden dargelegt.
5. Darstellung der Befunde: Dieser Hauptteil präsentiert die Ergebnisse des Verfahrensvergleichs, analysiert Daten mittels Mehrfeldertafeln und vertieft diese durch drei gezielte Einzelfallanalysen.
6. Schlussbemerkung: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse, beantwortet die Forschungsfrage und diskutiert die Eignung von BIRTE für den schulischen Einsatz sowie den Bedarf an weiterer Forschung.
Schlüsselwörter
Rechenschwäche, Rechenstörung, Dyskalkulie, BIRTE, Halbieren, Verdoppeln, Zahlzerlegung, Rechenstrategien, Erstüberprüfung, Diagnostik, Diagnoseverfahren, Grundschule, empirische Studie, Förderplan, prozessorientierte Diagnostik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Bachelorarbeit untersucht, ob der computergestützte Bielefelder Rechentest (BIRTE) valide Ergebnisse liefert, die mit einem persönlichen Interview (Erstüberprüfung) vergleichbar sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Kompetenzen Halbieren & Verdoppeln, Zahlzerlegung und Rechenstrategien bei Zweitklässlern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Evaluierung des Computertests BIRTE als Instrument zur Diagnose von Rechenstörungen, um Kindern eine gezielte Förderung zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine empirische Studie mit 47 Kindern, deren Leistungen sowohl in einem persönlichen Interview als auch am Computer erfasst und in Mehrfeldertafeln vergleichend analysiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Einordnung von Diagnoseinstrumenten, dem Studiendesign und der detaillierten Auswertung der Testergebnisse für die genannten mathematischen Kompetenzbereiche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rechenschwäche, BIRTE, prozessorientierte Diagnostik, Zahlzerlegung und empirische Studie charakterisiert.
Warum wird zwischen Etikettierungstests und prozessorientierter Diagnostik unterschieden?
Die Arbeit grenzt diese ab, da Etikettierungstests lediglich selektieren (z. B. Zareki), während die prozessorientierte Diagnostik auf das Verständnis individueller Lernwege abzielt, um passgenaue Förderpläne zu entwickeln.
Welche Rolle spielt das „Computer-Problem“ in der Arbeit?
Das „Computer-Problem“ beschreibt Schwierigkeiten von Zweitklässlern bei der Handhabung des Mediums (z. B. versehentliches Überspringen von Aufgaben), was zu Abweichungen in den Testergebnissen führen kann.
Was zeigen die Fallanalysen (z. B. Max oder Tabea)?
Die Fallanalysen zeigen, dass beide Testverfahren bei der Identifikation von Förderbedarf konsistent sind, auch wenn individuelle Schwierigkeiten beim Computertest durch das Medium zusätzlich auftreten können.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2008, Studien mit Zweitklässlern zum Halbieren & Verdoppeln sowie zu Zahlzerlegung und zum Rechnen in zwei verschiedenen Versuchsumgebungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139302