2.1 Die Bedeutung von Systempartnerschaften in der Beschaffung
Studien, auf die sich Arnold bezieht, erwiesen, dass eine „schlanke Produktion“ der Dreh- und Angelpunkt des Erfolges japanischer Hersteller ist, worin der Ursprung jener Beschaffungsstrategien zu sehen ist, die in besonderer Weise zu einer Verschlankung der Lieferpyramide führen. Dies richtet den Fokus der zu wählenden Sourcing-Strategie auf die Lieferantenzahl wodurch den Zulieferern und deren Leistung eine zentrale Bedeutung zukommt.
Systempartnerschaften bedeuten laut Heckig/Marlinhaus den „(…) engen Schulterschluss zwischen Herstellern und Zulieferern, denn der Schlüssel zu schnellerer Beschaffung liegt in der Effizienz und der optimalen Integration der Supply Chain. Die beste Variante ist eine strategische und langfristige Partnerschaft.“ Die Bedeutung einer engen und konstruktiven Zusammenarbeit mit Lieferanten betont auch Martina Buchhauser, Direktorin des Zentralbereiches Einkauf der MAN Nutzfahrzeuge AG in München. Sie sieht das Ende des Prozesses der Konzentration auf wenige Schlüssellieferanten bei MAN (ca. 1.000) noch lange nicht als beendet an. Im Vordergrund des Selektionsprozesses stehe hier ganz klar die Qualität der Leistung. Ebenso verfolgt die MAN weiterhin konsequent das Ziel der Kostenreduktion, das, so Buchhauser, ausschließlich in Zusammenarbeit mit den Lieferanten optimiert werden kann. Jedoch weist Francisco Javier Garcia Sanz, Markenvorstand VW und Chef des Zentral-Einkaufs explizit daraufhin, dass eine intensivere Nähe zum Zulieferer keineswegs in einen „Schmusekurs“ ausarten dürfe. Vielmehr ist in diesen speziellen und vielschichtigen Beschaffungskooperationen Offenheit und manchmal auch Härte nötig.
Diese Beispiele aus der Praxis untermauern die Bedeutung partnerschaftlicher Lieferantenbeziehungen gegenüber den klassischen, transaktionalen Lieferantenbeziehungen und machen die Notwendigkeit deutlich, diesen „Trend“ nicht zu unterschätzen und evtl. mögliche Wettbewerbsvorteile durch intelligentes und partnerschaftliches Sourcing zu verpassen. Heß betont jedoch bezüglich dem Aufbau einer Systempartnerschaft, dass eine partnerschaftliche Lieferantenbeziehung einen hohen Steuerungsaufwand mit sich bringt, der erst dann gerechtfertigt ist, wenn deutliche Vorteile im Rahmen der Beziehung zu erwarten sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Begrifflichkeiten Modular und System Sourcing im Rahmen der strategischen Beschaffung
1.1 Begriff der Beschaffung und Beschaffungs(objekt)strategie
1.2 Modular Sourcing – Definition „Modul“
1.3 System Sourcing – Definition „System“
1.4 Begriffabgrenzung - Modular versus System Sourcing
2 Systempartnerschaften im Fokus - Modular und System Sourcing
2.1 Die Bedeutung von Systempartnerschaften in der Beschaffung
2.2 Zielsetzung, Anforderungen und Risiken der Beschaffungsobjektstrategie Modular Sourcing
2.3 Zielsetzung, Anforderungen und Risiken der Beschaffungsobjektstrategie System Sourcing
3 Fallbeispiel Modular und System Sourcing
3.1 Die Continental AG
3.2 Modular Sourcing am Fallbeispiel Airbagsteuerungsgerät
3.2 System Sourcing am Fallbeispiel Airbagsicherheitssystem
4 Modular und System Sourcing - Auf einen Blick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die strategischen Beschaffungskonzepte Modular Sourcing und System Sourcing. Ziel ist es, die Unterschiede, Anforderungen sowie die damit verbundenen Risiken dieser Outsourcing-Strategien im Kontext der Wertschöpfungskette und der Systempartnerschaften zwischen OEMs und Lieferanten zu analysieren.
- Definition und Abgrenzung von Modular und System Sourcing
- Strategische Bedeutung von Systempartnerschaften
- Analyse von Zielen, Anforderungen und Risiken
- Fallbeispiele aus der Automobilindustrie (Continental AG)
- Bewertung der Leistungsfähigkeit durch Verschlankung der Lieferpyramide
Auszug aus dem Buch
1.1 Begriff der Beschaffung und Beschaffungs(objekt)strategie
Um eine Definition der Sourcing-Strategien Modular und System verständlich zu gestalten, ist zunächst eine Eingrenzung des Anwendungsbereiches im Kontext der Unternehmensaufgabe „Beschaffung“ sinnvoll. Doch was ist unter dem selbstsprechenden und doch vagen Begriff der „Beschaffung“ zu verstehen? Arnold folgend umfasst die Beschaffung „(…) sämtliche unternehmens- und/oder marktbezogenen Tätigkeiten, die darauf gerichtet sind, einem Unternehmen die benötigten, aber nicht selbst hergestellten Objekte verfügbar zu machen.“ Diese Objekte nennt Andreßen vereinfachend „Beschaffungsobjekte“.
In Anlehnung an Andreßen wird nun auf den Bereich der Wertschöpfungskette eingegangen, der die Beziehung zwischen dem direkten Lieferanten sowie dem Original Equipment Manufacturer (im Folgenden OEM genannt) betrachtet. Des Weiteren werden hier zur Vereinfachung Beschaffungsobjekte als physische Einheiten definiert.
Die strategischen Aufgaben der Beschaffung gehen über die operativen Aufgaben hinaus, das Beschaffungsobjekt in der richtigen Menge, zur richtigen Zeit, in der richtigen Qualität und am richtigen Ort bereitzustellen. In der strategischen Beschaffung liegt der Fokus hingegen auf der Verbesserung oder dem Erhalt der Wettbewerbsposition durch a) die Integrationsfähigkeit der Produkte/Prozesse durch Optimierung der Schnittstellen bspw. durch Minimierung der Anzahl unterschiedlicher Beschaffungssortimente, b) die Steigerung der Innovationsfähigkeit durch frühzeitigen Einbezug leistungsfähiger Lieferanten in den Produktentwicklungsprozess, c) die Erschließung vertikaler Verbundeffekte durch Analyse der Wertschöpfungsaktivitäten unter Einbeziehung der Vor- und Nachstufen und d) die Erschließung horizontaler Verbundeffekte durch Optimierungspotenziale, die Nachfrager durch kollektives Handeln erzielen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Begrifflichkeiten Modular und System Sourcing im Rahmen der strategischen Beschaffung: Dieses Kapitel definiert die Grundlagen der Beschaffungsstrategien und grenzt Modular Sourcing von System Sourcing anhand der Objektdimension ab.
2 Systempartnerschaften im Fokus - Modular und System Sourcing: Hier werden die Zielsetzungen, Anforderungen und spezifischen Risiken beider Sourcing-Strategien sowie deren Bedeutung für eine moderne Lieferantenbeziehung dargelegt.
3 Fallbeispiel Modular und System Sourcing: Anhand der Continental AG werden die Strategien praktisch illustriert, wobei der Fokus auf Airbagsteuerungsgeräten und kompletten Airbagsicherheitssystemen liegt.
4 Modular und System Sourcing - Auf einen Blick: Ein zusammenfassender Rückblick, der die Kernaspekte der Strategien und die Notwendigkeit intensiver Management-Überlegungen hervorhebt.
Schlüsselwörter
Modular Sourcing, System Sourcing, Beschaffungsobjektstrategie, Systempartnerschaften, OEM, Outsourcing, Wertschöpfungskette, Lieferantenmanagement, Automobilindustrie, Continental AG, Simultaneous Engineering, Schnittstellenoptimierung, Total Cost of Ownership.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die strategischen Beschaffungskonzepte Modular und System Sourcing im Kontext der logistischen Zusammenarbeit zwischen Automobilherstellern (OEMs) und ihren Zulieferern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Beschaffungsobjektstrategien, das Management von Systempartnerschaften, die Identifikation von Risiken bei Outsourcing-Prozessen sowie die praktische Umsetzung in der Automobilindustrie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, ein Verständnis für die strategische Entscheidung zwischen Modul- und Systembezug zu schaffen und die damit verbundenen Anforderungen an Lieferanten und Abnehmer zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Fundierung durch Literaturanalyse und veranschaulicht diese durch ein konkretes Fallbeispiel aus der Praxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Definitionen, Abgrenzungen, Zielsetzungen, Chancen und Risiken der Sourcing-Strategien, ergänzt um eine praktische Fallstudie zur Continental AG.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Modular Sourcing, System Sourcing, OEM, Systempartnerschaften, Wertschöpfungskette und Lieferantenmanagement.
Was unterscheidet Modular Sourcing von System Sourcing laut der Autorin?
Der wesentliche Unterschied liegt im Komplexitätsgrad des Beschaffungsobjekts und der übertragenen Verantwortung; während beim Modular Sourcing die logistische Integration im Vordergrund steht, umfasst System Sourcing auch die Verantwortung für F&E und die gesamte Systemfunktionalität.
Welche Rolle spielt die Continental AG im Dokument?
Die Continental AG dient als Praxisbeispiel, um die unterschiedlichen Ausprägungen des Sourcings – als Modullieferant für Steuerungsgeräte und als Systemlieferant für komplette Sicherheitssysteme – zu verdeutlichen.
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- Bettina Gruber (Author), 2008, Systempartnerschaften: System und Modular Sourcing, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139309