Der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

17 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhalt

1. Das Geschäft um die Aufmerksamkeit

2. Klärung zentraler Begriffe
2.1 Erläuterung des Begriffes „Aufmerksamkeit“
2.2 Die Definition des Wettbewerbsbegriffes

3. Der organisierte Kampf um die Aufmerksamkeit in der Wissenschaft

4. Die ökonomische Rationalität des Forschungsbetriebes

5. Die Bedeutung der Aufmerksamkeit im Mediensystem

6. Der Vergleich von ökonomischem und wissenschaftlichem Wettbewerb

7. Schlusswort

1. Das Geschäft um die Aufmerksamkeit

In unserem täglichen Umgang mit Menschen, Medien und Informationen sind wir darauf angewiesen, Zeit und Interesse zu investieren und unsere Aufmerksamkeit auf verschiedene Themengebiete zu lenken. Der gegenseitige Austausch von Aufmerksamkeit ist ein menschliches Grundbedürfnis. Der Wunsch nach Beachtung ist in jedem Menschen verankert, denn davon hängt das persönliche Ansehen und damit das eigene Selbstwertgefühl ab. Bei der Aufmerksamkeit handelt es sich um ein knappes Gut, das jede Unterhaltung kostet und dessen Einnahme stets im Mittelpunkt steht. Da es den Menschen also nicht möglich ist, einem Sachverhalt unbegrenzte Aufmerksamkeit zu schenken, muß er ökonomisch mit dieser haushalten, und sie gezielt zu seinem besten Nutzen einsetzen.

Georg Franck sieht die Grundlage des aufmerksamen Daseins in der Anwesenheit des erlebten Bewusstseins. Das Bewusstsein wiederum ist die Seele. Indem die Menschen etwas spüren, merken und empfinden erleben sie als ein aufmerksames Wesen ihre Umwelt. Die Vorstellung dieses Daseins scheint nicht möglich, daher besteht seine Erfahrung in der Selbstaufmerksamkeit. Die Wissenschaft jedoch leugnet eine eigene Wirklichkeit des Seelischen , da sie nur subjektiv sein und handeln kann. Sie bringt sich damit um ihre interessantesten Züge, denn sie verbannt alles aus ihr, was mit dem zwischenmenschlichen Einwirken zusammenhängt. Dennoch präsentiert sich der Wissenschaftsbetrieb als das eigentliche Musterbeispiel für die bestehende Ökonomie der Aufmerksamkeit[1], in dem der Wettbewerb in einem täglichen Kampf um die Beachtung statt findet. Das praktisches Funktionieren der Wissenschaft erweist sich als immaterielle Ökonomie, denn zwischenmenschlicher Tausch der Aufmerksamkeit und der Wettbewerb um diese haben hier die ausschlaggebende produktive Funktion.

Im Folgenden ist es das Ziel, den Wettbewerb um das Gut Aufmerksamkeit eingehender zu erläutern und in den Mittelpunkt der Ausführungen zu stellen. Dabei sollen Definitionen zum Verständnis hilfreich sein, die einen Einblick in den organisierten Kampf um die Aufmerksamkeit in der Wissenschaft und dessen Rationalität erleichtern. Um eine Vergleichbarkeit herzustellen wird die Bedeutung der Aufmerksamkeit im Mediensystem näher erläutert und der ökonomische Wettbewerb dem wissenschaftlichen Wettbewerb gegenübergestellt.

2. Klärung zentraler Begriffe

2.1 Erläuterung des Begriffes „Aufmerksamkeit“

Im Allgemeinen kann man den Begriff der Aufmerksamkeit als die bewusste, selektive Zuwendung einer Person zu einem dargebotenem Reiz oder Reizbündel sowie die Aufnahme des Reizes bzw. spezieller Reizelemente in das Kurzzeitgedächtnis verstehen. Aus wahrnehmungspsychologischer Sicht versteht man unter Aufmerksamkeit die erhöhte Wahrnehmungsbereitschaft für und zielgerichtete Hinwendung auf innere oder äußere Reize.[2] Georg Frank dagegen bezieht den Begriff der Aufmerksamkeit auf das wissenschaftliche System. Er erläutert in seiner Definition das Zusammenspiel von „awareness“ und „attention“. Als „awarness“ beschreibt er den Zustand der wachen Aufmerksamkeit. In diesem intransitiven Zustand ist ein Merken, Empfinden und Spüren da. „Attention“ meint das gezielte Achtgeben. Diese transitive Bedeutung umfasst die selektive Aufnahme und zielgerichtete Verarbeitung von Informationen. Eine strikte Trennlinie zwischen der Geistesgegenwart und dem, sich einem Gegenstand zuwendenden, Achtgeben ist jedoch schwer zu ziehen, denn bei der Wortbedeutung „awareness“ besteht ebenfalls die Bereitschaft zur Zuwendung zu einer Sache. Die Begrifflichkeit von „attention“ dagegen ist eindeutig transitiv einzuordnen, denn diese Zuwendung ist auf ein Ziel gerichtet und beinhaltet dessen Fokussierung sowie die zielgerichtete Verarbeitung von Informationen. Das intransitive Dasein ist stets mit dem transitiven Achtgeben verbunden, doch Achtgeben ist nicht nur im Zustand des Daseins möglich.[3] Es extrahiert aus Reizen mehr an Neuigkeitswert, als es uns merken und empfinden lässt. Diese Unabhängigkeit der selektiven Aufnahme von Reizen von dem Zustand des Daseins wird daran deutlich, dass sie von Maschinen übernommen werden kann. Das Beispiel der maschinellen Informationsverarbeitung umschreibt die wissenschaftliche Definition von „attention“. Um aufzuzeigen, dass es sich bei seiner Definition nicht um die ausschließliche Informationsverarbeitung, sondern auch um das Achtgeben und die Beachtung handelt, beinhaltet der Aufmerksamkeitsbegriff nach Frank „attention“ und „awareness“ zugleich. Die Aufmerksamkeit wird im selben Moment als zugewandte und wach daseiende Geistesgegenwart verstanden. Mit ihr einher geht der Zustand der bewussten Präsens.

An diesem Punkt weisen der Aufmerksamkeits- und der Bewusstseinsbegriff einen synonymen Kern auf. Die bewusste Präsens und das aufmerksame Dasein tragen hier die gleiche Bedeutung. Bewusstsein und Aufmerksamkeit stimmen in der „awareness“ überein und überschneiden sich ebenso bei der Achtsamkeit. Der eigentliche Unterschied der Wortbedeutungen dieser Begriffe lässt sich ausschließlich in dem Kontext finden, in dem sie verwendet werden. So spricht man von „Bewusstsein“, wenn die Sprache und der Gebrauch des Wortes „Ich“ eine maßgebende Rolle spielen. Handelt es sich um die selektive Wahrnehmung, das Spühren, Erfühlen und Achtgeben auf einer zwischenmenschlichen Ebene, so wird die „Aufmerksamkeit“ angesprochen. Beide Begriffe haben die Gemeinsamkeit, dass sie nicht nur einen intransitiven, sondern auch einen gezielten, auf einen Gegenstand bezogenen Charakter aufweisen. Diese Eigenschaft bildet die Grundlage für die Konvergenz von „Aufmerksamkeit“ und „Bewusstsein“.

2.2 Die Definition des Wettbewerbsbegriffes

Die Vorstellungen, was genau unter Wettbewerb zu verstehen ist, und wie dieser funktioniert, sind in der wissenschaftlichen und wirtschaftspolitischen Diskussion umstritten. Die voneinander abweichenden Auffassungen beziehen sich aber nicht nur auf den Wettbewerbsbegriff, sondern ebenso auf die Vorstellungen darüber, welche Verhaltensweisen der Anbieter und welche Marktstrukturen den Wettbewerb begünstigen. Trotz aller Unterschiedlichkeit der Ansichten lassen sich gewisse Gemeinsamkeiten feststellen. Wettbewerb wird dabei als ein dynamischer Prozess verstanden, der mehrere Marktteilnehmer voraussetzt.[4] Die Ergebnisse dieses Such- und Entdeckungsverfahrens können jedoch nicht detailliert vorausgesagt werden. Jürgen Heinrich definiert „Wettbewerb als ein dynamisches Ausleseverfahren, bei dem die Wettbewerber das gleiche Ziel haben und außenstehende Dritte darüber entscheiden, wer das Ziel in welchem Umfang erreicht. Daraus ergibt sich eine Rivalität und ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis zwischen den Wettbewerbern, eine parametrische Interdependenz. Wettbewerb lässt sich damit- auf die Wirtschaft bezogen – verstehen als ein Verhältnis wechselseitiger Abhängigkeit und Rivalität zwischen den Marktteilnehmern.“[5] Dabei soll der Wettbewerb fundamentale ökonomische Freiheitsrechte wie „Freiheit der Unternehmertätigkeit, Freiheit der Konsumwahl, Freiheit der Arbeitsplatzwahl“[6] gewähren.

[...]


[1] Franck, Georg (1998): Ökonomie der Aufmerksamkeit. Ein Entwurf. München / Wien: Carl Hanser Verlag. S. 28.

[2] Tewes, Uwe und Wildgrube, Klaus (Hg.) (1999): Psychologie-Lexikon. München/ Wien/ Oldenbourg: Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH. S.38.

[3] Franck, Georg (1998): Ökonomie der Aufmerksamkeit. Ein Entwurf. München / Wien: Carl Hanser Verlag. S. 29.

[4] Dies gilt vor allem für die Anbieterseite. Es bestehen große Meinungsunterschiede über die notwendige Zahl der Anbieter, die einen funktionsfähigen Wettbewerb garantieren. Vgl. Taenzer, Uwe (1994): Soziale Marktwirtschaft – Grundlagen und Aufgaben. Band 2: Wettbewerb und Konzentration. Stuttgart: Ernst Klett Verlag für Wissen und Bildung. S. 9.

[5] Heinrich, Jürgen (1994): Medienökonomie. Band 1: Mediensystem, Zeitung, Zeitschrift, Anzeigenblatt. Opladen: Westdeutscher Verlag. S.30.

[6] ebd. S.30.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Medienwissenschaft Arbeitsfeld 2)
Veranstaltung
HPS: Medienökonomische Theorien
Note
3
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V13932
ISBN (eBook)
9783638194525
ISBN (Buch)
9783656452317
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wettbewerb, Aufmerksamkeit, Medienökonomische, Theorien
Arbeit zitieren
Christina Martens (Autor), 2003, Der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13932

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