Anwendung des AGIL-Schemas Talcott Parsons auf den Arbeitsmarkt


Seminararbeit, 2002

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Kurzbiographie Talcott Parsons‘

3 Der Arbeitsmarkt – Definition und Besonderheiten

4 Kurze Darstellung des AGIL-Schemas von Talcott Parsons

5 Konkrete Anwendung des AGIL-Schemas auf den Arbeitsmarkt
5.1 Der Arbeitsmarkt als Element des Subsystems Wirtschaft
5.2 Der Arbeitsmarkt und das Subsystem Politik
5.3 Der Arbeitsmarkt und das Sozial-kulturelle Subsystem
5.4 Der Arbeitsmarkt und das Subsystem Gesellschaftliche Gemeinschaft
5.4.1 Die Familie und der Arbeitsmarkt
5.4.2 Die Gewerkschaften und der Arbeitsmarkt
5.5 Der Arbeitsmarkt und die Umwelt des AGIL-Schemas

6 Abschließende Stellungnahme

7 Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Problemstellung

Der Arbeitsmarkt ist heutzutage in aller Munde. Besonders die hohe Zahl der Arbeitslosen bereitet in vielen Volkswirtschaften große Sorge. Lange Zeit behandelte man das Wachstum des physikalischen Volumens des Outputs, der Investitionen von Geldkapital und der Zahl der in der Industrie Beschäftigten als alternative allgemeine Maßstäbe der Produktivitätssteigerung, da sie fast parallele Bewegungen annahmen. Inzwischen wurde man eines Besseren belehrt. Wachstum des Gesamtertrags einer Branche bei gleichzeitig konstanter oder sogar sinkender Beschäftigungszahl sind der Regelfall geworden. Diese tendenzielle Abnahme der Anzahl der Beschäftigen pro erwirtschafteter Geldeinheit des Sozialproduktes ist in erster Linie ein Ergebnis der „Mechanisierung“, die später in „Automation“ und in organisatorische Verbesserungen einmündete, welche eine ganze Menge „technologischer Arbeitslosigkeit“ verursacht haben. Für Personen ohne recht spezifische Qualifikationen sind die Arbeitsmöglichkeiten in zunehmendem Maße eingeschränkt worden. Diese Einschränkung hat allerdings nicht zu einer ständig steigenden Arbeitslosenquote, sondern als Ergebnis der Standardhebung in der Bildung zu einer allgemeinen Kompetenzhebung der Arbeitskräfte geführt. Mittlerweile sind aber nicht mehr die eben beschriebene technisch bedingten Entlassungen das Problem, sondern aktuell ist die sogenannte strukturelle Arbeitslosigkeit in Deutschland dominant. Neben den fast täglich in den Zeitungen erscheinenden aktuellen Zahlen der Arbeitslosen in Deutschland kann man auch regelmäßig über strukturelle Maßnahmen lesen, die – von der Regierung erlassen – auf den Arbeitsmarkt wirken sollen, über die Entstehung neuer Berufsbilder, über neueste Trends auf dem Arbeitsmarkt, über Tarifverhandlungen usw.

In meiner Arbeit werde ich mich jedoch nicht mit diesen neuesten Statistiken, Zahlen und Werten befassen. Vielmehr möchte ich zunächst einige Besonderheiten des Arbeitsmarktes in modernen, funktional differenzierten Gesellschaften herausarbeiten. Anschließend versuche ich, mittels des bekannten und oft zitierten AGIL-Schemas zur Analyse moderner Gesellschaften des amerikanischen Soziologen Talcott Parsons, den Arbeitsmarkt einzuordnen und zu analysieren. Dafür stelle ich das AGIL-Schema kurz vor – für eine ausführliche Darstellung fehlt hier leider der Rahmen, da der Schwerpunkt meiner Arbeit in der praktischen Anwendung des AGIL-Schemas liegen soll. In der praktischen Analyse werde ich einige Aspekte ausgewählen, durchleuchten und beschrieben, ohne dabei Anspruch auf Vollständigkeit zu

erheben. Besonderen Wert lege ich in dieser Arbeit - wegen der Aktualität des Problems - auf die Stellung der Arbeitslosen innerhalb der Gesellschaft. Deshalb ist ihnen ein separates Kapitel dieser Arbeit gewidmet.

2 Kurzbiographie Talcott Parsons‘

Talcott Parsons wurde am 13.02.1932 in Colorado Springs, Colorado, USA geboren. Parsons studierte am Amherst College in Massachussetts, an der London School of Economics und an der Universität Heidelberg, wo er 1927 sein Studium abschloss. Zurück in den USA lehrte er zunächst Wirtschaftswissenschaften. 1944 wurde er Professor für Soziologie in Harvard, wo er bis 1973 arbeitete. Er starb im Jahre 1979.

Er war einer der führenden Vertreter der theoretischen Soziologie. Er ist der Begründer der funktionalistischen Schule. Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem allgemeinen theoretischen System für die Gesellschaftsanalyse. Ihre zentrale Idee ist es, die Gesellschaft als einen Organismus zu verstehen (nicht nur eine Struktur, wie im Strukturalismus), in dem jeder der zahlreichen Teile des Gesellschaftskörpers eine Rolle spielt für den Erhalt eines dynamischen Gleichgewichtes. Parsons war der erste Soziologe, der psychoanalytische Ansätze in sein soziologisches Konzept integrierte.

In seinem Werk „The Social System“ aus dem Jahre 1951 beschäftigt sich Parsons mit den groß-skalierten Systemen und Problemen der sozialen Ordnung, Integration und Gleichgewicht und erweiterte seine Methode der strukturfunktionalen Analyse, eine Studie der Wege, durch die die Interaktionen und Interbeziehungen der Einheiten, die das soziale System formen, an der Entwicklung und dem Erhalt des Systems im Zustand des dynamischen Gleichgewichtes beitragen. Der Forscher fragt sich selbst: Was ist die Funktion jeder der Institutionen, die in einer gegebenen sozialen Ordnung gesehen werden müssen bei Beachtung, dass jedes Element in einem speziellen Weg zum Erhalt und zur Stabilität des Systems beiträgt? In der funktionalistischen Systemtheorie geht es daher um die Beziehungen zwischen Individuum und Gesellschaft. So versucht Parsons, die Mikroperspektive – also das Individuum mit seiner individuell psychischen Dynamik – zu verbinden mit der Makroperspektive, d. h. den gesellschaftlichen Sozialstrukturen. Das Ziel der funktionalistischen Systemtheorie ist es deshalb schlussendlich, zu erklären, wie Einheit und Ordnung in einer Gesellschaft entstehen. Plastischer ausgedrückt ist es die Frage, wie die nachwachsende Generation die Normen und Werte einer Gesellschaft übernimmt und verinnerlicht, so dass die Gesellschaft überdauern kann. Als wichtigste Werke Talcott Parsons‘ gelten: The structure of social action (1949), The social system (1951), Essays in sociological theory (1954) sowie die Beiträge zur soziologischen Theorie (1964).

3 Der Arbeitsmarkt – Definition und Besonderheiten

Der Arbeitsmarkt, das heißt der Markt für Arbeitsleistungen, ist nach dem Marktprinzip strukturiert. Das bedeutet, dass mindestens auf einer Seite (Angebotsseite oder Nachfrageseite) mehrere Tauschchancen konkurrieren. Verdeutlichen kann man sich das praktisch an der Vielzahl der potenziellen Arbeitgeber, die es z. B. in Deutschland für Betriebswirte gibt und an der Vielzahl der Universitätsabsolventen, die um die entsprechenden Stellen konkurrieren. Dem potenziellen Arbeitgeber ist es grundsätzlich egal, wen er einstellt. Es geht ihm in der Regel nicht um einen bestimmten Bewerber „persönlich“. Vielmehr sind Stellenanzeigen eher an eine anonyme Masse gerichtet, die bestimmten Qualifikationen genügen muss. Es gibt also normalerweise mehrere Bewerber. Demgegenüber stehen typischerweise auch mehrere Arbeitsanbieter, so findet ein Absolvent bei Durchblättern der Stellenanzeigen einer großen Zeitung in der Regel mehrere Stellen, auf die er sich grundsätzlich bewerben könnte. Kennzeichnend für das Marktprinzip ist weiterhin das Prinzip der Freiwilligkeit. So kann kein Arbeitgeber und kein Arbeitnehmer gezwungen werden, ein bestimmtes Arbeitsverhältnis einzugehen. Es sind damit alle vier Grundbedingungen eines Marktes erfüllt: Es stehen sich erstens mit Arbeitgebern und –nehmern Anbieter und Nachfrager gegenüber. Zweitens wird (Arbeits-)Leistung gegen Geld getauscht. Es herrscht drittens eine Konkurrenzsituation. Dadurch sind viertens beide Seiten dazu gezwungen, rational zu agieren. Ökonomisch betrachtet handelt es sich deshalb bei dem Arbeitsmarkt um einen klassischen Markt.

Soziologisch betrachtet hingegen weist der Arbeitsmarkt einige Besonderheiten auf: So fallen auf dem Arbeitsmarkt „Entscheidungen über Art und Niveau der materiellen Versorgung“1. Hier wird also mittels der Einkommenshöhe festgelegt, inwieweit die Individuen auf anderen Märkten, z. B. dem Konsumgütermarkt aktiv werden können. Der Stellung des Einzelnen auf dem Arbeitsmarkt scheint damit eine besondere Wichtigkeit zuzukommen. Eine weiteres Merkmal ist die Tatsache, dass Tauschbeziehungen auf dem Arbeitsmarkt in der Regel langfristigerer Natur sind als die Tauschbeziehungen auf Gütermärkten.

1 Krämer, Klaus (1997): „Der Markt der Gesellschaft“

Die wohl entscheidende Besonderheit ist meines Erachtens aber, dass der Arbeitsmarkt mehr als die anderen Märkte alle anderen Lebensbereiche, die nicht der Wirtschaft zuzuordnen sind, tangiert. So wirkt sich die Arbeit beispielsweise in besonders hohem Maße auf die Familie aus: zum einen, weil die tägliche Arbeitszeit die „Restzeit“ bestimmt, die mit der Familie verbracht werden kann. Zum anderen, da jedes Familienmitglied von einem hohen Einkommen aber auch von einer hohen Reputation des Berufes des Familienoberhauptes profitiert. Das Arbeitsentgelt bestimmt, welche Schulbildung die Kinder genießen dürfen, welche kulturellen Luxusgüter man sich „leisten“ kann, in welchem Stadtteil und damit in welchem sozialen Milieu man aufwächst usw. Deshalb kommt auch der Berufswahl in der heutigen Gesellschaft eine besondere Bedeutung zu.

Eine Entwicklung der Berufsrollen und die damit verbundene Betonung der Leistung haben auch die Bedeutung der zugewiesenen Herkunftsbedingungen untergraben. Obwohl sich die „Diskriminierung“ wegen Zugehörigkeit zu einer Sippe, einer sozialen Klasse, einem Volk, einer Religion, einer Rasse usw. hartnäckig zeigt, scheint es auf lange Sicht einen beständigen und wirkungsvollen Druck in Richtung auf eine Bewertung – und damit auch auf Zulassung zu Mitgliedschaft und Erfolgschancen – nach vorwiegend universalistischen Kriterien zu geben; das ist ein Erfolg der Ausdifferenzierung des Arbeitsmarktes. Der Arbeitsmarkt schafft es also, Einfluss auf die gesellschaftliche Gemeinschaft zu nehmen.

Jeder Lebensbereich wird also vom Arbeitsplatz und damit vom Arbeitsmarkt beeinflusst, der Arbeitsmarkt determiniert damit Wahlchancen in den anderen Lebensbereichen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Anwendung des AGIL-Schemas Talcott Parsons auf den Arbeitsmarkt
Hochschule
Universität Lüneburg  (Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Seminar: Marktvergesellschaftung
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
24
Katalognummer
V13934
ISBN (eBook)
9783638194549
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anwendung, AGIL-Schemas, Talcott, Parsons, Arbeitsmarkt, Seminar, Marktvergesellschaftung
Arbeit zitieren
Gesa Klintworth (Autor), 2002, Anwendung des AGIL-Schemas Talcott Parsons auf den Arbeitsmarkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13934

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