Doppelperfekt und Präteritumsschwund

Eine Korpusanalyse


Hausarbeit, 2009

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wissenschaftsstand
2.1. Präteritumschwund
2.2. Doppelperfekt

3. Korpusauswertung
3.1. Allgemeine Auswertung
3.1.1. Süddeutsche Zeitung
3.1.2. Nürnberger Zeitung
3.1.3. Die Zeit
3.1.4. Hamburger Abendblatt
3.2. Auswertung – Präteritumschwund
3.3. Auswertung – Doppelperfekt

4. Fazit

1.Einleitung

Ich hatte mir schon länger Gedanken gemacht gehabt, aber die Idee kam dann spontan.

Klingt dieser Satz richtig? Stellt man diese Frage direkt, bekommt man wahrscheinlich ein Nein zu hören, doch lässt man einen solchen Satz bewusst in ein Gespräch einfließen, äußert das Gegenüber sicher keine kritische Resonanz. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass eine Form wie „gemacht gehabt“, die nur in den wenigsten Grammatiken nennenswerte Berücksichtigung findet, in der gesprochenen Sprache so häufig verwendet wird, dass sie im Alltag von den wenigsten als falsch empfunden wird. Im Allgemeinen geht man allerdings davon aus, dass dieses Phänomen, namens Doppelperfekt, regional gebunden ist und zwar an den Süden Deutschlands. Weiterhin wird es von vielen Linguisten in Verbindung mit dem oberdeutschen Präteritumschwund gebracht, also der Tatsache, dass das Präteritum im südlichen Deutschland vom Perfekt verdrängt wird bzw. wurde und somit auch vom Doppelperfekt. Gegen diese sehr verbreitete Meinung gibt es sehr viele Stimmen, und auch der unvoreingenommene Hörer nimmt doppelte Perfektformen nicht nur im Süden Deutschlands wahr. Die Absicht dieser Hausarbeit ist nun zu untersuchen, wie es sich mit diesen beiden Phänomenen fernab der Theorie und der unteren Hälfte Deutschlands tatsächlich verhält. Dies wird anhand eines stichprobenartigen Korpus von etwa 250.000 Wörtern überprüft, der sich aus je zwei süddeutschen und norddeutschen Zeitungen zusammensetzt. Daran wird zwar nicht zu erkennen sein, wie verbreitet die untersuchten Formen in der Umgangssprache sind, aber es wird hoffentlich zu Tage treten, inwieweit diese sich in der Sprache der Medien durchgesetzt haben. Natürlich ist anzunehmen, dass in der geschriebenen Sprache mehr darauf geachtet wird alles „richtig“ zu machen, aber je nach Menge der gefundenen doppelten Prerfektformen bzw. je nach Auffälligkeit einer geringeren Zahl von Präteritumsformen in den oberdeutschen Zeitungen, wird sich immerhin erkennen lassen, inwieweit besagte Phänomene so etabliert sind, dass sie sich sogar an Orten des öffentlichen, schriftlichen Sprachgebrauchs wiederfinden. Falls die Daten es hergeben, wäre auch eine Beobachtung der möglichen Regelmäßigkeiten in der Verwendung von Präteritum, Perfekt und Doppelperfekt wünschenswert. Begonnen wird mit einem Überblick über einige bisherige Forschungserkenntnisse.

2. Wissenschaftsstand

Das Ultraperfectum, Superperfekt, Perfekt II oder Doppelperfekt findet das erste Mal bei Ölinger im Jahr 1574 Erwähnung (Rödel 2007: 16) und ist seit diesem Zeitpunkt ein Thema in der Grammatiktheorie. Aber „trotz der in diesem Bereich investierten Forschungsarbeit“, handelt es sich um “eine wenig ausgeleuchtete, düstere Ecke der Grammatik“ (Rödel: 9). Nur die Ansicht, dass es sich um ein süddeutsches Phänomen handelt und mit dem oberdeutschen Präteritumschwund in Zusammenhang stehen könnte, gilt allgemein als Tatsache. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch genug Stimmen gegen diese Theorie gibt. Ähnlich kontrovers diskutiert, ist der sogenannte oberdeutsche Präteritumschwund.

2.1 Präteritumschwund

Das Präteritum begann etwa um 1500 langsam zu schwinden (vgl. Abraham/ Conradie 2001: 6). Die Ursache dafür wird eher in einer Bedeutungs- und Funktionsverschiebung des Perfekts und seiner daraus resultierenden Stärke als in einer grundlegenden Schwäche des Präteritums gesehen (Rödel, 184). So kann das Perfekt z.B. neben der Vergangenheit auch resultative Bedeutung oder Zukunftsbedeutung tragen, „für die es beim Präteritum keine Entsprechung gibt“( Helbig/ Buscha 2001: 135). Neben dieser funktionalen Betrachtung gibt es auch die Theorie, dass sich das Perfekt eine Nische suchte, weil das Präteritum im südlichen Deutschland aufgrund lautlicher Veränderungen an bestimmten Stellen unzweckmäßig wurde. „Es geht darum, daß die synthetischen schwachen Präteritalformen sich nach e-Apokope nicht mehr vom Präsens unterscheiden ließen.“ (Abraham/ Conradie: 4) An weiteren Theorien gibt es keinen Mangel, da das Thema dieser Arbeit aber nicht die Entstehung des Präteritumschwundes sondern seine räumliche Begrenzung ist, soll das an dieser Stelle ausreichen. Ähnlich unentschlossen ist man sich auch in dem Punkt wie ausgeprägt dieses Phänomen ist. Die einen meinen das Perfekt ersetze „mehr und mehr das Präteritum“ (Hentschel/ Weydt 2003: 107), die anderen stellen fest, dass „in der nicht-dialogischen Rede das einfache Präteritum mit über 80% den weitaus größeren Anteil einnimmt“(Abraham/ Conradie: 58). Das hieße, dass das Präteritum in der Schriftsprache durchaus noch deutlich die Überhand hat. Somit kann man noch nicht sagen, dass es verdrängt ist, oder? Darauf wird noch einmal nach Auswertung des hier verwendeten Schriftkorpus zurückgekommen. Recht einig ist man sich im Gegenzug dazu darin, dass „Präteritum und Perfekt […] gegeneinander austauschbar [sind] [,] diese Ersetzungsmöglichkeit […] jedoch nur in einer Richtung vollständig gegeben [ist].“ (Hentschel/Weydt: 100). Das Perfekt kann demnach jederzeit das Präteritum ersetzen ohne semantische Veränderungen mit sich zu ziehen, jedoch kann das Präteritum an den Stellen, an denen das Perfekt explizit von seiner Fähigkeit Gebrauch macht Abgeschlossenheit auszudrücken nicht vom Präteritum ersetzt werden. Auch gibt es einige Theorien, an welchen Stellen im System die eine oder die andere Vergangenheitsform eher auftaucht. So sollen z. B. häufig gebrauchte Verben eher zum Präteritum tendieren (Leiss 1992: 277). Im Schriftlichen wird das Präteritum aus stilistischen Gründen (Rödel: 62) ebenfalls bevorzugt verwendet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Doppelperfekt und Präteritumsschwund
Untertitel
Eine Korpusanalyse
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Germanistische Sprachwissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in die Textlinguistik
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
12
Katalognummer
V139356
ISBN (eBook)
9783640494125
ISBN (Buch)
9783640493678
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Doppelperfekt, Präteritumschwund, Präteritumsschwund, doppel, perfekt
Arbeit zitieren
Romy Knobel (Autor), 2009, Doppelperfekt und Präteritumsschwund, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139356

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