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Das politische Konstrukt des römischen Klientelkönigtums. Am Beispiel von Herodes dem Großen

Titel: Das politische Konstrukt des römischen Klientelkönigtums. Am Beispiel von Herodes dem Großen

Bachelorarbeit , 2022 , 57 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Tom Kühn (Autor:in)

Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In seiner Augustus-Vita berichtet der römische Schriftsteller Sueton über die sogenannten "befreundeten und verbündeten Könige" (reges amicii atque socii) des Römischen Reiches. Dabei zählt er einige wichtige Charakteristika auf, welche einen typischen befreundeten König ausmachen: den Bau sogenannter "urbes caesarea", die Tätigkeit als "euergetes", die Verehrung des Augustus und Reisen nach Rom. Sueton vergleicht die verbündeten Könige mit Klienten, indem er sich dem innerrömischen Klientelkonzept metaphorisch bedient.

Die moderne Forschung hat sich diese Metapher zu eigen gemacht, um das von Ungleichheit und Abhängigkeit geprägte Verhältnis zwischen den Klientelkönigen auf der einen und Rom auf der anderen Seite zu beschreiben. Zeitlich beschränkt sich die vorliegende Arbeit auf die späte Republik und das frühe Prinzipat, die Zeitspanne also, in die auch Herodes‘ Herrschaft fällt. In dieser von Umwälzungen und Unsicherheiten geprägten Periode befand sich das politische Konstrukt des Klientelkönigtums in einer Art Hochphase. Spätestens ab der Herrschaft der Flavierdynastie (69–96 n. Chr.) befand sich das Klientelkönigtum auf dem absteigenden Ast und verlor nach und nach seine Relevanz, indem direkte Herrschaft indirekte Herrschaftsformen ersetzte.

Geographisch beschränkt sich die Arbeit auf den Osten des Römischen Reiches, da das politische Konstrukt des römischen Klientelkönigtums hier seine Anwendung fand. Herodes‘ Reich lag im Spannungsfeld zwischen Hellenismus, Romanisierung und Judentum. Im Osten hatte man mit dem Partherreich eine Weltmacht als direkten Nachbarn. Knapp 40 Jahre lang regierte Herodes sein Reich zwar nicht geräuschlos, aber dafür umso effizienter. Was Herodes von anderen Klientelkönigen unterscheidet, ist die gute Quellenlage zu seiner Person und seiner Regentschaft. Dies ist in allererster Linie dem jüdisch-römischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus, der in seinen beiden Hauptwerken "Der Jüdische Krieg" und "Jüdische Altertümer" ausführlich über ihn berichtet. Die Klientelkönige sollen durchaus als eigenständig handelnde Herrscher, mit einem begrenzten Spielraum betrachtet werden. Diesen Spielraum galt es in sich wandelnden Zeiten und dem aufkommenden Prinzipat auszuloten, was einigen Klientelkönigen besser gelang als anderen, aber alle vor Herausforderungen stellte.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff ‚Klientelkönigtum‘

2.1 Der Begriff ‚Klientelkönigtum‘ in der Forschung

2.2 Die Verwendung des Begriffs in dieser Arbeit

3. Das Klientelkönigtum des Ostens in der späten Republik und im frühen Prinzipat

3.1 Das Klientelkönigtum als Teil des Imperium Romanum

3.2 Die Entwicklung der Klientelkönige des Ostens im 1. Jahrhundert v. Chr.

3.2.1 Pompeius‘ Neuordnung des Ostens

3.2.2 Die Klientelkönige unter Antonius

3.2.3 Die Klientelkönige unter Octavian/Augustus

3.3 Anerkennung durch Rom

3.4 Herrschaftsstrategien, Aufgaben und Funktionen der Klientelkönige

3.5 Die Vernetzung innerhalb der Klientelkönige

3.6 Zwischenfazit

4. Herodes der Große als römischer Klientelkönig

4.1 Herodes in der Forschung

4.2 Flavius Josephus als Chronist des Herodes

4.3 Aufstieg eines Idumäers

4.4 Anerkennung durch Rom: Herodes wird König

4.5 Bestätigung durch Octavian: Herodes bleibt König

4.6 Der dritte Mann im Imperium? Zur Machtfülle des Herodes

4.7 Herrschaftsstrategien: Herodes als hellenistischer Bauherr und jüdischer König

5. Schlussfazit

6. Wissenschaftlicher Apparat

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das politische Konstrukt des römischen Klientelkönigtums anhand des Falls des Herodes des Großen. Dabei wird analysiert, inwieweit abhängige Herrscher innerhalb der römischen Machtsphäre als eigenständige Akteure agieren konnten und welche Rolle das Klientelsystem bei der Integration territoraler Randgebiete in das Römische Reich spielte.

  • Terminologische Einordnung des Klientelkönigtums in der antiken Forschung
  • Strukturen römischer Außenpolitik und Machtkonsolidierung im Osten
  • Die Regentschaft des Herodes als Fallbeispiel zwischen jüdischer Identität und römischer Bindung
  • Strategien zur Machtlegitimation und dynastischen Sicherung durch Klientelherrscher
  • Die Bedeutung informeller Netzwerke und dynastischer Heiratsverbindungen

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

Befreundete und verbündete Könige haben, jeder in seinem Reich, Städte, den Namen Caesarea führten, gegründet, und alle haben sie zur gleichen Zeit beschlossen, gemeinsam für die Fertigstellung des Tempels des Olympischen Zeus in Athen, mit dessen Bau man vor langer Zeit begonnen hatte, aufzukommen und ihn dem Genius des Augustus zu weihen. Und oft verließen sie ihre Reiche und machten ihm, so wie es Klienten zu tun pflegten, nicht nur in Rom, sondern auch auf seiner Reise durch die Provinzen täglich ihre Aufwartung, und zwar in der Toga und ohne die Insignien eines Königs.¹

In seiner Augustus-Vita berichtet der römische Schriftsteller Sueton über die sogenannten ‚befreundeten und verbündeten Könige‘ (reges amicii atque socii) des Römischen Reiches. Dabei zählt er einige wichtige Charakteristika auf, welche einen ‚typischen‘ befreundeten König ausmachen: den Bau sogenannter urbes caesarea, die Tätigkeit als euergetes, die Verehrung des Augustus und Reisen nach Rom. Sueton vergleicht die verbündeten Könige mit Klienten, indem er sich dem innerrömischen Klientelkonzept metaphorisch bedient. Die moderne Forschung hat sich diese Metapher zu eigen gemacht, um das von Ungleichheit und Abhängigkeit geprägte Verhältnis zwischen den Klientelkönigen auf der einen und Rom auf der anderen Seite zu beschreiben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema, Vorstellung der Forschungsfrage und Erläuterung der methodischen Vorgehensweise.

2. Der Begriff ‚Klientelkönigtum‘: Diskussion und Klärung der theoretischen Definition des Klientelbegriffs in der wissenschaftlichen Literatur.

3. Das Klientelkönigtum des Ostens in der späten Republik und im frühen Prinzipat: Historische Kontextualisierung der römischen Politik im Osten und die Entwicklung der Klientelverhältnisse.

4. Herodes der Große als römischer Klientelkönig: Analyse von Aufstieg, Anerkennung und Herrschaftsstrategien des Herodes als konkretes Fallbeispiel.

5. Schlussfazit: Beantwortung der Forschungsfragen und Zusammenführung der Ergebnisse zur Rolle der Klientelkönige als "Könige von Roms Gnaden".

6. Wissenschaftlicher Apparat: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Klientelkönigtum, Herodes der Große, Rom, Prinzipat, Amicitia, Klientelherrscher, Euergetismus, Römische Außenpolitik, Flavius Josephus, Dynastie, Reges amicii, Imperium Romanum, Ostpolitik, Machtlegitimation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie das politische System des römischen Klientelkönigtums in der Spätantike und unter Augustus funktionierte, ausgehend von der Leitfrage, ob die Könige als bloße Instrumente Roms fungierten oder eigenhändige Machtpolitik betreiben konnten.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Felder sind die Bedeutung von Dynastie und Religion, die architektonischen Bauaktivitäten als Mittel zur Loyalitätsbekundung sowie die persönlichen Beziehungen zwischen den Klientelkönigen und ihren römischen Patronen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, das Klientelkönigtum nicht als rein fremdbestimmtes System zu begreifen, sondern den individuellen Handlungsspielraum der Klientelherrscher innerhalb des römischen Machtgefüges neu zu bewerten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine historisch-analytische Methode angewandt, die antike Primärquellen (vor allem Flavius Josephus) sowie die moderne forschungsgeschichtliche Debatte kritisch auswertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Klärung des Begriffs, eine strukturelle Analyse der römischen Politik unter Pompeius, Antonius und Augustus sowie eine umfassende Fallstudie zu Herodes dem Großen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind das Prinzipat, die römische Aussenpolitik in Kleinasien, die Rolle der amicitia sowie die architektonische und dynastische Repräsentation der Klientelherrscher.

Welche Rolle spielt Flavius Josephus für die Untersuchung des Herodes?

Josephus ist die maßgebliche Hauptquelle. Die Arbeit setzt sich kritisch mit seiner speziellen jüdisch-römischen Perspektive auseinander und untersucht, inwieweit er Herodes als "große" Figur darstellte.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Bautätigkeit des Herodes?

Die Bautätigkeit wird als gezielte Strategie zur Legitimation und als Instrument der Romanisierung interpretiert, durch welche sich Herodes im krisengeprägten politischen Umfeld behaupten konnte.

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Details

Titel
Das politische Konstrukt des römischen Klientelkönigtums. Am Beispiel von Herodes dem Großen
Hochschule
Universität Mannheim  (Historisches Institut)
Note
1,0
Autor
Tom Kühn (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
57
Katalognummer
V1393697
ISBN (PDF)
9783346938473
ISBN (Buch)
9783346938480
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Herodes Klientelkönig Herodes der Große Augustus Antonius Markus Antonius Rom Römisches Reich Judäa Juden Jüdische Geschichte Antike König König der Juden Imperium Romanum Klientel-Patron Flavius Josephus Kaiserzeit Oktavian Octavian amicii (et socii) populi romani Badian clientelae fides Bleicken Vasall Vasallenkönig Provinz Syria Iudaea Klientelreich Pompeius Plutarch Caesar Polemon Archelaos Pontos Kappadokien Kleopatra Ptolemäer Parther Partherreich Arsakes Kommagene Juba Nabatäer Schalit Bringmann Jerusalem Seleukiden Herodianer Senat Hasmonäer Rhodos
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Arbeit zitieren
Tom Kühn (Autor:in), 2022, Das politische Konstrukt des römischen Klientelkönigtums. Am Beispiel von Herodes dem Großen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1393697
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Leseprobe aus  57  Seiten
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