Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Die Rolle des Geldes im mittelalterlichen Volksbuch "Fortunatus"

Title: Die Rolle des Geldes im mittelalterlichen Volksbuch "Fortunatus"

Term Paper (Advanced seminar) , 1999 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Marcus Münch (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Der "Fortunatus" erzählt den durch göttliche Intervention ermöglichten gesellschaftlichen Aufstieg eines Bürgersohns, dessen Errungenschaften von der nächsten Generation - seinem Sohn Andalosia - leichtfertig aufs Spiel gesetzt und schließlich verloren werden. Da dem Geldthema in diesem Zusammenhang eine entscheidende Bedeutung zukommt, wird in dieser Arbeit die Rolle des Geldes im Hinblick auf seinen Stellenwert, den es in der mittelalterlichen Gesellschaft einnimmt, näher beleuchtet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den in chronologischer Reihenfolge behandelten Ereignissen der ‘Lehr- und Wanderjahre’ von Fortunatus, der unter dem Aspekt der Geldverwendungsstrategie mit Andalosia verglichen wird.
Die Macht des Geldes äußert sich in vielfältigen Facetten und Motiven (Korruption, Anwendung von Gewalt, Transzendenz moralischer Grenzen), die allesamt thematisiert werden, um ein abgerundetes Bild seiner Funktion darzustellen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fortunatus’ bürgerliche Herkunft

3. Das Scheitern der Selbstbehauptung

4. Die Intervention Fortunas

5. Neue Identität durch Geld - Die Karriere jenseits der Standesschranken

6. Geldverwendung: Andalosia versus Fortunatus

7. Die Nutzlosigkeit des Geldes angesichts der Macht von Schicksal und Natur

8. Geld und Gewalt

9. Geld und Ehre

10. Die didaktische Intention - Weisheit statt Reichtum?

11. Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Funktion des Geldes im spätmittelalterlichen Volksbuch 'Fortunatus'. Dabei steht die Analyse der Geldverwendungsstrategien im Mittelpunkt, wobei insbesondere der Vergleich zwischen der klugen, pragmatischen Vorgehensweise des Protagonisten Fortunatus und dem leichtfertigen, egozentrischen Umgang seines Sohnes Andalosia beleuchtet wird, um den Einfluss von Reichtum auf soziale Integration und gesellschaftliche Stabilität zu erörtern.

  • Die Macht des Geldes als Instrument zur Überwindung von Standesschranken.
  • Geld als Mittel zur Erschließung und Erhaltung sozialer Beziehungen.
  • Die Grenzen des Geldes angesichts von Schicksal, Natur und moralischen Werten.
  • Der Zusammenhang zwischen Geld, Korruption, Gewalt und individuellem Prestige.
  • Didaktische Perspektiven: Vernunft und Selbstdisziplin gegenüber exzessivem Reichtum.

Auszug aus dem Buch

5. Neue Identität durch Geld - Die Karriere jenseits der Standesschranken

Nachdem Fortunatus in einem Wirtshaus seinen Hunger gestillt hat, gelangt er in eine kleine Stadt am Rande des Waldes, wo er den neuen Reichtum des märchenhaften Beutels dazu verwendet, einem Pferdehändler genau die drei Rosse abzukaufen, für welche der Graf von Nundragon Interesse bekundet hat, wodurch er den Zorn der höchsten rechtlichen Instanz in diesem Gebiet auf sich zieht (S.50). In dieser Szene kommt vor allem die Selbstüberschätzung seiner eigenen Person zum Ausdruck, welcher der unbegrenzte Geldbesitz zu Kopf gestiegen ist. Der durch einen glücklichen Zufall eingetretene Umstand, sich plötzlich alles kaufen zu können, trifft Fortunatus unvorbereitet und löst besonders vor dem Hintergrund seiner Vorerfahrungen ein solch intensives Machtgefühl aus, daß er sich prompt dazu verleiten läßt, höchst unvorsichtig und unüberlegt die hierarchische Gesellschaftsstruktur herauszufordern, indem er sich zum Konkurrenten des Waldgrafen aufspielt. „Ungeachtet aller gesellschaftlichen Bedingungen macht sich hier zum ersten Mal bemerkbar, daß mit dem Geld immer auch eine Ahnung vermittelt wird, alles kaufen zu können. Die potentielle Austauschbarkeit des Geldes gegen alle anderen Gegenstände vermittelt seinem Besitzer ein Gefühl der Omnipotenz, der Grenzenlosigkeit seiner Möglichkeiten“.11

Die Diskrepanz zwischen seinem Reichtum und dem damit nicht im Einklang stehenden Aussehen bzw. seiner Herkunft ist ein weiterer Faktor, der schließlich zu seiner Gefangennahme führt. Erst als dem Grafen vom Knecht berichtet wird, daß sein Widersacher, der ihm durch den Kauf die Möglichkeit vereitelt hat, sich auf der Hochzeit angemessen zu präsentieren, kein geborener Edelmann sei, wittert er ein Verbrechen und ordnet Fortunatus’ Verhaftung an. „Do der graf hort, das er nit ein geborner edelman was, sprach er zu seinen dienern auß grossem zorn ‘Geend hyn und vahent den man wann er hat daz gelt gestolen geraubt oder aber ainen ermort’.“12

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Volksbuch 'Fortunatus' und Festlegung des thematischen Schwerpunkts auf die Rolle des Geldes.

2. Fortunatus’ bürgerliche Herkunft: Untersuchung der familiären Ausgangssituation und des Motivs des Geldes als soziale Bedingung.

3. Das Scheitern der Selbstbehauptung: Analyse der ersten Versuche des Protagonisten, im feudalen System Fuß zu fassen, und der Rolle des Geldes bei zwischenmenschlichem Vertrauen.

4. Die Intervention Fortunas: Betrachtung der schicksalhaften Begegnung mit der Glücksgöttin und der Wahl des Reichtums als zentrales Existenzmittel.

5. Neue Identität durch Geld - Die Karriere jenseits der Standesschranken: Darstellung der riskanten sozialen Mobilität durch exzessiven Reichtum.

6. Geldverwendung: Andalosia versus Fortunatus: Kontrastierung der umsichtigen Vorgehensweise Fortunatus’ mit dem leichtfertigen Verhalten seines Sohnes.

7. Die Nutzlosigkeit des Geldes angesichts der Macht von Schicksal und Natur: Aufzeigen der Grenzen finanzieller Macht in existentiellen Ausnahmesituationen.

8. Geld und Gewalt: Untersuchung der kriminellen Aspekte von Geldgier und der Korruption im Roman.

9. Geld und Ehre: Analyse der Spannung zwischen monetärem Einfluss und dem Ehrgefühl der verschiedenen Gesellschaftsschichten.

10. Die didaktische Intention - Weisheit statt Reichtum?: Diskussion der erzählerischen Moral und des Wertes von Weisheit gegenüber materiellem Besitz.

11. Schlussbemerkungen: Zusammenfassendes Fazit über die Dominanz des Geldes und die Bedeutung einer weisen Geldverwendungsstrategie.

Schlüsselwörter

Fortunatus, Geld, Volksbuch, Andalosia, Reichtum, soziale Identität, feudale Gesellschaft, Macht, Schicksal, Ethik, Geldverwendung, Mittelalter, Didaktik, Tugenden, soziale Mobilität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die zentrale Rolle und die verschiedenen Funktionen des Geldes im spätmittelalterlichen Volksbuch 'Fortunatus' und untersucht dessen Auswirkungen auf die handelnden Figuren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Schwerpunkten gehören der gesellschaftliche Aufstieg durch Geld, die Verknüpfung von Reichtum mit Ehre und Gewalt sowie die didaktische Absicht des Autors bezüglich eines weisen Umgangs mit materiellen Gütern.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie Fortunatus und sein Sohn Andalosia das Geld nutzen und inwiefern ein bewusster versus ein leichtfertiger Umgang mit Reichtum über Erfolg, soziale Integration oder den Untergang entscheidet.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die auf chronologischen Ereignisbeobachtungen und der Auswertung von Primärtextstellen basiert, ergänzt durch die Einbeziehung fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Aspekte des Geldgebrauchs: von der Herkunft Fortunatus' über seine Reisen, den Erwerb sozialer Identität bis hin zur Gegenüberstellung mit seinem Sohn Andalosia und der Relativierung des Geldes durch Naturgewalten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Geld, Fortunatus, soziale Identität, feudale Struktur, Reichtum, Moral und didaktische Intention beschreiben.

Wie unterscheidet sich die Geldverwendung zwischen Vater und Sohn?

Während Fortunatus Geld pragmatisch und diskret zur Sicherung seiner sozialen Position nutzt, zeichnet sich Andalosia durch ein arrogantes und exzessives Verhalten aus, das ihn blind für gesellschaftliche Normen macht und letztlich in den Ruin führt.

Welche Rolle spielt das Motiv der 'Weisheit' im Vergleich zum Reichtum?

Der Epilog stellt die Weisheit als übergeordnetes Ideal dar, das zwar auch zu Wohlstand führen kann, aber im Gegensatz zum bloßen Geldbeutel keine Gefahr des schnellen Verlustes in sich birgt.

Warum wird Geld im Roman teilweise als isolierendes Element dargestellt?

Da Fortunatus sein Geheimnis um die Quelle des Geldes bewahren muss, zwingt ihn der Reichtum dazu, ein Leben auf Lügen aufzubauen und sich gegenüber seinen Mitmenschen – selbst in engsten Beziehungen – zu verschließen.

Excerpt out of 24 pages  - scroll top

Details

Title
Die Rolle des Geldes im mittelalterlichen Volksbuch "Fortunatus"
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Germanistisches Institut)
Course
Ausgewählte Volksbücher des Spätmittelalters
Grade
1,0
Author
Marcus Münch (Author)
Publication Year
1999
Pages
24
Catalog Number
V139374
ISBN (eBook)
9783640491261
ISBN (Book)
9783640491506
Language
German
Tags
Rolle Geldes Volksbuch Fortunatus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marcus Münch (Author), 1999, Die Rolle des Geldes im mittelalterlichen Volksbuch "Fortunatus", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139374
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  24  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint