Wie Schüler:innen mit Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung (ESE) Herausforderungen bewältigen und welche zusätzlichen Ressourcen oder Unterstützungsmöglichkeiten für sie möglicherweise erforderlich sind, ist weitgehend unerforscht. Diese Masterarbeit stellt Grundlagenforschung in Form von Expert:inneninterviews dar. Die Expert:innen sind Sonderpädagog:innen einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung dar.
Das erste Kapitel der vorliegenden Arbeit bildet den ersten von drei Bausteinen der theoretischen Grundlagen. In diesem Kapitel liegt der Fokus auf den Schüler:innen mit Förderbedarf im Bereich ESE. Zunächst werden verschiedene, in der Literatur verwendete Termini für diese Personengruppe vorgestellt und diskutiert. Im darauffolgenden Kapitel werden die für diesen Förderschwerpunkt relevantesten Störungsbilder vorgestellt, während in Kapitel 2.3 und 2.4 die Entstehung von Verhaltensstörungen dargelegt werden.
Der zweite Baustein der theoretischen Grundlagen beginnt in Kapitel drei und befasst sich mit Krisen in der jugendlichen Entwicklung. Zunächst werden Entwicklungsaufgaben der Jugend allgemein vorgestellt, woraufhin die Krisenbewältigung als Entwicklungsaufgabe in der Jugend und in die Krisenintervention als Aufgabe des Bildungssystems näher erläutert werden. Das dritte Kapitel schließt mit der Zusammenführung des Themas Krisen mit dem FSP ESE. Der abschließende Baustein der theoretischen Grundlagen befasst sich mit zeitaktuellen Krisen und fasst hierzu die Ergebnisse der Trendstudie Jugend in Deutschland zusammen, woraufhin ein genauerer Blick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Kinder und Jugendlichen in Deutschland geworfen wird.
Nach der Auseinandersetzung mit der Methodik werden die drei Expert:inneninterviews daraufhin in Kapitel 7 durch die qualitative Inhaltsanalyse nach Gläser und Laudel (2010) ausgewertet, was sich aus den Schritten der Extraktion von Informationen, der Aufbereitung der Daten, der Auswertung und schließlich der Interpretation der Informationen zusammensetzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
I. Theoretische Grundlagen
2. Schüler:innen mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung
2.1 Förderbedarf in emotionaler und sozialer Entwicklung
2.2 Störungsbilder im FSP ESE
2.2.1 Internalisierende Störungen
2.2.2 Externalisierende Störungen
2.3 Risiko- und Schutzfaktoren
2.4 Transaktionales Entwicklungsmodell
3. Krisen/Einschnitte in jugendlicher Entwicklung
3.1 Entwicklungsaufgaben
3.2 Krisenbewältigung als Entwicklungsaufgabe
3.3 Krisenintervention als Bildungsaufgabe
3.4 Krisen und der FSP ESE
4. Zeitaktuelle Krisen – Krisen im Sinne gesellschaftlicher Belastung
4.1 Trendstudie: Jugend in Deutschland
4.2 Corona-Krise – Kinder und Jugendliche in Deutschland
5. Zwischenfazit
II. Empirischer Teil
6. Darlegung der Methodik
6.1 Begrünung der Methode: Expert:inneninterviews
6.2 Auswahl der Expert:innen
6.3 Leitfadenerstellung
6.4 Interviewdurchführung
6.5 Transkription
6.6 Auswertungsmethode: Qualitative Inhaltsanalyse
7. Auswertung der Expert:inneninterviews
7.1 Extraktion der Daten
7.1.1 Extraktion
7.2 Aufbereitung der Daten
7.3 Auswertung der Daten
7.4 Interpretation der Ergebnisse
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von persönlichen sowie zeitaktuellen Krisen auf Schüler:innen im Förderschwerpunkt (FSP) Emotionale und soziale Entwicklung (ESE). Das Hauptziel besteht darin, die bisherige Forschungslücke bezüglich der Krisenbewältigung dieser spezifischen Personengruppe zu schließen und Handlungsempfehlungen für die sonderpädagogische Praxis abzuleiten, indem individuelle Perspektiven von Fachkräften mittels qualitativer Interviews analysiert werden.
- Analyse von Störungsbildern (internalisierend und externalisierend) im FSP ESE.
- Untersuchung von Resilienzfaktoren und Coping-Strategien in der Adoleszenz.
- Krisenintervention als pädagogische Aufgabe des Bildungssystems.
- Einfluss gesellschaftlicher Belastungsfaktoren (u.a. Corona-Pandemie) auf Jugendliche.
- Exploration der Sichtweisen sonderpädagogischer Lehrkräfte durch Expert:inneninterviews.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Internalisierende Störungen
Internalisierende Störungen sind in erster Linie auf die Person selbst bezogen und sorgen für eine Störung des inneren Erlebens einer Person (vgl. Stein, 2014c, S. 83). Sie manifestieren sich zunehmend mit steigendem Alter und können, da sie nach innen gerichtet sind, schwer von außen erkannt werden (vgl. Baumgarten et al. 2018, S. 62). Zu den am häufigsten benannten internalisierenden Störungen zählen Angststörungen und Depressivität (vgl. Stein & Müller, 2017, S. 29; Myschker & Stein, 2018, S. 63; Stein, 2014, S. 83). Infolgedessen werden diese beiden Störungsbilder näher beschrieben.
„Fast jedes Kind durchlebt im Lauf seiner Entwicklung Phasen besonderer Angst, da Ängste bei Kindern relativ weit verbreitet sind.“ (Klicpera, Gasteiger-Klicpera & Bešić, 2019, S. 25) Stein (2014b) grenzt Angststörungen klar von Angst und Ängstlichkeit ab (vgl. S. 15). Angst stellt dabei eine Grundemotion dar, die Teil des alltäglichen Lebens und Erlebens eines jeden Menschen ist (vgl. ebd.). In diesem Fall ist Angst ein Konstrukt, das hinter verschiedene Ausdrucksformen – physiologisch, Verhalten, körperlicher Ausdruck – dieses zeitlich begrenzten Zustands steht (vgl. ebd.). Im Gegensatz zu diesem zeitlich begrenzten Zustand steht die Ängstlichkeit – als persistenter Wesenszug einer Person, bei der in mannigfaltigen Gegebenheiten in außerordentlicher Häufigkeit und außerordentlichem Maß mit dem Affekt Angst reagiert wird (vgl. ebd.). Angst weist typische Merkmale auf verschiedenen Ebenen auf, die beobachtbar sind (vgl. Nevermann, 2008, S. 258). Auf der körperlichen Ebene führt Nevermann (2008) Erregtheit, Zittern, Anspannung, erhöhte Herzfrequenz, Erstarren, Schwindel, Schwitzen und Magen-Darmprobleme an (S. 258). Selbstzweifel, Selbstabwertung, irrationale Gedanken aber auch Gedankenleere und Fluchtgedanken spielen auf der psychischen Ebene eine dominante Rolle (vgl. ebd.). Zuletzt drückt sich Angst auf der Verhaltensebene bspw. durch Nägel kauen, Unruhe, Weinen oder Vermeidungsverhalten aus (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Untersuchung von Krisenauswirkungen auf Schüler:innen im FSP ESE ein und definiert das Forschungsziel sowie den Aufbau der Arbeit.
2. Schüler:innen mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung: Das Kapitel bietet eine theoretische Auseinandersetzung mit Begrifflichkeiten und Störungsbildern, wie internalisierenden und externalisierenden Verhaltensweisen, im Kontext des FSP ESE.
3. Krisen/Einschnitte in jugendlicher Entwicklung: Hierbei werden zentrale Entwicklungsaufgaben der Jugend analysiert und das Konzept der Krisenbewältigung sowie Krisenintervention als Bildungsaufgabe diskutiert.
4. Zeitaktuelle Krisen – Krisen im Sinne gesellschaftlicher Belastung: Das Kapitel verknüpft individuelle Krisen mit gesellschaftlichen Belastungsfaktoren wie der Corona-Pandemie oder dem Klimawandel und deren Bedeutung für die Jugend.
5. Zwischenfazit: Dieses Kapitel fasst die theoretischen Ergebnisse zusammen und legt die Basis für die folgende empirische Auseinandersetzung.
6. Darlegung der Methodik: Es erfolgt die Begründung der Wahl qualitativer Expert:inneninterviews zur Beantwortung der Forschungsfragen sowie die detaillierte Darstellung des Forschungsdesigns.
7. Auswertung der Expert:inneninterviews: Dieser Abschnitt umfasst die systematische Extraktion, Aufbereitung und Analyse der geführten Interviews anhand eines Kategoriensystems.
8. Fazit: Das Fazit reflektiert die Ergebnisse der Masterarbeit kritisch, benennt Desiderate in der Forschung und gibt einen Ausblick auf die Bedeutung der gewonnenen Erkenntnisse für die sonderpädagogische Praxis.
Schlüsselwörter
Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung, ESE, Krisenintervention, Entwicklungsaufgaben, Adoleszenz, Qualitativen Inhaltsanalyse, Expert:inneninterviews, Coping-Strategien, Internaliserende Störungen, Externalisierende Störungen, Krisenbewältigung, Sozialpädagogische Förderung, Sonderpädagogik, Gesellschaftliche Belastungen, Resilienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich persönliche Krisen und gesellschaftliche Belastungssituationen auf Schüler:innen auswirken, denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung zugesprochen wurde.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Wesentliche Themen sind die Definition von Störungsbildern, der Umgang mit Krisen im Jugendalter (Coping), die Rolle von Resilienz und Schutzfaktoren sowie die Krisenintervention als Aufgabe des schulischen Systems.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Auswirkungen von Krisen auf diese spezifische Schülerschaft besser zu verstehen und aufzuzeigen, welche Unterstützungsmöglichkeiten sich sonderpädagogische Lehrkräfte für den schulischen Alltag wünschen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die qualitative Sozialforschung. Konkret wurden Expert:inneninterviews mit Sonderpädagog:innen geführt und diese mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Gläser und Laudel ausgewertet.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Störungsbildern und Entwicklungsaufgaben sowie in einen empirischen Teil, in dem die Erfahrungen von Lehrkräften aus der Praxis extrahiert und interpretiert werden.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie "Förderschwerpunkt ESE", "Krisenintervention", "Coping-Strategien", "Sonderpädagogik" und "Qualitative Inhaltsanalyse" beschreiben.
Warum sind gerade Sonderpädagogen als Experten ausgewählt worden?
Da diese Lehrkräfte täglich mit Schüler:innen im FSP ESE arbeiten und in ihren Klassen fast ausschließlich Kinder mit entsprechenden Förderbedarfen unterrichten, verfügen sie über ein spezifisches Erfahrungswissen hinsichtlich krisenhafter Verhaltensweisen.
Welche Rolle spielen gesellschaftliche Krisen wie Corona oder der Ukrainekrieg in dieser Arbeit?
Diese äußeren Faktoren werden als zusätzliche Belastung für Jugendliche betrachtet. Die Arbeit analysiert, inwieweit diese globalen Krisen von den Schüler:innen wahrgenommen werden und ob sie als Krisenauslöser für die individuelle Entwicklung fungieren.
- Citation du texte
- Valentin Lauer (Auteur), 2023, Einfluss zeitaktueller Krisen auf Schüler. Mit Fokus auf Schüler mit Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung (ESE), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1393788