Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Older German Literature, Medieval Studies

Überlegungen zur Wahrnehmung von Sprache in historischen Texten. Eine kurze Analyse der Versnovelle "Helmbrecht" von Wernher der Gärtner

Title: Überlegungen zur Wahrnehmung von Sprache in historischen Texten. Eine kurze Analyse der Versnovelle "Helmbrecht" von Wernher der Gärtner

Essay , 2023 , 6 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sarah Fremgen (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Sprache ist das am häufigsten gebrauchte Mittel unserer Kommunikation; die Wichtigkeit von Sprache muss daher genauso wenig begründet werden wie die wissenschaftlichen Untersuchungen und Überlegungen zu ebendieser. Doch Sprache muss nicht immer eindeutig sein: Innerhalb der Kommunikation zweier Gesprächsteilnehmenden gibt es zwangsläufig einen Gesprächspartner, der spricht, während der andere das Gesprochene perzipiert. Dass Aussagen in diesen Kommunikationssituationen und damit die Sprache des Gegenübers anders oder sogar missverständlich wahrgenommen werden kann, ist ebenfalls keine neue Erkennt-nis, denn Missverständnisse in Gesprächen gehören zum Alltag eines jeden Sprechers oder (einer jeden) Sprecherin. Abseits von dieser linguistisch-pragmatischen Forschungsperspek-tive entwickelte sich im letzten Jahrzehnt jedoch eine weitere Perspektive, die sich auf die Wahrnehmung von Sprache aus der Sicht von linguistischen Laien, demnach auf die Sicht von Alltagssprecher:innen und nicht von Sprachwissenschaftler:innen, konzentriert. Damit rücken die Laiensprecher:innen in das Zentrum der Forschung dieser Disziplin, welche sich besonders auf die Wahrnehmung von Varietäten des Deutschen fokussiert. Obwohl diese perzeptionslinguistische Sichtweise noch relativ jung ist, gab es bereits im 14. Jahrhundert Belege für die Bewertung von Sprache innerhalb der Literatur; so zeigte Hugo von Trimberg im „Renner“ bereits Reflexionen über Varietäten des Deutschen. Es stellen sich also die Fragen, inwiefern Reflexion über Sprache bereits in mittelalterlicher Literatur zu finden ist, wie differenziert die kognitive Repräsentation von Sprache in Texten dieser Zeit dargestellt wird und wie die Wahrnehmung von Sprachvariation auf literarischer Ebene verarbeitet wird. Um diese Fragen zu beantworten, soll im Folgenden eine kurze, exemplarische Untersuchung einer Textstelle der im späten 13. Jahrhundert erschienenen Versnovelle "Helmbrecht" von Wernher der Gärtner erfolgen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Überlegungen zur Wahrnehmung von Sprache in historischen Texten – eine kurze Analyse des Helmbrechts

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern wahrnehmungsdialektologische Ansätze auf mittelalterliche Texte angewandt werden können, um die kognitive Repräsentation und Bewertung von Sprachvariation zu analysieren. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie Charaktere im Versnovelle „Helmbrecht“ Sprache als manipulatives Instrument zur Identitätsverschleierung und Standespräsentation nutzen.

  • Wahrnehmungsdialektologie als methodischer Rahmen für historische Texte
  • Sprachvariation und Vielsprachigkeit im „Helmbrecht“
  • Die Funktion von Sprache als Standesindikator und Identitätsmerkmal
  • Rezeption und Wahrnehmung von Fremdsprachen durch fiktionale Laiensprecher
  • Die kognitive Repräsentation von Dialekträumen und soziokulturellen Markierungen

Auszug aus dem Buch

Überlegungen zur Wahrnehmung von Sprache in historischen Texten – eine kurze Analyse des Helmbrechts

Sprache ist das am häufigsten gebrauchte Mittel unserer Kommunikation; die Wichtigkeit von Sprache muss daher genauso wenig begründet werden wie die wissenschaftlichen Untersuchungen und Überlegungen zu ebendieser. Doch Sprache muss nicht immer eindeutig sein: Innerhalb der Kommunikation zweier Gesprächsteilnehmenden gibt es zwangsläufig einen Gesprächspartner, der spricht, während der andere das Gesprochene perzipiert. Dass Aussagen in diesen Kommunikationssituationen und damit die Sprache des Gegenübers anders oder sogar missverständlich wahrgenommen werden kann, ist ebenfalls keine neue Erkenntnis, denn Missverständnisse in Gesprächen gehören zum Alltag eines jeden Sprechers oder (einer jeden) Sprecherin. Abseits von dieser linguistisch-pragmatischen Forschungsperspektive entwickelte sich im letzten Jahrzehnt jedoch eine weitere Perspektive, die sich auf die Wahrnehmung von Sprache aus der Sicht von linguistischen Laien, demnach auf die Sicht von Alltagssprecher:innen und nicht von Sprachwissenschaftler:innen, konzentriert.

Damit rücken die Laiensprecher:innen in das Zentrum der Forschung dieser Disziplin, welche sich besonders auf die Wahrnehmung von Varietäten des Deutschen fokussiert. Diese Wahrnehmungsdialektologie untersucht dabei weniger die Perzeption von Sprache und deren Merkmale, sondern vielmehr die Reflexion über die zuvor perzipierten Merkmale (vgl. Sauer, Hoffmeister 2022: 1). Folglich beschäftigt sich die Wahrnehmungsdialektologie weniger mit den linguistischen, geographischen oder sozialen Aspekten der Varietäten des Deutschen, sondern mit der kognitiven Repräsentation ebendieser (vgl. ebd.: 2). Damit geht die kognitive Repräsentation von Dialekträumen, die Bewertung von Sprechweisen nach Korrektheit und Gefallen sowie die Salienz und Pertinenz von sprachlichen Merkmalen aus der Sicht der Sprecher:innen selbst einher (vgl. Hundt, Palliwoda, Schröder 2017: 83-85).

Zusammenfassung der Kapitel

Überlegungen zur Wahrnehmung von Sprache in historischen Texten – eine kurze Analyse des Helmbrechts: Dieser Abschnitt führt in die Wahrnehmungsdialektologie ein und analysiert, wie Sprachvariation und identitätsstiftendes Sprechen in Wernher der Gärtners „Helmbrecht“ als Mittel zur manipulativen Standesinszenierung sowie als Erkennungsmerkmal durch die Umwelt fungieren.

Schlüsselwörter

Wahrnehmungsdialektologie, Helmbrecht, Sprachvariation, Vielsprachigkeit, kognitive Repräsentation, Mittelalterliche Literatur, Identitätsverschleierung, Standesindikator, Perzeptionslinguistik, Alltagssprecher, Sprachwahrnehmung, Fremdsprachenkompetenz, soziale Markierung, Soziolinguistik

Häufig gestellte Fragen

Was ist das grundlegende Thema dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung wahrnehmungsdialektologischer Ansätze auf mittelalterliche Literatur, speziell auf das Werk „Helmbrecht“, um Sprachwahrnehmung im historischen Kontext zu untersuchen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Fokus stehen die kognitive Repräsentation von Sprache, die Funktion von Sprachvariation als Instrument zur Identitätskonstruktion sowie die Bewertung von Fremdsprachen durch Laiensprecher.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu analysieren, ob und wie Reflexionen über Sprache und deren Wahrnehmung bereits in der mittelalterlichen Literatur des 13. Jahrhunderts verarbeitet wurden.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Es wird eine exemplarische, literaturwissenschaftliche Untersuchung der Versnovelle „Helmbrecht“ durchgeführt, wobei die theoretische Perspektive der Wahrnehmungsdialektologie angewandt wird.

Was ist der Kerninhalt des Hauptteils?

Der Hauptteil analysiert die Verse 697-838, in denen der Protagonist Helmbrecht durch das bewusste Einsetzen verschiedener Sprachvarietäten versucht, seine Herkunft zu verschleiern und sich als Angehöriger eines höheren Standes zu präsentieren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wahrnehmungsdialektologie, Sprachvariation, Helmbrecht, Identitätsverschleierung und kognitive Repräsentation definiert.

Welche Rolle spielt das Französische und Lateinische im Text?

Diese Sprachen dienen im Helmbrecht als soziale Marker, die Wohlstand und höfische Interkulturalität (Französisch) sowie gelehrte Bildung (Latein) signalisieren sollen.

Warum fällt Helmbrechts Täuschung bei der Familie auf?

Obwohl die Familie die Sprachen selbst nicht beherrscht, führen Fehler in Helmbrechts Begrüßungsformeln und die fremde Sprachpräzision dazu, dass er nicht als der erwartete Sohn erkannt wird, sondern als fremder Reisender wahrgenommen wird.

Welche Bedeutung hat das Niederdeutsche/Flämische im Kontext der Untersuchung?

Das Niederdeutsche/Flämische zeigt Helmbrechts Versuch, eine deutsche Variation zu wählen, die dennoch mit dem ritterlichen Stand verbunden ist, um sich von der bäuerlichen Herkunft seiner Familie abzugrenzen.

Zu welchem Fazit kommt der Autor bezüglich der Anwendbarkeit moderner Ansätze?

Der Autor schließt, dass wahrnehmungsdialektologische Ansätze auch auf mittelalterliche Texte übertragbar sind und aufzeigen, dass Sprache in der Literatur schon früh als zentrale Kategorie für soziokulturelle Merkmale und Nationalität diente.

Excerpt out of 6 pages  - scroll top

Details

Title
Überlegungen zur Wahrnehmung von Sprache in historischen Texten. Eine kurze Analyse der Versnovelle "Helmbrecht" von Wernher der Gärtner
College
Saarland University  (Germanistik)
Course
HS Sprachwandel und Sprachvariation
Grade
1,3
Author
Sarah Fremgen (Author)
Publication Year
2023
Pages
6
Catalog Number
V1394102
ISBN (PDF)
9783346943941
Language
German
Tags
Germanistik Mediävistik Mittelalter Mittelhochdeutsch Helmbrecht Wernher der Gärtner Wahrnehmungsdialektologie Dialektologie Sprachwissenschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sarah Fremgen (Author), 2023, Überlegungen zur Wahrnehmung von Sprache in historischen Texten. Eine kurze Analyse der Versnovelle "Helmbrecht" von Wernher der Gärtner, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1394102
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  6  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint