In der folgenden Arbeit wird die Firma Karl W. Hiersemann zur Zeit des NS-Regimes untersucht. Ausgangspunkt war ein Beitrag im Börsenblatt zur Person Karl Wilhelm Hiersemann, der die Zeit zwischen 1933 bis 1945 ausgelassen hat. Daraufhin stellt man sich die Frage, wieso diese Zeitspanne ausgelassen wurde und was zu dieser Zeit passierte.
Um die Geschichte der Firma nachvollziehen zu können, muss man sich zuerst mit ihrer Entstehung im Jahr 1884 beschäftigen. Denn dort wurde der Maßstab für die kommenden Jahre gesetzt. Erst dann kann man sich mit der Zeit des NS-Regimes befassen. Hierfür werden allgemeine Werke zum Buchwesen in der Zeit zwischen 1933 bis 1945 hergezogen, um die vorhandenen Festschriften über Karl W. Hiersemann auch kritisch betrachten zu können. Aufgrund von fehlender Forschungsliteratur zu Wissenschaftsverlagen und Antiquariaten erweist sich diese Aufgabe als schwieriger. Da nun in dieser Arbeit ein besonderer Blick auf die Zeit des Zweiten Weltkrieges gelegt wird, beschäftigt sich dieser Text nicht genauer mit der Nachkriegszeit und der Entwicklung bis heute. Der Forschungsstand zur Firma Karl W. Hiersemann ist so gut wie nicht vorhanden. Es gibt einige Festschriften, allerdings gilt es diese immer kritisch zu hinterfragen. Hinzu kommt das Problem, dass Wissenschaftsverlage, wie der von Karl W. Hiersemann einer ist, kaum zur NS-Zeit erforscht sind. Fast noch schlechter erforscht ist das Antiquariat. Ein Vergleich zu einer ähnlichen Firmengeschichte wurde in Erwägung gezogen, allerdings wurde man nicht fündig. Die Firma Karl W. Hiersemann ist ein spezieller Fall, der auch ganz spezielle Forschungsarbeit erfordert. Die Hauptquelle zur Erforschung der Firma Hiersemann ist das Werk von Wilhelm Olbrich, Hundert Jahre Hiersemann 1884 – 1984, einem ehemaligen Mitarbeiter der Firma Karl W. Hiersemann. Die Arbeit versucht die sympathisierenden Quellen kritisch zu sehen und ein reales Bild der Firma aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
DIE VORGESCHICHTE DES ANTIQUARIATS KARL WILHELM HIERSEMANN
DIE PERSON KARL WILHELM HIERSEMANN
DAS ANTIQUARIAT KARL W. HIERSEMANN
DER VERLAG KARL W. HIERSEMANN
DIE FIRMA IN DEN JAHREN 1928 BIS 1945
EIN UMRISS DER LAGE DES BUCHHANDELS IN DER ZEIT ZWISCHEN 1933 UND 1945
DIE LAGE DER WISSENSCHAFTSVERLAGE
DIE AUSWIRKUNGEN DES NS-REGIMES AUF DIE FIRMA KARL W. HIERSEMANN
EXKURS: DIE FIRMA VON 1945 BIS 1952
FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Geschichte der Firma Karl W. Hiersemann während der Zeit des Nationalsozialismus. Ziel ist es, nachzuweisen, wie das Unternehmen auf die politischen Herausforderungen der NS-Zeit reagierte und welches Bild der Firma trotz der schwierigen Quellenlage gezeichnet werden kann.
- Untersuchung der Firmenentwicklung von der Gründung 1884 bis 1950.
- Analyse der Lage des Buchhandels und der Wissenschaftsverlage unter dem NS-Regime.
- Kritische Auseinandersetzung mit Festschriften und internen Quellen der Firma.
- Betrachtung der administrativen Eingriffe, der Papierkontingentierung und des Kriegseinflusses.
- Dokumentation des Schicksals des Unternehmens nach 1945 bis zur Liquidation.
Auszug aus dem Buch
Die Auswirkungen des NS-Regimes auf die Firma Karl W. Hiersemann
Die Firma Karl W. Hiersemann musste sich in den Kriegsjahren mehr auf das Inlands- als auf das Auslandsgeschäft stützen, was insbesondere für das Antiquariat ein Problem darstellte. Da die Firma Karl W. Hiersemann viele Beziehungen und Geschäftspartner im Ausland hatte, bedeutete dies eine neue Herausforderung. Die Ausmerzung der jüdischen und anderweitig unerwünschter Bevölkerung nahm im NS-Regime deutlich zu, weswegen viele Verlage, die meist über mehrere Jahre bestehenden Verträge zu diesen Autoren aufgeben mussten. Doch laut Olbrich war davon der Verlag Karl W. Hiersemann nicht betroffen, jedoch mussten sie nur zwei oder weniger Bücher vom Markt nehmen, da die Autoren in Deutschland verboten waren.
Jedoch wird in dem Brief vom 15. Juli 1937 erwähnt, dass „nach mühevoller Arbeit die Werke aller nichtarischen oder sonst unerwünschten Schriftsteller[n] entfernt.“ worden sind. Hierbei kommt der Verdacht auf, dass es sich womöglich um mehr als nur zwei Autoren handelt, doch dies kann nicht anderweitig belegt werden. Das Antiquariat, wie schon oben angesprochen, war härter betroffen als der Verlag. Es wurde des Öfteren von der Gestapo nach unerlaubten Werken durchsucht und es fand daraufhin eine starke Aussonderung der Bestände statt. Dies ist einleuchtend, da der Verkauf von deutschen Übersetzungen ab circa 1935 nicht mehr erlaubt war, Ausnahme waren Übersetzungen aus dem Amerikanischen und Irischen. Da jedoch das Programm des Antiquariats aus ausländischen Titeln bestand, wie zum Beispiel aus England, aus dem Orient und Japan, waren diese Schriften nicht mehr erlaubt. Das Antiquariat war bekannt für seine Internationalität, welche in den Kriegsjahren nun streng eingeschränkt wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Arbeit beleuchtet die Geschichte der Firma Karl W. Hiersemann im Nationalsozialismus, motiviert durch das Fehlen dieser Epoche in zeitgenössischen Darstellungen.
DIE VORGESCHICHTE DES ANTIQUARIATS KARL WILHELM HIERSEMANN: Dieser Abschnitt beschreibt die Gründung der Firma 1884 und die Entwicklung bis zum Tod des Gründers im Jahr 1928.
DIE FIRMA IN DEN JAHREN 1928 BIS 1945: Hier wird die betriebswirtschaftliche Neuausrichtung unter Anton Hiersemann sowie die zunehmende staatliche Reglementierung des Buchhandels während der NS-Zeit dargestellt.
EXKURS: DIE FIRMA VON 1945 BIS 1952: Das Kapitel behandelt die Nachkriegszeit, die schwierigen Überlebensbedingungen unter sowjetischer Besatzung und die letztendliche Enteignung und Liquidation der Leipziger Firma.
FAZIT: Das Fazit stellt die Schwierigkeiten bei der Quellenforschung heraus und konstatiert, dass das Unternehmen eine Anpassungsstrategie unter schwierigen politischen Bedingungen verfolgte.
Schlüsselwörter
Karl W. Hiersemann, Antiquariat, Verlag, Buchhandel, NS-Regime, Nationalsozialismus, Leipziger Buchhandel, Anton Hiersemann, Buchwesen, Erfassung, Papierkontingentierung, Geisteswissenschaft, Enteignung, Wissenschaftsverlag, Firmengeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Firmengeschichte von Karl W. Hiersemann während der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) und analysiert deren Überleben und Anpassung in dieser Ära.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des Antiquariats, den staatlichen Eingriffen in das Verlagswesen, der Papierkontingentierung und den Auswirkungen auf den internationalen Handel.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, ein kritisches und reales Bild der Firma zu zeichnen, da zeitgenössische Festschriften die NS-Jahre oft verschwiegen und wissenschaftliche Forschungsliteratur dazu weitgehend fehlt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Es wurde eine quellenkritische Analyse vorgenommen, die verfügbare Festschriften mit internen Dokumenten und Briefen aus dem Deutschen Literaturarchiv Marbach vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorgeschichte des Hauses, die Umstrukturierung unter Anton Hiersemann ab 1928 und die spezifischen Herausforderungen im NS-Regime bis zur Liquidation nach 1945.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die wesentlichsten Begriffe sind Firmengeschichte, Antiquariat, NS-Wirtschaftspolitik im Buchhandel, Anton Hiersemann und die Aufarbeitung von Unternehmensbiografien.
Welche Rolle spielte Anton Hiersemann bei der Rettung der Firma?
Durch eine frühzeitige betriebswirtschaftliche Umstrukturierung in den Krisenjahren 1930/31 konnte er die Firma in einer Weise anpassen, die ihr das Überleben bis weit in die Kriegsjahre hinein ermöglichte.
Warum gibt es so wenig Forschung zu diesem speziellen Unternehmen?
Die wissenschaftliche Erforschung ist durch den Verlust oder die Zerstörung zahlreicher Unterlagen nach der Zwangsauflösung und Enteignung der Firma im Jahr 1950 stark erschwert.
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- Julia Steindl (Author), 2021, Das Antiquariat von Karl Wilhelm Hiersemann zwischen 1933 und 1945, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1394634