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Die Bundesrepublik Deutschland und der NATO-Doppelbeschluss

Title: Die Bundesrepublik Deutschland und der NATO-Doppelbeschluss

Term Paper , 2007 , 17 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Julia Krüger (Author)

Politics - History of Political Systems
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Summary Excerpt Details

Viele politische Entscheidungen wurden in der jungen Bundesrepublik bis in die 1970er-Jahre immer wieder in Frage gestellt und diskutiert. Doch kaum eine unter ihnen führte zu so konfliktreichen und kontroversen Situationen im innenpolitischen und gesellschaftlichen Bereich wie der NATO-Doppelbeschluss vom Dezember 1979. Das Programm wurde als Reaktion auf die Aufrüstung der Sowjetunion und dem damit entstandenen militärischen Kräfteungleichgewicht zwischen Ost und West aufgestellt. Das Ultimatum an die östliche Weltmacht sah eine Modernisierung und Verstärkung der nuklearen Systeme in Westeuropa und vor allem in Deutschland vor, falls die UdSSR nicht auf die Abrüstungsverhandlungen einging.
Innerhalb der deutschen Gesellschaft entstanden daraufhin starke Proteste. Die seit Mitte der 1950er-Jahre in den Abgrund versunkene Friedensbewegung erstarkte aus Angst vor einem Atomkrieg auf deutschem Boden. Man protestierte gegen den fortschreitenden Rüstungswettlauf und forderte eine Reduzierung der Nuklearwaffen auf beiden Seiten. Der Gedanke an einen nuklearen Overkill ließ viele Menschen in der Bundesrepublik erschrecken. Auch innerhalb der eigenen Partei des deutschen Bundeskanzlers stieg die Kritik am Vorhaben des NATO-Doppelbeschlusses. Helmut Schmidt hielt aber an seiner Strategie des Gleichgewichts fest, unterstütze weiterhin die Entwicklung des Doppelbeschlusses und stieß dabei immer öfter auf rege Kritik. Dass Schmidt den Beschluss befürwortete und ihn scheinbar in seiner Londoner IISS-Rede vorformulierte, war für viele Menschen und Politiker unverständlich. Für sie waren die Forderungen Schmidts inakzeptabel vor dem Hintergrund, der u. a. von Willy Brandt kurz zuvor eingeleiteten Entspannungspolitik und den Abrüstungsverhandlungen SALT ab 1972. Die Meinung verbreitete sich schnell, dass er mit dieser Aktion Brandts politische Erfolge zu nichte machte.

Die Meinungsspaltung innerhalb Deutschlands und der SPD, die nachlassende Unterstützung der Parteibasis und der Ablehnungen des Kanzlers sich dem Willen der Mehrheit des deutschen Volkes und der Partei zu beugen, leitete schließlich das Ende der sozialliberalen Koalition und den Beginn der Ära Kohl ein. Unter Helmut Kohl wurde der NATO-Doppelbeschluss dann in die Realität umgesetzt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Der NATO-Doppelbeschluss spaltet die deutsche Meinung – Eine Einleitung

2. Vorausgehende Verträge: SALT I und SALT II

3. Die Entstehungsphase des NATO-Doppelbeschlusses

3.1 Die IISS-Rede Helmut Schmidts in London am 28. Oktober 1977

3.2 Innenpolitische Dimensionen des Doppelbeschlusses für die Bundesrepublik

4. Der NATO-Doppelbeschluss

4.1. Doppelter Beschluss mit doppeltem Missverständnis

4.2. Auswirkungen auf die deutsche Gesellschaft – Die Friedensbewegung

5. Der Anfang vom Ende des Ost-West-Konflikts – INF-Vertrag

6. Letztlich doch die richtige Entscheidung? – Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische Bedeutung und die innenpolitischen Auswirkungen des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 auf die Bundesrepublik Deutschland. Dabei wird analysiert, wie Helmut Schmidts Strategie des Gleichgewichts einerseits zu massiven gesellschaftlichen Protesten führte, andererseits jedoch als notwendiges Instrument fungierte, um langfristig die Abrüstungsverhandlungen zu ermöglichen, die schließlich im INF-Vertrag mündeten.

  • Entwicklung des Rüstungsgleichgewichts und die Rolle der SALT-Verträge
  • Die strategische Bedeutung der IISS-Rede von Helmut Schmidt
  • Innenpolitische Spannungen und das Ende der sozialliberalen Koalition
  • Der NATO-Doppelbeschluss als Verhandlungsinstrument (bargaining chip)
  • Der Aufstieg der Friedensbewegung in Deutschland
  • Der Erfolg der Abrüstungspolitik durch den INF-Vertrag

Auszug aus dem Buch

3.1 Die IISS-Rede Helmut Schmidts in London am 28. Oktober 1977

Helmut Schmidt hielt am 28. Oktober 1977 vor dem Internationalen Institut für Strategische Studien (IISS) in London eine Rede zur internationalen Sicherheitspolitik. Dabei wies er auf die Bedeutung der Weltwirtschaft als sicherheitspolitischer Faktor hin, wobei er die Ölkrisen und Rezessionen der 1970er-Jahre im Gedächtnis hatte. Wesentlich bedeutender für die Entwicklungen, die schließlich zum NATO-Doppelbeschluss führten, waren jedoch seine Anspielungen auf die Probleme nuklearer Mittelstreckenraketen und die dadurch entstehenden eurostrategischen Disparitäten zwischen den beiden Bündnissen NATO und Warschauer Pakt. Dies erläuterte er folgendermaßen:

„Wir verkennen nicht, dass sowohl den USA als auch der Sowjetunion zu gleichen Teilen daran gelegen sein muss, die gegenseitige Bedrohung aufzugeben. Aber: Eine auf die Weltmächte USA und Sowjetunion begrenzte strategische Rüstungsbeschränkung muss das Sicherheitsbedürfnis der westeuropäischen Sicherheitspartner gegenüber der in Europa militärisch überlegenen Sowjetunion beeinträchtigen, wenn es nicht gelingt, die in Europa bestehenden Disparitäten parallel zu den SALT-Verhandlungen abzubauen. Solange dies nicht geschehen ist, müssen wir an der Ausgewogenheit aller Komponenten der Abschreckungsstrategie festhalten.“7

Schmidt warnte also vor der Verschiebung der Kräftegleichgewichts, wenn es nicht gelinge, dieses Ungleichgewicht im Sinne der SALT-Verhandlungen abzubauen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Der NATO-Doppelbeschluss spaltet die deutsche Meinung – Eine Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die kontroverse Ausgangslage des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 und dessen Wirkung als Auslöser für massive gesellschaftliche Proteste und innerparteiliche Spannungen.

2. Vorausgehende Verträge: SALT I und SALT II: Dieses Kapitel erläutert die bilateralen Rüstungsbegrenzungsverhandlungen zwischen den USA und der UdSSR und analysiert, warum diese das Wettrüsten nicht vollständig verhindern konnten.

3. Die Entstehungsphase des NATO-Doppelbeschlusses: Hier werden die militärischen und strategischen Gründe für das Kräfteungleichgewicht sowie die Rolle von Helmut Schmidts sicherheitspolitischen Überlegungen detailliert dargestellt.

4. Der NATO-Doppelbeschluss: Das Kapitel beschreibt den zweigeteilten Inhalt des Beschlusses, die anfängliche Zielsetzung der Stationierung sowie die daraus resultierenden massiven gesellschaftlichen Widerstände.

5. Der Anfang vom Ende des Ost-West-Konflikts – INF-Vertrag: Dieses Kapitel analysiert den INF-Vertrag von 1987 als reale Umsetzung der Abrüstungsziele und das Ende des Kalten Krieges im Bereich der nuklearen Mittelstreckensysteme.

6. Letztlich doch die richtige Entscheidung? – Resümee: Das Fazit bewertet rückblickend die Korrektheit von Schmidts hartnäckiger Linie und kommt zu dem Schluss, dass die Strategie trotz der hohen innenpolitischen Kosten erfolgreich war.

Schlüsselwörter

NATO-Doppelbeschluss, Helmut Schmidt, Kalter Krieg, Friedensbewegung, Rüstungsgleichgewicht, SALT-Verträge, INF-Vertrag, Mittelstreckenraketen, Abrüstung, Sicherheitspolitik, Bundesrepublik Deutschland, Eurostrategische Waffen, Abschreckungsstrategie, Nuklearwaffen, Warschauer Pakt

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert den NATO-Doppelbeschluss von 1979 und dessen weitreichende Auswirkungen auf die Innen- und Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den Schwerpunkten gehören das nukleare Wettrüsten, die Strategie von Helmut Schmidt, die Entstehung der Friedensbewegung sowie der letztliche Erfolg der Abrüstungsverträge.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Komplexität hinter dem Doppelbeschluss aufzuzeigen und zu bewerten, ob das Festhalten an dieser Strategie trotz gesellschaftlicher Widerstände eine richtige Entscheidung war.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse zeitgeschichtlicher Quellen, politischer Reden und fachwissenschaftlicher Publikationen über den Kalten Krieg.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der SALT-Vorgeschichte, den Entscheidungsprozess des Doppelbeschlusses, die innenpolitischen Konsequenzen für die SPD und die Friedensbewegung sowie den Abschluss durch den INF-Vertrag.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Zentrale Begriffe sind NATO-Doppelbeschluss, Helmut Schmidt, Friedensbewegung, Abschreckungsstrategie und Abrüstung.

Warum wird die IISS-Rede von Helmut Schmidt als so bedeutend hervorgehoben?

Die Rede wird als Lagebeurteilung gewertet, die frühzeitig die "Rüstungskontrolllücke" erkannte und als Basis für die spätere Strategie des Gleichgewichts diente.

Wie reagierte die deutsche Gesellschaft auf den NATO-Doppelbeschluss?

Die Gesellschaft reagierte mit dem Wiedererstarken einer breiten Friedensbewegung, die in Massendemonstrationen und Initiativen wie dem Krefelder Appell gegen die Stationierung protestierte.

Was meint der Autor mit dem Begriff "bargaining chip"?

Damit ist die Funktion des Doppelbeschlusses als Verhandlungstrumpfkarte gemeint, um die Sowjetunion zu ernsthaften Abrüstungsverhandlungen zu bewegen.

Zu welcher Schlussfolgerung kommt die Verfasserin?

Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Helmut Schmidts riskante Strategie letztlich erfolgreich war, da sie den Weg zur globalen Nulllösung und zur Beilegung des Ost-West-Konflikts ebnete.

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Details

Title
Die Bundesrepublik Deutschland und der NATO-Doppelbeschluss
College
University of Göttingen  (Sozialwissenschaftliches Institut)
Course
Das Ende der sozialliberalen Koalition und der Beginn der Ära Kohl vor 25 Jahren
Grade
2,0
Author
Julia Krüger (Author)
Publication Year
2007
Pages
17
Catalog Number
V139494
ISBN (eBook)
9783640494224
ISBN (Book)
9783640493944
Language
German
Tags
Bundesrepublik Deutschland NATO-Doppelbeschluss
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Krüger (Author), 2007, Die Bundesrepublik Deutschland und der NATO-Doppelbeschluss, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139494
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