Wissenschaftliche Arbeit Philosophie: Würde der Kreatur?

Ethische Überlegungen zur pathozentrischen und biozentrischen Sichtweise der nichtmenschlichen Natur


Examensarbeit, 2009
91 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Methodisches Vorgehen

3. Eine pathozentrische Sichtweise und ihre ethischen Implikationen
3.1 Gründe für die Wahl Peter Singers
3.2 Singers Präferenzutilitarismus
3.2.1 Grundlagen: der klassische Utilitarismus
3.2.2 Das Prinzip der gleiche Interessenberücksichtigung und das Kriterium der Leidensfähigkeit
3.2.3 Der Begriff der Person und die Frage nach dem Wert von Leben
3.3 Praktische Folgen im Umgang mit Tieren und Pflanzen
3.3.1 Der Umgang mit Personen und empfindungsfähigen Wesen
3.3.2 Der Umgang mit ´empfindungslosen´ Entitäten
3.4 Singers Ethik auf dem Prüfstand
3.4.1 Die Problematik der utilitaristischen Prämissen
3.4.2 Die Unzulänglichkeit von Singers Ansatz

4. Eine biozentrische Sichtweise und ihre ethischen Implikationen
4.1 Zur Bedeutung des Begriffs ´Würde der Kreatur´
4.2 Ansatz einer biozentrische Ethik: Die Ehrfurcht vor dem Leben
4.3 Zum Würde-Verständnis
4.3.1 Würde der Kreatur: rechtliche Möglichkeiten
4.3.2 Würde der Kreatur: biologische Grundlagen
4.4 Würde der Kreatur: philosophische Überlegungen
4.4.1 Würde des Menschen versus Würde der Kreatur
4.4.2 Die Problematik von inhärenten Werten in der Natur
4.5 Praktische Anwendung des Würdebegriffs: die Interpretation 77 der Gutachter

5. Schlussbetrachtung

6. Literatur

7. Anhang

1. Einleitung

Gentechnisch manipulierte Pflanzen und geklonte Tiere, Umweltkatastrophen wie starke Stürme und Überflutungen aufgrund von Umweltschäden, Artensterben von Tieren und Pflanzen, zu reinen Fleischlieferanten degradierte ´Nutztiere´ in der modernen Massentierhaltung oder Milliarden qualvoll misshandelter Tiere in den Laboren der Pharmaindustrie – es lassen sich zahllose Beispiele anführen, die eine Störung im Verhältnis des Menschen zur Natur deutlich machen. Ob die entstandenen Probleme eine direkte Gefährdung der Menschheit bedeuten wie etwa die Folgen des Klimawandels oder sich eher indirekt äußeren - gemeinsam ist ihnen die Notwendigkeit, das Selbstverständnis des Menschen zu hinterfragen. In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts entstand dieses Bedürfnis relativ plötzlich aufgrund des „zunehmende[n] Unbehagen[s] über die negativen Begleiterscheinungen der modernen Naturwissenschaft [und] Technik [...] mit ihren immer weitergehenden Eingriffen in die Natur, der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen [und] der Zerstörung der natürlichen Lebensräume“[1].

Die Erkenntnis, dass nicht mehr alles, was technisch machbar ist, auch gut ist, setzte sich immer mehr durch und veranlasste Philosophen wie Hans Jonas dazu, mehr Verantwortung im Hinblick auf den Umgang mit der außermenschlichen Natur anzumahnen.[2] Tierethiker wie Peter Singer forderten etwa zeitgleich eine radikale Änderung bezüglich der Haltung Tieren gegenüber.[3] Gerade die Tierschutz-Debatte wird immer wieder in der Öffentlichkeit geführt, denn sowohl die Haltungsbedingungen der modernen Massentierhaltung als auch die Forschung zeigen deutlich, dass die herrschenden Verhältnisse kaum ethischen Prüfungen unterliegen. Besonders Versuche an Affen stoßen – vermutlich aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit Menschen - auf z.T. heftigen Widerstand der Bevölkerung. In der Schweiz wurden Versuche an Menschenaffen ausgesetzt und auch in Deutschland werden Forschungen zumindest kritischer hinterfragt. So musste der Forscher Andreas Kreiter an der Universität Bremen seine Versuche an Makaken vor Gericht erstreiten.[4] Diskutiert wird hier die grundsätzliche Frage, ob dem Leid der Tiere oder der wissenschaftlichen Forschung Vorrang zu geben ist.

Die Suche nach neuen philosophischen Ansätzen ist aufgrund der neuartigen Herausforderungen, vor denen der Mensch seit einiger Zeit steht, unvermeidlich geworden. Auf viele der drängenden Fragen geben traditionelle Lösungsmodelle keine befriedigenden Antworten, denn „diese Situation ist neu, so neu, dass wir nicht ohne weiteres auf Antworten aus der Philosophie- und Theologiegeschichte zurückgreifen können,“ wie Alexander Schlegel in seiner Dissertation über Singer schreibt, denn „zur Zeit der Entstehung der traditionellen Philosophie und ethischen Ansätze konnte man noch nicht einmal ahnen, mit welchen Veränderungen und auch sittlichen Herausforderungen die Welt von heute konfrontiert ist.“[5]

Viele Probleme, vor denen der Mensch heute steht, haben ihren Ursprung in einer einseitigen, nur auf das Wohl des Menschen fixierten Weltanschauung. So herrschen zwei grundverschiedene Naturauffassungen, die in der Diskussion um die Grenzen menschlichen Handelns und der Frage nach den Pflichten der nicht-menschlichen Natur gegenüber ganz konträre Richtungen vorgeben. Karen Gloy unterscheidet in ihrem Werk Das Verständnis der Natur. Die Geschichte des wissenschaftlichen Denkens[6] zwischen einer „organisch-lebensweltliche Naturauffassung“ und einer „mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen bzw. technologischen“.[7] Sie betont die Bedeutung der beiden Positionen in Hinblick auf die ethische Beurteilung menschlicher Handlungen, wenn sie schreibt:

Zweifelsohne macht es einen Unterschied, ob wir die Natur [...] als lebendigen Organismus und uns selbst als integrativen Teil desselben verstehen, der in die lebendigen Bezüge und Wechselwirkungen eingebettet ist und folglich einen schonenden, partnerschaftlichen Umgang mit der Natur verlangt, welcher in Analogie zu zwischenmenschlichen Beziehungen gedacht wird, oder ob die Natur gemäß dem naturwissenschaftlich-technischen Verständnis uns gegenüber steht, Objekt eines beschreibenden, analysierenden und sezierenden Subjekts, das sich rationale Entwürfe und Konstruktionspläne von der Natur macht, diese der Natur aufoktroyiert und nur als wissenschaftliches Objekt akzeptiert, was diesen Entwürfen entspricht.[8]

Natürlich wird das konkrete ethisch-praktische Verhalten durch die jeweils zugrunde liegende Naturauffassung beeinflusst, so dass eine Verhaltensänderung, wie sie angesichts der Grenzen des Wachstums auf unserem Planeten erforderlich ist, nur mit einer Änderung der theoretischen Einstellung einhergehen kann. Die Freiburger Professorin Regine Kather bezeichnet in ihrem Aufsatz: Von der Umwelt zur Mitwelt. Die Wiederentdeckung der Natur die gravierenden Veränderungen aufgrund des Klimawandels als „Symptome für ein zutiefst gestörtes Verhältnis der Menschen zu ihrer Umwelt.“[9] Für die erwünschte Verhaltensänderung sei es dringend geboten, „die Grundeinstellung zur Natur“ zu ändern und „diese nicht mehr nur als Ressource“ wahrzunehmen,[10] wie sie betont. Auch aus (art-)egoistischen Gründen ist also eine Abwendung von einem rein technologisch orientierten auf maximale Ausbeutung der Ressourcen ausgerichteten Naturverständnis unumgänglich geworden.

Wie schon Hans Jonas erinnert auch Regine Kather daran, dass Menschen „trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse und technischen Macht [...] mit ihren leiblichen Bedürfnissen und ihrer kulturschöpferischen Leistungen, körperlich und geistig, in die Biosphäre eingebettet [sind].“[11] Den Menschen nicht nur als frei gestaltendes Vernunftwesen zu bestimmen, sondern auch seine Abhängigkeit und Eingebundenheit im System der Natur in seine Wesensbestimmung zu integrieren, ist meiner Meinung nach zu einer der wesentlichen Anforderungen geworden und führt dazu, neue Denkwege auch in der Philosophie zu beschreiten, die nicht mehr allein anthropozentrisch ausgerichtet sind, sondern auch das nicht-menschliche Leben im Blick haben.

Seit Darwin sind Positionen, die auf die Verwandtschaft von Mensch und Tier hinweisen, auch wissenschaftlich belegt. Wichtig ist daher die Feststellung, dass der Mensch zwar vermutlich allen anderen Tieren geistig überlegen ist, aber dies keineswegs einen kategorialen, sondern lediglich eine graduellen Seins-Unterschied macht.[12] Eine absolute Trennung zwischen Menschen und Tieren macht daher aus wissenschaftlicher Sicht keinen Sinn, denn auch die Vernunft hat sich im Laufe der Entwicklung weitergeformt und ist nicht eine vollständig neue Fähigkeit, die erst beim homo sapiens entstanden ist. Schon Tiere verfügen in Ansätzen über Vernunft.[13] Auch Regine Kather betont, dass Menschen „nicht nur physisch, auch geistig [...] ein Teil der Natur“ sind.[14] Durch den Zusammenhang allen Lebens und seiner gegenseitigen Abhängigkeit erlangt die Tier- bzw. Naturethik eine immer größere Bedeutung gerade auch für den Menschen selber, wie es Jonas knapp formuliert: „Denn verarmtes außermenschliches Leben, verarmte Natur bedeutet auch verarmtes menschliches Leben.“[15]

Wenn der Mensch nicht zu einem völlig anderen Seinsbereich gehört, sondern viele elementare Eigenschaften mit anderen Lebewesen auf diesem Planeten teilt, muss auch geklärt werden, ob der Kreis der moralisch relevanten Lebewesen nicht über den Menschen hinaus erweitert werden muss. Aus diesem Grund haben sich verstärkt philosophische Denkrichtungen entwickelt, die den Umgang mit der Natur nicht nur aus der Perspektive menschlicher Interessen heraus betrachten, sondern nach dem eigenen Wert nicht-menschlichen Lebens oder sogar der unbelebten Natur fragen.

Die traditionelle Ethik wird daher durch die Naturethik nicht einfach um einen neuen Bereich erweitert, sondern in ihren Grundlagen zutiefst erschüttert, denn die Frage nach dem Eigenrecht der Natur führt zu einer Revision des gesamten Bereichs der Ethik. Nicht mehr nur das Verhältnis Mensch zu Mensch fällt in den Geltungsbereich der Moral, auch nicht-menschliche Lebewesen und teilweise sogar die unbelebte Natur erlangen ethische Bedeutung, denn den Inhabern eines Eigenwerts gebührt in Überlegungen und im Handeln auch moralische Rücksicht. Heike Baranzke verweist in ihrem Werk Würde der Kreatur? Die Idee der Würde im Horizont der Bioethik auf zwei Arten von Würde, die besondere Menschenwürde, die - wie bisher meist geschehen - die Unterschiede zur restlichen Natur hervorhebt, und die Würde aller Lebewesen, die eine Grundlage des gesamten Lebens darstellt und genauso zum Menschen gehört wie seine spezielle Menschenwürde. Auf diese Unterscheidung soll im Verlauf meiner Arbeit noch Bezug genommen werden, wobei die Ausrichtung meiner Arbeit weniger der menschlichen Dignitas gilt. Ohne Zweifel verfügt der Mensch über Fähigkeiten, die ihn von den anderen Bewohnern dieses Planeten unterscheiden, aber es ist schon fraglich, ob diese speziellen Kapazitäten, etwa die Vernunft, die bessere bzw. die alles entscheidende Fähigkeit ist oder ob es nicht einfach nur eine unter vielen ist. Zumindest scheint es zweifelhaft, die Vernunftfähigkeit so zu überhöhen, dass sie zum alleinigen moralischen Kriterium wird. Im Zentrum meines Interesses stehen vielmehr die Gemeinsamkeiten aller Lebewesen, die alles Leben miteinander verbinden, und die aus diesen Ähnlichkeiten resultierende Frage nach den ethischen Konsequenzen.

Da gerade persönliche Verhaltensweisen wie etwa die individuelle Ernährung, der Einfluss des eigenen Konsumverhaltens oder auch das Halten von Haustieren[16] von jedem Menschen reflektiert werden sollten, reizt mich eine philosophische Untersuchung dieser Thematik besonders. So ernähre ich mich seit meinem achten Lebensjahr vegetarisch, habe ein gewisses ökologisches Interesse und versuche, meinen zwei Hunden ein möglichst hundegerechtes Leben zu bieten. Gerade als Vegetarier kommt man immer wieder in die Situation, seine persönliche Lebenseinstellung zu begründen,[17] so dass es mir sinnvoll erscheint, mich intensiver mit der genannten Problematik und möglichen Antwortversuchen zu beschäftigen.

2. Methodisches Vorgehen

Das Ziel meiner Arbeit besteht darin, einen angemessenen Umgang mit unserer Mitwelt - besonders mit höher entwickelten Tieren - philosophisch zu begründen.

Anthropozentrische Positionen,[18] die sich in theozentrische-[19] und ratiozentrische[20] Positionen unterteilen lassen, scheinen dem Ziel meiner Untersuchung wenig hilfreich zu sein. Denn sie setzen erstens entweder den Glauben an einen (christlichen Schöpfer-) Gott voraus oder aber den Besitz bestimmter Eigenschaften, über welche nicht alle Menschen verfügen, dafür aber z.B. einige Tiere, was zu Begründungsproblemen führen kann. Zudem wird die Selbstüberschätzung des Menschen, die keinem Leben außer dem menschlichen einen Eigenwert zugesteht und daher moralische Fragen immer nur für das Verhältnis des Menschen zum Menschen stellt, zur Argumentationsgrundlage gemacht, so dass sich weitere Fragen erübrigen und meine Arbeit hiermit beendet wäre. Denn im Anthropozentrismus hat nur der Mensch einen Wert an sich und zählt daher um seiner selbst willen, nicht-menschliches Leben hat nur aufgrund menschlicher Wertzuschreibung eine Bedeutung.[21]

Mir geht es jedoch darum zu begründen, warum wir Tiere und vielleicht auch Pflanzen nicht einfach nach Belieben benutzen dürfen. Auch Peter Singer kritisiert diese durch die jüdisch-christliche Religion geprägte anthropozentrisch-westlichen Tradition.[22] Durch diese Sichtweise werden nicht nur Tiere, sondern auch die gesamte Natur aus dem Kreis der moralisch bedeutsamen Entitäten ausgeschlossen. Denn wie Singer diese Haltung treffend beschreibt: „Nur dem Menschen kommt auf dieser Welt moralische Bedeutung zu. Die Natur selbst besitzt keinen Wert an sich, und die Vernichtung von Pflanzen und Tieren kann keine Sünde sein, es sei denn, wir ziehen dadurch Menschen in Mitleidenschaft.“[23] Dennoch ist Umweltschutz heutzutage nicht nur das Thema von Physiozentrikern,[24] auch aus einer anthropozentrischen Sichtweise ist er inzwischen unvermeidlich geworden, da die Interessen der Menschen sehr stark vom Zustand ihrer Umgebung und der Umwelt, in der sie leben, abhängen.[25] So schließt die anthropozentrische Tradition „die Sorge um die Bewahrung der Natur nicht aus, solange diese sich mit dem menschlichen Wohlergehen verbinden läßt“.[26] Ja gerade die Sorge um das menschliche Überleben scheint es zu sein, die dazu geführt hat, dass die Umweltschutzdebatten kein Thema einiger Außenseiter geblieben sind, sondern Eingang in die politische Diskussion gefunden haben. Dennoch gilt mein Interesse der Frage, wie man diese Pflicht zur Rücksichtnahme auf andere Lebewesen unabhängig von ihrem Nutzen für den Menschen begründen kann.

Die Gegenposition zum Anthropozentrismus ist der Physiozentrismus, welcher der Natur einen eigenen moralischen Wert zugesteht und davon ausgeht, dass „es [...] absolute Tatsachen und Werte [gibt]: Werte sind unabhängig vom Menschen; sie waren zum Beispiel vor der Entstehung der Menschheit in der Welt.“[27] Dieser gliedert sich in drei verschieden starke Versionen, nämlich den Pathozentrismus[28], den Biozentrismus[29] und den Ökozentrismus[30], der sich noch einmal in eine individualistische und eine holistische[31] Variante aufteilt.

Gerade die Empfindungsfähigkeit wird im Alltag oft als Grundlage gesehen, nach der eine Behandlung gewertet wird, Leiden gilt als schlecht, Wohlbefinden als gut. In dieser Schlichtheit begründet die utilitaristische Ethik ihre Forderung nach einer moralischen Berücksichtigung von Tieren. Eine solche pathozentrische Ethik geht davon aus, dass alle leidensfähigen Wesen ein Recht auf moralische Berücksichtigung haben und man sie nicht einfach, wie es das deutsche Tierschutzgesetz lange getan hat, als Sachen behandeln darf.

Im ersten Teil meiner Arbeit werde ich mich daher mit Peter Singers utilitaristischer Tier-Ethik beschäftigen und anhand von Singers Thesen aufzuzeigen versuchen, welche Aspekte für eine angemessene Tierethik von Bedeutung sind. Da Singer viele wichtige Kriterien nennt und gängige Vorstellungen hinterfragt, eignet sich seine Philosophie gut als Ausgangsbasis der Untersuchung. Daher kommt diesem Teil das quantitativ größere Gewicht zu. Nicht nur Tieren gegenüber, auch die mögliche menschliche Verantwortung für Pflanzen oder ganze Ökosysteme thematisiert er. Auch wenn mein Anliegen besonders im Bereich der Tierethik liegt, gehört dies thematisch zusammen.

Andere Autoren, die ebenfalls eine pathozentrische Position vertreten, sind z.B. die Mannheimer Philosophin Ursula Wolf, die in ihrem Werk Das Tier in der Moral[32] das Mitleid zum zentralen Kriterium ihrer Ethik macht, oder der amerikanische Philosoph Tom Regan. Auch der als Tierethiker bekannte Schweizer Jean-Claude Wolf vertritt eine pathozentrische Ethik. (Die Gründe für die Auswahl Singers werden im ersten Kapitel erläutert.)

Problematisch an einer pathozentrischen Ausgangsposition könnte die Beurteilung von Schmerzempfinden sein, denn wie kann man dieses von außen messen? Peter Singers Einwand, Tiere mit einem ähnlichen Nervensystem wie wir hätten vermutlich deshalb auch ein ähnliches Schmerzempfinden, ist sicher richtig. Ansätze, die dem widersprechen, erscheinen aus biologischer Sicht schwer zu rechtfertigen. Aber mit dieser Haltung ist das Problem nicht gelöst, was mit Wesen geschieht, die uns nicht so ähnlich sind. Sprechen wir ihnen daher prinzipiell die Leidensfähigkeit und damit das Recht auf moralische Berücksichtigung ab? Der Mensch wird hier wieder zum Maß aller Dinge und die Lebewesen, die das Glück haben, dem Menschen recht ähnlich zu sein, bekommen eine gewisse (ethische) Beachtung, ist das aber gerecht? Abgesehen davon, dass uns diese Einsicht nicht davon abhält, Lebewesen, von denen wir mit großer Sicherheit von einer Schmerzfähigkeit ausgehen, dennoch zu bloßen Maschinen unserer Bedürfnisse zu degradieren, klammern wir so einen großen Bereich des Lebens einfach aus.

In der Schweiz wurde ausgehend von einer biozentrischen Sichtweise der Begriff der ´Würde der Kreatur´ in die Verfassung aufgenommen. Seitdem wird von vielen Seiten versucht, diesen religiös konotierten Begriff zu erklären, zu begründen, zu definieren. Im zweiten Teil meiner Arbeit werde ich daher anhand des Begriffs der ´Würde der Kreatur´eine (eingeschränkt) biozentrische Sicht auf das Leben untersuchen, die allem Lebendigen einen moralischen Wert zuspricht und daher eine umfassendere Ethik ermöglicht. Bei der Untersuchung einer pathozentrischen Sichtweise kann ich auf Singers Ethik zurückgreifen und habe somit eine recht klare Struktur vorgegeben, anhand derer ich die für meine Arbeit wesentlichen Aspekte aufzeigen kann. Bei der Untersuchung einer biozentrische Position fehlt diese klare Struktur, da hier nicht auf eine Position zurückgegriffen werden kann. Im Folgenden möchte ich daher kurz meine Vorgehensweise darlegen.

Eine Untersuchung zur ´Würde der Kreatur´ muss aufgrund der Verwendung des Begriffs ´Würde´ die Beziehung zur Menschenwürde klären. Da eine angemessene Problematisierung von Menschenwürde jedoch den Rahmen meiner Arbeit sprengen würde, verzichte ich auf eine ausführliche Darlegung. Der Begriff Menschenwürde wurde v.a. durch die Philosophie Kants geprägt, welche Heike Baranzke in ihrem Werk Die Würde der Kreatur untersucht. Meine knappe Darstellung orientiert sich an Baranzke, v.a. aber an dem Gutachten von Balzer&Co, welches vom Schweizerischen Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) in Auftrag gegeben wurde.[33]. Des Weiteren erscheint mir ein biologischer Exkurs bezüglich der Fähigkeiten von Pflanzen unerlässlich, da die wenigsten Menschen – mich eingeschlossen – konkrete Vorstellungen über das Vermögen von Pflanzen haben. Da es bei diesem Thema besonders von Bedeutung ist, philosophische Konzepte auf ihre Tauglichkeit in der praktischen Anwendung hin zu untersuchen und die ´Würde der Kreatur´ zudem in der Schweiz zu einem Rechtsbegriff wurde, scheint mir eine kurze Skizzierung der juristischen Dimension gerechtfertigt.

Um bei der Vielfalt an Vorschlägen zum Verständnis des Begriff ´Würde der Kreatur´ eine ethische Richtung aufzuzeigen und v.a. die Konsequenzen seiner Anwendung zu verdeutlichen, wird ein kurzer Überblick über Albert Schweitzers biozentrische ´Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben´ gegeben. Dies ergibt sich nicht nur aus meiner persönlichen Einschätzung, die seine Position als aufschlussreich für die Diskussion ansieht, auch die Schweizer Ethikkommission bezieht sich in ihren Gutachten ausdrücklich auf Schweitzer, auch wenn dieser den Begriff `Würde der Kreatur´ nicht selber verwendet.

Die Untersuchung einer ökozentristischen Position, die der Natur als Ganzer moralischen Wert zuspricht, musste aufgrund des begrenzten Umfangs einer Wissenschaftlichen Arbeit unterbleiben. Allerdings werden einzelne Vertreter ökozentrischer Positionen wie Klaus-Michael Meyer-Abich innerhalb der Diskussion zu Wort kommen. Positionen, die dem individualistischen Ökozentrismus anhängen, sprechen allen Einzeldingen der Natur, etwa Steinen, einen moralischen Wert zu, während Vertreter der holistischen Variante auch der Ganzheit der Natur diesen Wert zugesteht. Kollektive Einheiten wie Arten, Landschaften, Ökosysteme und die Ökosphäre fallen daher aus dieser Sicht in den moralischen Bereich.[34]

Auf der Suche nach einer überzeugenden Ethikkonzeption werde ich mich im Folgenden also darauf beschränken, zwei Sichtweise zu untersuchen, die unterschiedliche Antworten auf die Frage nach dem Wert der nicht-menschlichen Natur und den daraus resultierenden Handlungsnormen geben. Die Möglichkeit der praktischen Realisierung erscheint mir bei diesem Thema allerdings besonders wichtig, so dass diese Frage bei der Beurteilung der beiden Sichtweisen besonderes Gewicht beanspruchen darf.

3. Eine pathozentrische Sichtweise und ihre ethischen Implikationen

3.1 Gründe für die Wahl Peter Singers

Wenn man sich mit Tierethik beschäftigt, stößt man immer wieder auf den australo-amerikanischen Philosophen Peter Singer (geb.1946), der seit 1999 Professor of Bioethics an der Princeton University ist. Obwohl Singer hinsichtlich seiner Aussagen über das Lebensrecht von Behinderten und Kleinkindern gerade in den deutschsprachigen Ländern heftig kritisiert worden ist,[35] vertritt er keinesfalls „die überspitzte Position eines Außenseiters“ wie Regine Kather in ihrem Werk Person. Über die Begründung der menschlichen Identität schreibt. Sie merkt an, dass seine Position „inzwischen auch in Deutschland von etlichen namenhaften Philosophen und Naturwissenschaftlern, von Juristen, Politikern und sogar Theologen, mehr oder weniger deutlich und mehr oder weniger modifiziert, vertreten [wird].“[36]

Singers Einfluss auf die Entwicklungen in der Tierethik ist enorm und auch wenn manche seiner Schlussfolgerungen bezüglich Menschen sicher nicht vertretbar sind, sollte hier die Betonung eher auf dem liegen, was er konkret verändern will – unsere Einstellung zu Tieren. Besonders die praktische Anwendung, die Möglichkeit, das Gedachte im alltäglichen Leben umzusetzen, spielt für Singer eine große Rolle. So sieht er in der Wirklichkeit den Prüfstein jeder Ethik und betont, dass „ein ethisches Urteil, das für die Praxis nichts taugt, [...] gleichermaßen an einem theoretischen Defekt leiden [muss], denn der ganze Zweck moralischer Urteile liegt darin, die Praxis anzuleiten.“[37] Auch Röcklingsberg betont die zentrale Bedeutung des konkreten Handelns, denn ähnliche Handlungsweisen können aus unterschiedlichen ethischen Positionen begründet sein. So schreibt sie, „daß der konkrete Umgang mit Tieren zwar von theoretischen Stellungnahmen abhängig ist, daß es aber für gewisse theoretische Unterschiede Raum gibt, ohne dabei notwendigerweise zu unterschiedlichen Praxen zu gelangen.“[38]

Indem ich die positiven Errungenschaften von Singers Ethik im Folgenden erläutere, behauptet ich damit in keiner Weise, dass seine Haltung die einzige ist, die für eine angemessenen Umgang mit Tieren denkbar ist. Er vertritt eine möglichen Positionen, die meisten Folgerungen, die er für sein persönliches Leben zieht, überzeugen mich und seine Werke sind auch in Deutschland recht bekannt. Ob damit seine Ethik aber wirklich alle Kriterien erfüllt, die ich an eine angemessene Tierethik stelle, wird noch zu zeigen sein.

Singer fällt zweifelsohne durch sein engagiertes Eintreten für Tiere auf. So ist er der Mitbegründer des ´Great Ape-Projekts´, das Menschenrechte für Menschenaffen fordert und sie so vor Tierversuchen und Verfolgung schützen will. Der Philosoph Helmut F. Kaplan schreibt über das von Peter Singer und Paola Cavalieri 1993 herausgegebene Buch Menschenrechte für die Großen Menschenaffen. Das Great Ape Projekt und die darin geforderten Rechte für Menschenaffen:

So irreal und irrational die Forderung nach Menschenrechten für Menschenaffen zunächst auch klingen mag - dieses sogenannte ´Great Ape Projekt´ ist wohlüberlegt und wohlbegründet. Zahlreiche renommierte Wissenschaftler aus aller Welt setzen sich unter anderem aus philosophischer, psychologischer, biologischer und juristischer Sicht mit unserem Umgang mit Menschenaffen (Schimpansen, Goriallas und Orang-Utans) auseinander und kommen zum Schluß, daß wir diesen Tieren konsequenterweise folgende Rechte zugestehen müßten: das Recht auf Leben, das Recht auf Schutz der individuellen Freiheit und das Recht auf Schutz vor Folter.[39]

Die Forderung Singers, Tiere in die Ethik einzubeziehen, beruht gerade bei Menschenaffen auf richtungsweisenden wissenschaftlichen Befunden. Aufgrund des Kenntnisse der Evolutionstheorie und der Genetik (98,5% gemeinsame DNA von Mensch und Schimpanse) erscheinen diese Forderungen gerechtfertigt und Versuche, die eine absolute Trennung zwischen Menschen und Menschenaffen ziehen, müssen aus biologischer Sicht scheitern. Singer rüttelt an dieser willkürlichen Grenze und lässt keine fadenscheinige Argumente zu, wenn er die wissenschaftlichen Grundlagen unserer moralischen Haltungen untersucht.

In den 70er Jahren wurde er durch sein 1975 erschienenes Werk Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere zum Begründer der Tierrechtsbewegung. Darin „appelliert [er] nicht an Gefühle“, er hat nicht zum Ziel „Sympathie für ´niedliche´ Tiere [zu] wecken“, sondern er sieht in seinem Werk den „Versuch, die Frage, wie wir mit nichtmenschlichen Tieren umgehen sollten, sorgfältig und in sich widerspruchsfrei zu durchdenken.“[40] Die Folgen, die sich aus Singers Analyse ergeben, sind ein dringender Appell, unsere Gewohnheiten zu überprüfen und vieles an unserem heutigen Umgang mit Tieren zu überdenken. Schlegel fasst dies treffend zusammen: „Singers Position ist unangenehm, insofern sie herausfordert, überkommene moralische Traditionen und Intuitionen auf ihre Schlüssigkeit und Angemessenheit hin zu überprüfen.“[41] Auch Singer hat „die Verhinderung von Leid und Elend“ zum Ziel und hält es für falsch, „einem anderen Lebewesen unnötiges Leiden aufzuerlegen, auch wenn es nicht zu unserer eigenen Spezies gehört.“[42] Diese Ausrichtung und Zielsetzung von Singers Tierethik war für mich Motivation, mich genauer mit ihr zu beschäftigen.

Als Richtlinie für den folgenden Teil meiner Arbeit könnte man also zwei Fragestellung nehmen: erstens zu prüfen, inwieweit die Theorie durchdacht und in sich schlüssig ist und zweitens ihre praktische Umsetzbarkeit und ihre Folgen für konkretes ethisches Handeln zu untersuchen.

3.2 Singers Präferenzutilitarismus

3.2.1 Grundlagen: der klassische Utilitarismus

Auf der Suche nach einer Moralkonzeption, die es erlaubt, auch nicht-menschliche Lebewesen einzubeziehen und diesen Bereich vielleicht sogar auf Pflanzen oder ganze Ökosysteme auszudehnen, ist es wichtig, nicht oder zumindest nicht nur von einem religiösen Standpunkt aus zu argumentieren. Denn das Christentum, dessen meiste Vertreter - mit einigen Ausnahmen wie Franz von Assisi oder Albert Schweitzer - eine anthropozentrische Ethik vertreten, kann diese Ansprüche nicht erfüllen. Andere Religionen wie beispielsweise der Buddhismus haben dagegen keine solchen Probleme, Tiere in ihre Religion einzubeziehen.

So gibt es gute Gründe, eine Ethikkonzeption unabhängig von jeder Religionen zu begründen, da moralische Grundsätze, die auf den Voraussetzungen einer bestimmten Religion aufbauen, für Menschen in anderen Teilen der Welt nicht nachvollziehbar sind, bzw. nicht akzeptiert werden. Die eigene Überzeugung, die je nachdem auf der christlichen, islamischen oder sonst einer Glaubensrichtung, aber auch auf einem Bekenntnis zum Atheismus aufbauen kann, spielt natürlich in jeder Diskussion eine Rolle, selbst wenn man sie nicht direkt erwähnt. Niemand wird es schaffen, seine eigene Lebensauffassung aus einer so grundlegenden Frage wie der nach dem richtigen und guten Handeln herauszuhalten. Entscheidend ist hier aber nicht, welche moralische Grundeinstellung man vertritt und wie diese genau aussieht, sondern inwieweit man in der Lage ist, seinen Glauben und die daraus abgeleitete Moral rational und für andere Menschen, die vielleicht von einer anderen Grundhaltung ausgehen, einsichtig zu begründen. Singers Vorsatz, „Ethik völlig unabhängig von Religion“[43] zu behandeln, hat also weitreichende Bedeutung. Gerade in der heutigen Zeit, in der Handeln globales Ausmaß annimmt, sind allgemeingültige Wertmaßstäbe, die von jedem Menschen rational nachvollziehbar sind, enorm wichtig. Singer verweist auf die wichtige Rolle, die er der Vernunft in seiner Ethik zugesteht, und betont, dass das intuitive Erfassen eines Problems für ethisches Argumentieren nicht ausreiche.[44]

Singers philosophischer Grundüberzeugung entspringt dem utilitaristischen Denken, allerdings merkt er an, dass er „den Utilitarismus nicht als die einzige erwägenswerte ethische Position“[45] ansieht.

Der Utilitarismus ist eine im angelsächsischen Raum weit verbreitete ethische Theorie. Während auf dem europäischen Festland der Mensch als Vernunftwesen hervorgehoben wird, beziehen sich die Philosophen im angelsächsischen Raum eher auf das Sinnenwesen Mensch, bei dem die sinnliche Wahrnehmung als Methode der Erkenntnis im Vordergrund steht. Empirische Daten gelten bei diesem philosophischen Ansatz in der ethischen Debatte als entscheidende Kriterien.

Es ist allerdings zu vereinfacht, alle utilitaristische Strömungen einfach unter dem Sammelbegriff Utilitarismus zu fassen, ist doch „die utilitaristische Ethik [...] längst nicht mehr eine einzige, in sich homogene Theorie“.[46] So lässt sich diese philosophische Richtung laut Höffe „in eine beinahe verwirrende Zahl von Positionen und Unterpositionen ausdifferenzieren“, wobei sich dennoch „ein Kern herausdestillieren [lässt], der den wichtigsten Varianten gemeinsam ist.“[47] Singer selbst bezieht sich dabei immer wieder auf Jeremy Bentham (1748-1832), den er als einen wichtigen Begründer des klassischen Utilitarismus anerkennt.[48] So kamen einzelne Gedanken der utilitaristischen Ethik zwar auch schon in der Antike auf, die Verbindung der grundlegenden Elemente des Utilitarismus (das Konsequenzenprinzip, das hedonistische Prinzip, das Nutzenprinzip und das universalistische Prinzip) entsteht aber erst im 17. Jahrhundert, und so pflichtet Höffe Singer in seiner Einschätzung bei, dass „die erste ausdrückliche und systematische Exposition des Utilitarismus sich allerdings nicht vor Jeremy Benthams Einführung in die Prinzipien von Moral und Gesetzgebung findet.[49] Singer beruft sich nicht auf Bentham allein, auch andere Utilitaristen wie John Stuart Mill und Henry Sidgwick werden von ihm angeführt.

Im Unterschied zu deontologischen Ethiken, die „[an]nehmen ..., dass Handlungen in sich selbst, also aufgrund immanenter Beschaffenheit und unabhängig von ihren Folgen moralisch oder unmoralisch sein können,“[50] wird eine Handlung im Utilitarismus nicht nach moralischen Werten beurteilt, die dieser Handlung zugrunde liegen, sondern einzig und allein die Folgen einer Handlung für ein bestimmtes Ziel zählen bei ihrer Bewertung, weshalb man auch von einer teleologischen oder auch konsequentalistischen Ethik spricht. Als wichtigstes Kriterium kommt das Nützlichkeitsprinzip[51] zum Tragen, nach welchem die Folgen einer Handlung bewertet werden, das angestrebte Ziel ist dabei, was ´in sich gut´ ist. Im Gegensatz zu metaphysisch orientierten Positionen bestimmt der Utilitarismus dieses ´in sich Gute´ hedonistisch. Gut ist demnach die maximale Befriedigung menschlicher Bedürfnisse, also die Steigerung des Glücks, gemessen am Grad von Freude und Lust, und natürlich zählt auch die Vermeidung von Schmerz und Unlust dazu. Bentham formuliert diesen Grundsatz so:

Unter dem Prinzip der Nützlichkeit ist jenes Prinzip zu verstehen, das schlechthin jede Handlung in dem Maß billigt oder mißbilligt, wie ihr die Tendenz innezuwohnen scheint, das Glück der Gruppe, deren Interesse in Frage steht, zu vermehren oder zu vermindern, oder – das gleiche mit anderen Worten gesagt – dieses Glück zu befördern oder zu verhindern.[52]

Bentham erscheint es unmöglich „die Richtigkeit des Prinzips argumentativ zu widerlegen“[53] und er schließt daraus, dass jedes andere Prinzip, „dessen Vorschriften sich in der einen oder anderen Hinsicht von denen des Prinzips der Nützlichkeit unterscheiden,“ notwendig falsch sein muss.[54]

Bei der Bewertung der Handlungsfolgen ist nicht nur die Befriedigung der Bedürfnisse einzelner ausschlaggebend, auch die Anzahl der Betroffenen spielt eine Rolle, da es darum geht, das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl zu erreichen (Weltlustsumme). Wichtig ist hierbei also, dass alle von der Handlung Betroffenen berücksichtigt werden müssen. Idealerweise geht es nicht um einen egoistischen Hedonismus, der nur die eigenen Interessen und das eigene Wohl im Blick hat, sondern alle Beteiligten müssen gleichermaßen berücksichtigt werden, so dass dem Utilitarismus auch eine Art Universalismus zugrundeliegt.

Die Verantwortung des Handelnden richtet sich also nicht auf einen bestimmten Menschen oder eine Gruppe von Menschen, sondern geht immer auf das Weltganze. Die zweckrationale Orientierung des Utilitarismus führt zur Bestimmung einer sittlich guten Handlung als diejenige, die den Weltprozess reicher an Lust macht als jede andere mögliche Handlung.[55]

Der Universalismus ist jedoch keine Erfindung der Utilitaristen, Singer verweist in seiner Praktische Ethik auf die lange Tradition des Universalismus. Diese reicht von Moses goldener Regel über Jesus Gebot der Nächstenliebe, den Stoikern und ihrem universalen Naturgesetz bis hin zu Kants kategorischem Imperativ.[56]

Um diese Grundsätze in die Praxis umzusetzen, bedarf der Utilitarist einer Möglichkeit, die Konsequenzen abzuwägen und zu bewerten. Bentham führt dazu verschiedenen Kriterien ein, mit deren Hilfe er diese bewerten will. Bei einer einzelnen Person gibt es vier Aspekte zu beachten, nämlich die „Intensität“ der zu erwartenden Freude/ des zu erwartenden Leids, sowie dessen „Dauer“ und die „Gewißheit oder Ungewißheit“ des Eintreffens, sowie die „Nähe oder Ferne einer Freude oder eínes Leids.“ Er fügt noch zwei weitere Punkte hinzu, die die weiteren Folgen betreffen, nämlich die „Folgenträchtigkeit“, d.h. die „Wahrscheinlichkeit, daß auf sie [die Freude oder das Leid, L.K.] Empfindungen von derselbe Art folgen, daß heißt Freuden, wenn es sich um Freude handelt; Leiden, wenn es sich um ein Leid handelt“[57] und zum anderen die „Reinheit der Freude oder des Leids oder die Wahrscheinlichkeit, daß sie nicht Empfindungen von entgegengesetzter Art folgen.“ Betrifft eine Handlung mehrere Personen, gibt es noch einen weitere Punkte zu beachten: „das Ausmaß, das heißt die Anzahl der Personen, auf die Freude oder Leid sich erstrecken oder (mit anderen Worten) die davon betroffen sind.“[58]

In Anlehnung an die Ansprüche der Naturwissenschaften sieht Bentham in der alleinigen Anerkennung des durch Addition der individuellen Lusterwartungen entstandenen kollektiven Nutzen, dem Gesamtnutzen, den Anspruch auf Rationalität der Moral gewährleistet. Moralisch ist eine Handlung nur dann, wenn ihr Gesamtnutzen so groß wie möglich ist, wenn also alle anderen möglichen Handlungen eine geringeren oder gleichgroßen Wert erzielen würden.[59] Problematisch scheint mir die Annahme, man könnte wirklich auf rechnerischem Wege alle Folgen abschätzen. Auch Bentham gibt zu, dass „nicht erwartet werden [kann], daß dieses Verfahren vor jedem moralischen Urteil und vor jeder gesetzgebenden oder richterlichen Tätigkeit streng durchgeführt werden sollte.“[60] Dennoch fordert er, diese Abwägung immer im Blick zu behalten, da „je mehr sich das bei solchen Anlässen tatsächlich durchgeführte Verfahren diesem annähert, desto mehr wird sich ein solches Verfahren dem Rang eines exakten Verfahrens annähern.“[61] Idealerweise soll derjenige, der eine moralische Entscheidung treffen muss, den Standpunkt eines idealen Beobachters einnehmen, der alle Betroffenen einer Handlung im Blick hat und unabhängig von seinen eigenen Interessen fähig ist, diese unterschiedlichen zu erwartenden Lusterfahrungen abzuwägen. Das Ergebnis dieses Idealzustandes bildet dann die gerechteste Art moralischen Urteilens.

Da dies in der realen Umsetzung zu einer Überforderung führen kann, werden im Regelutilitarismus allgemeine Handlungsregeln aufgestellt, die normalerweise das größtmögliche Glück von möglichst vielen Individuen bewirken, während der Handlungsutilitarismus tatsächlich diese Anforderung des ständigen Abwägens erfordert. Ob die jeweilige Handlung wie Lügen oder ein Versprechen brechen im Einzelfall positive Konsequenzen nach sich zieht, steht nicht zur Diskussion, entscheidend ist, welche Folgen diese Handlung in der Regel hat. Werden diese negativ eingeschätzt, gilt dies auch für die jeweilige individuelle Tat, unabhängig von ihrer tatsächlichen Auswirkung. Höffe fasst die Differenz der beiden Positionen zusammen, die zwar „das höchste Kriterium für moralische Verbindlichkeit, das allgemeine Wohlergehen“ teilen, nicht aber die Beurteilung der einzelnen Handlung. Er schreibt:

Nach dem Handlungsutilitarismus ist jene Handlung moralisch richtig, deren Folgen zu einem Maximum an allgemeinem Wohlergehen führen; nach dem Regelutilitarismus ist es jene Handlung, die mit solchen Handlungsregeln konform geht, die, als Regel befolgt, das Maximum an Wohlergehen befördern. (´Was wäre, wenn jeder so handel´).[62]

Peter Singer vertritt wiederum eine spezielle Variante des Utilitarismus, nämlich den sogenannten Präferenz-Utilitarismus, der sich „vom klassischen Utilitarismus dadurch [unterscheidet], daß ´beste Konsequenzen´ das bedeutet, was per saldo die Interessen der Betroffenen fördert, und nicht bloß das, was Lust vermehrt und Unlust verringert.“[63] Statt der Lustbefriedigung, die Jeremy Bentham noch als das moralische Kriterium geltend machte, treten bei Singer die Interessen der Betroffenen in den Vordergrund, wobei jedoch das Interesse, nicht zu leiden, zu den elementarsten Formen von Interessen zählt. Singer merkt an dieser Stelle an, dass dieser Unterschied nur dann bestehe, wenn die Behauptung einiger Interpreten nicht stimme, die anmerken, klassische Utilitaristen wie Bentham und John Stuart Mill hätten ´Lust` und ´Schmerz´ in einer weiten Bedeutung verwendet.[64]

Singer übernimmt die Zwei-Ebenen-Version seines Doktorvaters Richard M. Hare, „der zwei Ebenen moralischen Argumentierens unterscheidet: die alltägliche, intuitive Ebene und die mehr reflexive, kritische Ebene.“[65] Im Alltag darf man sich gemäß dem Regelutilitarismus an den in der philosophischen Reflexion aufgestellten Regeln orientieren und muss nicht bei jeder kleinen Handlung eine neue utilitaristische Untersuchung anstellen, denn dies wäre schlichtweg nicht möglich. Zudem würde es dem Anspruch der einfachen Handhabung entgegen stehen, welche eine der obersten Grundsätze Singers ist. Diese Regeln beanspruchen keinen absoluten Wahrheitsanspruch, sondern gelten lediglich als Richtlinien im alltäglichen Leben, eine philosophischen Reflexion ersetzen sie nicht und können durch sie durchaus gebrochen werden.

3.2.2 Das Prinzip der gleiche Interessenberücksichtigung und das Kriterium der Leidensfähigkeit

Ausgangspunkt von Singers Tier-Philosophie ist die Kritik am herrschenden christlich-anthropozentrischen Weltbild, das den Menschen als Sonderschöpfung Gottes betrachtet, so dass in der Ethik nur das Verhalten von Mensch zu Mensch berücksichtigt wird und der nicht-menschliche Bereich dabei so ziemlich ausgeblendet wird.

Die Theologin Heike Baranzke gibt Singer „auf der wirkungsgeschichtlichen und pragmatischen Ebene“ mit seiner Einschätzung bezüglich des negativen Einflusses der christlichen Religion vollkommen recht, merkt aber an, dass „seine geistesgeschichtliche Ursachenanalyse [...] nicht scharf genug [ist].“[66] Ursache des christlichen Anthropozentrismus sieht Baranzke in einer einseitigen Bibelinterpretation, die den Herrschaftsanspruch des Menschen nicht mehr mit der dazugehörigen Verantwortung verband, sondern die Texte einseitig auf den menschlichen Nutzen hin auslegte.[67]

Singer nennt diese anthropozentrische Haltung, die anderer Spezies aus der Moral ausgrenzt, in Anlehnung an die Bezeichnung für die unbegründbare und ungerechtfertigte Diskriminierung von anderen Rassen oder dem anderen Geschlecht Speziezismus. Mit seiner Wortneuschöpfung knüpft Singer direkt an die früher ebenfalls gesellschaftlich akzeptierten Einstellungen des Rassismus und Sexismus an. Auch wenn es gegen diesen Vergleich einige Einwände gibt , w ird einem zumindest wieder bewusst, dass im Verlauf der Geschichte bestehende Annahmen über den Wert verschiedener Lebewesen, v.a. verschiedener Menschen, immer wieder revidiert wurden und Einstellungen, die heute als selbstverständlich gelten, hart erkämpft werden mussten.

Grundlegend für Singers philosophische Position ist daher die Annahme, dass eine wahre Ethik unabhängig von (art-)egoistischem Denken zustande kommen sollte. Mit Verweis auf den universalen Standpunkt, der alle Betroffenen berücksichtigt und nur von dem aus wahres moralisches Urteilen möglich sei, betont er, dass es wichtig sei, zu akzeptieren, „daß meine eigenen Interessen nicht einfach deshalb, weil sie meine Interessen sind, mehr zählen als die Interessen von irgend jemand anderem.“[68] Das Gleichheitsprinzip ist die Grundlage von Singers Ethik und hat die gleiche Interessenabwägung zur Folge, die Singer wie folgt erklärt:

Das Prinzip der gleichen Interessenabwägung funktioniert wie eine Waagschale: Interessen werden unparteiisch abgewogen. Echte Waagen begünstigen die Seite, auf der das Interesse stärker ist oder verschiedene Interessen sich zu einem Übergewicht über eine kleinere Anzahl ähnlicher Interessen verbinden; aber sie nehmen keine Rücksicht darauf, wessen Interessen sie wägen.[69]

Unabhängig davon, wer Träger der einzelnen Interessen ist, müssen diese gleich gewichtet werden. Allerdings erfordert die gleiche Berücksichtigung der Interessen gerade keine gleiche Behandlung, denn angesichts der unterschiedlichen Bedürfnisse und Charaktere der Menschen erscheint eine solche Gleichheit im Sinne einer faktischen Gleichmacherei zutiefst ungerecht und fehl am Platz. Singer bewertet ein solches Unterfangen daher als „hoffnungslos“.[70] Entscheidend sei es, die Interessen eines Wesens zu berücksichtigen, wie genau diese jedoch aussehen, kann von Individuum zu Individuum stark variieren. Bedeutsam für mein Thema ist v.a., dass nicht nur Menschen, sondern alle empfindungsfähigen Wesen eine Rolle spielen. Deren ähnliche Interessen oder Präferenzen müssen gleich berücksichtigt werden, unabhängig davon, ob ihr Träger ein Mensch oder ein anderes empfindungsfähiges Wesen ist.

Nicht-menschliche Wesen allein aufgrund ihrer Spezies aus dem Kreis der moralisch bedeutsamen Wesen auszuschließen, ist für Singer eine unhaltbar Position. Singer fasst diesen Standpunkt in der Kurzformel zusammen: „Interesse ist Interesse, wessen Interesse es auch immer sein mag.“[71] Dieses Interesse, das z.B. darin liegt, keine Schmerzen zu erleiden, zählt unabhängig von anderen Eigenschaften wie Intelligenz, Rasse, Geschlecht, Spezieszugehörigkeit oder anderen Unterscheidungen. Auch Behinderungen mindern nicht den Grad der Interessen, „insofern die Behinderung für die zu berücksichtigenden Interessen nicht relevant ist.“[72] Dass Singer Position dennoch im Hinblick auf Behinderte problematisch ist, wird in der Diskussion über den Wert von Leben zu zeigen sein. Im Bezug auf die Tierethik ist seiner Position bis hier aber in großen Teilen zuzustimmen. Singer formuliert seinen Standpunkt in Hinblick auf Tiere wie folgt:

Die Tatsache, daß bestimmte Wesen nicht zu unserer Gattung gehören, berechtigt uns nicht, sie auszubeuten, und ebenso bedeutet die Tatsache, daß andere Lebewesen weniger intelligent sind als wir, nicht, daß ihre Interessen mißachtet werden dürfen.[73]

Um seine Position zu untermauern, die betont, wie wichtig ein Überdenken bezüglich unserer Haltung Tieren gegenüber ist, verweist Singer immer wieder auf frühere Denkweisen, die heute glücklicherweise so nicht mehr gesellschaftsfähig sind. An dieser Stelle bringt er dann das so oft zitierte Bentham-Zitat, das seine Ausgangsannahme auf den Punkt bringt und auch hier nicht fehlen darf:

Der Tag mag kommen, an dem die übrigen Geschöpfe jene Rechte erlangen, die man ihnen nur mit tyrannischer Hand vorenthalten konnte. Die Franzosen haben bereits erkannt, daß die Schwärze der Haut kein Grund dafür ist, jemanden schutzlos der Laune eines Peinigers auszuliefern. Es mag der Tag kommen, da man erkennt, daß die Zahl der Beine, der Haarwuchs oder das Ende des os sacrum gleichermaßen unzureichende Gründe sind, ein fühlendes Wesen demselben Schicksal zu überlassen. Was sonst ist es, das hier die unüberwindbare Trennlinie ziehen sollte? Ist es die Fähigkeit zu denken oder vielleicht die Fähigkeit zu sprechen? Aber ein ausgewachsenes Pferd oder ein Hund sind unvergleichlich vernünftigere und mitteilsamere Lebewesen als ein Kind, das erst einen Tag, eine Woche oder selbst einen Monat alt ist. Doch selbst vorausgesetzt, sie wären anders, was würde es ausmachen? Die Frage ist nicht: können sie denken ? Oder: können sie sprechen ?, sondern: können sie leiden ?[74]

Dieses Zitat spiegelt noch einmal den Standpunkt der utilitaristischen Ethik. Die Leidensfähigkeit wird als das alles entscheidende Kriterium gesetzt, das unabhängig von biologischen Merkmalen (Rasse, Geschlecht oder Spezieszugehörigkeit) oder kognitiven Eigenschaften (Sprachvermögen und Vernunft) Gültigkeit besitzt. Wer leidet, dessen Leiden zählt, alles andere ist zweitrangig. Damit hat Bentham eine wichtige Grundlage geschaffen, die Singer in seiner Tierethik aufgreift und konkretisiert. Denn immer wieder wird und wurde versucht, die trennende Kluft zwischen Mensch und Tier zu vergrößern, obgleich sie aus naturwissenschaftlicher Sicht seit Darwin verschwindend gering geworden ist und Unterschiede wohl eher gradueller denn kategorialer Natur sind. Singer verweist auf frühere Kriterien der Unterscheidung zwischen Mensch und Tier wie Gebrauch und Herstellung von Werkzeug oder die Sprachfähigkeit, die inzwischen durch Forschungen v.a. mit Menschenaffen widerlegt worden sind.[75]

Die Bemühung aufzuzeigen, welche Fähigkeiten Menschen und Tiere definitiv trennen, hat eine lange Tradition. Auch Kriterien wie Autonomie und Selbstbewusstsein werden heutzutage noch immer als mögliche Indizien einer absoluten Unterscheidung angeführt, anstatt zu erkennen, dass ein solches Unterfangen schon von seinem Anspruch her sinnlos ist. Bis jetzt musste doch jeder Versuch, etwas zu finden, was Mensch und Tier in zwei komplett getrennte Seinsbereiche trennt, im Laufe der Zeit widerrufen werden. Ein erster Schritt ist daher die Anerkennung der grundlegenden Gemeinsamkeiten anstelle einer verkrampften Suche nach absoluten Unterschieden.

Durch die Bindung der Moral an die Empfindungsfähigkeit spielen Wesen, die nicht leiden oder keine Freude empfinden können, kurz nicht-empfindungsfähige Wesen, in der ethischen Debatte des Utilitarismus keine Rolle. Bei Singers Interessenabwägung fallen sie ebenfalls aus dem Kreis der Beachteten, schlichtweg deswegen, weil sie keine Interessen haben, denn „die Fähigkeit zu leiden und sich zu freuen ist vielmehr eine Grundvoraussetzung dafür, überhaupt Interessen haben zu können.“[76] Dass diese Haltung durchaus problematisch ist, da Singers Einteilung in Personen, empfindungsfähige Wesen und nicht empfindungsfähige Wesen nicht unbedingt die wissenschaftlichen Erkenntnisse spiegelt und seine ethischen Folgerungen aus dieser Einteilung in drei Kategorien nicht überzeugend sind, wird noch zu zeigen sein. Alle anderen Wesen, bei denen man aufgrund ihrer Empfindungsfähigkeit von Interessen sprechen kann, müssen in moralische Erwägungen mit einbezogen werden. Laut Singer gibt es keinen Grund, diesen Interessen keine Beachtung zu schenken, ein mögliches Unrecht liegt für ihn daher in der Vereitelung dieser Präferenzen.[77] So darf mangelnde Intelligenz nicht als Grund genommen werden, grundlegende Interessen zu missachten:

Intelligenz hat nichts zu tun mit vielen wichtigen Interessen, die die Menschen haben, wie dem Interesse an der Vermeidung von Schmerz, an der Entfaltung von Fähigkeiten, an der Befriedigung elementarer Bedürfnisse wie Nahrung und Behausung, am Genuß freundschaftlicher und liebevoller Beziehungen mit anderen und an der Freiheit, eigene Pläne zu verfolgen, ohne daß man unnötigerweise von anderen gestört wird.[78]

[...]


[1] Gloy, Karen: Das Verständnis der Natur . Zweiter Band. Die Geschichte des wissenschaftlichen Denkens. München 1996, S.10

[2] Jonas, Hans: Technik, Medizin und Ethik. Praxis des Prinzips Verantwortung. Frankfurt a.M. 1987, S.46: „Das Alleinrecht des Menschen auf menschliche Rücksicht und sittliche Beachtung ist genau mit seinem Gewinn einer fast monopolistischen Macht über alles andere durchbrochen worden.“

[3] Jonas, Hans: Das Prinzip Verantwortung (1979)/ Singer, Peter: Animal Liberation (1975)

[4] Bethge, Philip: Drähte im Kopf. In: DER SPIEGEL 50/2008. S.160

[5] Schlegel, Alexander: Die Identität der Person. Eine Auseinandersetzung mit Peter Singer. Freiburg Schweiz 2007, S.12

[6] Gloy: Das Verständnis der Natur

[7] Ebd. S.10

[8] Ebd. S.10

[9] Kather, Regine: Von der Umwelt zur Mitwelt. Die Wiederentdeckung der Natur. Freiburg 2008: www.philosophia-online.de

[10] Ebd.S.7

[11] Ebd.

[12] Flury, Andreas: Der moralische Status der Tiere. Henry Salt, Peter Singer und Tom Regan. Freiburg i.Br. 1999, S.30

[13] Ebd. S.53

[14] Kather: Von der Umwelt zur Mitwelt, S.9

[15] Jonas: Technik, Medizin, Ethik. S.47

[16] Auch im Umgang mit Haustieren ist eine fehlende Sensibilität für die Bedürfnissen der Tiere zu bemerken, immer noch stehen allzu sehr die menschlichen Bedürfnisse im Mittelpunkt, wenn es um Heimtierhaltung geht. Die wenigsten Menschen quälen ihre Tiere absichtlich, diese mutwilligen Sadisten machen den kleinsten Teil aus, aber Interesse- und Gedankenlosigkeit, Faulheit oder Dummheit machen so manch einem Haustier das Leben schwer. Auch Menschen, die sich als Tierliebhaber verstehen, haben oft noch nicht den Unterschied gelernt zwischen dem Wohl des Tieres und ihren eigenen Bedürfnissen.

[17] In Frankreich z.B. scheinen die Gründe für eine vegetarische Lebensweise weit weniger bekannt zu sein als es in Deutschland der Fall ist, zumindest war dies mein subjektiver Eindruck bei meinem einjährigen Aufenthalt in Toulouse.

[18] Vgl. Krebs, Angelika (Hrsg.): Naturethik. Grundtexte der gegenwärtigen tier- und ökoethischen Diskussion. Frankfurt a.M. 1997: von griech. ´anthropos´ = Mensch

[19] - Alle Werte leiten sich von Gott her. Vgl. EKAH (Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich): Die Würde der Kreatur bei Pflanzen. Die moralische Berücksichtigung von Pflanzen um ihrer selbst willen. www.ekah.admin.ch/de/dokumentation/medienmitteilungen/die-wuerde-der-kreatur-bei-pflanzen

- Alle Menschen sind moralische Objekte (humanistischer Anthropozentrismus). Vgl. Balzer, Philipp; Rippe, Klaus Peter; Schaber, Peter: Menschenwürde vs. Würde der Kreatur: Begriffsbestimmung, Gentechnik, Ethikkommissionen. Freiburg/München 1999, S.34

[20] - Spezifische Eigenschaften wie Vernunft oder Sprachfähigkeit verleihen einem Wesen Wert. Vgl. EKAH -Moralische Objekte sind nur rationale, menschliche Personen (personalistischem Anthropozentrismus). Vgl. Balzer, S.34

[21] EKAH: Die Würde der Kreatur bei Pflanzen. Die moralische Berücksichtigung von Pflanzen um ihrer selbst willen. S.12

[22] Singer, Peter: Praktische Ethik. Stuttgart 1994, S.339

[23] Ebd. S.339

[24] Vgl. Krebs: Naturethik, von griech. ´physis´ = Natur, S.345

[25] Vgl. ebd. S.340

[26] Ebd. S.340

[27] Ebd. S.345

[28] Vgl. ebd. S.345: von griech. ´pathos´ = Leid: „Alle empfindungsfähigen Wesen verdienen Rücksicht um ihrer selbst willen.“

[29] Vgl. ebd. von griech. ´bios´= Leben: „Alles Lebendige verdient Rücksicht um seiner selbst willen.“

[30] Ebd. „Die ganze Natur (holistische Version) bzw. alles in der Natur (individualistische Version) verdient Rücksicht um ihrer (seiner) selbst willen.“

[31] Ebd. Von griech. ´holon ´= das Ganze

[32] Wolf, Ursula: Das Tier in der Moral. Frankfurt a.M. 1990

[33] Balzer: Menschenwürde vs. Würde der Kreatur

[34] Vgl. Krebs: Naturethik. S.342

[35] Singer, Peter: Wie man in Deutschland mundtot gemacht wird. In: Praktische Ethik

[36] Kather, Regine: Person. Über die Begründung der menschlichen Identität. Darmstadt 2007, S.95

[37] Singer: Praktische Ethik. S.16

[38] Röcklinsberg, Helena: Das seufzende Schwein. Zur Theorie und Praxis in deutschen Modellen zur Tierethik. Erlangen 2001, S.18

[39] Helmut F. Kaplan: Tierrechte und Ethik: www.tierrechte-kaplan.org

[40] Singer, Peter: Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere. Hamburg 1996, S.10

[41] Schlegel: Die Identität der Person. S.187

[42] Singer: Animal Liberation. S.8

[43] Singer: Praktische Ethik. S.18

[44] Vgl. ebd. S.23/24

[45] Ebd. S.23

[46] Höffe, Otfried (Hrsg): Einführung in die utilitaristische Ethik. Klassische und zeitgenössiche Texte. Tübingen/ Basel 2003, S.9

[47] Ebd.

[48] Vgl. ebd. S.124

[49] Ebd. S.13

[50] Schlegel: Die Identität der Person, S.190

[51] Lat.: ´Utilitas´ = Nutzen

[52] Bentham, Jeremy: Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung. In: Höffe: Einführung in die utilitaristische Ethik. S.56

[53] Ebd. S.59

[54] Ebd. S.61

[55] Schlegel: Die Identität der Person. S.38

[56] Vgl. Singer: Praktische Ethik. S.27

[57] Bentham: In Höffe: Einführung in die utilitaristische Ethik. S.79

[58] Ebd. S.80

[59] Vgl. ebd. S.81

[60] Ebd.

[61] Ebd.

[62] Höffe: Einführung in die utilitaristische Ethik. S.31

[63] Singer: Praktische Ethik. S.31

[64] Ebd.

[65] Ebd. S.11

[66] Baranzke, Heike: Alle Tiere sind gleich. Peter Singers Tierbefreiungsbewegung und ihre anthropologischen und ethischen Implikationen. In: Boloz, Wojciech; Höver, Gerhard (Hrsg): Utilitarismus in der Bioethik. Seine Voraussetzungen und Folgen am Beispiel der Anschauungen von Peter Singer. Münster 2002, S.115

[67] Ebd.: „In der biblischen Urgeschichte ist Noah der paradigmatische gottebenbildliche Mensch, der in vollkommenem Gehorsam nach Gottes Anweisungen die Arche baut und so auch die Tiere vor der Flut rettet. Gottebenbildlichkeit bedeutet daher, die Befähigung des Menschen, nach göttlichem Vorbild die Herrschaft über die Erde und die Tiere zu gestalten. Als Gabe ist sie vor allem Aufgabe, Verpflichtung, normativ gebunden an das Vorbild des Heilshandelns des Schöpfers. Aber in der abendländischen Theologie- und Philosophiegeschichte trat die normative Dimension menschlicher Würde meist hinter ihren ontologischen Auszeichnungscharakter zurück. Selten genug wurde der Verpflichtungscharakter der Gottebenbildlichkeit erinnert und noch seltener praktisch durchgeführt.“

[68] Singer: Praktische Ethik. S.29

[69] Ebd. S.40

[70] Ebd. S.35

[71] Ebd. S.39

[72] Ebd. S.42

[73] Ebd. S.83

[74] Bentham, Jeremy, zitiert nach Singer: Praktische Ethik, Hervorhebungen im Original, S.84

[75] Vgl. Singer: Praktische Ethik, S.102f

[76] Ebd. S.85

[77] Vgl. ebd. S.128

[78] Ebd. S.42

Ende der Leseprobe aus 91 Seiten

Details

Titel
Wissenschaftliche Arbeit Philosophie: Würde der Kreatur?
Untertitel
Ethische Überlegungen zur pathozentrischen und biozentrischen Sichtweise der nichtmenschlichen Natur
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
-
Note
2.0
Autor
Jahr
2009
Seiten
91
Katalognummer
V139506
ISBN (eBook)
9783640496785
ISBN (Buch)
9783640496822
Dateigröße
902 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Würder der Kreatur, Tierethik, Biozentrismus, Pathozentrismus, Peter Singer, Albert Schweitzer, Utilitarismus, Präfernezutilitarismus, Personenbegriff, Leidensfähigkeit, Wert von Leben, Ehrfrucht vor dem Leben, inhärenter Wert der Natur
Arbeit zitieren
Lydia Kanngießer (Autor), 2009, Wissenschaftliche Arbeit Philosophie: Würde der Kreatur?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139506

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