Darüber, dass Kinder Individuen sind, die durch- kontextabhängig- verschiedene Faktoren wie etwa die Familie oder die Gesellschaft und das soziale Milieu, in welchen sie leben, spezifisch sozialisiert werden und individuelle Charaktereigenschaften mitbringen, ist man sich in allen wissenschaftlichen Disziplinen, die sich mit diesem Thema beschäftigen, einig. Die zentralen Fragen in dieser Arbeit sollen sein, ob Kinder wichtige Informanten für die ethnologische Forschung darstellen können und ob die advocacy anthropology nicht verstärkt etwas für diese leisten kann. Doch wie lässt sich das begründen? Was können Kinder in Bezug auf Gewinnung fundierter Daten wirklich leisten? Wie lässt sich das belegen? Kann man Kinder als vollwertige Akteure betrachten? Und wenn ja, ab welchem Alter und unter welchen Voraussetzungen können sie im gesellschaftlichen Prozess agieren? Um herauszuarbeiten, ob und inwieweit auch schon relativ junge Kinder als Akteure im ethnologischen Sinn verstanden werden können, scheinen Erkenntnisse der Pädagogik, Psychologie und Philosophie ebenso wichtig zu sein, wie die der Ethnologie selbst. Der erste Teil meiner Arbeit beschäftigt sich mit den Voraussetzungen und Kriterien aus soziologischer wie aus pädagogisch-psychologischer Sicht, die Individuen zu Akteuren machen und prüft die Gegebenheiten in Bezug auf Kinder vom Säuglinsalter bis zur frühen Kindheit.
Der zweite Teil gibt anhand von Fallbeispielen einen Einblick in die kognitiven Leistungen von Kindern zu Beginn und am Ende der frühen Kindheit.Im dritten Teil werde ich verstärkt auf den Aktionismus von Kindern eingegangen: Anhand des speziellen Beispiels von peer groups, wie auch im Allgemeinen in Bezug auf Erziehung, und schließlich wird die Interaktion von Kindern mit ihrer Umwelt beleuchtet werden, wobei keine Alterseinschränkung vorgenommen wird.Im letzten Teil werden schließlich die in den vorhergehenden Punkten der Arbeit herausgestellten Ergebnisse verwendet, um auf die anfängliche Fragestellungen, inwieweit Kinder vollwertige Informanten für die advovacy anthropology darstellen, eine Antwort zu geben. Weiterhin wird diese ethnologische Richtung vorgestellt werden. Weiterhin wird der Grad der Beeinflussbarkeit bei Kindern geprüft werden. Ein weiterer Exkurs über einen erfolgreichen Versuch der wissenschfatlichen Arbeit mit Kindern in der Philosophie schließt daran an.
Inhaltsverzeichnis
A Kinder- Informantenpotential für die ethnologische Arbeit und Thema der advocacy anthropology?
B
I. Inwieweit können Kinder als Akteure angesehen werden?
I. 1. Definition der Begriffe Akteur und Aktion
I. 1.1 Definition Akteur
I. 2 Intelligenz als essentielle Voraussetzung des Akteur- Seins
I. 3. Erfüllung weiterer Kriterien des Akteur- Seins
II. Fallbeispiele zu den beachtlichen kognitiven Leistungen bei Kindern
II. 1 Fallbeispiel zu eigenständiger Problemlösung bei Dreijährigen
II. 2 mathematische Logik bei Fünfjährigen
III. weitere Beispiele des Aktionismus bei Kindern
III 1. anhand sozialer Gesichtspunkte- peer groups
III. 2 in Bezug auf Erziehung: individuell unterschiedliche Reaktionen
III. 3 Kinder als indirekte Akteure durch Interaktion
IV. Voraussetzungen zur effektiven Forschung mit Informanten in der advocacy anthropology
IV. 1 ´Kinder´ als Gegenstand der advocay anthropology
VI. 2. Wahrnehmung von Kindern
IV. 2. 1 Exkurs: Kinder wie alte Menschen oftmals unterschätzt
IV. 3 Zugang zu Wissensressourcen zur Geringhaltung der Beeinflussbarkeit
IV. 4 Exkurs: Philosophie mit Kindern
C Kinder als ernst zunehmende und wichtige Informanten- in der ethnologischen Forschung wie im gesellschaftlichen Leben
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit Kinder als eigenständige Akteure und wertvolle Informanten in der ethnologischen Forschung betrachtet werden können und wie die „advocacy anthropology“ sie hierbei unterstützen kann.
- Kognitive Fähigkeiten und das „Akteur-Sein“ von Kindern
- Einfluss von sozialen Strukturen und Interaktionen auf die Handlungsfähigkeit
- Vergleich der Marginalisierung von Kindern mit anderen Gruppen
- Die Rolle der Ethnologie bei der Erforschung kindlicher Perspektiven
Auszug aus dem Buch
I. 1.1 Definition Akteur
Die sozialwissenschaftliche Definition des Begriffs ´Akteur´ lautet: „Der Akteur zeigt menschliches Verhalten, mit dem er und andere Akteure einen subjektiven Sinn verbinden. Akteure knüpfen soziale Beziehungen, wenn sie Interesse an anderen Akteuren haben. Dieses Interesse kann in Ressourcen (z. B. Attraktivität, Kennenlernen anderer Akteure) oder in Ereignissen liegen. Diese Ereignisse können von anderen u.a . kontrolliert , genutzt oder verhindert. [Punkt im Original] werden oder der Akteur kontrolliert, nutzt oder verhindert selbst Ereignisse, um seine Bedürfnisse (z. B. Verzehr, Zuneigung) direkt oder indirekt zu befriedigen (als Mittel zur Bedürfnisbefriedigung). Die Interessen des Akteurs werden somit in Interaktions- und Machtbeziehungen gebildet. (Vgl. Haunschild, 1998, 113)“ (Küpper 2004/ 2005: 2).
Zwar ist diese Definition nicht speziell auf Kinder angewandt, jedoch schließt sie diese als Akteure mit ein. Denn schon in den naturgegebensten Interessen nach Selbsterhalt durch Nahrung und Zuwendung wenden Kinder Aktionen wie Schreien oder Lachen gegenüber Versorger- Personen an, um durch diese ihre Interessen befriedigt zu bekommen. Psychisch und sozial gesunde Erwachsene - oder auch schon ältere Kinder - reagieren auf derartige Verhaltensweisen mit der Bemühung um Bedürfnisbefriedigung - in diesen beiden Fällen mit Nahrungszuführung oder liebevoller Beschäftigung mit dem Kind.
Zusammenfassung der Kapitel
A Kinder- Informantenpotential für die ethnologische Arbeit und Thema der advocacy anthropology?: Einführung in die Fragestellung und den interdisziplinären Ansatz der Arbeit.
B: Theoretische Grundlegung des Akteursbegriffs und Analyse der kindlichen Handlungsfähigkeit.
I. Inwieweit können Kinder als Akteure angesehen werden?: Untersuchung der Definitionen von Akteur und Aktion sowie der kognitiven Voraussetzungen.
II. Fallbeispiele zu den beachtlichen kognitiven Leistungen bei Kindern: Praktische Belege für die Problemlösungsfähigkeit und mathematische Logik bei Kleinkindern.
III. weitere Beispiele des Aktionismus bei Kindern: Analyse der Interaktion in Peer-Groups und der individuellen Reaktionen auf Erziehung.
IV. Voraussetzungen zur effektiven Forschung mit Informanten in der advocacy anthropology: Diskussion über die methodischen Bedingungen für die Forschung mit Kindern.
C Kinder als ernst zunehmende und wichtige Informanten- in der ethnologischen Forschung wie im gesellschaftlichen Leben: Fazit über die Notwendigkeit, Kinder als aktive Subjekte in der Forschung ernst zu nehmen.
Schlüsselwörter
Advocacy Anthropology, Ethnologie, Kinder, Akteure, Kognitive Leistungen, Sozialisation, Interaktion, Peer-Groups, Erziehung, Kindliche Perspektive, Empowerment, Forschungsmethodik, Marginalisierung, Bewusstsein, Selbstwahrnehmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Kinder als kompetente Akteure in der ethnologischen Forschung anerkannt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen das kindliche Handlungspotential, kognitive Fähigkeiten in der frühen Kindheit und die Rolle der „advocacy anthropology“.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu belegen, dass Kinder als eigenständige Informanten eine Bereicherung für die ethnologische Forschung darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein interdisziplinärer Ansatz gewählt, der Erkenntnisse aus der Psychologie, Pädagogik, Philosophie und Ethnologie kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Akteur-Sein von Kindern, präsentiert kognitive Fallbeispiele und untersucht soziale Interaktionsmuster.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Advocacy Anthropology, Kinder als Akteure, kognitive Entwicklung, kindliche Wahrnehmung und ethnologische Forschung.
Warum werden Kinder oft als „unfertig“ wahrgenommen?
Die Arbeit zeigt, dass dies oft auf einer Fehlinterpretation ihres intuitiven Denkens und ihrer Abhängigkeit von Erwachsenen beruht.
Welche Rolle spielen Peer-Groups bei der Handlungsfähigkeit?
Peer-Groups bilden oft parallele soziale Regelwelten, in denen Kinder eigenständig handeln und Strategien entwickeln.
Wie beeinflussen Kinder ihre Eltern?
Kinder wirken als indirekte Akteure, da sie durch ihr Verhalten die Reaktionen und Entscheidungen ihrer Bezugspersonen maßgeblich mitgestalten.
- Arbeit zitieren
- Carina Bauer (Autor:in), 2007, Kinder als wichtige ethnologische Informanten und Thema der "advocacy anthropology", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139522