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Zukunftsforschung in der Politikberatung

Title: Zukunftsforschung in der Politikberatung

Bachelor Thesis , 2009 , 33 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Friedemann Karig (Author)

Communications - Media and Politics, Politic Communications
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In seiner Publikation „Zukunftsforschung und Politik“ aus dem Jahr 1991 spricht Prof. Dr. Rolf Kreibich, einer der Pioniere der deutschen Zukunftsforschung und wissenschaftlicher Direktor und Geschäftsführer des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) in Berlin, von „der desolaten Lage der institutionalisierten Zukunftsforschung und der langfristigen Politikberatung“.
2004 sieht er die Lage immer noch als eine „elende“: Parlamentarische Einrichtungen wie das TAB (Büro für Technikfolgenabschätzung beim deutschen Bundestag) und eben das IZT sind raren Vertreter einer systematischen, die Politik beratenden Zukunftsforschung.
Daneben konkurrieren mehr oder weniger in parlamentarische Prozesse eingebundene, und damit auch mehr oder weniger unabhängige Think Tanks wie das Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) mit am privatwirtschaftlichen Markt ausgerichteten und ebenso organisierten „Trendforschern“ um (öffentliche) Aufträge und Wertschätzung, Präsenz in den Medien und legitimierende Glaubwürdigkeit. Viele dieser Akteure beeinflussen den Policy-Prozess hauptsächlich über intermediäre Systeme, selten jedoch durch direkten Kontakt zum politischen System oder seinen Eliten selbst.

Die vorliegende Arbeit soll anhand bestehender Forschungsliteratur und anderer Primärquellen (Berichte der beteiligten Akteure/Institutionen, Medienberichte etc.) klären, inwieweit (und in welcher ihrer konkreten Ausformungen) Zukunftsforschung bereits politikberatend agiert, wie sie in den Policy-Prozess eingebunden ist oder diesen über intermediäre Systeme per Agenda-Setting beeinflusst, und welches Konzept von Politikberatung ihr zu Grunde liegt bzw. welche spezifischen Chancen und Risiken damit verbunden sind.
Hierzu soll Zukunftsforschung in einem ersten Arbeitsschritt (Gliederungspunkte 2.x) als interdisziplinäre „Metawissenschaft“ möglichst trennscharf eingegrenzt und, nach einer Bestandsaufnahme und Bilanzierung der aktuellen Verhältnisse in der BRD (3.x), an einem konkreten Beispiel (4.x) eines von ihr beeinflussten Policy-Prozesses in ihrem potenziellen Nutzen für die Politik überprüft und bewertet werden. Hierzu wurde FUTUR, ein 2001 gestarteter, jedoch durch den Regierungswechsel 2005 vorzeitig beendeter Prozess politikberatender, partizipativer Zukunftsforschung ausgewählt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Fragestellung und Erkenntnisinteresse

2. Was ist Zukunftsforschung?

2.1. Entstehung und Historie

2.2. Methoden und Forschungsfelder

2.3. Ein Definitionsversuch

2.4. Aufgabe der Zukunftsforschung und Beratungspotenzial/-bedarf in der Politik(beratung)

3. Zukunftsforschung als Politikberatung

3.1. Was ist Politikberatung?

3.2. Parlamentarisch-technisch: TAB, Foresight des BMFB, Kommissionen

3.3. Unabhängige „Unis ohne Studenten“: Das Beispiel IZT

3.4 Politikwissenschaftliche Prognostik: Das Beispiel CAP

3.5 Privatwirtschaftliche Beratungsunternehmen: Das Beispiel Prognos

4. Chancen und Probleme der zukunftsforschenden Politikberatung am Beispiel des „FUTUR“-Prozess

4.1. Die beteiligten Institutionen

4.2. Die Kommunikations-, Beratungs- und Meinungsbildungsprozesse

4.3. Die Ergebnisse

4.4 Ende durch vorgezogene Neuwahlen und Neuordnung des Ministeriums

4.5 Evaluation des Futur-Prozesses und Fazit

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Rolle und Wirksamkeit der wissenschaftlichen Zukunftsforschung als Instrument der Politikberatung in Deutschland. Dabei wird analysiert, inwieweit Zukunftsforschung in den politischen Policy-Prozess eingebunden ist und welchen Einfluss sie durch Agenda-Setting ausübt, wobei die Chancen und Risiken einer langfristig angelegten Politikberatung kritisch reflektiert werden.

  • Historische Entwicklung und methodische Grundlagen der Zukunftsforschung
  • Strukturanalyse politikberatender Institutionen in Deutschland (Think Tanks, TAB, CAP)
  • Partizipative Politikberatung: Der Fall des „FUTUR“-Prozesses
  • Kollision von wissenschaftlicher Langfristorientierung und politischen Zyklen
  • Institutionelle Herausforderungen für die Zukunftsforschung

Auszug aus dem Buch

3.3. Unabhängige „Unis ohne Studenten“: Das Beispiel IZT

Das prominenteste Beispiel für einen unabhängigen Think Tank ist das schon unter 2.2 genannte Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung mit Sitz in Berlin (IZT), und kann als Ausnahme gelten, welche die Regel bestätigt. Es ist als gemeinnützige GmbH ein unabhängiges öffentliches Forschungsinstitut mit explizit zukunftsforschenden Aufgaben.

„Hauptaufgaben des IZT sind die Durchführung von Forschungsprojekten, die Durchführung wissenschaftlicher und öffentlicher Veranstaltungen, die Erstellung von Gutachten und die Beratung von Politik, Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft.“ Dabei stehen die Leitperspektiven der Nachhaltigen Entwicklung und die Verbesserung der Lebensqualität im Mittelpunkt, eine Veröffentlichung der Ergebnisse ist obligatorisch. „Obwohl privatwirtschaftlich organisiert und hundertprozentig im nationalen und internationalen Forschungswettbewerb stehend“, soll das Gemeinwohl immer als Verpflichtung im Hintergrund stehen.

Die Bedeutung des IZT kann kaum überschätzt werden: „Der internationale MERCURIO der Handelsblatt GmbH zählt das IZT zu den sieben ´wichtigsten Denkfabriken in Europa´.“ Wirtschaftlich funktioniert das IZT vornehmlich im privatwirtschaftlichen Wettbewerb, belegt an Hand der Tatsache, „dass mit jedem Euro der Projektförderung aus dem Haushalt des Landes Berlin durch das IZT rund 33 Euro für wissenschaftliche Projekte bei EU, Bund, Ländern und privaten Zuwendungsgebern eingeworben wurden. Das liegt weit über dem Mittelwert aller Forschungseinrichtungen in Berlin, für die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung nur ein Verhältnis von 1 zu 3,6 festgestellt hat.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Fragestellung und Erkenntnisinteresse: Einführung in die Problematik der Zukunftsforschung als politikberatende Disziplin und Formulierung des Untersuchungsinteresses.

2. Was ist Zukunftsforschung?: Darstellung der historischen Entstehung, der methodischen Vielfalt und des Definitionsversuchs von Zukunftsforschung als Metawissenschaft.

3. Zukunftsforschung als Politikberatung: Analyse verschiedener institutioneller Akteure wie parlamentarischen Einrichtungen, Think Tanks und privatwirtschaftlichen Beratungsunternehmen.

4. Chancen und Probleme der zukunftsforschenden Politikberatung am Beispiel des „FUTUR“-Prozess: Detaillierte Fallstudie über den FUTUR-Prozess unter Berücksichtigung der Prozesse, Ergebnisse und des vorzeitigen Abbruchs.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Diskrepanz zwischen politischem Bedarf und tatsächlicher Institutionalisierung der Zukunftsforschung.

Schlüsselwörter

Zukunftsforschung, Politikberatung, Policy-Prozess, Technikfolgenabschätzung, Nachhaltigkeit, FUTUR-Prozess, Think Tanks, Agenda-Setting, Prognostik, Interdisziplinarität, Beratungspotenzial, Metawissenschaft, Szenario-Methode, Politische Strategiebildung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Rolle der Zukunftsforschung innerhalb der deutschen Politikberatung und untersucht, wie wissenschaftliche Zukunftsprojektionen in politische Entscheidungsprozesse einfließen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Felder umfassen die Definition von Zukunftsforschung, die institutionelle Einbettung in Deutschland, die Methodik der Zukunftsforschung sowie die Analyse von Beratungsbedarfen und deren Umsetzung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, inwieweit Zukunftsforschung bereits politikberatend tätig ist, wie sie in politische Prozesse eingebunden wird und welche Chancen sowie Risiken dies für die Zukunftsforschung birgt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt eine literaturgestützte Analyse bestehender Forschungsliteratur sowie Primärquellen wie Berichte beteiligter Institutionen und Medienberichte, kombiniert mit einer vertiefenden Fallstudie zum FUTUR-Prozess.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Zukunftsforschung, eine Bestandsaufnahme relevanter Institutionen (TAB, IZT, CAP, Prognos) und eine detaillierte Fallstudie zur zukunftsforschenden Politikberatung am Beispiel des FUTUR-Prozesses.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Politikberatung, Zukunftsforschung, Agenda-Setting, Nachhaltigkeit und das Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Langfristplanung und kurzfristigen politischen Zyklen.

Warum wird der FUTUR-Prozess als Fallbeispiel gewählt?

Der FUTUR-Prozess wird als repräsentatives Beispiel für eine partizipative, auf direkte Politikberatung ausgerichtete Zukunftsforschung gewählt, die zudem die Problematik politisch motivierter Prozessabbrüche verdeutlicht.

Welche Rolle spielt der IZT für die Zukunftsforschung?

Das IZT wird als führendes, unabhängiges Forschungsinstitut angeführt, das durch seine wissenschaftliche Arbeit und öffentliche Präsenz als wichtiger Akteur im Bereich der Zukunftsberatung agiert.

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Details

Title
Zukunftsforschung in der Politikberatung
College
University of Passau  (Lehrstuhl für Politikwissenschaft II)
Grade
1,7
Author
Friedemann Karig (Author)
Publication Year
2009
Pages
33
Catalog Number
V139532
ISBN (eBook)
9783640473984
Language
German
Tags
Zukunftsforschung Politikberatung Politische Kommunikation Think Tanks
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Friedemann Karig (Author), 2009, Zukunftsforschung in der Politikberatung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139532
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