Sind gerechte Kriege möglich oder zumindest denkbar? Wann ist das Kriegführen nicht nur moralisch erlaubt, sondern sogar moralisch geboten? Kann Kriegführen jemals von Gott gefordert werden? Mit diesen und anderen Fragen setzen sich die Ethiker seit Jahrhunderten auseinander, ohne zwingende gemeinsame Übereinstimmungen zu finden. Manche sind der Auffassung, dass das Kriegführen unter bestimmten Bedingungen sogar moralisch gerechtfertigt ist. Andere verwerfen hingegen diese Lehre und behaupten aus realistischen oder pazifistischen Gründen, dass Kriege immer ungerecht sind. Mit dieser Arbeit möchte ich die Kernaussagen der thomischen Lehre vom gerechten Krieg unter die Lupe nehmen, um diese in Bezug auf die Debatte über die jüngsten humanitären Interventionen in Irak, Kosovo und Afghanistan zu diskutieren.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Der historische Hintergrund
2 Der gerechte Krieg nach Thomas von Aquin
3 Die neueste Lehre vom gerechten Krieg
4 Die jüngsten humanitären Interventionskriege
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Kernaussagen der thomischen Lehre vom gerechten Krieg und diskutiert diese im Kontext aktueller humanitärer Interventionen, um die Diskrepanz zwischen ethischer Theorie und militärischer Praxis aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung der Lehre vom gerechten Krieg
- Die thomischen Voraussetzungen des gerechten Krieges
- Die Renaissance der Lehre durch moderne internationale Gremien
- Analyse jüngster Militärinterventionen im Irak, Kosovo und Afghanistan
- Kritische Reflexion über die moralische Haltbarkeit des Konzepts
Auszug aus dem Buch
2 Der gerechte Krieg nach Thomas von Aquin
Die Kriegslehre Thomas von Aquins (1225-1274), die in seiner Summa Theologiae zu finden ist, ist eine Erscheinung des 13. Jahrhunderts und kann von den grösseren Kriegsereignissen dieser Zeit nicht vollkommen entkoppelt werden. Die Summa Theologiae wurde zwischen 1265 und 1273 verfasst. Thomas von Aquin war zu dieser Zeit als Studienpräfekt der Dominikaner in Neapel tätig. 1268 bis 1272 war er in Paris, wo er seine Arbeiten an der Summa Theologiae fortsetzte. 1272 kehrte er nach Neapel zurück, wo er eine Dominikanerschule aufbaute. 1274 starb er auf der Reise zum zweiten Konzil von Lyon im Kloster Fossanava.
In Lyon standen damals drei entscheidende Fragen an der Tagesordnung: Die Einigung mit den Griechen, ein weiterer Kreuzzug gegen die Muslime und die Reformierung der Kirche. Diese Themen spiegeln sich in den Artikeln der Summa Theologiae wider, die den damaligen Konflikten eine optimale Lösung anbieten wollten. Das schismatische Verhalten der Ostkirche war nach Thomas von Aquin höchst gravierend: Es war eine besondere Sünde, die die Einheit der Kirche gefährdete und die mit Bann und Zwang bestraft werden musste, denn der Schismatiker sündigte zweimalig, nämlich, weil er sich von der Kirche trennte und weil er die Autorität des Papstes nicht anerkannte.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die ethische Debatte über gerechte Kriege ein und stellt die Forschungsfrage, ob die thomische Lehre auf moderne humanitäre Interventionen anwendbar ist.
1 Der historische Hintergrund: Dieses Kapitel zeichnet die Entwicklung des Konzepts vom frühen Christentum über Kirchenväter bis hin zu den Vorstellungen der Frühen Neuzeit und der Aufklärung nach.
2 Der gerechte Krieg nach Thomas von Aquin: Hier werden die spezifischen Voraussetzungen für einen gerechten Krieg analysiert, wie sie Thomas von Aquin in seiner Summa Theologiae definierte.
3 Die neueste Lehre vom gerechten Krieg: Das Kapitel thematisiert die Renaissance der Lehre nach 1990 und die Kriterien des Berichts der International Commission on Intervention and State Sovereignty.
4 Die jüngsten humanitären Interventionskriege: Diese Untersuchung prüft die Militäreinsätze im Irak, im Kosovo und in Afghanistan auf ihre Übereinstimmung mit den aufgestellten Kriterien eines gerechten Krieges.
Schlüsselwörter
Gerechter Krieg, Thomas von Aquin, Summa Theologiae, humanitäre Intervention, Kriegsethik, Internationale Beziehungen, Menschenrechte, Frieden, Gewaltanwendung, Militärbündnis, UN-Mandat, Völkerrecht, Ethik, Geschichte, politische Autorität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der klassischen Lehre vom gerechten Krieg nach Thomas von Aquin und deren kritischer Anwendung auf moderne internationale Konflikte und humanitäre Militäreinsätze.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die historische Genese der Kriegsethik, die philosophischen Argumente für oder gegen Kriegführung sowie die Bewertung der jüngsten Interventionen im Irak, Kosovo und Afghanistan.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die thomischen Kriterien für gerechte Kriege mit der heutigen politischen Praxis abzugleichen und zu prüfen, ob diese moralische Lehre in der Moderne noch Bestand hat.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, indem er mittelalterliche theologische Schriften mit zeitgenössischen völkerrechtlichen Berichten und philosophischen Stellungnahmen vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung, die detaillierte Analyse der thomischen Voraussetzungen, die Betrachtung moderner Kriterien der internationalen Kommission und die fallbezogene Untersuchung konkreter Kriege.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind "Gerechter Krieg", "Summa Theologiae", "Humanitäre Intervention", "Völkerrecht" und "Rechte Absicht".
Wie bewertet der Autor die Erfolgschancen militärischer Interventionen?
Der Autor betont, dass Erfolgschancen bei Interventionen aufgrund geographischer, politischer und gesellschaftlicher Faktoren nur schwer kalkulierbar sind und oft ein Scheitern der ursprünglichen Ziele riskieren.
Warum hält der Autor die Lehre vom gerechten Krieg für problematisch?
Die Arbeit verdeutlicht eine erhebliche Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis: Solange Zivilisten unter den Folgen leiden, ist die Definition eines Krieges als "gerecht" aus humanitärer Sicht kaum haltbar.
- Arbeit zitieren
- Giacomo Francini (Autor:in), 2009, Die Lehre vom gerechten Krieg nach Thomas von Aquin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139546