Diese Hausarbeit ist eine komplett ausgearbeitete didaktische Konzeption einer Doppelstunde für die 12. Klasse am Gymnasium in Thüringen. Sie enthält eine detaillierte Sachanalyse zu Aristoteles 'De anima', sowie das kleinschrittige Vorgehen für einen Unterricht ohne Textarbeit. Neben formulierten Lernzielen (hier 'Klarheiten' genannt) für das Ende der Unterrichtssequenz ist außerdem die Ausarbeitung der Tafelbilder angehängt.
Gemäß des Thüringer Bildungsplans (Stand 2012) für die zwölfte Klassenstufe am Gymnasium dient diese konzipierte Doppelstunde der Sachkompetenz zur "Wesensbestimmung des Menschen in ihrer historischen und kulturellen Bedingtheit unter einer speziellen Fragestellung", sowie der Einordnung von "Kernaussagen anthropologischer Positionen" unter den Fragen "Was ist der Mensch? Wann ist ein Leben ein geglücktes Leben?".
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sachanalyse
3. Klarheiten
4. Didaktische Konzeption
4.1. Grobgang der Doppelstunde
4.2. Detaillierter Ablauf der Doppelstunde
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit ist es, ein fachdidaktisches Unterrichtskonzept für eine Doppelstunde in der gymnasialen Oberstufe zu entwickeln, das aristotelische Texte zur Seelenlehre durch ein textersetzendes Problemgespräch erschließt und dabei die ethische Reflexion über das eigene Leben und menschliche Lebensziele fördert.
- Grundlagen der aristotelischen Seelenlehre (De anima)
- Die aristotelische Lehre vom höchsten Gut (Glückseligkeit)
- Methodik des textersetzenden Problemgesprächs im Ethikunterricht
- Strukturierung einer Unterrichtssequenz zur ethischen Urteilsbildung
Auszug aus dem Buch
2. Sachanalyse
Denken wir über die Seele nach, so denken wir vielleicht an unsere Gefühle, Empfindungen oder allgemein an unsere mentale Verfassung. Unsere Seele scheint also als Komponente unserer Gefühlslage verantwortlich zu sein. Wenn wir uns entspannen oder eine schöne Zeit mit Menschen verbringen, die wir gernhaben, so sprechen wir oft von Balsam für die Seele. In der Lehre des Ayurveda ist bestimmt, dass Körper und Seele untrennbar miteinander verbunden sind und sich, durch die Zwischenräume der Schnittstellen dieser beiden Komponenten, der Geist bildet. Auch hier wird davon gesprochen, dass wir uns gut fühlen, wenn Körper, Seele und Geist im Einklang sind. Christ*innen glauben, dass die Seele den Körper nach dem Tod verlässt, in den Himmel aufsteigt und ewig bei Gott leben wird. Buddhist*innen hingegen glauben, dass Seelen nach einer kurzen Ruhepause, in einen neuen Körper einfahren und wiedergeboren werden. Auch in der Philosophie ist die Frage nach der Seele, ihres Seins und ihrer Abgrenzung vom Körper als Solchem, eine der bedeutendsten Debatten.
Ein großes Kapitel in Aristoteles' De anima ist genau diesem Problem, der Frage nach der Seele, gewidmet. Zunächst definiert er die Seele als solche grundlegend, wie folgt: Die Seele ist, laut ihm, „anzusehen als das Prinzip für alles Leben.“ Das Leben lässt uns Beseeltes von Unbeseeltem unterscheiden und ist als Vielheit von Erscheinungen zu verstehen, wie etwa unseren Empfindungen, der Vernunft, der Bewegung und der Ruhe. Genauer ist die Seele als Form und somit Substanz natürlichen Körpers zu betrachten, der „potenziell Leben besitzt. Substanz als Form aber ist Entelechie, [...] die Seele „ist also Entelechie eines Körpers von der bezeichneten Art.“ Zusammengefasst „ist die Seele Entelechie, und zwar erste Entelechie eines natürlichen Körpers.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der aristotelischen Seelenlehre ein und erläutert die Anbindung an den Thüringer Bildungsplan sowie die Zielsetzung des Unterrichtskonzepts.
2. Sachanalyse: Dieses Kapitel liefert eine philosophische Fundierung zur Seelenlehre und zum Begriff der Glückseligkeit bei Aristoteles als Basis für den Fachunterricht.
3. Klarheiten: Hier werden die drei zentralen Erkenntnisziele definiert, die die Schüler*innen im Verlauf der Unterrichtsstunde erreichen sollen.
4. Didaktische Konzeption: Das Kapitel strukturiert den Unterrichtsverlauf, von der methodischen Einleitung bis hin zur detaillierten schrittweisen Planung der Doppelstunde.
5. Fazit: Das Fazit reflektiert die Stärken und Herausforderungen der gewählten methodischen Ansätze und bewertet deren Erfolg im Hinblick auf die Lehrplananforderungen.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Seelenlehre, De anima, Ethikunterricht, Didaktik, Glückseligkeit, Problemgespräch, Entelechie, Vernunftseele, Nährseele, Wahrnehmung, Unterrichtsplanung, Sachkompetenz, Anthropologie, Bildungsplan
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
In der Arbeit geht es um die fachdidaktische Vermittlung der aristotelischen Seelenlehre für Schüler*innen der 12. Klasse an einem Gymnasium.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der aristotelische Seelenbegriff, die Differenzierung der Seelenfunktionen sowie das Lebenskonzept der Glückseligkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, ein Unterrichtskonzept zu gestalten, das durch ein textersetzendes Problemgespräch eine Auseinandersetzung mit philosophischen Grundfragen ermöglicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode des textersetzenden Problemgesprächs eingesetzt, um die Schüler*innen zum eigenständigen Reflexionsprozess ohne direkte Textvorgabe zu motivieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Sachanalyse zur aristotelischen Lehre sowie die didaktische Planung des Doppelunterrichts inklusive Zielvorgaben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern gehören Aristoteles, Seelenlehre, Ethikunterricht, Didaktik, Glückseligkeit und Problemgespräch.
Wie werden die Schüler*innen in die aristotelischen Texte eingeführt?
Die Einführung erfolgt schrittweise, indem die Schüler*innen zunächst eigene Überlegungen zu ihren Lebenszielen anstellen, bevor sie diese mit den philosophischen Positionen von Aristoteles abgleichen.
Welche Rolle spielt die "Klarheit" im Unterrichtskonzept?
Die "Klarheiten" fungieren als definierte Lernziele, die den Fortschritt der Schüler*innen in der Doppelstunde steuern und strukturieren sollen.
Warum wird das Konzept eines "textersetzenden Problemgesprächs" favorisiert?
Diese Methode zielt darauf ab, das eigenständige Denken zu fördern und die Schüler*innen vor "vertexteten" Lernmethoden zu bewahren.
Wie gehen die Schüler*innen mit den Unterschieden zwischen Mensch, Tier und Pflanze um?
Dies wird durch eine Gruppenarbeit gelöst, in der die Schüler*innen die verschiedenen Arten der Lebensziele in einer Tabelle gegenüberstellen und analysieren.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Die Seelenlehre des Aristoteles. Ein Unterrichtskonzept für die 12. Klasse am Beispiel des textersetzenden Problemgesprächs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1395548