Als Phänomene, denen verschiedene Funktionen zugesprochen werden, finden sich Kunst und Musik interdisziplinär in Verbindung mit anderen Wissenschaftsfeldern wie der Kunst- oder Musikpädagogik wieder. Mein Erkenntnisinteresse liegt schwerpunktmäßig darin, eine Antwort auf die Frage zu finden, ob klangkünstlerische Ansätze Relevanz beziehungsweise Potenzial für den pädagogischen Kontext haben können und wie ein konkreter Anwendungsversuch aussehen könnte.
Aspekte, die im Rahmen des Versuches der Einordnung des Werkes "I’m sitting in a room" von Alvin Lucier genannt werden, können in diesem Rahmen nicht exakt eingeordnet werden, da sie dafür näher bestimmt werden müssten. Auch kann aus demselben Grund nicht erschöpfend auf die Intention des Künstlers Alvin Lucier in Bezug auf sein Werk "I’m sitting in a room" eingegangen werden.
Zunächst erfolgt demnach der Versuch eine Antwort auf die Frage zu finden, wie Klangkunst definiert werden kann und anschließend, wenn ja, wie das Werk "I’m sitting in a room" von Alvin Lucier, als ausgewähltes Beispiel für Klangkunst, unter klangkünstlerischen Aspekten nach Maes und Leman betrachtet werden kann. Darüber hinaus wird versucht, die künstlerische Intention des Künstlers Alvin Lucier in Bezug auf das Werk zu verdeutlichen und abschließend, der Frage nachzugehen, ob klangkünstlerische Ansätze Relevanz oder Potenzial für den pädagogischen Kontext haben können und wie ein konkreter Anwendungsversuch aussehen könnte. Abschließend erfolgt dann die finale Beantwortung der hier genannten Fragen auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Klangkunst, Begriffsdefinition nach Maes und Leman
3. Alvin Lucier, I’m sitting in a room
3.1 Alvin Lucier
3.2 I’m sitting in a room
4. Einordnung des Werkes
5. Das Potenzial von klangkünstlerischem Ansatz für unterrichtsdidaktische Arbeit
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit klangkünstlerische Ansätze ein Potenzial für den Musikunterricht an Schulen bieten können, indem sie das Werk „I’m sitting in a room“ von Alvin Lucier anhand der Definition von Maes und Leman analysiert und methodische Anknüpfungspunkte aufzeigt.
- Definition von Klangkunst anhand von 13 Kriterien nach Maes und Leman
- Biografische und künstlerische Einordnung von Alvin Lucier
- Analyse des Werkes „I’m sitting in a room“ als konkretes Klangkunstbeispiel
- Untersuchung des Potenzials klangkünstlerischer Ansätze für die musikpädagogische Praxis
- Methodische Anwendungsmöglichkeiten wie improvisatorische Spielformen im Musikunterricht
Auszug aus dem Buch
3.2 I’m sitting in a room
Da Luciers berühmtestes Werk I Am Sitting in a Room für Stimme und Raumakustik aus dem Jahr 1969 ist (Burt 2002), wird dieses zur genaueren Betrachtung mit Hinblick auf die Möglichkeiten der Einordnung mithilfe des vorgestellten Konzepts nach Maes und Leman herangezogen. Um zunächst einen generellen Eindruck von dem Werk zu bekommen, wird es hier im Folgendem zunächst grob beschrieben.
Das Stück beginnt damit, dass Lucier, allein in einem Raum sitzend eine Erklärung vorliest, die aufgenommen wird:
„I am sitting in a room different from the one you are in now. I am recording the sound of my speaking voice and I am going to play it back into the room again and again until the resonant frequencies of the room reinforce themselves so that any semblance of my speech, with perhaps the exception of rhythm, is destroyed. What you will hear, then, are the natural resonant frequencies of the room articulated by speech. I regard this activity not so much as a demonstration of a physical fact, but, more as a way to smooth out any irregularities my speech might have (Burt 2002)”.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeit einer klaren Definition von Klangkunst und formuliert das Erkenntnisinteresse, inwiefern solche Ansätze für den Schulunterricht relevant sein können.
2. Klangkunst, Begriffsdefinition nach Maes und Leman: In diesem Kapitel werden dreizehn Kriterien nach Maes und Leman vorgestellt, die als empirische Bezugsnorm zur Identifikation von Klangkunst dienen.
3. Alvin Lucier, I’m sitting in a room: Das Kapitel gibt einen biografischen Überblick über Alvin Lucier und beschreibt dessen wegweisendes Werk „I’m sitting in a room“ als Fallbeispiel einer psychoakustischen Untersuchung.
4. Einordnung des Werkes: Das Werk von Lucier wird schrittweise anhand der 13 Kriterien nach Maes und Leman analysiert und die künstlerische Intention des Komponisten in Bezug zur Rezeption gesetzt.
5. Das Potenzial von klangkünstlerischem Ansatz für unterrichtsdidaktische Arbeit: Hier wird der Transfer der Klangkunst in den Musikunterricht geprüft, wobei insbesondere improvisatorische Ansätze als niederschwellige, inklusive Lehrmethoden evaluiert werden.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass klangkünstlerische Ansätze trotz definitorischer Hürden als ergänzende, sinnvolle Methoden für den schulischen Musikunterricht dienen können.
Schlüsselwörter
Klangkunst, Alvin Lucier, Maes und Leman, Musikpädagogik, I’m sitting in a room, Psychoakustik, Improvisation, Musikunterricht, Raumakustik, experimentelle Musik, künstlerischer Ansatz, Didaktik, Klang, künstlerischer Kompetenzerwerb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Schnittstelle von Klangkunst und Musikpädagogik und untersucht, wie klangkünstlerische Prinzipien, illustriert am Werk von Alvin Lucier, in den schulischen Musikunterricht integriert werden können.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Die Kerngebiete sind die theoretische Definition von Klangkunst, die Analyse von Alvin Luciers Werk „I’m sitting in a room“ und die Methodik der musikpädagogischen Umsetzung künstlerischer Strategien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel besteht darin zu klären, ob klangkünstlerische Ansätze Potenzial für die schulische Unterrichtspraxis bieten und wie diese in die bestehenden Lehrpläne sinnvoll eingebunden werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin nutzt das 13-Kriterien-Modell von Maes und Leman zur systematischen Definition und Einordnung von Klangkunstwerken.
Was ist der inhaltliche Schwerpunkt im Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch Maes und Leman, die Einordnung des Werkes von Lucier und die anschließende pädagogische Reflexion über Improvisationsansätze als Mittel der Kompetenzförderung.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Klangkunst, Musikpädagogik, Improvisation, Psychoakustik und Kompetenzerwerb im schulischen Kontext.
Wie definiert die Autorin die Bedeutung des Raumes im Werk von Alvin Lucier?
Der Raum fungiert in „I’m sitting in a room“ nicht nur als Ort, sondern als aktiver Filter, der die Resonanzfrequenzen der menschlichen Stimme durch wiederholte Aufnahme und Wiedergabe schrittweise ausfiltert und verstärkt.
Warum wird Alvin Luciers Arbeit als „Türöffner“ bezeichnet?
Sie wird als Türöffner gesehen, da sie dazu anregt, experimentelle Klänge jenseits traditioneller musikalischer Notationen zu erforschen und die Aufmerksamkeit auf physikalische Naturphänomene von Schall zu lenken.
Welche Rolle spielt die Improvisation für das untersuchte pädagogische Potenzial?
Improvisation dient als niederschwelliges, inklusives Werkzeug, das keine spezifischen Vorkenntnisse verlangt und somit Schwellenängste bei Schülern abbaut, während sie gleichzeitig die ästhetische Wahrnehmung fördert.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Klangkunst im künstlerischen und pädagogischen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1395571