Die Konzeption der Frauenkonstellation in Schnitzlers Novelle Frau Berta Garlan ist vor allem durchaus von der weiblichen Hauptfigur abhängig, von derer Perspektive sie auch der Text auffasst und beschreibt. Die eventuellen Kontakte, bzw. Beziehungen untereinander werden nicht geschildert. Sie sind keine interessanten Frauen, sie werden nur ganz wahrhaft und in all ihren aufschlussgebenden Zügen fesselnd offenbart. Alle die Frauen dienen Berta als Spiegel, in dem sie sich selbst betrachtet und mit den anderen Frauen vergleicht. Nicht nur Berta als Hauptfigur macht den Prozess der Selbstfindung und Selbstverwirklichung durch, aber nur bei ihr wird dem Gedankengang gefolgt. Die anderen Frauen verhalten sich eher passiv und wenn sie schon, wie zum Beispiel Frau Rupius, über sich selbst entscheiden wollen, werden sie dafür bestraft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Figurenkonstellation anhand der Handlung – Übersicht
3. Berta Garlan
4. Cousine Agathe
5. Schwägerin Albertine
6. Anna Rupius
7. Die anderen Frauen
8. Kinder
9. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konzeption der Frauenkonstellation in Arthur Schnitzlers Novelle „Frau Berta Garlan“. Im Zentrum steht die Analyse der weiblichen Hauptfigur, ihrer Charakterisierung sowie ihrer Interaktionen mit anderen Frauenfiguren im Text, wobei untersucht wird, wie sich diese Beziehungen im Laufe der Handlung entwickeln und durch den Wahrnehmungshorizont der Protagonistin geprägt werden.
- Analyse der weiblichen Figurenkonstellation und ihrer gegenseitigen Beeinflussung.
- Untersuchung der Entwicklung weiblicher Identität und Selbstwahrnehmung um 1900.
- Darstellung der sozialen Position der Frau und der Doppelmoral der damaligen Zeit.
- Betrachtung von Ehemustern und dem Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichem Ideal und Realität.
Auszug aus dem Buch
3. Berta Garlan
Frau Berta Garlan ist Hauptfigur der gleichnamigen Novelle, sie ist hierbei auch die zentrale Figur der Frauenkonstellation. Die Geschichte wird von Bertas Perspektive erzählt in einem personalen Erzählstil, der Bertas Sicht grammatikalisch durch die dritte Person filtert und zwischen Präteritum und Präsens wechselt. Sie fungiert zum einen als wahrnehmende und erlebende, zum andern als eine meditierende Reflektorfigur. Was Berta denkt und fühlt, wird im Medium der erlebten Rede wiedergegeben. An manchen Stellen nähern sich Bertas Bewusstseinsinhalte stark der Unmittelbarkeit des Inneren Monologs. Nur im Moment der größten Aufregung Bertas wechselt der Erzählstil kurz in die Ichform. Eben dieser Erzählstil der erlebten Rede ermöglicht eine sehr genaue Einsicht in die Beziehungen der Hauptfigur zu den anderen Personen.
Berta selbst ist eine ziemlich uninteressante Frauenfigur, die einen bestimmten Typus der jungen Witwe und deren soziale Position in der Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts darstellt. Sie ist selbst kein aktiver Mensch, sie wird sozusagen von außen, von den anderen Menschen zum Handeln bewogen, was natürlich auch dem typischen Frauenbild dieser Zeit durchaus entspricht. Sie gibt das Studium am Konservatorium auf, weil es ihr Vater verlangt, ebenso endet ihre Jugendliebe. Drei Jahre nach dem Tod ihres Mannes, „nachdem erst der Schmerz und dann die Traurigkeit über das Hinscheiden ihres Mannes überwunden war“, fühlte sie sich „wieder ganz zufrieden und heiter“. (S. 11f.) Zu dieser Zeit mit Frühlingsbeginn erwacht jedoch in Berta ihre verdrängte Sexualität und da fängt auch die eigentliche Handlung an, die ständig mit Bertas Erinnerungen an die Vergangenheit in Wien unterbrochen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themen Ehe, uneheliche Beziehung und die Stellung der Frau um 1900 in Schnitzlers Novelle ein und umreißt die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2. Figurenkonstellation anhand der Handlung – Übersicht: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über den Lebensweg der Hauptfigur Berta Garlan und skizziert die wesentlichen zwischenmenschlichen Beziehungen im novellistischen Kontext.
3. Berta Garlan: Hier wird die Hauptfigur als Reflektorfigur analysiert, wobei ihr Erzählstil und ihre soziale Rolle im Kontext des ausgehenden 19. Jahrhunderts beleuchtet werden.
4. Cousine Agathe: Das Kapitel untersucht das enttäuschende Wiedersehen mit der Kindheitsfreundin und Bertas damit verbundene Erkenntnis über die Schattenseiten konventioneller Ehen.
5. Schwägerin Albertine: Diese Sektion widmet sich der Projektionsfigur Albertine und enthüllt im weiteren Verlauf der Handlung deren verborgene Lebensumstände.
6. Anna Rupius: Die Analyse konzentriert sich auf die ambivalente Freundschaft zu Anna Rupius, die als emanzipiertes Pendant zu Berta dient und eine zentrale Rolle in Bertas Entwicklung einnimmt.
7. Die anderen Frauen: Hier werden Nebenfiguren wie Frau Martin betrachtet, die für Berta als Negativbeispiele bürgerlicher Lebensführung dienen und ihr Bedürfnis nach Abgrenzung verstärken.
8. Kinder: Dieser Abschnitt befasst sich mit der Rolle der Kinder im Leben der Protagonistin und stellt fest, dass die Mutterrolle oft hinter die eigene psychische Befindlichkeit zurücktritt.
9. Schluss: Die Zusammenfassung reflektiert den Prozess der Selbstfindung der Hauptfigur und die allgemeine Darstellung von Ehe und Gesellschaft in der Novelle.
Schlüsselwörter
Frauenkonstellation, Berta Garlan, Arthur Schnitzler, Novelle, Frauenbild, Identitätsfindung, gesellschaftliche Doppelmoral, Eheerfahrung, personale Erzählweise, psychologische Studie, Weiblichkeit, 1900, soziale Rollen, Selbstverwirklichung, Kleinstadtmilieu.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Analyse der Frauenkonstellation in Arthur Schnitzlers Novelle „Frau Berta Garlan“ und untersucht, wie die Protagonistin durch ihre Mitmenschen und die dort herrschenden gesellschaftlichen Strukturen geprägt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen das Frauenbild um 1900, die institutionelle Ehe, die psychologische Entwicklung der Heldin durch ihre Beziehungen zu anderen Frauen sowie der Kontrast zwischen bürgerlichem Schein und individueller Realität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, die Charakterisierungen der Frauengestalten und ihre Wechselbeziehungen zu analysieren, um aufzuzeigen, wie sich diese während der Handlung entwickeln und welche Rolle die Protagonistin in diesem sozialen Gefüge einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine textanalytische Methode, basierend auf der Novelle selbst, und zieht literaturwissenschaftliche Sekundärliteratur zur Interpretation des Erzählstils und der Figurenkonstellation heran.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Einzelanalysen der wichtigsten weiblichen Charaktere (Berta, Agathe, Albertine, Anna Rupius), betrachtet die Bedeutung von Nebenfiguren und Kindern und untersucht die Interaktionsmuster im Kleinstadtmilieu.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Frauenkonstellation, Identitätsfindung, Ehekritik, gesellschaftliche Doppelmoral und psychologische Reflektorfigur charakterisieren.
Welche Bedeutung kommt der Figur der Anna Rupius in der Novelle zu?
Anna Rupius fungiert als Pendant zur Protagonistin Berta Garlan. Sie verkörpert ein selbstbewussteres Frauenideal, das Berta einerseits bewundert, dessen tragisches Schicksal ihr aber gleichzeitig als Warnung dient.
Warum spielt der Erzählstil bei der Analyse der Hauptfigur eine so wichtige Rolle?
Der personale Erzählstil, insbesondere das Medium der erlebten Rede, ermöglicht es dem Leser, Bertas Innenleben, ihre Zweifel und ihr psychologisches Schwanken präzise nachzuvollziehen und ihre Wahrnehmung der Mitmenschen direkt zu erfahren.
- Quote paper
- Anezka Misonová (Author), 2009, Konzeption der Frauenkonstellation in Schnitzlers "Frau Berta Garlan", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139581