Der 8. Mai 1945 – Dresden liegt schon in Schutt und Asche, Mussolini und seine Geliebte Clara Petacci sind unlängst von Partisanen erschossen worden, Hitlers und Eva Brauns Leichen ruhen verbrannt im Garten der Reichskanzlei. Die Wehrmacht ist besiegt, der Volkssturm abgeflaut, der Krieg, der nie hätte beginnen dürfen, ist aus, viel zu spät. Nachts zuvor unterzeichneten die Generäle von Friedeburg und Jodl die bedingungslose Kapitulation bereits in Reims, nun aber, da die Kapitulationsurkunde im sowjetischen Hauptquartier in Karlshorst von General Keitel ratifiziert wurde, war die Einstellung aller Kampfhandlungen zumindest in Europa vollbracht1. 7,3 Millionen Deutsche ließen in diesem fast sechs Jahre dauernden Inferno ihr Leben, davon 2,5 Millionen Zivilisten. Die Verluste aller anderen teilnehmenden Staaten betrugen nach dem verheerenden Feldzug der Verbände der Wehrmacht und der SS in ganz Europa unvorstellbare 47 Millionen Menschen2, davon hatte die Sowjetunion den Löwenanteil zu beklagen. Im Zweiten Weltkrieg starben schätzungsweise 20 bis 30 Millionen Soldaten der Roten Armee und sowjetische Zivilisten3.
Aber wie nun weiter? Natürlich hatte es bereits zuvor Beratungen der Siegermächte gegeben. Einig war man sich u.a. gewesen über die komplette Besetzung Nazideutschlands. Die Fehler, welche unbestritten nach dem Ersten Weltkrieg gemacht wurden und die quasi den Weg in dieses neuerliche Blutbad ebneten, sollten keinesfalls wiederholt werden. Zu diesen früheren Nachlässigkeiten gehörte allerdings auch die Reparationsfrage. Nach dem vorherigen Krieg war weder die genaue Höhe noch die Art und Weise der deutschen Verpflichtungen gegenüber den Gläubigern festgelegt worden, was immer wieder Anlass zu Spekulationen bot und für unnötigen Konfliktstoff sorgte. Nachbesserungen bzw. erstmalige Festlegungen wurden nötig, bis nach längeren heftigen Streitigkeiten die Einstellung der Reparationen nur noch eine Formsache war. Im Folgenden soll nun untersucht werden, wie die Reparationsfrage nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gehandhabt wurde, und dies am Beispiel der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ).
Inhaltsverzeichnis
0. Einführung
I. Die Planungen der Alliierten
1. Die Verhandlungen vor Kriegsende
2. Die Forderungen der UdSSR
3. Das Abkommen von Potsdam
II. Die Reparationen in der SBZ
1. Demontagen
2. Plünderungen, Trophäenjagd und Konfiskationen
3. Reparationsleistungen aus der laufenden Produktion
3.1. Die Sowjetischen Aktiengesellschaften
3.2. Die AG Wismut
IV. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Hausarbeit untersucht die Reparationspolitik der Sowjetunion gegenüber der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) im Zeitraum von 1945 bis 1949. Ziel ist es, die Entwicklung der Reparationsforderungen, die verschiedenen Formen der Leistungsentnahme sowie deren Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft und die politische Teilung Deutschlands nachzuzeichnen.
- Diplomatische Verhandlungen der Alliierten zur Reparationsfrage
- Die verschiedenen Ausprägungen der sowjetischen Reparationspraxis
- Strukturelle Auswirkungen von Demontagen und Plünderungen
- Etablierung und Funktionsweise der Sowjetischen Aktiengesellschaften (SAG)
- Der Sonderfall der AG Wismut als Instrument der sowjetischen Interessen
Auszug aus dem Buch
3.2. Die AG Wismut
Die Funktionsweise der Sowjetischen Aktiengesellschaften lässt sich wohl am besten am Beispiel des für die SU wertvollsten und bis zur deutschen Einheit nicht an die DDR übergebenen Werkes erläutern, der AG Wismut.
Wie bedeutend die sächsisch-thüringischen Uranvorkommen für die politischen und militärischen Ambitionen der UdSSR nach den Atombombenabwürfen von Hiroshima und Nagasaki geworden war, ist nur zu evident. Deswegen ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die um die Uranbergbauregionen der Wismut gelegenen Gebiete von 1946 bis 1956 militärischer Sperrbezirk waren.
Offiziell eingetragen in das Handelsregister wurde die AG (oder SAG) Wismut am 17. Juli 1947, wobei die staatliche Rüstungsbetriebe der UdSSR und die Moskauer Wismut als Gründer agierten. Der Leitung stand unter dem Vorsitz des NKWD-Generals Michail Mittrofanowitsch Malzew, also einem Volkskommissar für innere Angelegenheiten, der die AG zu einem militärisch geführten und kommandierten Unternehmen machte. Bald darauf wurde die AG zu einem Sammelbegriff für unzählige ihr angegliederte Einzelbetriebe, die nicht allein Uran abbauten und es aufbereiteten, es gab darunter ebenso Betriebe, die Ausrüstungen für Bergwerke produzierten, wie solche, die für die Versorgung der Arbeiterschaft zuständig waren. Daneben wurde eine wismuteigene Polizei, ja sogar Stasieinheiten, geschaffen, gleich einer Justiz, einer unabhängigen Handelsorganisation, einem autonomen Sozialversicherungsnetz und sogar der Feriendienst war gesondert geregelt. Das machte die Wismut zu einem ‚Staat im Staate’, zu dem der Zutritt nur mit Spezialgenehmigung gestattet war, einem völlig autarken, den sowjetischen Geheimhaltungsvorstellungen entsprechenden Unternehmen, dessen Sonderstatus bis zum Ende der sowjetischen Befehlsgewalt aufrecht erhalten blieb. Für das Reparationskonto aber war entscheidend, dass nur die aufbereiteten Mengen des Erzgesteins berechnet wurden, was für die SBZ extrem hohe Betriebsaufwendungen und Folgekosten verursachte.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einführung: Diese Einleitung skauziert die historische Ausgangslage nach Ende des Zweiten Weltkriegs und stellt die methodische Herangehensweise sowie die Quellenlage der Untersuchung vor.
I. Die Planungen der Alliierten: Dieses Kapitel behandelt die diplomatischen Vorbereitungen und Konferenzen der Siegermächte von 1941 bis zum Potsdamer Abkommen 1945.
II. Die Reparationen in der SBZ: Hier werden die konkreten Entnahmeformen wie Demontagen, Beutezüge und laufende Produktionsleistungen in der Sowjetischen Besatzungszone detailliert analysiert.
IV. Resümee: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Rolle der Reparationspolitik im Kontext der deutschen Teilung.
Schlüsselwörter
Reparationen, Sowjetische Besatzungszone, SBZ, Demontagen, Sowjetische Aktiengesellschaften, SAG, AG Wismut, Uranbergbau, Alliierte, Potsdam, Kriegsentschädigung, SMAD, Wirtschaftspolitik, Deutschlandpolitik, Nachkriegszeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Reparationspolitik der Sowjetunion in ihrer Besatzungszone (SBZ) in den Jahren 1945 bis 1949.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die diplomatischen Verhandlungen der Anti-Hitler-Koalition, die verschiedenen Arten der Reparationsentnahme und die ökonomische Ausbeutung durch die Sowjetunion.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Handhabung der Reparationsfrage und deren nachhaltige Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft und die politische Entwicklung zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literatur- und Quellenanalyse, einschließlich Zeitzeugenberichten und offiziellen Dokumentensammlungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Phasen der Demontagen, die Rolle der Roten Armee bei Plünderungen sowie das System der Sowjetischen Aktiengesellschaften.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Reparationen, SBZ, Demontagen, SAG und Uranbergbau charakterisiert.
Was war die Funktion der Sowjetischen Aktiengesellschaften (SAG)?
Die SAG dienten dazu, Reparationsansprüche der UdSSR effizienter durch direkte Kontrolle über wichtige Industriebetriebe in der SBZ zu sichern, statt diese lediglich zu demontieren.
Warum nahm die AG Wismut eine Sonderrolle ein?
Die AG Wismut war aufgrund der Förderung des für die sowjetische Atombewaffnung essenziellen Urans ein hochgradig autarker „Staat im Staate“ mit militärischem Sonderstatus.
Welche Rolle spielten die Demontagen für die deutsche Wirtschaft?
Demontagen führten zu einer massiven Schwächung der ostdeutschen Industriekapazitäten, da etwa 30 % des Produktionsvermögens abgetragen wurden.
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- M. A. Ben Büttner (Author), 2005, Die Verhandlungen im Vorfeld und die Reparationen in der Sowjetischen Besatzungszone 1945 bis 1949, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139585