„I think this breaks the rules for videos“ - so Bangalter, Mitglied von „Daft Punk“, zu deren Musikvideo „Da Funk“. Ob er damit richtig lag, wird sich am Ende dieser Arbeit herausstellen.
Die Musik des französischen Duos „Daft Punk“ war Mitte/Ende der 1990er revolutionär, sie gelten als die Miterfinder des so genannten „French Touch/ House“.
Die Single „Da Funk“ aus dem Album „Homework“ war ihr erster internationaler Erfolg. Und auch das Musikvideo sollte eine Revolte machen. Der US-amerikanische Regisseur Spike Jonze übernahm die Umsetzung der Visualisierung von „Da Funk“.
Auf den ersten Blick scheint das Video eine recht unspektakuläre Erzählung eines schrägen Menschenhund-Wesens.
Es wird von den Rezipienten sehr unterschiedlich gesehen und interpretiert, wie einige Beispiel-Kommentare zeigen:
“hes [Charles] obviously poor and music is the only thing”,
“the weirdest music video I've ever seen”,
“he just cant live without music”,
“feel like a piece of garbage or in this case "dog"”,
“I Think They Don't Like Him Cause He Has A Dog's Head”,
“no its because hes holding a radio with techno music”.
Jonze gelang mit dem Video jedoch auf den zweiten Blick eine Symbiose aus den Medien Musikvideo und Film. Die Hierarchie zwischen Bild, Geräuschen/ Text und der Musik werden auf en Kopf gestellt und wechseln während des Videos ständig.
Die Diegese des Musikclips wandelt, wie bereits der Titel dieser Arbeit verrät, zwischen Musikvideo und Film. Genau diesem Phänomen wird im Folgdenen nachgegangen. Auf den Spuren der Diegese von „Da Funk“ wird zuerst eine theoretische Einführung zum Hauptaugenmerk der Arbeit, der Diegese gegeben. Anschließend wird die Entstehung, sowie die Musik der Band „Daft Punk“, ebenso der Regisseur Spike Jonze vorgestellt. Im Hauptteil werden schließlich die theoretischen Ansätze in der Analyse auf das Musikvideo angesetzt und ausgewertet.
Inhaltsverzeichnis
1. VORWORT
2. EINFÜHRUNG
2.1 ABGRENZUNG MUSIKVIDEO UND FILM
2.2 DIEGESE NACH SOURIAU AUS DER FILMOLOGIE
3. DIE KÜNSTLER „DAFT PUNK“ UND SPIKE JONZE
4. ANALYSE
4.1 ANALYSE DES MUSIKVIDEOS „DA FUNK“ NACH SEQUENZEN MIT FOKUS AUF DIE DIEGESE
4.2. MAKROPROZESSE UND FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Musikvideo „Da Funk“ der Band „Daft Punk“ unter der filmtheoretischen Perspektive der Diegese. Ziel ist es zu analysieren, wie der Regisseur Spike Jonze die Grenzen zwischen der fiktiven Welt des Musikvideos und filmischen Erzählstrukturen verwischt und wie dabei die Hierarchie zwischen Bild, Musik und Geräuschen neu definiert wird.
- Diegetische vs. nondiegetische Elemente in Musikvideos
- Strukturelle Analyse von Musikvideos nach filmtheoretischen Modellen
- Die Rolle der Musik als Erzählelement und Handlungsquelle
- Einfluss von Spike Jonzes Regiestil auf die Interpretation
Auszug aus dem Buch
4.1 Analyse des Musikvideos „Da Funk“ nach Sequenzen mit Fokus auf die Diegese
Der Musikclip „Da Funk“ beginnt mit dem Bild einer Straßenkreuzung in einer Großstadt. Stadtgewimmel und Autolärm sind zu hören. Die Szene wird im Schnelllauf (Zeitraffer) abgespielt. Der Name der Interpreten „Daft Punk“, sowie anschließend der Titel des Clips „Big City Nights“ werden über das Szenenbild eingeblendet. Bis dahin ist noch keine Musik hörbar. Der Musikclip beginnt ähnlich wie ein Film anstelle der Produktionsfirma, wie beispielsweise „Columbia Pictures presents“ steht hier zu Beginn „Daft Punk presents“ und anschließend der Titel des Clips und nicht der Songtitel „Da Funk“. Bereits hier wird deutlich, dass das Thema Großstadtgewimmel bei Nacht in diesem Video auf der bildlichen Ebene eine größere Rolle einnehmen wird. Schließlich hat das Video hier einen eigenen Titel, obwohl es eigentlich die Visualisierung eines Songs ist.
Diese eingeblendeten Schriften sind nach Fuxjäger nondiegetisch, da sie auf den Handlungsraum und den Verlauf der Geschichte nicht einwirken. Sie informieren den Rezipienten auf der filmophanischen Ebene, spielen im filmischen Universum jedoch keine Rolle.
In dieser ersten Szene, in der der Hauptakteur das erste Mal auftritt, sowie in den folgenden Szenen, wird das filmische Universum vorgestellt. Der diegetische Raum beinhaltet eine Großstadt bei Nacht, mit viel Verkehr und munterem Treiben, vielen Menschen, außerdem lässt die Weihnachtsdekoration im Schaufenster in 01:53 vermuten, dass in dieser Welt das Weihnachtsfest vor der Tür steht. Die diegetische Zeit bleibt in diesem Video bei einer abendlichen Uhrzeit, es bleibt dunkel, es vergehen also ein paar Stunden am Abend. Das Oberteil des Hauptakteurs gleicht einem Baseball-Sweatshirt mit der Aufschrift „New York“ und einem wappenartigen Logo in der Mitte. Auch erklärt Béatrice, eine alte Bekannte, später im Video, dass sie in „Downtown“ lebt, was New York als Vorbild für die Stadt in dieser filmischen Welt vermuten lässt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. VORWORT: Diese Einleitung stellt das Musikvideo „Da Funk“ vor und formuliert die grundlegende Forschungsfrage zur Symbiose von Musikvideo und Film.
2. EINFÜHRUNG: Hier werden die theoretischen Grundlagen zur Abgrenzung von Musikvideo und Film sowie das Konzept der Diegese nach Etienne Souriau dargelegt.
3. DIE KÜNSTLER „DAFT PUNK“ UND SPIKE JONZE: Dieses Kapitel liefert biografische Hintergründe zu dem Musikduo sowie dem Regisseur und erläutert ihren Einfluss auf die Produktion von „Da Funk“.
4. ANALYSE: Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte, sequenzielle Untersuchung des Musikvideos hinsichtlich diegetischer Strukturen sowie eine abschließende Interpretation der Makroprozesse.
Schlüsselwörter
Musikvideo, Da Funk, Daft Punk, Spike Jonze, Diegese, Filmtheorie, Filmmusik, Bild-Ton-Hierarchie, Narrative Struktur, Dokumentarfilm, Charles, Musikfernsehen, filmisches Universum, audiovisuelle Analyse, Popkultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Musikvideo „Da Funk“ von „Daft Punk“ aus einer filmwissenschaftlichen Perspektive, insbesondere unter Anwendung des Diegese-Begriffs nach Etienne Souriau.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Wechselbeziehungen zwischen dem Medium Musikvideo und dem Film, die Bedeutung der auditiven Ebene und die filmische Gestaltung durch Spike Jonze.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, wie das Video durch eine spezifische Erzählweise und die Behandlung von Sound die üblichen Genregrenzen zwischen Musikclip und filmischer Dokumentation überschreitet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine sequenzielle Inhaltsanalyse, bei der das Video auf Basis der Theorie des filmischen Universums von Souriau in ihre Bestandteile (Bild, Zeit, Raum, Musik) zerlegt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der einzelnen Sequenzen des Clips und eine abschließende Synthese der Makroprozesse, die die künstlerische Absicht beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Diegese, Musikvideo, filmisches Universum, visuelle Kohärenz und die mediale Schnittstelle zwischen Song und Narrativ.
Welche Rolle spielt die Figur des „Menschenhundes“?
Die Figur Charles fungiert als zentraler Protagonist, dessen hundeähnliches Aussehen in der Welt des Videos als völlig normal hingenommen wird, was die absurde, dokumentarische Note des Clips unterstreicht.
Wie verändert sich die Musik im Video?
Die Musik wechselt ständig zwischen diegetischer Funktion (als Quelle im Bild, z.B. aus dem Radio) und nondiegetischer Untermalung, was die filmische Immersion des Zuschauers beeinflusst.
Welche Bedeutung hat das „Radio“ im Musikvideo?
Das Radio ist ein zentraler Requisit, das die Musik physisch in die Welt der Charaktere einbettet und eine ständige, nicht ausschaltbare Präsenz darstellt, die für den Protagonisten zugleich Segen und Last ist.
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- Christina Huber (Author), 2009, Diegese zwischen Film und Musikclip, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139601