Für viele Historiker markiert die Französische Revolution von 1789 den Übergang von der Frühen Neuzeit, welche mit der Reformation begann, zur Moderne. Sie wird somit als bestimmender Ausgangspunkt der modernen Welt verstanden.
Die Französische Revolution wird gemeinhin in ihrer Bedeutung als historisches Schlüsselereignis höher eingeschätzt als die Amerikanische Revolution von 1776, auch wenn diese in der Entwicklung der Demokratie viele Inhalte des französischen Weges vorwegnahm und anregte. So auch die renommierte Politikwissenschaftlerin Hannah ARENDT in ihrem Werk „Über die Revolution“, in welchem sie die beiden Revolutionen interpretiert und miteinander vergleicht. Arendt betont Kapitel einerseits den großen Einfluss der US-amerikanischen Gesellschaft vor der Amerikanischen Revolution auf die europäischen Völker, bewertet sie aber andererseits als für die weiteren europäischen Revolutionen folgenlos.
Eine Hauptursache für diese höhere Bedeutungszuschreibung liegt in dem Umstand, dass die Amerikanische Revolution zwar durchaus eine politische, aber keine soziale Revolution war. Sie war ausschließlich von dem Ziel „Liberty“ bestimmt, die Französischen Revolution hingegen wurde unter dem Leitspruch „Liberté, Ègalité, Fraterite“ geführt und war wesentlich radikaler, gewalttätiger und nachhaltiger. Währender der Ursprung der Amerikanischen Revolution im Auflehnen und Loslösen der Kolonien gegenüber dem Mutterland lag und durch die Worte „No taxation without representation“ ihren politischen Charakter betont, markiert die Französische Revolution einen Wendpunkt in Europa, da nicht nur ein bestehendes politisches Herrschaftssystem, der Absolutismus und das Ancien Régime, gestürzt wurde sondern eine ganze Gesellschaftsordnung, die des Feudalismus, zu Fall kam.
Die geschichtswissenschaftliche und gesellschaftspolitische Überbetonung der Bedeutung der Französischen Revolution ist zum Teil in der geographischen und politischen Isolation Amerikas am Ende des 18. Jahrhunderts begründet und nicht zuletzt auch Ausdruck einer eurozentristischen Weltsicht, die viele Jahrhunderte das europäische Denken bestimmt hatte.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 Die Bedeutung der Französischen Revolution
1.2 Die Forschungsliteratur und eine Themenauswahl
2 FRANKREICH IM ZEITALTER DES ABSOLUTISMUS UND DER AUFKLÄRUNG
2.1 Die Idee des Absolutismus und des Ancien Régime in Frankreich
2.2 Aufklärung
2.2.1 Staatstheoretische Ideen der Aufklärung
2.2.2 Politische Kultur und die Entstehung einer öffentlichen Meinung
3 DIE POLITISCHE STRUKTUR FRANKREICHS AM VORABEND DER REVOLUTION
3.1 Das „alte“ Frankreich von 1630-1730/1760
3.1.1 Frankreich als „gemäßigte Monarchie“
3.1.2 Die Entstehung einer „unumschränkten“ Monarchie
3.2 Politische Systemkrise und Verfassungswirklichkeit
3.2.1 Schwache Herrscher und Verschwendungssucht des Hofes
3.2.2 Unvollendeter Absolutismus
3.2.3 Die Reformunfähigkeit des Staates
4 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die politischen Ursachen der Französischen Revolution, wobei der Fokus gezielt auf den Strukturproblemen der französischen Monarchie sowie dem Spannungsfeld zwischen absolutistischer Tradition und aufklärerischen Reformbestrebungen liegt.
- Die Entwicklung Frankreichs von der „gemäßigten“ zur „unumschränkten“ Monarchie.
- Die Rolle der Aufklärung und die Entstehung einer kritischen öffentlichen Meinung.
- Die strukturelle Systemkrise am Vorabend der Revolution (Finanzkrise und Reformunfähigkeit).
- Das Spannungsverhältnis zwischen der Krone und den privilegierten Zwischengewalten.
Auszug aus dem Buch
Die Entstehung einer „unumschränkten“ Monarchie
Im 17. und 18. Jahrhundert hatte sich die „gemäßigte Monarchie“ zunehmend in eine „unumschränkte Monarchie“ (monarchie absolue) entwickelt, hin zu einer monarchischen Verfassung mit tendenzieller, jedoch nur teilweise verwirklichter Vereinigung aller obrigkeitlichen Gewalten in der Hand der Regierung – woraufhin SCHULIN vom unvollendeten Absolutismus spricht, der von „Zwischengewalten“ gehemmt wurde. Diese Entwicklung hat sich in mehreren Phasen vollzogen. Unter Richelieu, Mazarin und Ludwig XIV. hatte die Regierung das Recht in Anspruch genommen, die ihr traditionellerweise gesetzten Schranken im Falle eines offenkundigen und von ihr definierten Notstandes zu durchbrechen und an Stelle der „ordentlichen Gewalt“ eine „absolute Gewalt“ zu setzen, d.h. nach Zweckmäßigkeitserwägungen, nach Staatsraison vorzugehen.45 Ludwig XIV. schuf ein Regierungssystem mit noch nie zu vor erreichten Autoritätsgrad, auch wenn ihm der zusammenhängende logische Aufbau nicht gelang.46 Seit den späten 1680er Jahren ist der Prozess der Durchsetzung und Konsolidierung des absolutistischen Anspruchs des symbolisch in der Person des „Sonnenkönigs“ verkörperten Staates in Frankreich weitgehendes abgeschlossen.47 Durch die Kardinäle Richelieu und Mazarin wurde Frankreich in der Mitte des 17. Jahrhunderts zu einem zentral regierten Staat ausgebaut. Ludwig XIV. war Mittelpunkt des Staates, wie das Prunkschloss „Versailles“ als Sinnbild für den „Sonnenkönig“ steht. Umgeben war er von Adel und Klerus. Die Bürger und Bauern litten unter den hohen Steuern. Der königliche Hof diente zur Selbstdarstellung für die absolute Monarchie - eine Verherrlichung zu deren Vorbild der französische Hof im Schloss Versailles wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Hier wird die herausragende historische Bedeutung der Französischen Revolution thematisiert und das methodische Vorgehen der Arbeit begründet.
2 FRANKREICH IM ZEITALTER DES ABSOLUTISMUS UND DER AUFKLÄRUNG: Dieses Kapitel analysiert die theoretischen Grundlagen der absoluten Monarchie und den entscheidenden Einfluss aufklärerischer Ideen auf das politische Bewusstsein.
3 DIE POLITISCHE STRUKTUR FRANKREICHS AM VORABEND DER REVOLUTION: Der Hauptteil beleuchtet die strukturellen Krisen, die Reformunfähigkeit des französischen Staates und das Konfliktpotenzial durch privilegierte Schichten.
4 FAZIT: Abschließende Betrachtung der Französischen Revolution als tiefgreifender Umbruchprozess, der den Übergang zur Moderne markiert.
Schlüsselwörter
Französische Revolution, Absolutismus, Ancien Régime, Aufklärung, Ludwig XIV., Ludwig XVI., politische Kultur, Reformunfähigkeit, Zwischengewalten, Staatsverschuldung, Souveränität, Ständegesellschaft, Monarchie, öffentliche Meinung, Systemkrise.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die politischen Ursachen, die im 18. Jahrhundert zur Französischen Revolution führten.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen die Struktur der französischen Monarchie, die Entwicklung des Absolutismus und die Spannungen zwischen der Krone und den privilegierten Ständen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie strukturelle politische Defizite und die Reformunfähigkeit des Staates den Zusammenbruch des Ancien Régime begünstigten.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung relevanter geschichtswissenschaftlicher Fachliteratur zur politischen Geschichte Frankreichs.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der politischen Systemkrise, der Rolle der Aufklärung bei der Herausbildung einer öffentlichen Meinung und den gescheiterten Reformversuchen unter Ludwig XVI.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Absolutismus, Ancien Régime, Reformunfähigkeit und politische Systemkrise beschreiben.
Was genau versteht man unter dem in der Arbeit genannten „unvollendeten Absolutismus“?
Der Begriff beschreibt den Zustand, in dem die absolute Macht des Königs durch sogenannte „Zwischengewalten“ wie Parlamente und Adel in der Praxis gehemmt wurde.
Warum wird die Rolle von Ludwig XVI. in der Arbeit als kritisch bewertet?
Der Autor zeigt auf, dass der Herrscher als willensschwach und reformunfähig wahrgenommen wurde, was in einer Zeit fiskalischer und politischer Krisen das Vertrauen in die Monarchie nachhaltig untergrub.
- Quote paper
- Manuela Tennhardt (Author), 2008, Die politischen Ursachen der Französischen Revolution, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139608