Geschlossene Gesellschaft. Die DDR-Rockmusik zwischen Linientreue und Nonkonformismus


Fachbuch, 2009

136 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Im Osten nichts Neues
Ostalgie und Verklärung der DDR-Geschichte

2. Die Beatentwicklung in der DDR
Wie alles begann
Die Rockrebellen der 60er
Die Zerschlagung der DDR-Beatbewegung

3. Von Fichtelberg bis Kap Arkona
Was angesagt war
Die ostdeutsche Life-Szene in den 70er und 80er Jahren
Auslandsreisen und Gastspiele – Die DDR-Künstler-Agentur macht Politik

4. Ich bau euch ein Lied
Die DDR-Rockmusik und das DDR-Rundfunklektorat

5. Amiga
Ignoranz und Willkür der staatlichen Schallplattenfirma

6. Abmahnungen, Spielverbote, Zwangsauflösungen
Der real existierende „Ost-Rock“ in Zeitzeugenberichten (1969-1989)

7. Der systemkonforme Ost-Rock
Anhang
Band-Lexikon
Texte umstrittener und verbotener Lieder
In den Westen übergesiedelte DDR-Musiker
Verzeichnis der Abkürzungen
Verzeichnis der verwendeten Quellen
Über den Autor

1. Im Osten nichts Neues

Ostalgie und Verklärung nach der Wende

Fast zwanzig Jahre nach der Wende ist vieles wie früher. Der Ost-Rock lässt sich feiern und er wird gefeiert, ob im Fernsehen, im Rundfunk, in der Presse, oder im Internet. Nie gegeben zu haben scheint es die schweren Jahre, als Rockmusik die fünfte Kolonne des Klassenfeindes war. Überall herrscht eitel Sonnenschein, der Planet DDR-Rock leuchtet im Nachglühen wie ein Paradies für Kreative. Jeder Künstler durfte problemlos im Rundfunk oder bei der einzigen staatlichen Plattenfirma Amiga produzieren, Repressionen wegen kritischer Texte, wegen langer Haare oder anderer Lappalien sind vergessen. Auftritts- und Berufsverbote von Gruppen oder Interpreten hat es nie gegeben und von privilegierten Bands und Stasi-Seilschaften wollen nicht einmal mehr die Medien im Osten etwas wissen. Die Stars, die es aus den DDR-Rundfunkhitparaden und aus den Konzertsälen zwischen Greifswald und Zwickau bis hierher geschafft haben, sind Teil der Identität der Menschen, nicht Teil der mit dem Mauerfall untergegangenen realsozialistischen Realität. Wertfrei klingen die alten Lieder, Evergreens aus einer Zeit, als Fans und Musiker dieselben waren wie heute, nur eben jung.

Die wenigen noch verbliebenen Vertreter des echten, nicht von staatsbürokratischen Interventionen verfälschten DDR-Rock wie die KLOSTERBRÜDER, MONOKEL, SCIROCCO oder die Klaus-Renft-Combo mussten nach der Wende bei Null anfangen und kleine Brötchen backen. Sie tingeln wie eh und je über die Dörfer und treten in kleinen Sälen und Clubs auf. Die zu DDR-Zeiten privilegierten Bands hingegen sind wieder groß im Geschäft, spielen in Stadthallen und auf Open-Air-Bühnen und beschwören die untergegangene Zeit als heile Welt. Nicht weil sie künstlerisch besser sind als die anderen. Nein, sie besitzen wieder und immer noch die bessere Lobby, die größere Gelenkigkeit im Umgang mit den Medien und einen heißen Draht zu den Leuten, die damals schon Posten bei Rundfunk und Platte inne hatten. „Ich bin heute pleite“, gestand Renft-Gründer Klaus Jentzsch der Zeitschrift „Super Illu“, „während geldgeile Duckmäuser wie Puhdys und Karat die Millionen scheffelten.[1]

Ein Urteil, das hart klingt. Doch Jentzsch, mit seinen Bands zu DDR-Zeiten „länger verboten als erlaubt“, hat seine Erfahrungen gemacht. So traten die Puhdys vor einigen Jahren im Rahmen einer Ostalgie-Veranstaltung im thüringischen Erfurt auf. Auch die Klaus-Renft-Combo nahm an diesem Open-Air teil. Auf Grund einer verkehrsbedingten Verspätung trafen die Musiker um Klaus „Renft“ Jentzsch eine halbe Stunde später zu ihrem Auftritt ein. Wegen der Verzögerung gestanden die Organisatoren der Gruppe – unter Protest der zahlreichen Renft-Fans – nur eine halbe Stunde Spielzeit zu. Alle anderen Bands durften eine Stunde auf der Bühne stehen, als letzte Gruppe des Abends traten dann die Puhdys auf die Bühne; die dank einer Sondergenehmigung der Stadt Erfurt auch noch eine halbe Stunde dranhängen durften.[2]

Wie sein ehemaliger Bandchef Klaus Jentzsch nimmt auch Renft-Sänger Thomas Schoppe Bands wie den Puhdys, mit denen Renft Anfang der 70er Jahre um den DDR-Rockmusik-Thron rangelte, nichts übel. „Sie sind ihren Weg gegangen, wir unseren“, sagt Schoppe, „das muss jeder mit sich selbst ausmachen.“ Nur dafür, dass die Geschichte heute wieder nur einseitig dargestellt und verklärt wird, hat auch Schoppe kein Verständnis. In einem Interview ließ sich der gebürtige Eislebener tief ins Herz schauen: „Nun – wir als Renft sind halt damals verboten worden, und die Puhdys haben nicht dagegen protestiert, sondern in der DDR groß abgesahnt“, glaubt Schoppe. „Wir haben uns im Westen irgendwie durchgeschlagen, die haben sich hier eingerichtet. Das ist vielleicht nicht gerecht, aber so laufen die Dinge in der Welt. Da kannst du nichts gegen machen. Ich habe im Leben genug durch, um zu wissen, dass es keinen Sinn hat, sich darüber aufzuregen. Aus unserer Sicht war es damals logisch, sich verbieten zu lassen, und ich bedauere das auch heute noch nicht. Andere sehen das sicher anders.“[3]

Ähnlich ungehalten kommentiert die Erfurter Blueslegende Jürgen Kerth die verklärende Geschichtsschreibung etwa im Buch „Bye, Bye Lübben City“, das der DDR-Bluesszene gewidmet ist. „Zu dem Buch wurde ich ja auch persönlich befragt“, erinnert sich Kerth. Schon deshalb finde er sich in einigen Passagen durchaus wieder. Längst aber nicht in allen. „In vielen, speziell auch Erfurt betreffenden Teilen, ist es nicht mein Buch. Da kommen Leute zu Wort, die uns das Leben vor der Wende recht schwer machten. Heute möchten sie die großen Förderer gewesen sein und vergessen schon mal, dass sie uns Auftritte verweigerten, weil man den Erfurtern auch mal Reis-, statt nur Kartoffeln bieten wollte. Wir waren für diese Leute ‚Kartoffeln‘ ...Derartige Kleinigkeiten hat der eine oder andere Schreiber vergessen zu erwähnen.“ Dass das nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt sogar ein Artikel aus Vorwendezeiten, wo man diese Argumente nach einem grandiosen Konzert auf der IGA in der Erfurter Zeitung in Frage stellte. Mutig damals. „Vergessen hab ich das alles nicht, auch wenn man diese Geschichten nicht vor sich her tragen muss.“ Auf die Repressalien und Verbote bezogen, erinnert sich der Musiker heute an „wirklich schwere Zeiten.[4]

Doch auch in der wiederbelebten DDR-Musikzeitschrift Melodie & Rhythmus (M&R) sind so offene Worte eine Seltenheit. „Von Bands wie Karat oder City ist alles gesagt und geschrieben und der normale Bürger fühlt sich schnell gelangweilt, über Bands zu lesen, welche es doch so schwer in der DDR hatten und die nie ihre wahren Gedanken äußern durften, kritisiert ein Leser des Blattes. Musikgruppen kamen nur in das Plattenregal, welche einen ‚guten‘ Draht zum Politbüro hatten und politisch sehr korrekt waren. Ganz so unfreiwillig kann das nicht geschehen sein [...].“ Sein Anliegen sei es, dafür zu werben, mehr über die wahren Helden wie die Gruppe Scirocco oder Cäsars Rockband zu schreiben. „Gerade eine Band wie Scirocco, welche zu Ostzeiten des öfteren auf Lebenszeit verboten wurde und nur auf Druck der Bevölkerung wieder auftreten durfte, wird gänzlich übergangen [...].[5]

Zu Unrecht, findet ein begeisterter Fan der früheren Rocklegende Joco-Dev, der Band-Mitbegründer Jörg Schenkel wissen ließ: „So erlebte ich Euch bei Auftritten im Crimmitschauer Pleißental und in Forst/Lausitz. Dies muss so 1969/1970 gewesen sein. Auch Mülsen bei Zwickau ist mir heute noch ein Inbegriff geiler DDR-Rockmusik. Joco Dev war und bleibt für mich eine Legende im Kapitel der DDR. Und zu dieser Zeit, also 1969/70, sprach noch niemand von den Puhdys. Jedenfalls danke ich der Band noch heute, nach über 39 Jahren, für die geilen Stunden in manch einem Tanzschuppen.“[6]

Jedoch nicht nur der Ost-Rock und seine Stars werden heute mit Ehren überhäuft, auch die Schallplattenfirma Amiga, die einst das Monopol besaß, Musik zu veröffentlichen, lässt sich feiern, wie unlängst beim 60. Geburtstag. Seit 1994 hat das Label einen Umsatz von mehr als 13 Millionen Euro gemacht. Die DDR-Geschichte, als es nur privilegierten Bands wie Puhdys, Karat oder City vorbehalten war, Platten zu produzieren, ist längst vergessen. Vergessen wie die vielen Gruppen und Solisten, die um jede Single hatten betteln müssen. Norbert Schmitt, Sänger des Joco-Dev-Sextetts, zieht eine bittere Bilanz über „23 Jahre Musik in der DDR, die nicht immer zum Lächeln war. Letztendlich aber haben die Fans dazu beigetragen, dass wir doch sehr viel Spaß miteinander hatten.“ Sein langjähriger Musikerkollege Jörg Schenkel äußert zurückschauend: „Auch wenn wir die Verlierer waren in der Berliner Musikszene, hatten wir doch immer unseren Spaß. Ich jedenfalls möchte die Zeit nicht missen, trotz aller Unannehmlichkeiten. Viele Musiker stellten Ausreiseanträge.“ Die oberen Bands hätten unter anderem von seiner Gruppe gelernt, wie man es nicht machen sollte. „Sie kungelten mit der Partei, so dass sie sich linientreu einreihten, um bloß mal im Palast der Republik oder im Westen aufzutreten.“[7]

Heute ist das Programm des öffentlich-rechtlichen Senders MDR das Ziel aller Wünsche. Die Drei-Länder-Anstalt aus Leipzig lässt den Ost-Rock gern und häufig auf die anvisierte Zielgruppe der ehemaligen DDR-Bürger los, am liebsten setzen auch die Programmmacher hier auf die bewährten Kräfte von Puhdys & Co. Über die später auch im MDR-Fernsehen ausgestrahlte Veranstaltung Ost-Rock-Klassik, bei der sich die Stars von einst in Brigadestärke präsentierten, sagt André Herzberg, Sänger und Kopf der Band Pankow: „Beim großen Finale werden die Sänger alle zusammen noch einmal auf der Bühne stehen und eine Rose schwenken, unsere Familie der Unterhaltungskunst, das große, bunte Programm, seit vielen Jahren gleich im Geschmack, Ost oder West. Es ist wie beim Kessel Buntes oder bei einer der beliebten Ostalgie-Shows.Beim letzten Ost-Rock auf dem Gendarmenmarkt war ich noch auf der Bühne dabei. Ich komme auch aus der Schublade [...].[8] Ende 2007 strahlte der MDR eine Sendung über den Ost-Rock aus. Wie nicht anders zu erwarten, enthielt dieser „Kessel Buntes“ auch nur Ost-Rock in einer Farbe: Damals gern gehört, heute gern wiedergesehen. Erst im zweiten Teil, der Anfang 2008 lief, kamen zumindest einmal kritischere Gruppen wie Silly und Pankow zu Wort.

Dabei war die Entwicklung der Rockmusik in der DDR gerade geprägt von Schwierigkeiten und Anfeindungen, von Zensur und Willkür: Die großen Hits hatten nicht immer die, die die schönsten Lieder schrieben. Sondern die, welche nicht nur auf der Bühne und im Studio, sondern auch im Umgang mit den Mächtigen von Künstleragentur, Zensurgremien und sozialistischer Einheitspartei den richtigen Ton trafen.

2. Der DDR-Beat in den frühen Jahren

Wie alles begann

Infolge der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung begann sich um das Jahr 1958/59 auch im Osten Deutschlands eine zunächst stark vom Westen beeinflusste Beat-Szene zu etablieren. Frühe Vertreter dieser Szene waren Gruppen wie THE BUTLERS, SPUTNIKS, POLARS, MUSIC-STROMERS oder später die KLAUS-RENFT-COMBO. Ihr Repertoire bestand hauptsächlich aus Titeln ihrer englischen oder amerikanischen Vorbilder, die aus dem Westradio „abgehört“ und oft schon nach wenigen Proben live nachgespielt wurden. Das stieß auf große Resonanz der Fans, die die Lieder kannten, aber kaum Möglichkeiten hatten, sich die Original-Schallplatten zu besorgen. Jedes Wochenende strömten jugendliche Massen aus allen Bevölkerungsschichten zu den Bands, um Lieder der Beatles oder der Shadows zu hören. Das rief schnell die Behörden auf den Plan, die in den Wochenende für Wochenende umherreisenden Fan-Gruppen „Gammler“ erkannte, die nicht in die sozialistische Landschaft passten. Der Grund für die Anziehungskraft der Musik war auch schnell gefunden: Nicht der Mangel an eigenen jugendgemäßen Unterhaltungsangeboten war schuld, sondern die vom „Klassenfeind“ beabsichtigte Indoktrination der jungen Revolutionäre mit „kapitalistischer Unkultur“, der letztlich auf den Sturz der Arbeiter- und Bauernmacht zielte. Die Behörden griffen mit eiserner Faust durch, um die sich entwickelnde Beatbewegung im Keim zu ersticken. Bands wurden verboten, Fans kriminalisiert. Mit dem „Beataufstand“ in Leipzig 1965 erreichte die staatliche Offensive gegen die „Hottentottenmusik“ ihren Höhepunk. Nachdem die Leipziger Kulturbehörde nahezu sämtlich Beatgruppen in der Stadt verboten hatte, versammelten sich zahlreiche jugendliche Beat- anhänger zu einer Protestdemo auf dem Leuschner-Platz. Ehe sich aber offener Protest überhaupt regen konnte, prügelte die Volkspolizei die Versammlung auseinander. Hunderte Lehrlinge und Studenten fanden sich noch am Abend desselben Tages in Braunkohle-Tagebauen im Leipziger Umland wieder. Dort mussten sie teilweise monatelang Strafarbeit leisten. Häufig gab es nicht einmal Gerichtsurteile.

Erst Ende der 60er Jahre verordnete die SED der Arbeit ihrer Jugendorganisation FDJ einige Lockerungsübungen. An die Stelle restriktiver Maßnahmen traten staatliche Unterstützungen und Förderverträge. Die Szene beruhigte sich etwas. Schon Anfang der 70er Jahre gab es DDR-weit rund 5.000 Amateurgruppen und etwa 650 Profibands. Allerdings durfte natürlich nicht jeder, der spielen konnte, einfach spielen. Amateurbands mussten, um öffentlich auftreten zu dürfen, den Besitz einer Spielerlaubnis beantragen. In der Anordnung Nr. 2 über die Ausübung von Tanz- und Unterhaltungsmusik heißt es: „Wer als Laienmusiker oder nebenberuflich tätiger Musiker in öffentlichen Veranstaltungen Tanzmusik ausüben will, bedarf einer staatlichen Spielerlaubnis. (Sie) wird auf Antrag von der Abteilung Kultur des Rates des Kreises, in dem der Antragsteller seinen Wohnsitz hat, mit Gültigkeit für das gesamte Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik ausgestellt.“[9] Selbstverständlich nicht automatisch. Sogenannte Einstufungskommissionen entschieden nach einem „Vorspiel“ der Antragsteller über die Qualität der Musik. Beachtet wurde dabei auch die vorgeschriebene Trennung von DDR- und Westtiteln. 60 Prozent der vorgetragenen Werke mussten von DDR-Komponisten stammen. Hatte die Band diese Hürde erfolgreich umschifft, bekam sie eine Einstufung in die Grund-, Mittel-, Ober- oder Sonderstufe. Danach richteten sich in der Folge die Stundenlöhne der Musiker. „Das ausgesuchte Gremium“, schildert der Magdeburger Musiker Paul Banse „bestand aus Laienmusikern, welche an Jahren schon viel älter waren als wir.“ Siggi Queck (früher TREND), ein Urgestein der Musikszene in Halle erinnert sich: „Diese Kommission war eine Farce, da meist nur ein Musiker dabei war und sonst nur „unmusikalische“ Kultur-Partei-Funktionäre, die eigentlich nicht in der Lage waren, Bands zu beurteilen.“ Queck spricht von einem Punktesystem, nach dem nicht nur die musikalische Seite, sondern auch der „äußere Eindruck“ und die Einstellung zum Staat bewertet wurde. „Wir wurden mal zum Umziehen nach Hause geschickt, als wir T-Shirts und Levis-Hosen an hatten“, sagt Queck. „Wir sollten dann mit einem weißen Hemd und einer normalen Hose mit Sakko wieder kommen, hieß es, sonst werde man uns runterstufen. Für die Anzugsordnung gab es eine Menge Einstufungspunkte.[10] An eine Einstufung in der Schorre (dem Klubhaus Nr. 1 in Halle) erinnert sich Christian Rozek, der Sänger der Hallenser Band PRIVILEG: Bei jeder Einstufung mußte das ganze Programm [...] im Vorfeld der Prüfungskommission vorgelegt werden mit der 60:40-Quote. Es wurden fünf Titel verlangt, das heißt drei Ost- und zwei Westtitel [...]. Um auf dem Tanzsaal nicht gegen die staatliche 60:40-Vorgabe zu verstoßen, sah man sich gezwungen, Stücke von ostdeutschen Bands ins Programm zu integrieren. Zur damaligen Zeit gab es, so Rozek, eine schwarze Liste mit verbotenen Liedern [...]. Kontrollen von Mitarbeitern der Abteilung Kultur waren daher keine Seltenheit.[11] Während der Einstufung, die oft im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung absolviert wurde, mussten die Gruppen 60 Prozent eigene Titel oder Übernahmen von Kompositionen aus der DDR oder dem sozialistischen Ausland darbieten. Nur 40 Prozent des Programms durften aus den westlichen Hits bestehen, die die Fans hören wollten. Dieses Verhältnis mußte dann später auch auf dem Tanzsaal oder im Konzert eingehalten werden. Bei Überschreitung der 40-Prozent-Schwelle drohten Abmahnungen, nicht selten Spielverbot oder sogar die Aberkennung der Spielerlaubnis. Über die Einhaltung dieser Regel wachte die AWA (Anstalt zur Wahrung der Aufführungs- und Vervielfältigungsrechte), sie galt als wichtiges Instrument zur Durchsetzung der staatlichen Kulturpolitik. Die 60:40-Vorgabe war Bestandteil der Anordnung über die Programmgestaltung bei Tanz- und Unterhaltungsmusik vom 2. Januar 1958. Diese begrenzte den devisenpflichtigen ausländischen Anteil am Repertoire der Unterhaltungskünstler. Ob sich die Anordnung tatsächlich als eine echte Förderungsmaßnahme erwies, wie H.P. Hoffmann es in „Beat“, dem ersten DDR-Buch zum Thema Jugendmusik, ausdrückte, sei dahingestellt.[12]

Viele Gruppen sahen sich in Folge dieser Regel allerdings gezwungen, eigene Titel in deutscher Sprache zu komponieren. Da deutsche Texte wiederum Anlass zu inhaltlichen Engriffen boten, zog es manche Band klugerweise vor, sich der deutschen Sprache zu verweigern – getreu der Devise „lieber gut nachgespielt, als schlecht selbst gemacht“. Doch ein Entkommen gab es nicht: Das Dresden-Septett erhielt aus eben diesem Grund im Dezember 1971 für den Landkreis Leipzig ein unbefristetes Auftrittsverbot. Die an die AWA eingereichte Titelliste habe „im Gegensatz zu den staatlichen Bestimmungen ein Verhältnis von 48% zu 52% aufgewiesen“, hieß es zur Begründung. Zudem hätten sich im Repertoire der Gruppe in der DDR verbotene Titel befunden.[13] Die 1974 gegründete Gruppe ABRAXAS (nicht zu verwechseln mit der Magdeburger Band gleichen Namens) begeisterte mit Coverversionen à la Santana, Free, BTO, Jethro Tull, Iron Butterfly[14] und Lindenberg vor allen das Publikum im Saalkreis. Um nicht permanent gegen die 60:40-Programmgestaltung zu verstoßen, mussten „auch ein paar Ost-Titel wie »Sagen meine Tanten « von Scirocco oder den Roten Gitarren gespielt werden“, wie Bandmitglied Martin Jones erzählt. Paul Banse (THE HEROLDS) hat die Prozedur bei der Einstufungsveranstaltung bis heute nicht vergessen: „In einem Vereinslokal [...] mussten wir also vor diesen Leuten unser Können unter Beweis stellen, unter dem Gesichtspunkt die 60:40 einzuhalten [...]. Man kann sich leicht vorstellen, wie schwer es uns 16 bis 18-jährigen Jungs fiel, überhaupt eine Liste mit DDR-Schlagern vorzulegen und dann auch noch abzuarbeiten. Keinem Menschen von unserem Publikum hätte das » Kleine Haus am Wald « oder die » Köhlerliesel « gefallen. Damit hätten wir unser Ansehen als Unterhalter bei unserem Publikum verloren [...]. Wie die Qualität dieses „Vorspielens“ ausfiel, kann man sich leicht vorstellen.[15] Norbert Schmitt, einst Sänger bei den BRIGHTLES und dem Joco-Dev-Sextett, machte ähnliche Beobachtungen: „Mit den Einstufungen war das immer völlig idiotisch. In den 60ern mussten wir als Beatcombo Walzer spielen, um unsere musikalischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Unser Bassist hat damals sein Bandonium zum Einsatz gebracht, was bei den Kulturschaffenden einen sehr guten Eindruck hinterließ, aber bei uns Frust.“[16] Der frühere Schlagzeuger der KLOSTERBRÜDER, Detlef Kessler schildert seine erste Einstufung als bizarre Erfahrung. „Wir mussten mit der Kapelle“, so Kessler, „damals 50 Lieder spielen und wir mussten sie wirklich alle spielen [...]. Also, was man dann live spielt, ist nachher letztendlich noch eine ganz andere Frage.“[17]

Andere Bands begannen einfach, die sogenannte AWA-Liste zu fälschen. Im Konzert gespielt wurden die Hits aus dem Westen, gemeldet wurden ostdeutsche Titel aller Genres. Der frühere Joco-Dev-Bassist Jörg Schenkel gibt an: „Wir hatten immer das Problem, das 60:40-Verhältnis einzuhalten [...]. Ab und zu war auch einer von der AWA da. Wenn wir dann am Ende des Abends die AWA-Liste ausfüllten, erschienen darauf Titel aus Polen, Eigenkompositionen oder irgendwelche Schlager von Frank Schöbel.“ So bekamen zwar die falschen Autoren Tantiemen, doch die 60-40-Regel war eingehalten . Schenkel ist sicher: „Die AWA-Liste wurde von allen Bands gefälscht. Wenn wir uns daran gehalten hätten, wäre kein Mensch zu uns zum Tanz gekommen. So blieb natürlich die eigene Kreativität auf der Strecke.[18] Siggi Queck (Foel) erinnert sich bezüglich der AWA-Liste: „Bis auf wenige Ausnahmen haben wir allerdings nur ‚West-Songs‘ gespielt. Pech war, wenn dann die ‚Kulturfunktionäre‘ bzw. Mitarbeiter der AWA im Saal meist unangemeldet aufkreuzten und kontrollierten bzw. den Gig mitschnitten. Dann gabs meist großen Ärger bzw. Spielverbote. Es gab auch eine ‚Schwarze Liste‘ mit verbotenen Songs.[19] Auch die Erfurter SPOTLIGHTS, später in RAMPENLICHTER zwangsumbenannt, hatten wie Bandmitbegründer Siegfried Hörger angibt, eine Alternative gefunden, die 60:40-Maßgabe wenigstens auf dem Papier einzuhalten. „Wir hatten ein System, bei dem wir für eigene Titel drei bis vier verschiedene Namen hatten. So ergab sich zwangsläufig eine viel größere Zahl von Eigenkompositionen.[20]

Am System aber änderte sich bis in die 80er Jahre nichts, nur an den Wegen zu Überwindung der starren Richtlinien. Die Band PUSTEBLUME etwa legte sich eigens für die Einstufungen ein zweites Programm zu. „Da die Vorgabe 60:40 eingehalten werden musste, unterschied sich das hier aufgeführte Programm meistens deutlich von dem, was ansonsten gespielt wurde. Ja, es wurden sogar extra Lieder nur für diesen Abend einstudiert und das wusste jeder, sicher auch die Jury [...]. Auch diese Einstufungs-Veranstaltungen gehörten zu Repressalien und waren ein Mittel, bestimmte Bands klein zu halten. Das funktionierte, aber nur in finanzieller Hinsicht. Dem Publikum war es egal, wie die Bands zu ihren Einstufungen kamen.“[21] Auch die Hallenser Kultband TREND sah sich genötigt, die Titelliste zu frisieren. Gitarrist und Sänger Siggi Queck äußert dazu: „Wir haben etwas getrickst und dann für die Einstufung eine Liste vorgelegt, wo wir dann z.B. ein paar Standard-Blues-Songs mit einem eigenen Text eingetragen bzw. gespielt haben (z.B. »Blues in F « oder »Siggi's Blues « usw.). Zusätzlich haben dann noch Songs von bekannten DDR-Bands wie Puhdys, Karat, Lift, Berluc, City usw. eingetragen und extra nur für die Einstufung geprobt, da diese „sogenannte Einstufungskommission" einige Osttitel aus der Liste zum Vorspielen ausgewählt hat [...]. Wenn wir z.B. in einem typischen Blues-Lokal mit dementsprechenden Publikum spielten, konnten wir natürlich keine Ost-Songs in das Programm einbauen. Jedoch gab es auch Veranstaltungen bzw. Betriebsfeiern u.ä., wo durchaus auch Ost-Songs gewünscht wurden.[22]

Die Macht der Einstufungskommissionen aber reichte noch weiter. Sie versuchten, auch auf die musikalische Gestaltung der dargebotenen Lieder Einfluss zu nehmen. Im Mai 1969 musste sich die GP-COMBO, ursprünglich als Garage Players gegründet, einer neuen Einstufung unterziehen. Nach dem Vorspiel monierte die Jury: „Die Besetzung war rhythmisch gut aufeinander abgestimmt, heißt es . „Im ersten Titel war jedoch die Gitarre übertrieben laut. Der Titel 2, Nordlicht, war in der Interpretation zu monoton, d.h. von Anfang bis Ende zu laut und ohne dynamische Abstufung [...][23]

Grundlage für die staatliche Genehmigung zum Musizieren war, noch bevor sich eine Gruppe auch nur zur Einstufung anmelden durfte, ein entsprechendes Equipment. Das nahm sich bei den meisten frühen DDR-Beatbands jedoch sehr bescheiden aus, denn der volkseigene Handel hatte weder ausreichend Instrumente noch Verstärkeranlagen oder Effektgeräte im Angebot. So bestand eine Anlage in den Kindertagen des DDR-Beat zumeist aus alten Röhrenradios, an die nicht weniger bescheidene Instrumente und Mikrofone angeschlossen wurden. Die klangliche Qualität der Musik war dementsprechend. Technisch begabte Hobbymusiker bauten sich Verstärker und Lautsprecher selbst. Auch die GARAGE PLAYERS begannen „mit einfachsten Geräten und selbstgebauten oder umfunktionierten Verstärkeranlagen, ja sogar Radios [...].“ Eine Anlage der Marke Eigenbau besaß auch die Thüringen äußerst populäre Band THE POLARS. Vom Erfolg beflügelt, wagte sie mit diesem Equipment den Sprung zum DDR-Rundfunk. Dort ermutigte man sie, ins Amiga-Studio nach Berlin zu fahren. Bei Amiga jedoch folgte die Ernüchterung; weil die Anlage nicht den technischen Anforderungen entsprach, fielen die geplanten Studio- Aufnahmen ins Wasser. Der Aufnahmeleiter schickte die Thüringer mit den Worten „mit so einer miesen Anlage hat sich noch keiner hierher gewagt“ wieder heim. Die mit den POLARS befreundeten Leipziger BUTLERS, die sich zur selben Zeit zufällig auch im Amiga-Studio befanden und im Besitz einer für damalige Verhältnisse guten Anlage Marke Dynacord waren, verwehrten den Thüringern die Hilfe. Sie fürchteten wohl die Konkurrenz. Später schickte sich die DDR-Musikindustrie an, das Problem mit der Produktion von Verstärkern Marke Regent, Kölleda, Ionika oder Vermona[24] zu lösen. Die Begeisterung hielt sich bei den meisten Bands jedoch in Grenzen, da die Anlagen als klanglich schwach, technisch anfällig und unpraktisch galten. Um den gehobenen künstlerischen Ansprüchen und den Erwartungen der Fans gerecht zu werden, mussten sich Bands das nötige Equipment notgedrungen aus dem Westen beschaffen. Instrumente und Anlagenteile wurden auf oft abenteuerliche und gefahrvolle Weise in die DDR geschmuggelt, bezahlt wurde mit Westgeld, das zuvor mühevoll eingetauscht worden war. An dieser Hürde scheiterten viele Gruppen, so auch die NAUTIKS aus Thüringen. Die Kapelle wurde 1973 wegen unerlaubter Einfuhr von West-Instrumenten von den zuständigen DDR-Behörden verboten. Gitarrist Werner Zentgraf erhielt wegen der illegalen Beschaffungsaktion sogar eine Gefängnisstrafe. Mit zwei Jahren Gefängnis wurde auch Udo Jacob, zur Urbesetzung der Puhdys gehörend, bedacht. Jacob hatte von einem Bekannten im Westen eine Anlage erhalten, die ausgerechnet sein früherer Musikerkollege Peter Meyer, der ganz nebenbei auch für die Stasi arbeitete, von Ost-Berlin aus in Empfang nahm und seinem Freund brachte. Die Justiz drehte ihm daraus einen Strick. „Freund, so weiß die Märkische Allgemeine zu berichten, „will Udo Jacob Peter Meyer deshalb nicht mehr nennen. Und ich kann auch nicht verstehen“ entfährt es Jacob „wie Leute mit dem weiter zusammenarbeiten können, wo doch bekannt ist, dass der IM war“.[25]

Wieviel Geld in manch gut bestückter Anlage steckte, geht aus den folgenden zwei Beispielen hervor. So besaßen die Leipziger BUTLERS ein Hallgerät Marke „Mezzi“ im Wert von 4.000,- Mark. Ein weiteres Hallgerät Marke „Dynacord“ kostete die Band 3.000,- Mark. Beide Geräte waren westlicher Herkunft und gelangten auf umständlichen Wegen und durch Mittelsmänner in den Besitz der Musiker. Die Gruppe Blues-Vital nannte eine Yamaha-Orgel ihr eigen, die sie auf dem Schwarzmarkt zum Umtauschkurs von 1:5 erstanden hatte. Weil die Fans erwarteten, dass ihre Lieblinge so klangen wie die Originale aus dem Westen, waren die Bands gezwungen, jede durch ihre Musik verdiente Mark in ihre Ausrüstung zu stecken. Als die ersten „Ost-Stars“ in den Westen reisen durften, gewannen sie dadurch einen doppelten Wettbewerbsvorsprung. Sie konnten die eigene Anlage aufrüsten und hatten die Möglichkeit, mitgebrachtes Equipment zu unverschämt hohen Preisen an andere Musiker zu verkaufen. Dies bestätigte auch Joco-Dev-Sänger Norbert Schmitt, der damals notgedrungen auf der Käuferseite stand: „Vorzeigebands wie die Puhdys, Karat oder City packten sich bei Westauftritten ihre LKW voll und verhökerten es ihren Musikerkollegen zu guten Preisen.[26] Gute Preise hieß ein Umtauschkurs von 1:4 plus Aufschlag. Zuweilen war der Umtauschkurs noch viel höher. Die KLOSTERBRÜDER erwarben das abgelegte West-Schlagzeug des früheren Puhdys-Drummers Udo Jacob. Über den Preis schweigt sich Herr Jacob aus.[27]

Ein weiteres Problem, mit dem viele DDR-Bands der Szene konfrontiert wurden, war der Transport des wertvollen Equipments zu den Auftrittsorten. Wer einen Kleinbus des Typs Barkas oder Mini-Lkw Marke ELO besaß, konnte sich glücklich schätzen. Viele Gruppen jedoch mussten sich mit ihren altersschwachen und zumeist reparaturbedürftigen Fahrzeugen von Veranstaltung zu Veranstaltung schleppen. Verspätungen wegen liegengebliebener Fahrzeuge waren daher nicht selten. Davon konnte auch die Gruppe MAGDEBURG ein Lied singen. Diese hatte zum Transport ihrer mehrere Tonnen schweren Anlage nur einen klapprigen LKW K 30 zur Verfügung, mit dem sich die Gruppe sogar zu Konzerten ins benachbarte Polen wagen musste. Das Joco-Dev-Sextett tourte anfangs mit einem Wolga nebst Anhänger durchs Land; später im Barkas mit Anlage, die Musiker saßen unterwegs auf den Boxen.[28] Selbst der Kauf eines Fahrzeugs war mit Schwierigkeiten verbunden. Der Musiker Martin Jones (TREND) beschreibt das Problem: „Die DDR hatte ein generelles Transportproblem und außerdem war Diesel kontingentiert. Man musste innerhalb des Fünfjahrplanes einen Bilanzanteil für einen LKW und den Sprit beantragen. Wenn das Fahrzeug aus einem anderen Bezirk besorgt wurde, musste dieser wiederum einen LKW aus dem eigenen Bezirk bekommen.[29] Der Folk-Rock-Band PUSTEBLUME wurde der Kauf eines Kleinbusses zum Transport von Anlage und Instrumenten vom Rat des Kreises Hohenstein-Ernstahl kurzerhand verboten. In einem amtlichen Schreiben heißt es: „... dass unsererseits einer Kaufgenehmigung nicht zugestimmt werden kann. Das gegenwärtige Aufkommen an gebrauchten KOM lässt einen Verkauf an Privatpersonen nicht zu, da diese Fahrzeuge nur Betrieben für den Berufsverkehr bereitgestellt werden.[30] Berufsverkehr statt Beat – auch das DIANA-SHOW-QUARTETT war zu Beginn seiner Karriere ohne fahrbaren Untersatz. Die Band, die damals in allen bekannten Berliner Clubs spielte, sah sich gezwungen, ihre Anlage per S-Bahn zu den Auftrittsorten zu befördern. Später transportierte man das Equipment mit einem Taxi, während die Musiker mit der Bahn hinterher fuhren.[31] Einen eigenen fahrbaren Untersatz besaßen auch die Mannen von RAPUNZEL nicht. „Wir hatten keine eigenen Autos“, gesteht Nico Hollmann, „also musste ein Fahrer mit Auto her. Wir fanden einen mit einem Sachsenring (Horch) und einem großen Hänger. Man wusste nie, ob man den Spielort erreicht, weil ja mit ständigen Reparaturen während der Fahrt gerechnet werden musste. Pannen waren also an der Tagesordnung.[32]

Die Rockrebellen der 60er

Mit solchen und ähnlichen Problemen sah sich auch die erste überregional bekannte Beatformation in der DDR, die bereits 1958 von Klaus Jentzsch, alias Klaus Renft, in Leipzig gegründete KLAUS-RENFT-COMBO konfrontiert. Ab 1962 spielte die Combo als KLAUS-RENFT-QUINTETT, ein Name, der der Gruppe von staatlichen Organen aufgezwungen worden war. Die Band konnte bereits um 1962 einige eigene Stücke, darunter das Lied »Melodie für zwei«, vorweisen. Den größten Raum nahmen natürlich Kopien englischer und amerikanischer Vorbilder ein. Bereits 1963 verhängten die Behörden ein erstes befristetes Auftrittsverbot für die Gruppe, der „Verbreitung amerikanischer Unkultur“ vorgeworfen wurde. Nach dem endgültigen Verbot des Quintetts gründete Jentzsch 1964 die überregional erfolgreiche Band The Butlers, die wenig später sogar Titel im Rundfunk produzieren durfte, die dann auch auf einer Amiga-Platte veröffentlicht wurden.[33]

Ebenfalls bereits Ende der 50er Jahre gegründet wurden die Music-Stromers. Das Programm der Berliner Band bestand anfangs fast ausnahmslos aus Cover-Versionen. Mit dem Herüberschwappen des Beat aus England spielten die Music-Stromers Titel der Rolling Stones, von The Who und der Spencer Davis Group nach. Das rief sofort die Behörden auf den Plan, die der Gruppe Verstöße gegen die gesetzlich vorgeschriebenen Programm-Proportionen vorwarfen. Aus diesem Grund erhielt die Band bereits 1962 einen Ordnungsstrafbescheid. In diesem wurde der Gruppe vorgerechnet, sie habe bei einer Veranstaltung im „Kasino des Handwerks“ in Berlin 56 Prozent Westtitel gespielt. Ab 1964 hatten sich die Music-Stromers dennoch oder gerade deshalb zu einer der beliebtesten Live-Bands des Ostens entwickelt. Im Zuge der 60:40-Regel entstanden auch bei den Music-Stromers eigene Kompositionen, bei denen es sich jedoch vorwiegend um Instrumentaltitel handelte. Im Stil glichen diese Lieder unverkennbar ihren westlichen Idolen. Auch die Anzugsordnung der Musiker orientierte sich unübersehbar an den Vorbildern: Man trat in Sgt.-Peppers-Uniformen auf. Mit dem beständigen Wachstum der Anhängerschaft begannen sich allerdings auch die Beschwerden der Kulturbehörden zu häufen. Bald hatten die Music-Stromers in allen Bezirken der DDR Spielverbot, im April 1968 wurde der Gruppe dann auch durch den Magistrat der Stadt Berlin untersagt, öffentlich aufzutreten.

Eine Beatband mit einer langen und bewegten Geschichte hatte sich 1962 im thüringischen Gotha unter dem Namen The Polars formiert. Ursprünglich wollten sich die fünf jungen Männer den Bandnamen Polaris geben, da es aber zufällig eine amerikanische Rakete gleichen Namens gab, musste auf Anraten der Kulturüberwacher auf das „i“ verzichtet werden. Auftritte im Kreis Gotha machten die Gruppe rasch bekannt. Vor allen in der Gothaer Stadthalle fanden die Polars ein begeistertes Publikum. Neben Coverversionen ihrer Vorbilder The Shadows, Beatles u.a. wurden auch Eigenkompositionen, darunter viele Instrumentaltitel, gespielt. Insgesamt umfasste das Repertoire der Polars damals etwa 250 Titel, von Beat bis klassischer Tanzmusik. Das schützte die Gruppe jedoch nicht vor Nachstellungen: Wegen des Spielens englischsprachiger Lieder kam es häufig zu Repressalien; dies führte immer wieder zu Abmahnungen und Spielverboten. Um Probleme mit den Kulturfunktionären zu vermeiden, kamen die Musiker auf die Idee, eine Anzahl englischer Lieder mit deutschen Texten zu versehen. Gleichzeitig entstanden auch einige Eigenkompositionen, die beim Sender Weimar aufgenommen wurden. An jedem Wochenende war Live-Musik angesagt. Wenn die Polars spielten, „war der Bahnhof von Gotha“, wie Bandchef Woigk erzählt, „stets verstopft und von Fans belagert.“ Eine Tatsache, die wesentlich zum späteren Verbot beitragen sollte.[34] Über ein Konzert der Gruppe im thüringischen Arnstadt wusste die DDR-Tageszeitung „Das Volk“ zuvor noch lobend zu berichten: „Das ganze Chema-Kulturhaus glich einem Hexenkessel, als am vergangenen Mittwoch die Gothaer Band „Polars“ zum Tanz spielten. Trotz ihrer einstündigen Verspätung – sie waren in einen Unfall verwickelt – erhielten die fünf Jungen die ungeteilte Sympathie der Arnstädter Jugend.[35] 1964 produzierten The Polars ihre bekanntesten Nummern »Eskimo«, »Trift ice« und »Beatwalz« beim Sender Bratislava. Die Titel schlugen so ein, daß der Sender sie auch an westliche Rundfunkstationen weitergab und Polars-Titel nunmehr bei bei Radio Luxemburg erklangen. Nur in der DDR waren sie im Rundfunk nicht zu hören.

Die Mitte der sechziger Jahre in Tambach Dietharz/Th. gegründeten The Blackies gehörten neben The Polars und den SPOTLIGHTS zu den Lokalmatadoren der thüringischen Beatszene. Die Band besaß vor allen im Umkreis von Gotha eine große Anhängerschar. Die Stadt stellte so etwas wie das musikalische Zentrum Thüringens dar. „Es gab alles, was dazugehörte: kreischende Fans und ohnmächtige Mädels“,[36] erinnert sich Bandmitbegründer Waldi Weiz, „und w ir spielten alles, was an Musik aufkam und zu bewältigen war.“ Der Beifall war der Gruppe gewiss: „Anfangs spielten wir jedes Wochenende im Jugendclubhaus Tambach“, bemerkt Weiz, „und die Schlange der Fans reichte von da bis zum Bahnhof in zwei Kilometer Entfernung.[37]

Als legendär müssen auch die 1964 aus den TELSTARS hervorgegangenen Sputniks angesehen werden. Gespielt wurden international bekannte Standards; bald kamen auch eine Reihe eigener Instrumentalkompositionen, hinzu. Schon 1964 erhielt die Gruppe die Gelegenheit, einige Titel bei Amiga zu produzieren. Dies geschah jedoch nicht ohne harte Auflagen. So musste die Band ihren englischen Namen ablegen und bei Eigenkompositionen auf englische Texte verzichten. Diesen Kompromiss gingen die SPUTNIKS ein, weil fast ihr gesamtes Repertoire eigener Lieder aus Instrumentaltiteln bestand. 1964 zeichnete Amiga ein Konzert der Sputniks im berüchtigten Twistkeller in Berlin-Treptow auf, während die DDR-Musikzeitschrift M&R das Schaffen der Gruppe würdigte und ihr großmütig einen „normalen Habituskeine überlange Mähne, keine Bärte und dennoch Beatmusik“ bescheinigte.[38] Die Angst sang immer mit. Nicht selten kam es während der Konzerte zu Ausschreitungen des Fan-Anhanges. Nach Querelen mit den staatlichen Behörden und entnervt wegen der ständigen „Einschränkung ihrer musikalischen Freiheit“ lösten sich die Sputniks 1966 auf.[39]

Zu einer der verrücktesten und erfolgreichsten Kapellen der frühen DDR-Beatszene gehörte das Diana-Show-Quartett. Die Gruppe ging 1963 aus der Berliner Dieter-Hesse-Band hervor, welche in der klassischen Besetzung: drei Gitarren und Schlagzeug spielte und vornehmlich Titel der Shadows coverte. Nach dem Ausstieg des Namensgebers Dieter Hesse benannte sich die Gruppe in Diana-Show-Quartett um. Auch während dieser Zeit wurden ausschließlich englische und amerikanische Standards kopiert. Was die Musiker am Montagabend in „Schlager der Woche“ hörten, kam am nächsten Tanzabend auf die Bühne.[40] Motor der Band war Achim Mentzel. Musikerkollege Jörg Schenkel ist heute noch beeindruckt von seinem früheren Sänger und Gitarristen: „Achim war für mich der geborene Rockmusiker. Mit seinem Temperament und Ausdruck hat er uns alle mitgerissen [...]. Er verbreitete überall eine tolle Stimmung. Leider hat uns die Armeezeit getrennt.[41] Das Diana-Show-Quartett trat in allen Clubs der DDR-Hauptstadt auf. Auch im Raum Leipzig, vor allen im Forsthaus Raschwitz, das später zum Hauptquartier der Butlers werden sollte, in Wiederitsch, Gaschwitz, Markleeberg und Klettwitz fand die Musik der Gruppe begeisterte Aufnahme. Die Band besaß einen großen Fan-Anhang; vor allen aus dem Stadtbezirk Berlin-Lichtenau reisten den Muskikanten viele Fans hinterher. Doch wo sie auftauchten, gab es Ärger. „Schuld“, so Schenkel, „war natürlich immer die Band, weil wir die Leute angeblich aufputschten.“[42] Das DDR-Satire-Blatt „Eulenspiegel“ mokierte sich im Oktober 1965 über die langen Haare der Musiker und deren Fans. Dies veranlasste das Magazin Stern, sich in einem Beitrag mit den Beatrebellen aus der DDR zu beschäftigen.

Im Herbst 1965 wurde in Weimar/Thüringen eine Band namens THE GARAGE PLAYERS gegründet. Zur Gründungsformation gehörten Klaus Görmar (g), Helmut Görmar (g), Rainer Hasert (dr), Johannes Michaelis (bg) und Helmut Franke (voc). Das Repertoire der GARAGE PLAYERS bestand zunächst ausschließlich aus internationalen Standards von Bands wie Cream, Kinks oder den Rolling Stones. Später kamen einige Blues orientierte Eigenkompositionen hinzu. Auftrittsbeschränkungen und skurrile Vorschriften machten den GARAGE PLAYERS schon früh das Leben schwer. Nachdem die Gruppe einige Zeit ohne Spielerlaubnis aufgetreten war, meldeten sich die Musiker 1967 doch zur Einstufung an. Um der vom Kulturministerium geforderten Vorgabe gerecht zu werden, spielte sie 60 Prozent eigene und sogenannte „DDR-Standardtitel“. Der Anteil westlicher Lieder wurde – an diesem Tag zumindest – nicht überschritten. Dennoch erhielt die Band zunächst keine Spielerlaubnis. Eine Erklärung dafür wurde nie gegeben. Stattdessen mussten sich die GARAGE PLAYERS 1967 auf Druck der Kulturbehörden in GP-Combo umbenennen. Rainer Haserts Statement: „Vieles durfte sein, aber niemals ein englischer Name.“ Unter neuem Namen konnte man die Einstufungskommission schließlich überzeugen. Danach durfte die Gruppe endlich offiziell musizieren. Bereits in kurzer Zeit erwarb sich die Band vor allen im Thüringer Raum eine große und treue Fangemeinde. Ihr Hauptdomizil befand sich im legendären Kasseturm in Weimar. „Unser Fan-Anhang“, so Bandmitbegründer Rainer Hasert, „war ziemlich groß. Die 15 Kilometer von Weimar zum Konzert wurden von einigen Hartgesottenen zu Fuß zurückgelegt.[43] Doch auch die Musiker kämpften beständig mit unverhofftrn Erschwernissen. Ein Konzert der GP-Combo im Kino von Bad Berka im Mai 1970 konnte nur unter Berücksichtigung von Auflagen stattfinden. Die Götterdämmerung aber hatte begonnen: Ab Oktober 1970 durfte die Band nicht mehr reisen, um die hinterher trampenden Jugendgruppen von den Straßen zu bekommen. Die Ordnungsbehörde verhängte einfach die Auflage, dass die Gruppe nur noch im Kreis Weimar und in Weimar selbst auftreten dürfe.[44] Auch das nicht mehr lange: 1971 wurde die GP-Combo schließlich ganz verboten.[45]

Im Sommer 1966 ging aus den Gothaer POLARS die Band Wostoks hervor, diesmal vorsichtshalber gleich nach einem sowjetischen Raumschiff benannt. Der neue Bandname war nötig geworden, weil die staatliche Verbotskeule nun auch THE POLARS getroffen hatte. Um weiter musizieren zu können, musste ein neuer Name her. „Nennt uns doch, wie ihr wollt“, dachte Band-Mitbegründer Manfred Trautmann damals, „nur lasst uns spielen.[46] Da die Kulturbehörden englischen Titeln nun offen den Kampf angesagt hatten, wurden hauptsächlich Instrumentaltitel zumeist von den Shadows, aber auch Eigenkompositionen ins Programm aufgenommen.

Das 1967 von Gisbert Rieschel gegründete Quartett GERMAN FOUR trat vor allen im Saalkreis, in Bitterfeld sowie im Kreis Eisleben auf. Die Fan-Gemeinde fuhr der Gruppe auch zu den Auftritten außerhalb Halles hinterher.[47] Um die Zulassung zur Einstufung zu erhalten, musste man sich zunächst vom englischen Namen trennen. So wurde die Band kurzerhand in G4-Combo umbenannt. Unter diesem Namen spielte die Gruppe dann allerdings ausschließlich Westmusik, ohne, wie Rieschel versicherte, jemals Ärger mit den Behörden gehabt zu haben – beinahe schon ein Wunder. „Denn Ende der sechziger Jahre“, erklärt Ecke Bethmann, der in Hallenser Kultbands wie OPUS, RAPUNZEL oder TREND den Ton angab, „gab es bei den in Halle existierenden Amateurbands massive Beeinträchtigungen wie Spielverbote und Kontrollen auf Tanzsälen.“[48]

Die Zerschlagung der DDR-Beatbewegung

Während die Beatgruppen in den DDR-Medien Mitte der 60er Jahre noch ignoriert, oft aber auch anerkannt und sogar von der FDJ mit Lob überhäuft wurden, läutete Erich Honecker, seinerzeit Verantwortlicher für Sicherheitsfragen im Politbüro, am Ende des Jahrzehnts mit einem gezielten Angriff das Ende der Beatbewegung ein. In Vorbereitung des 11. Plenums des ZK der SED thematisierte Honecker das „Rowdytum“ im Umfeld von Veranstaltungen mit Beatmusik. Honeckers Rezept gegen die unbotmäßige Jugend, die lieber Stones hörte als FDJ-Lieder zu singen, war einfach: Honecker wollte, „dass die Abteilung Inneres der Räte der Bezirke und Kreise die Mitglieder solcher Gruppen (Gammler u. ä.), die gegen die Gesetze der DDR verstoßen, (...) in Arbeitslager einweisen.“

Im Bezirk Leipzig fand der ZK-Beschluss besondere Anerkennung; bald schon wurden Stimmen laut, die ein härteres Vorgehen und ein Verbot der Beatgruppen forderten. Ein FDJ-Funktionär äußerte, ihm sei „unverständlich, dass eine derartige Kapelle wie die B UTLERS überhaupt eine Spielerlaubnis erhalten habe“. Und ein junger, linientreuer Genosse empörte sich nach einem Konzertbesuch in einem Brief an das „Sehr geehrte Polizeipräsidium“ heftig und im richtigen Moment: „Alle beide waren wir entsetzt, dass in einem Arbeiter- und Bauern-Staat solche Musik zugelassen wird [...]. Die Kapelle muss sofort von der Bildfläche verschwinden.“[49] Die Angeklagten ahnten nichts, doch das Urteil war gefallen. Am 21. Oktober 1965 erhielten The Butlers und weitere 64 Amateurkapellen des Bezirkes Leipzig ein unbefristetes Spielverbot. Im Falle der BUTLERS lautete die Begründung des Rates des Bezirkes Leipzig: „Die Kapelle fügt der sozialistischen Laienkunstbewegung Schaden zu. Ihr Auftreten steht im Widerspruch zu den moralischen und ethischen Prinzipien.“[50] Nach dem Bekanntwerden des Verbotes kam es zum sogenannten Leipziger „Beataufstand“,[51] aber auch in anderen Regionen fanden sporadische Protestaktionen statt. So schrieben Unbekannte zum Ärger der Staatssicherheit „Renft lebt“ an die Mauern. In den Jahren 1966/67 sah sich Klaus Jentzsch genötigt, unter dem Pseudonym Ulf-Willi-Quintett zu spielen, da er unter dem Namen seiner früheren Bands nicht auftreten durfte. Das Ulf-Willi-Quintett spielte laut MDR-Figaro „im Dunkel einer Leipziger Nachtbar zum Tanz. Erst Jahre später werden sie als ‚Klaus-Renft-Combo‘ für kurze Zeit eine musikalische Auferstehung feiern.

Ähnliche Berichte und Diskussionen kamen nun schlagartig auch aus anderen DDR-Bezirken. Unter der Überschrift „Brauchen wir den Beat“ eröffnete die Betriebszeitung des Gummiwerkes Waltershausen (Thüringen) Diskussion zum Thema. Ein Jugendkollektiv des Betriebes äußerte sich, wie bestellt, kritisch: „Wir stimmen überein, dass das monoton bearbeitete Spannfell eines Schlagzeuges und überlautes Gitarrengeheule zu der oben erwähnten Entwicklung nicht beitragen. Die Spannungs- und Unterhaltungselemente dieser Art Beat-Veran- staltungen müssen einfach abstumpfen, weil sie auf primitiver Ebene liegen. Wir sehen in der sozialistischen Kultur die vollendete Blüte der Menschheitskultur[...] .[52]

In Thüringen fand der ZK-Beschluss ebenfalls offene Ohren. In der Folge ging auch hier der Verbotsrasenmäher übers Land. Im Januar 1966 wurde gegen die Gothaer POLARS ein Verbot auf Lebenszeit ausgesprochen. Die einfallsreiche Begründung in diesem Fall: Die in Bratislava produzierten Titel der DDR-Band liefen mit Erfolg im Westradio. Trotz Eingaben und Briefen blieb die Band verboten.[53] Erst nach Umbenennung der Band in WOSTOKS wurde das Verbot aufgehoben. Auch die BLACKIES wurden während ihrer Existenz mehrere Male verboten. Als Begründung für das endgültige Aus wurde die Nichteinhaltung der vorgebenen Programmproportionen angeführt. Die, wie Waldi Weiz bis heute glaubt, überhaupt nicht eizuhalten war. „Ich erinnere mich“, erzählt Weiz, „wie sie an einem Abend plötzlich alle auf einmal hinter die Bühne kamen: Stasi, Volkspolizei mit Hunden und der ganze Kultur-Apparat. Einer von den Kulturfunktionären fragte streng, was wir da die ganze Zeit gespielt hätten.[54] Die empörte Bemerkung „das ist ja wie im Dritten Reich“, brachte Weiz damals ein Ermittlungsverfahren ein. Mit seiner Entschuldigung wendete er schließlich eine zweijährige Jugendstrafe ab, nicht aber das Verbot der BLACKIES. Die Band erhielt zwar später ihre Spielerlaubnis zurück, durfte jedoch nie wieder unter dem alten Namen und nie wieder mit ihrem Gitarristen Weiz auftreten.[55] 1966 erhielten auch die Erfurter RAMPENLICHTER, die das Aus gerade noch durch eine Umbenennung hatten abwenden können, ihr Spielverbot auf Lebenszeit. Als offizielle Begründung wurde das Nachspielen westlicher Titel angeführt. Außerdem seien sie bei einer Veranstaltung in Römerlatschen und ohne Socken aufgetreten. Das widerspreche der sozialistischen Moral und Ethik. Siegfried Hörger hat nie geglaubt, dass das der wahre Grund war. „Die Situation war paradox“, erinnert er sich, „wir wurden 1966 zu Wahlveranstaltungen gebucht, man wollte uns als Zugpferd.“ Dafür gab es ein offizielles Dankschreiben und so Hörger: „Am selben Tag das Verbot.[56] In alle Bezirke der DDR wurden Fernschreiben mit der Anweisung geschickt, die Musiker nie wieder gemeinsam auftreten zu lassen. Die Einstufungskommissionen in den einzelnen Bezirken wurden angehalten, keine entsprechenden Spielerlaubnisse auszustellen. Kerth und Hörger spielten danach in Bands wie JOKER oder UNISONOS. 1970, im Anschluss an ein großes Konzertes in Apolda, traf der Bannstrahl der Behörden die Gruppe plötzlich doch noch. Die Atmosphäre in Apolda sei wohl zu sehr Woodstock gewesen, glaubt Hörger: „Freiluftveranstaltung, viele, viele Fans, illegales Camping, großartige Stimmung.“ Das passte nicht ins Bild von der kleinen aufgeräumten DDR mit ihrer uniformen Blauhemd-Jugend. Nach dem Verbot der UNISONOS hob Kerth im gleichen Jahr das nach ihm beannte Jürgen-Kerth-Quintett aus der Taufe. Ein Versteckspiel, durch das Kerth wieder in den Besitz einer Spielerlaubnis kam. Doch die Probleme rissen nicht ab: Wenig später erhielt die Kerth-Gruppe vom Rat der Stadt Erfurt die Auflage, sich wegen Verbreitung „amerikanischer Unkultur“ in der Produktion zu bewähren. Kerth spielte dennoch weiter, flog aber schließlich auf.[57] Auf Dauer entkam niemand den Nachstellungen der Kulturwächter. Im Januar 1968 gerieten die Gothaer WOSTOKS, zuvor schon als THE POLARS verboten, wieder in die Fänge des Regimes. Der Vorwurf lautete diesmal, die Gruppe habe Westzigaretten geschmuggelt, neben einer Verwarnung erging ein vorübergehendes Spielverbot. Als eine harmlose Äußerung eines Bandmitglieds, die der Stasi zugetragen wurde, landete der Musiker für ein Jahr im Gefängnis. Auch die WOSTOKS wurden nun für immer verboten. Zum Verbot beigetragen, so zumindest munkelte man im Anschluß, habe auch das Gerücht, dass Mädchen bei den Konzerten der Band unter ihren Mini-Röcken keinen Slip trugen.[58] Zwar erhielten die Musikanten um Wilfried Woigk, wenige Monate nach dem Verbot der WOSTOCKS, die Neuzulassung unter dem vom Band-Organisten gespendeten Namen Reiner-Fritzlar-Combo doch auch ihr Ende schien vorherbestimmt. Bei einer Kontrolle der AWA im Dezember 1971 war festgestellt worden, dass die Gruppe rund 96 Prozent Westtitel gespielt hatte. Darunter Titel, die unter die Kategorie „Verbotene Einfuhr“ fielen. Die Polizei gab Rundschreiben an Veranstalter im ganzen Land heraus, in denen diese aufgefordert wurden, die Gruppe nicht mehr zu engagieren. Ein einziges Mal noch gelang es, den Überwachern zu entkommen. Nach dem Verbot verabschiedete sich die Combo in Mühlhausen mit einem illegalen Abschlusskonzert.[59]

Auch in Berlin wurden im Zuge der Beatoffensive zahlreiche befristete und unbefristete Auftrittsverbote ausgesprochen. So erhielten die BRIGHTLES 1965 nach mehreren Konzertabsagen und regionalen Spielverboten ein Verbot auf Lebenszeit. Gruppenmitglieder hätten eine DDR-Fahne an einer Gaststätte heruntergerissen, hieß es. Ein politischer Vorwurf, der auf mehr als ein Spielverbot zielte. Wegen Diffamierung von DDR-Symbolen kam es zu einem Strafverfahren, in dessen Verlauf zwei Mitglieder zu Bewährungsstrafen verurteilt wurden.[60] Das Diana-Show-Quartett stand schon lange auf der Abschussliste, bereits 1965 erteilte die Abteilung Kultur beim Rat des Stadtbezirks Friedrichshain ein erstes Spielverbot. In der Begründung hieß es: „Während einer Tanzveranstaltung mit der Diana-Show-Band ist es in einem anderen Stadtbezirk vor Monaten zu Schlägereien gekommen.“ Die Sicherheit im Klub habe deshalb nicht mehr garantiert werden können.[61] Der Baßgitarrist Jörg Schütze, der später zu B-Club 66 wechselte, wurde von der Bühne weg verhaftet und wegen asozialen Verhaltens inhaftiert. Ausschlaggebend für das endgültige Verbot aber war der Eulenspiegel-Artikel und die darauf folgende Solidarisierung des westdeutschen Magazins „Stern“ mit dem Diana-Show-Quartett.

1966 erhielten die im Raum Cottbus und Potsdam für Aufsehen sorgenden CRAZIES wegen Verbreitung „westlichen Liedgutes“ und „antisozialistischer Musik“ Auftrittsverbot. Im September 1967 wurde den TORNADOS (1965 aus den CRAZIES hervorgegangen) durch den Rat des Kreises Zossen, Abteilung Kultur, die Spielerlaubnis entzogen. „Die Kapelle wird der Aufgabe, vorbildlich auf andere zu wirken nicht gerecht werden“, hieß es. Und das war nicht alles. „Zu hohe Gagenforderungen, zu lautes Musizieren, Nichteinhalten der gesetzlichen Programmproportionen, unästhetisches Verhalten auf der Bühne, obszöne Lieder, das Verhalten der Kapelle und das Tanzen Jugendlicher ohne Schuhe“, seien als Beschwerden eingegangen. Darüberhinaus habe die Kapelle gegen die Auflagen des Rates des Kreises verstoßen.[62] Im Juli 1968 erhielten die Hoermens, vorher als TORNADOS bekannt, Auftrittsverbot im Kreis Luckenwalde. Anlass war eine Veranstaltung am 26. Juli 1968 in Trebbin.[63] Nur der Anfang vom Ende: Im März 1969 erging das Spielverbot auch für den Kreis Herzberg. In einem Schreiben des Rates des Kreises heißt es: „Betrifft Auftritt der Kapelle Hoermens am 09.03. 1969 von 15 bis 21 Uhr. Unliebsame Vorfälle: 5 Personen-Kapelle reiste mit Bus und in Begleitung von Jungen und Mädchen, darunter 8 Jungen mit langem Haar, an. Übermäßig lautes Spielen, zu viel englisch, veranstalteten Beatschau. Streit zwischen Jugendlichen und Angehörigen der bewaffneten Organe.[64] Am 24. September 1969 schließlich stellte das Volkspolizei-Kreisamt einen Antrag auf Entzug der Spielerlaubnis für die Kapelle Hoermens, welchem schließlich stattgebenen wurde.[65] Am 27. Oktober 1970 erfolgte das Verbot auf Lebenszeit. Der Rat des Kreises Zossen gab in einer Mitteilung an alle Räte der Kreise des Bezirkes Potsdam bekannt: „Kapelle Hoermens ist mit sofortiger Wirkung die staatliche Spielerlaubnis entzogen. Bitte um Benachrichtigung an alle Bezirke der Republik, die wiederum alle Kreise benachrichtigen sollen.[66] Anfang Juli 1971 legte Bandchef Volker Thiele gegen das Auftrittsverbot seiner Gruppe bei der Kulturabteilung des Rates des Kreises Zossen Einspruch ein. Doch vergeblich, die Hoermens erhielten ihre Spielerlaubnis nicht zurück. Fast gleichzeitig kam es zur illegalen Neugründung der Band unter dem Namen SCIROCCO. Wenig später machte die Band um Volker Thiele heimlich Aufnahmen für einen Auftritt in der Fernsehsendung „Notenbank“. Noch im Juli 1971 suchte der Abteilungsleiter für Kultur und der Direktor des Kreiskabinetts für Kulturarbeit das Studio auf, um die bevorstehende Ausstrahlung der Sendung zu hintertreiben.[67] In einem Brief des Deutschen Fernsehfunks hieß es u.a. „Rat des Kreises versuchte Fernsehfunk vom Auftreten der Band bei Fernsehproduktion abzuhalten (Bedenken). Fernsehfunk und Kulturministerium widersprach 2 Stunden vor Ausstrahlung der Sendung dem Rat des Kreises und erteilten mit sofortiger Wirkung die Zulassung für Scirocco.[68] Dies war ein einmaliges Vorkommnis, daß die Partei dem Rat des Kreises nicht folgte. 1972 hatte sich die Gruppe um die Teilnahme an der FDJ-Werkstattwoche beworben, jedoch erfolgte keine Einladung. Später hieß es, die FDJ Bezirksleitung habe die Gruppe nicht gekannt.[69] Nachdem Schlagzeuger Dietmar Ahrens einen Ausreiseantrag gestellt hatte, wurden der Band Konzertreisen ins Grenzgebiet untersagt.

So oder ähnlich schlugen die Behörden in allen Regionen der DDR zu. Besonders in Magdeburg, Halle, Dresden oder im Erzgebirge hagelte es Bandverbote wie das, das die von Stefan Gerlach gegründete Band GOUVERNEURS traf. Trotz überregionaler Erfolge wurde die Gruppe im Zuge des 11. Plenums im Dezember 1965 vom Rat des Kreises Aue, Abteilung Kultur verboten. Der Grund für das Aus mußte nicht lange gesucht werden: englischer Bandname, westliche Musik und lange Haare. Die Band erhob Einspruch und erklärte sogar in einem Zeitungsinterview, anspruchsvollere Beat-Musik mit eigenen Lieder machen zu wollen. Wohl wegen dieser ungewöhnlichen öffentlichen Wortmeldung wurde die Gruppe nach ihrem Verbot zur Einstufung zugelassen. Als der Druck der Behörden jedoch nicht nachließ, nannte man sich in STEWARDS um. Dann folgte der Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in der ČSSR, Mitglieder und Fans der STEWARDS solidarisierten sich mit der Reformbewegung und wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt. Danach machte der Rat des Kreises Aue Schluss – er entzog den STEWARDS die Spielerlaubnis. Unter dem Pseudonym FORTE QUINTET trat die Gruppe danach einige Zeit ohne Auftrittsgenehmigung auf. Der Versuch, unter neuem Namen von vorn anzufangen, misslang. Die Einstufungskommission erteilte dem Quintett keine Spielerlaubnis. Es war das Ende einer vielversprechenden Beat-Kapelle: Nach dem neuerlichen Verbot stellte Bandmitglied Frank Neubert zermürbt einen Ausreiseantrag, zwei andere Mitglieder wurden nach gescheiterten Fluchtversuchen inhaftiert. Bandgründer Gerlach (zuvor GOUVERNEURS) blieb und gründete 1970 die Kultband SATORI.[70]

Die Kulturüberwacher feierten derweil erste Erfolge im Kampf gegen den Beat. 1969 stellte die Kulturabteilung des SED-Zentralkomitees in einer Einschätzung fest: „Ausschreitungen und Krawalle bei Tanzveranstaltungen treten gegenüber den Vorjahren geringer auf, Verbote von Kapellen wurden nur in Einzelfällen ausgesprochen [...].[71]

[...]


[1] Super Illu, 1995

[2] Der Autor des Buches war Zeuge der Ereignisse.

[3] Das Interview mit Thomas Schoppe führte Steffen Könau 2005.

[4] Privatarchiv Jürgen Kerth.

[5] Leserbrief M&R, 2007.

[6] HP Joco-Dev. Mit freundlicher Genehmigung von Jörg Schenkel.

[7] Privatarchiv Jörg Schenkel

[8] Berliner Zeitung 15./16.09.2007.

[9] Gesetzblatt der DDR, Teil II, Nr. 112 vom 15.11.1965.

[10] Privatarchiv Siggi Queck.

[11] Privatarchiv Christian Rozek.

[12] Hofmann H.P, Beat, Rock, Rhythm&Blues, Soul (2. Auflage) S. 16.

[13] Balitzki, Geschichten vom Sachsendreier, S. 45/46

[14] Als ein besonderes Highlight bei den Abraxas-Auftritten galt das von zwei Drummern zelebrierte Kultstück »In-A-Gadda-Da-Vida« von Iron Butterfly.

[15] Privatarchiv Paul Banse.

[16] Metal Obsession Nr. 21, Juli 2007

[17] MfS BV Mgd. AOP 2049/83. BStU.

[18] Privatarchiv Jörg Schenkel.

[19] Privatarchiv Siegfried Queck

[20] Privatarchiv Siegfried Hörger

[21] Privatarchiv Margret Friedrich.

[22] Privatarchiv Siggi Queck

[23] Überprüfung der Amateurtanzmusiker am 19.4.1969 in Weimar. Privatarchiv Rainer Hasert

[24] Von der Firma Vermona gab es Verstärker, Lautsprecherboxen, Tasteninstrumente (Orgel, Synthesizer), später auch Drumcomputer.

[25] Ich war das U der Puhdys. Märkische Allgemeine, 22.01.2009

[26] Metal Obsession Nr. 21, Juli 2007

[27] Ich war das U der Puhdys. Märkische Allgemeine, 22.01.2009

[28] Privatarchiv Jörg Schenkel

[29] Privatarchiv Martin Jones

[30] Antrag zum Kauf eines Kleinbusses (12.2.1981). Privatarchiv Margret Friedrich.

[31] Privatarchiv Jörg Schenkel

[32] Ebd.

[33] Mit dem Instrumentalstück »Butlers-Boogie« landeten die BUTLERS 1964 den Hit des Jahres. Vier ihrer eigenen Lieder schafften den Sprung ins Amiga-Studio. Auch die Eigenkomposition »Bleib bei mir« entwickelte sich zu einem Butlers-Klassiker.

[34] Privatarchiv W. Woigk.

[35] Das Volk, April 1964.

[36] TLZ, 15.07.2008

[37] Privatarchiv Waldi Weiz

[38] Hofmann H.P, Beat, Rock, Rhythm&Blues, Soul (1. Auflage) S. 21.

[39] Fairmedia GmbH Management. produktion. pr.berlin.münchen

[40] Privatarchiv Jörg Schenkel

[41] Ebd.

[42] Privatarchiv Jörg Schenkel

[43] Privatarchiv Rainer Hasert

[44] Den Grund dafür lieferte offensichtlich eine Veranstaltung in Heiligenstadt/ Eichsfeld im Oktober 1970; trotz eines positiven Polizeiberichtes, kam es zu jener empörenden Auflage. Schreiben des Rates des Kreises Weimar, Abt. Kultur an Reiner Hasert (5.01.1971).Privatarchiv Rainer Hasert.

[45] Die Band spielte unter dem Namen Ornament 71 weiter, später endstand aus ihr die Gruppe Bayon.

[46] Privatarchiv Wilfried Woigk.

[47] Privatarchiv Gisbert Rieschel

[48] Privatarchiv Ecke Bethmann

[49] Der Leipziger Beataufstand im Oktober 1965 – MDR-Figaro.

[50] 1992 startete Alt-Butler Hans-Dieter Schmidt mit einer neuen Butlers-Band ein Comeback. Seit September 2004 tritt der Sänger Hans-Jürgen Beyer (früher Renft, Bürkholz-Formation und Schikora) mit den BUTLERS auf.

[51] Protestbewegung der Leipziger Jugend wegen des Verbots mehrerer lokaler Musikgruppen. Nach einer Zusammenkunft auf dem Leipziger Leuschner Platz am 31. Oktober 1965 wurden 264 Jugendliche verhaftet. Ein sofort eingeleitetes Strafverfahren entscheidet, daß 107 Personen zum Arbeitseinsatz in die Braunkohle geschickt werden.

[52] Betriebszeitung Der Gummiwerker Waltershausen.

[53] Privatarchiv Wilfried Woigk.

[54] TLZ, 15.07.2008

[55] Privatarchiv Waldi Weiz

[56] Interview Siegfried Hörger, Thüringer Allgemeine 18.07.2008

[57] Privatarchiv Jürgen Kerth

[58] Privatarchiv Wilfried Woigk.

[59] Ebd.

[60] Privatarchiv Jörg Schenkel

[61] Rauhut, Beat in der Grauzone, S. 83.

[62] Protokoll über die Aussprache mit der Tanzkapelle Tornados beim Rat des Kreises, Abt. Kultur Zossen (26.09.1967). Privatarchiv Volker Thiele.

[63] Aktenvermerk betreffs des Auftrittsverbotes im Kreis Luckenwalde (29.07.1968). Privatarchiv Volker Thiele.

[64] Brief des Rates des Kreises Herzberg, Bezirk Cottbus, Abt. Kultur an den Rat des Kreises Zossen (21.03.1969). Privatarchiv Volker Thiele

[65] Antrag der Volkspolizei, Kreisamt Zossen an den Vorsitzenden des Rates des Kreises auf Entzug der staatlichen Spielerlaubnis für die Kapelle Hoermens (24.09.1969). Privatarchiv Volker Thiele

[66] Mitteilung Rat des Kreises Zossen an alle Räte der Kreise des Bezirkes Potsdam (27.10.1970). Privatarchiv Volker Thiele

[67] Aktenvermerk (20.07.1971) Rat des Kreises Zossen, Abt. Kultur. Privatarchiv V. Thiele

[68] Aktenvermerk (03.08.1971) Brief des Deutschen Fernsehfunks der DDR an Rat des Kreises Zossen, Abt. Kultur. Privatarchiv V. Thiele

[69] Melodie & Rhythmus Ausgabe 05/1973.

[70] Privatarchiv Stefan Gerlach

[71] Rauhut, Rock in der DDR, S. 237

Ende der Leseprobe aus 136 Seiten

Details

Titel
Geschlossene Gesellschaft. Die DDR-Rockmusik zwischen Linientreue und Nonkonformismus
Autor
Jahr
2009
Seiten
136
Katalognummer
V139620
ISBN (eBook)
9783640487882
ISBN (Buch)
9783640488063
Dateigröße
1708 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bei der Arbeit handelt es sich um ein politisches Sachbuch.
Schlagworte
Geschlossene, Gesellschaft, DDR-Rockmusik, Linientreue, Nonkonformismus
Arbeit zitieren
Robert Winter (Autor), 2009, Geschlossene Gesellschaft. Die DDR-Rockmusik zwischen Linientreue und Nonkonformismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139620

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Titel: Geschlossene Gesellschaft. Die DDR-Rockmusik zwischen Linientreue und Nonkonformismus



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