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Geschlossene Gesellschaft. Die DDR-Rockmusik zwischen Linientreue und Nonkonformismus

Title: Geschlossene Gesellschaft. Die DDR-Rockmusik zwischen Linientreue und Nonkonformismus

Textbook , 2009 , 136 Pages

Autor:in: Robert Winter (Author)

Politics - History of Political Systems
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Ob im Fernsehen, in den Zeitungen, in der Literatur oder auf diversen Internetseiten, zwei Jahrzehnte nach dem Ende der DDR wird er überall mit Lobgesängen bedacht, der Ost-Rock. Über die wirklichen Tatsachen und Hintergründe wie über viele Beteiligte aber herrscht dabei Stillschweigen. Dabei waren es gerade heute fast vergessene Bands wie KLOSTERBRÜDER, KLAUS-RENFT-COMBO, JOCO-DEV-SEXTETT, FRACHTHOF, JÜRGEN-KERTH-QUINTETT, SATORI oder die BÜRKHOLZ-FORMATION, die den sogenannten „Ost-Rock“ prägten und maßgeblich beeinflußten. Die Lieder dieser Gruppen waren eigenwillig, urwüchsig und ehrlich, ein riesiges Publikum honorierte das mit Treue. Jedes Wochenende reisten Scharen von jungen DDR-Bürgern ihren Rock-Helden hinterher, per Anhalter oder oftmals schwarz mit der Bahn. Doch gerade als so etwas wie eine Szene im Entstehen begriffen war, schlugen die staatlichen Behörden zu. Es hagelte Abmahnungen, Auflagen, Spielverbote und Lizenz-Entzüge für die Bands. Fans wurden kriminalisiert und zu Staatsfeinden erklärt.

Unter dem Druck der Behörden spaltete sich die Rockszene: Gruppen wie TEAM 4, PUHDYS, KARAT oder CITY arrangierten sich mit der Staatsmacht – bei Fernsehauftritten wurden lange Haare hochgebunden, auf Wunsch der Behörden Gruppennamen geändert. Als Gegenleistung durften diese Bands Platten bei der staatlichen Firma Amiga oder sogar bei westlichen Labels produzieren, im Fernsehen auftreten und sogar ins kapitalistische Ausland reisen.

Auch in den Hitparaden des DDR-Rundfunks, mangels einer Verkaufsrangliste der einzige Gradmesser für den Erfolg, belegten ihre Titel vordere Plätze. Eine wirkliche Konkurrenz hatten PUHDYS & Co spätestens nach der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann nicht mehr zu fürchten, weil immer mehr Rockmusiker das Land entnervt Richtung Westen verließen. Die DDR blutete künstlerisch aus, die verbliebenen Gruppen badeten im eigenen Saft. Am Ende wurden die größten Stars von ihrem Publikum ignoriert oder sogar ausgepfiffen wie 1988 auf der Freilichtbühne von Weißensee.

Doch sie alle kamen wieder, PUHDYS, KARAT und CITY. Nach dem Zusammenbruch der DDR wurden aus den Staatsrockern die Erbverwalter des „Ost-Rock“, denen die Fans nun plötzlich wieder zujubelten.

Excerpt


1. Im Osten nichts Neues

Ostalgie und Verklärung der DDR-Geschichte

2. Die Beatentwicklung in der DDR

Wie alles begann

Die Rockrebellen der 60er

Die Zerschlagung der DDR-Beatbewegung

3. Von Fichtelberg bis Kap Arkona

Was angesagt war

Die ostdeutsche Life-Szene in den 70er und 80er Jahren

Auslandsreisen und Gastspiele – Die DDR-Künstler-Agentur macht Politik

4. Ich bau euch ein Lied

Die DDR-Rockmusik und das DDR-Rundfunklektorat

5. Amiga

Ignoranz und Willkür der staatlichen Schallplattenfirma

6. Abmahnungen, Spielverbote, Zwangsauflösungen

Der real existierende „Ost-Rock“ in Zeitzeugenberichten (1969-1989)

7. Der systemkonforme Ost-Rock

8. Band-Lexikon

9. Texte umstrittener und verbotener Lieder

Zielsetzung & Themen

Das Buch analysiert die kritische Geschichte der DDR-Rockmusik abseits der staatlich geförderten Bands. Ziel ist es, die systematische Unterdrückung von Underground-Bands durch Repression, Zensur und Auftrittsverbote aufzuzeigen und die verklärte Sicht auf den sogenannten „Ost-Rock“ zu hinterfragen.

  • Die systematische Ausgrenzung kritischer Musiker aus dem staatlichen Rundfunk.
  • Die Funktionsweise staatlicher Kontrollinstanzen wie das Lektorat und die Amiga-Plattenfirma.
  • Das Überleben der Underground-Szene in kleinen Sälen trotz staatlicher Schikanen.
  • Die Diskrepanz zwischen systemkonformen Vorzeigebands und den verbotenen Rockrebellen.

Auszug aus dem Buch

Die Zerschlagung der DDR-Beatbewegung

Während die Beatgruppen in den DDR-Medien Mitte der 60er Jahre noch ignoriert, oft aber auch anerkannt und sogar von der FDJ mit Lob überhäuft wurden, läutete Erich Honecker, seinerzeit Verantwortlicher für Sicherheitsfragen im Politbüro, am Ende des Jahrzehnts mit einem gezielten Angriff das Ende der Beatbewegung ein. In Vorbereitung des 11. Plenums des ZK der SED thematisierte Honecker das „Rowdytum“ im Umfeld von Veranstaltungen mit Beatmusik. Honeckers Rezept gegen die unbotmäßige Jugend, die lieber Stones hörte als FDJ-Lieder zu singen, war einfach: Honecker wollte, „dass die Abteilung Inneres der Räte der Bezirke und Kreise die Mitglieder solcher Gruppen (Gammler u. ä.), die gegen die Gesetze der DDR verstoßen, (...) in Arbeitslager einweisen.“

Im Bezirk Leipzig fand der ZK-Beschluss besondere Anerkennung; bald schon wurden Stimmen laut, die ein härteres Vorgehen und ein Verbot der Beatgruppen forderten. Ein FDJ-Funktionär äußerte, ihm sei „unverständlich, dass eine derartige Kapelle wie die BUTLERS überhaupt eine Spielerlaubnis erhalten habe“. Und ein junger, linientreuer Genosse empörte sich nach einem Konzertbesuch in einem Brief an das „Sehr geehrte Polizeipräsidium“ heftig und im richtigen Moment: „Alle beide waren wir entsetzt, dass in einem Arbeiter- und Bauern-Staat solche Musik zugelassen wird [...]. Die Kapelle muss sofort von der Bildfläche verschwinden.“ Die Angeklagten ahnten nichts, doch das Urteil war gefallen. Am 21. Oktober 1965 erhielten THE BUTLERS und weitere 64 Amateurkapellen des Bezirkes Leipzig ein unbefristetes Spielverbot. Im Falle der BUTLERS lautete die Begründung des Rates des Bezirkes Leipzig: „Die Kapelle fügt der sozialistischen Laienkunstbewegung Schaden zu. Ihr Auftreten steht im Widerspruch zu den moralischen und ethischen Prinzipien.“

Zusammenfassung der Kapitel

Im Osten nichts Neues: Die Einleitung beleuchtet die heutige Ostalgie-Welle und stellt dieser die düstere Realität der Repressionen gegenüber, die viele Bands damals erleben mussten.

Die Beatentwicklung in der DDR: Dieses Kapitel zeichnet die Anfänge der Beat-Szene nach, die stark vom Westen beeinflusst war und schnell in den Fokus staatlicher Verfolgung geriet.

Von Fichtelberg bis Kap Arkona: Es wird die authentische Live-Szene in den 70er und 80er Jahren beschrieben, die sich in kleinen, oft abgelegenen Sälen abspielte.

Ich bau euch ein Lied: Hier wird der staatliche Zensurapparat des Rundfunklektorats analysiert, der jeden Song auf ideologische Korrektheit prüfte.

Amiga: Dieses Kapitel zeigt die Macht des staatlichen Plattenlabels, das über Erfolg oder Misserfolg von Musikern entschied und künstlerische Willkür ausübte.

Abmahnungen, Spielverbote, Zwangsauflösungen: Der Fokus liegt auf der harten Unterdrückung von Bands durch Verbote und die Verfolgung durch Stasi und Volkspolizei.

Der systemkonforme Ost-Rock: Ein detaillierter Blick auf die Bands, die sich mit dem Regime arrangierten, um Privilegien, Studiozeiten und Auftrittsmöglichkeiten zu erhalten.

Schlüsselwörter

DDR-Rockmusik, Ost-Rock, Stasi, Zensur, Amiga, Rundfunklektorat, Spielverbot, Beatbewegung, Untergrund, Repression, Linientreue, Nonkonformismus, Kulturbehörden, Jugendtanzmusik, DDR-Geschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in diesem Buch?

Das Buch beleuchtet die wahre, oft düstere Geschichte der DDR-Rockmusik, abseits der glanzvollen Fassade des staatlich geförderten Ost-Rocks.

Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Die zentralen Themen sind Zensur, staatliche Repression gegen unliebsame Künstler, der Kampf um künstlerische Freiheit und die Rolle von Institutionen wie dem Rundfunklektorat.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, das Bild des „Ost-Rocks“ zu korrigieren und die Erfahrungen von Bands festzuhalten, die wegen ihrer kritischen Haltung verboten wurden.

Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewendet?

Der Autor nutzt Zeitzeugenberichte, Akten aus dem Stasi-Archiv sowie offizielle Protokolle und Dokumente, um die Repressalien gegen die Musiker zu belegen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der Zensur (Lektorat, Schallplattenproduktion) sowie die gezielte Zerschlagung von Beatbands in verschiedenen Regionen der DDR.

Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter?

Schlüsselbegriffe wie Repression, Stasi, Amiga und Spielverbot prägen die Analyse der DDR-Musikgeschichte.

Welche Rolle spielte das Amiga-Label für die Bands?

Amiga fungierte als staatliches Monopol, das nur systemkonformen Bands Plattenproduktionen ermöglichte, während kritische Künstler systematisch ignoriert wurden.

Wie war die Situation für Bands in der Provinz?

Bands in der Provinz sahen sich ebenso wie städtische Gruppen einer permanenten Überwachung und drohenden Auftrittsverboten durch lokale Kulturfunktionäre gegenüber.

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Details

Title
Geschlossene Gesellschaft. Die DDR-Rockmusik zwischen Linientreue und Nonkonformismus
Author
Robert Winter (Author)
Publication Year
2009
Pages
136
Catalog Number
V139620
ISBN (eBook)
9783640487882
ISBN (Book)
9783640488063
Language
German
Tags
Geschlossene Gesellschaft DDR-Rockmusik Linientreue Nonkonformismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Robert Winter (Author), 2009, Geschlossene Gesellschaft. Die DDR-Rockmusik zwischen Linientreue und Nonkonformismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139620
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