Das Verhältnis von Kirche und Schule in Sachsen im 19. Jahrhundert am Beispiel der Kirchschule Glösa


Bachelorarbeit, 2009
55 Seiten, Note: 2,0

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Fragestellung

2. Die Kirchschule Glösa
2.1. Geschichtliche Entwicklung der Parochie Glösa
2.2. Einordnung der Glösaer Schule in das Chemnitzer Schulwesen
2.3. Von der Gründung einer Schule bis zur Verwandlung in ein Wohnhaus

3. Die Bedeutung der Kirche im Schulwesen bis 1800
3.1. Die Situation im Spätmittelalter
3.2. Ausbreitung der Volksschule als Konsequenz der Reformation
3.3. Das 17. Jahrhundert bis zur Wende im 18. Jahrhundert

4. Schulwirklichkeit bis 1835
4.1. Die Anstellung eines neuen Lehrers
4.2. Mangelhafte Zustände

5. Das Volksschulgesetz von 1835
5.1. Voraussetzungen für das neue Gesetz
5.2. Bestimmungen des Gesetzes
5.3. Die Umsetzung in der Gemeinde Glösa

6. Schule in der Zeit des Vormärz und der Revolution
6.1. Die Emanzipationsbewegung der Lehrerschaft
6.2. Reaktion der Regierung
6.3. Glösa - fernab von allen stürmischen Veränderungen

7. Institutionelle Trennung von Kirche und Schule im Volksschulgesetz von 1873
7.1. Schlussfolgerungen der Politik aus der gescheiterten Revolution
7.2. Das Volksschulgesetz von 1873
7.3. Veränderungen auch für die Kirchschule Glösa

8. Zusammenfassung

1. Einleitende Fragestellung

Wenn man heute den Kirchberg in Glösa hinauf läuft und oben angekommen vor dem Portal der Kirche steht, so fällt einem sofort das schöne alte Fachwerkhaus gegenüber auf, die alte Kirchschule. Warum wohl steht das Schulhaus in so unmittelbarer Nähe zur Kirche? Diese Frage lässt sich leicht beantworten, wenn man sich die Geschichte der Volksschule in Sachsen betrachtet: der Schuldienst war seit der Errichtung der ersten Schulen stets zusammen mit dem Küsteramt ausgeübt worden.

Dass heute höchstens noch Religionslehrer mit der Kirche in Verbindung stehen, ist die Folge eines langen Prozesses, der sich im 19. Jahrhundert vollzogen hat. Nur schrittweise konnte sich die Schule von der kirchlichen Beaufsichtigung befreien. Sicher wären viele Entwicklungen und Fortschritte, besonders in der Anfangszeit schulischer Unterweisung für das gemeine Volk, ohne die Unterstützung der Kirche nicht möglich gewesen. Doch hat die Kirche vielerorts und auch zeitweise in Glösa, das Voranschreiten der Schulbildung behindert, etwa wenn geforderte Gesetzmäßigkeiten nur unzureichend umgesetzt und beachtet wurden.

Die vorliegende Arbeit möchte diese Entwicklung an ihren wichtigsten Eckpunkten nachskizzieren und dabei immer wieder eine Rückkopplung zur Kirchschule Glösa herstellen. Trotz der oft schwer lesbaren handschriftlich abgefassten Akten lässt es sich nachvollziehen, inwieweit erlassene Gesetze umgesetzt wurden. Zudem erhält man einen interessanten Einblick in die soziale Stellung, die der Schulmeister in der Gemeinde eingenommen hat und welche Anforderungen an ihn als Menschen gestellt wurden.

Durch diese Arbeit soll ein kleiner Teil der Regionalgeschichte von Chemnitz beschrieben werden.

2. Die Kirchschule Glösa

2.1. Geschichtliche Entwicklung der Parochie Glösa

Glösa ist heute ein Stadtteil im Norden von Chemnitz. Die Kirche liegt auf einem Berg, von allen Seiten der Umgebung aus gut sichtbar. Im Tal schlängelt sich der Fluss Chemnitz (Abb.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Der historische Kirchberg um 1840

Quelle: Die Parochie Glösa: In neue Sächsische Kirchengalerie. ca. 1902, 1121f.

Wie genau der Ort Glösa gegründet wurde, ist heute kaum mehr nachzuvollziehen. Wahrscheinlich jedoch kamen schon vor dem 11. Jahrhundert einzelne Slawen aus Rochlitz in diese Gegend. Ursprünglich war sie von einem dichten Urwald, dem Miriquidi, bewachsen. Daher kommt möglicherweise auch der Name „Glösa“. Aus dem Slawischen könnte er mit „Dornbusch“ übersetzt werden, so zumindest der Ortschronist Johannes Berger.[1] Im 11. Jahrhundert errichtetem kaiserliche Kriegsknechte einen Stützpunkt aufgrund der strategisch günstigen Lage. Mit der Rodung des Miriquidi im 12. Jahrhundert, wurde die Landschaft in Fluren eingeteilt und von Bauern aus dem Gebiet des Mittelrheins und der Mosel besiedelt. Von einer kleinen romanischen Kirche ist uns erstmals „1269 unter dem Schutz der Ritter von Blankenau“[2] berichtet, wobei der Blankenauer Grund die fünf Dörfer Glösa, Borna, Furth, Draisdorf und Heinersdorf zusammenfasst. Ihren Namen erhielt sie von den Siedlern, welche in ihrer Heimat besonders den Heiligen Jodokus verehrten. Die vielen Unruhen und Kriege im Mittelalter machten es auch in Glösa nötig, eine Wehranlage, bestehend aus einer Mauer inklusive drei Wehrtürme, um die Kirche zu bauen.

Damit bot sie in den unruhigen Jahren Schutz.

Die Kirche wurde von Anfang an vom nahe gelegenen Benediktinerkloster aus betreut. Allerdings kam das Kirchlehen[3] erst 1330 an das Kloster. 1522 erwählte der pensionierte kunstverständige Abt Heinrich von Schleinitz Glösa als seinen Ruhesitz. Ihm verdankt die Kirche einiges ihrer Gestaltung. Sicher ist auch der spätgotische St. Jodokus-Altar vom Meister Hans Witten auf Schleinitz' Initiative hin entworfen worden.

Schon kurze Zeit nach der Reformation ist 1539 zum Sonntag Cantate die erste evangelische Predigt von Pfarrer Bartholomäus Gölitzsch gehalten worden. Zur Parochie Glösa bestand damals aus den fünf Dörfern des „Blankenauer Grundes“. Hilbersdorf gehörte von der Mitte des 17. Jahrhunderts an bis 1881 ebenso zur Parochie. In Folge der Säkularisation des Benediktinerklosters zählte die Schloßvorstadt von 1688 bis 1864 zu den Filialen.[4]

Harte Rückschläge erleidete die Gemeinde Glösa im 30-Jährigen Krieg. Nicht nur die Sterbeziffer stieg schlagartig in die Höhe, sondern auch die Mutlosigkeit und Verzweiflung bei den Menschen.[5]

Den wohl tiefgreifendsten Einschnitt in der Geschichte der Kirche zu Glösa stellt der 2. Weltkrieg dar. Am 5. März 1945 wurde die Kirche bei einem Bombenangriff völlig zerstört. Ttrotz des Mangels an Baumaterial und fehlender Technik entschloss sich die Gemeinde ihre Kirche wieder aufzubauen. Am 28. September 1952 fand die Grundsteinlegung statt und schon zwei Jahre später erfolgte die Schlüsselübergabe für das Kirchenschiff durch Landesbischof Noth. Nach Fertigstellung des Kirchenturms wurde ein Durchbruch zwischen Kirchenschiff und Altarraum geschaffen und der Bau fand mit der Glockenweihe 1960 seine Abschluss.

2.2. Einordnung der Glösaer Schule in das Chemnitzer Schulwesen

Chemnitz entwickelte sich im 19. Jahrhundert besonders in Folge der industriellen Revolution zu einer äußerst produktiven Industriestadt. Doch Chemnitz war auch schon vorher sehr fortschrittlich.

Bereits Ende des 14. Jahrhunderts existierte eine Lateinschule, welche bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts als mit den sächsischen Fürstenschulen ebenbürtig galt. Aufgrund des Universalgelehrten Georgius Agricola, welcher hier über einen längeren Zeitraum als Schulvisitator amtierte, stand die Stadt in regem Austausch mit der Universität Leipzig, Philipp Melanchthon und dem Humanisten Erasmus von Rotterdam.

Allerdings musste die Lateinschule wegen der Gründung der ersten Bürgerschule 1831 vier Jahre später schließen. Bereits ein Jahr später öffnete die Königliche Gewerbeschule. Im Laufe dieses Jahrhunderts entwickelten sich Gymnasien, sowie 1888 auch eine Realschule. Demnach herrschte „eine breite Präsenz von höheren Schulen in der Stadt.“[6] In das Bild des Schulwesens gehörten aber ebenso die zahlreichen Volkschulen. Einen Überblick darüber erhält man, wenn man sich die folgende Aufstellung betrachtet: „Von 2622 Kindern waren 1826 1220 in Schulen der Stadt oder der Vorstädte untergebracht, 123 erhielten Privatunterricht, 170 wurden in Fabrikschulen und 850 in 17 Winkelschulen unterwiesen. 259 Kinder waren ohne jeden Unterricht.“[7] Die Kirchschule Glösa war damit eine von vielen Vorstadtschulen.

Während des 2. Weltkrieges wurden, neben der Kirche zu Glösa, auch ein Großteil der Stadt zerstört. Bis auf eine wurden alle anderen Schulen beschädigt, sodass dort der Unterricht gar nicht oder nur teilweise fortgesetzt werden konnte. Zudem zogen durch die Industrialisierung viele Menschen in die Stadt. Deshalb wurden zahlreiche neue Schulen gebaut, um den Pflichtbesuch, die Berufsausbildung und die weiterführende höhere Bildung zu sichern.

2.3. Von der Gründung einer Schule bis zur Verwandlung in ein Wohnhaus

Ein Anliegen der Reformatoren war die Schulbildung für alle Menschen. Denn trotz, dass Martin Luther die Bibel ins Deutsche übersetzt hatte, blieb sie für viel Menschen verschlossen. Aus diesem Grund wurde vielerorts den Kindern das Lesen und vor allem Luthers Kleiner Katechismus gelehrt. „ Eine Urkunde vom Jahre 1544 berichtet uns auch von der mit der Reformation eingeführten schulgeldpflichtigen Unterweisung in unserer Gemeinde.“[8] Es handelte sich dabei um eine Beschwerde des Pfarrers über seinen Küster. Doch darüber soll noch an anderer Stelle genauer informiert werden. 1613 war das erste Mal von einem Schulmeister die Rede. Sicherlich wird bis zu diesem Zeitpunkt der Unterricht noch im Pfarrhaus stattgefunden haben, da die erste urkundliche Erwähnung eines Schulhauses erst aus der im Jahr 1671 stattgefundenen Kirchen- und Schulvisitation existiert. Darin wir gemeldet, dass „fast jedes Einrichtungsstück verschwunden ist, also fast ein Vierteljahrhundert nach dem 30-jährigen Kriege.“[9] Daraus schlussfolgert Johannes Berger, dass die Schule schon vor diesem Krieg[10] gestanden haben muss. Tatsächlich findet sich auf einem Ausschnitt einer Karte von den „Schloßfeldern von Kempnitz“ „unterzeichnet von Balthasar Zimmermann markscheider Autor fecit Dresda 1622“[11] ein Indiz für das Vorhandensein einer Schule (Abb.2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Zimmermannscher Riß

Quelle: Berger: Aus der Vergangenheit der Gemeinde Glösa...,64.

Ursprünglich war die Kirchschule, so wie wir sie heute vorfinden, ein Fachwerkhaus mit Fachwerkober- und --untergeschoss.[12]

Im Jahr 1783 wurde das Schulhaus auf der nördlichen Seite wegen wachsender Schülerzahlen erweitert und bereits 1806 wurde die Schulstube wieder renoviert. Nur 30 Jahre später erfolgte der zweite große Umbau, ebenfalls aufgrund der hohen Schülerzahlen[13], obwohl die Dörfer Borna und Heinersdorf bereits 1835 über eine eigene Schule verfügten.[14] „[D]er Eingang ins Schulgebäude wurde mit großer Wahrscheinlichkeit von der Kirche zugewandten Seite an seinen heutigen Platz verlegt […] [R]echts vom Eingang [befand sich] die circa 48 m² große Schulstube […] [und] [i]m Obergeschoss […] die Wohnung des Lehrers“[15].

Doch die Bevölkerung des Ortes wuchs im Laufe des 19.Jahrhunderts weiter, sodass die kleine Kirchschule nicht mehr genügend Raum für die große Anzahl der Kinder bot. Dieser Mangel wurde mit dem Bau einer neuen Schule 1882 mit anfänglich 2 Klassenzimmern und 2 Lehrerwohnungen behoben. Nach und nach baute man die Lehrerwohnungen zu Klassenzimmern um. Die Erweiterung des Schulhauses 1902 um 2 Klassenzimmer, schaffte zusätzlichen Platz für die Kinderschar[16]. Dadurch wurden die Räume der alten Kirchschule nicht mehr genutzt und 1888 an den Fabrikarbeiter Carl Friedrich Großer verkauft. Seither dient das Gebäude nur noch zu Wohnzwecken.

Zahlreiche Umbauten sind im vergangenen Jahrhundert durchgeführt worden und während des Bombenangriffs im zweiten Weltkrieg wurde vieles von dem historischen Gebäude zerstört. Die heutigen Besitzer, Familie Fuchs/Hübsch, sanieren es nun kulturdenkmalgerecht.[17]

Schon bald nach der Erbauung des neuen Schulhauses wurde klar: auch dieses kann die starken Klassen nicht aufnehmen. Aus diesem Grund entschloss man sich eine weitere zentral im Dorf gelegene Schule zu errichten, welche 1927 mit nur 4 Klassenzimmern fertig gestellt wurde. Da die neue Schule nun immer noch nicht ausreichend Platz bot, wurde die alte Schule auf dem Kirchberg bis in die 1980er Jahre voll weiter genutzt[18] und dann abgerissen. Die neue Schule wurde im zweiten Weltkrieg nicht zerstört und wird auch heute noch als Grundschule Glösa genutzt.

3. Die Bedeutung der Kirche im Schulwesen bis 1800

3.1. Die Situation im Spätmittelalter

Bildung auf deutschem Gebiet konnte ohne die Kirche nicht gedacht werden. Sie war die Trägerin zahlreicher Dom-, Stifts- und Klosterschulen. Dabei stand besonders die Sicherung fähigen Nachwuchses für den Klerus im Zentrum ihres Aufgabenbereichs. Erwachsen sind die Schulen ursprünglich aus dem Bedarf an Sängern für einen Knabenchor. Damit die liturgischen Texte sinnerfassend vorgetragen werden konnten, benötigten die Knaben Lateinkenntnisse. Diese, wie auch das Schreiben, Lesen und Singen sollten sie nun in den Schulen erlernen. Anspruchsvolle Lateinschulen vermittelten neben diesen Fähigkeiten auch das „Trivium“, das heißt, Unterricht in Grammatik, Dialektik und Rhetorik.

Auch in kleineren Städten und Dörfern wurden ab etwa 1400 Knaben zum liturgischen Gesang ausgebildet. Allerdings wurden diese „Schulen“ aufgrund ihres geringen Stelleneinkommens von eher ungebildeten Küstern gehalten und fanden meist auch nur außerhalb der Erntemonate statt.

Nach Besuch der Lateinschule war es möglich an einer Universität zu studieren. Diese standen ebenso in enger Verbindung mit der Kirche. Es gab im Raum Mitteldeutschland drei bedeutende Universitäten: Die Älteste von ihnen wurde 1392 in Erfurt gegründet; wenige Jahre darauf die Universität in Leipzig. Fast ein Jahrhundert später folgte die Universität Wittenberg im damaligen ernestinischen[19] Sachsen.

Es bestand weder eine allgemeine Schulpflicht noch gab es eine flächendeckende Bildung für Mädchen. Lediglich in einigen Fällen geschah dies auf Initiative von Nonnenklöstern.[20] Bildung konnte sich zudem nicht jeder leisten, denn der Besuch einer Lateinschule war teuer. Das Beispiel Martin Luthers berichtet, dass sein Vater, ein Bergmann und Bauer[21], viel Geld sparen musste um den beruflichen Werdegang seines Sohnes zu finanzieren. Am Ende des Spätmittelalters kam immer mehr der Wunsch nach Reformen auf, die sich auch auf das Bildungswesen bezogen. Die Kinder zu dieser Zeit, und auch noch viele Jahrhunderte später, mussten häufig die Grammatik oder Texte einfach nur hören und auswendig lernen. Dabei erhielten sie kein tieferes Verständnis für die Unterrichtsinhalte. Besonders der Humanismus versuchte dem entgegen zu wirken. Sein Ziel, die Vervollkommnung des Menschen, sollte über sprachlich- geistliche Bildung, besonders Griechisch und Latein, erreicht werden.

3.2. Ausbreitung der Volksschule als Konsequenz der Reformation

Dieses Gedankengut wirkte unmittelbar auf Philipp Melanchthon, denn nur wer die biblischen Sprachen beherrscht, war befähigt die Bibel richtig zu verstehen und somit ein freier Christ zu sein.

Dadurch kam es, dass in Folge der Reformation auch das Schulwesen neu gestaltet wurde. Mithilfe von Visitatoren[22] sollten die Kirchen und Schulen unterstützt werden. Als Leitfaden diente dazu die Schrift „Unterricht der Visitatoren an die Pfarrherren im Kurfürstentum Sachsen“. Darin wurden die Küster in den Auftrag gestellt sich um die Bildung der Jugend zu kümmern. Deutlich wird hieraus, wie stark die Verbindung zwischen Kirche und Schule war.

Die schulische Unterweisung hatte ihren festen Ort in unmittelbarer Nähe zur Kirche. Denn auch das Einkommen bezog der Küster neben dem Schulgeld ausschließlich von Seiten der Kirche. Ihm stand eine freie Wohnung, ein vierteljährlich gezahltes Gehalt für den Unterhalt und auch die Nutzung von Dienstländereien, wie etwa ein am Schulhaus gelegener Garten, zu.[23] Der Schulmeister zu Glösa hatte 1544 außer dem wöchentlich zu zahlenden 1/2 gr. Schulgeld eine freie Wohnung, ein Holzdeputat, Freitische und Lieferungen der Bauern mit Getreide, Brot, Käse und Eiern zur Verfügung. Aus der Kirchrechnung von 1623 geht außerdem hervor, dass er 3 gr. erhielt und 4 gr. Quartalgeldt4 gr. für das Waschen der Kirchengeräte und 8 gr. für das Leuten der Glocken und das Stellen der Zeiger. Ab 1630 kamen zusätzlich 3 gr. Schreibgebühr hinzu, welche ihn für das Führen des kirchlichen Tagebuchs entlohnte.[24]

All dies wird erstmals in der Kirchen- und Schulordnung von 1580 festgehalten und erhielt damit einen verbindlichen gesetzlichen Rahmen. „So bedeutet das Jahr 1580 einen Merkstein in der Geschichte des Schulwesens, insofern, als damit zum ersten Male eine Regelung der Schulverhältnisse auf dem Weg der Gesetzgebung erfolgte.“[25] Unterrichtet werden sollte in drei Abteilungen[26] der Katechismus, Singen, Lesen, Schreiben und Rechnen durch einen fähigen Lehrer. In der Kirchschule Glösa lag wohl der Schwerpunkt auf dem Schreiben.[27] Die Eltern wurden angehalten ihre Kinder in die Schule zu schicken, es bestand aber keine Schulpflicht. Über die Ferien gab es keine Regelungen; im Bedarfsfall sollte, wie auch über die Auswahl der Schulbücher, der Pfarrer entscheiden. Der Superintendent stand in seiner Entscheidungsgewalt über dem Pfarrer und sollte sich über den Zustand und die Erfolge der ihm untergebenen Schulen informieren und dazu die Schulen halbjährlich besuchen. Hingegen sollte sich der Pfarrer wöchentlich einen Überblick über die Fortschritte und das Verhalten des Lehrers verschaffen, denn Lehrer wirken als Vorbilder auf die Kinder und nicht selten kam es vor, dass der Lehrer durch negatives Verhalten auffiel, wie die Beschwerde des Pfarrers zu Glösa aus dem Jahr 1544 zeigt.[28] Aus diesem Beispiel geht aber nicht nur schwerpunktmäßig die sittliche Anstößigkeit hervor, sondern auch vieles über das enge und abhängige Verhältnis zwischen Pfarrer und Küster. Zum einen fühlte sich der Pfarrer übergangen, weil er bei der Auswahl des neuen Kirchners nicht gefragt wurde, sondern die Anstellung lediglich der Richter entschieden hat. Zum Anderen wurde von dem Kirchner verlangt, dass er die Kinder anleitet Sonntags in die Predigt zu gehen. Außerdem wurden seine Fähigkeiten im Lesen und Schreiben bemängelt. Jedoch ist hier anzumerken, dass dies nur bemerkt wurde und somit nicht der ausschlaggebende Grund für das Schreiben an den Richter darstellt. Es ist anzunehmen, dass diese schlechten Voraussetzungen durchaus keine Seltenheit unter den Dorfschullehrern waren. Das Singen während des Gottesdienstes und Läuten der Glocken, sowie die Führung des Kirchbuchs gehörten ebenso zu den Aufgaben des Kirchdieners. Der Pfarrer von Glösa verlangte weiter, dass der Küster ihn um Genehmigung von Urlaub fragte. Zusammenfassend ist also ersichtlich, dass die Kirchen- und Schulordnung von 1580 viele Gegebenheiten, die sich im Laufe des 16. Jahrhunderts entwickelt haben und von den Visitatoren geleitet wurden, nun in einem verbindlichen Rahmen festschreibt.

3.3. Das 17. Jahrhundert bis zur Wende im 18. Jahrhundert

So hervorragend und mustergültig diese Regelungen auch sein mochten, muss dennoch folgendes festgestellt werden: „was das 16. Jahrhundert mühsam aufgerichtet hatte, ging im 17. Jahrhundert fast vollständig zugrunde.“[29] Die Pfarrer kamen nur sehr selten ihrer Aufsichtspflicht in vollem Umfang nach[30], sicher auch weil es einen enormen Zeitaufwand, der nicht immer aufzubringen war, forderte. Ein weiterer Faktor, welcher die Entwicklung des Schulwesens enorm behinderte, war mit Sicherheit der 30-Jährige Krieg. Für die Bevölkerung waren gerade in diesen Zeiten andere Dinge von wesentlicher Wichtigkeit, als ihre Kinder in die Schule zu schicken und ganz andere Ängste und Nöte bedrücken die Menschen. Noch 25 nach dem Krieg musste die Chemnitzer Kirchen- und Schulvisitation feststellen, „dass auch aus der Glösaer Schule fast jedes Einrichtungsstück verschwunden ist“.[31] Unter solchen Umständen war ein ordentlicher Unterricht wohl kaum möglich. Zahlreiche Dekrete, die die Kirchen- und Schulordnung von 1580 wieder ins Bewusstsein rufen sollten, blieben ohne Erfolg, wie wiederum eine Beschwerde eines Bornaers, Johann Gottfried Matheß, belegt: „das Schule-Wesen auch so beschaffen ist, daß die Kinder in dem Christentum und andere nötige Wissenschaften nicht hinlänglich unterrichte werden können.“[32] Hier wurde nicht nur Kritik am örtlichen Schulmeister geübt, sondern am gesamten Schulwesen.

Wenn auch nur langsam, kam es im 18. Jahrhundert zur Wende. „Befruchtend wirkte namentlich der Pietismus“[33], der durch eine persönliche, individuelle Frömmigkeit auch auf eine Verbesserung des sittlich- moralischen Handelns zielte. Einer der Hauptvertreter des Pietismus, August Hermann Francke[34], lenkte den Blick auf die traurigen Zustände in den niederen Volksschichten, welche zudem oftmals neben der Schule auch die Lehrperson gering schätzten. Er konnte durch seine Vorbildwirkung sogar das öffentliche Schulwesen beeinflussen. Dabei lag der Schwerpunkt des Unterrichts auf dem Fach Religion, das die Kinder zu Pietät erziehen wollte.

Daneben war es aber auch die Aufklärungsbewegung, die direkt Einfluss auf die Wissensvermittlung nahm. Die Zielsetzung „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“, welche durch Immanuel Kant geprägt wurde, setzte unmittelbar an der Notwendigkeit eines umfassenden Wissens an. Wissen beinhaltete dabei auch den richtigen Gebrauch des Verstandes, der das selbstständige Denken voraussetzte. Getrieben von der Bewegung der Zeit entschloss sich die Regierung am 17.3.1773 eine erneuerte Schulordnung zu verabschieden, die auf die aktuellen Gegebenheiten einging und gleichzeitig auf die Kirchen- und Schulordnung von 1580 zurückgriff. Ab jetzt bestand für alle Kinder im Alter von 5 bis 14 Jahren die Pflicht, in die Schule zu gehen. Eine Ausnahme bildeten dabei die Orte ohne Schule. Dort durften die Kinder auch erst mit 6 Jahren die Schule besuchen. Aber, und darin bestand vor allem die Neuerung, die Schulpflicht wurde auf alle Orte ausgedehnt. Eltern, die ihre Kinder zum Beispiel in den Erntemonaten nicht zur Schule schickten, mussten, wie schon in der Verordnung von 1769, eine Strafe von 60 gr. bezahlen. Es wurde die Möglichkeit eingeräumt, dass für besonders arme Eltern das Schulgeld für die Kinder von der Kirche bezahlt wurde. Die Kinder sollten in 3 „Haufen“ unterrichtet werden. Diese Empfehlung geht bereits auf Philipp Melanchthon zurück. Weiterhin enthielt die Schulordnung einen wenig detaillierten Wochenstundenplan[35] mit zusätzlichen Informationen zum Religionsunterricht. Dem Einfluss der Aufklärung ist es zu verdanken, dass außerdem realistische Unterrichtsgegenstände[36] eingeführt wurden. So wird dem Vorwurf, dass die Schule zu einseitig auf Kirche ausgerichtet war, Rechnung getragen. Deutlich wurde nochmals die Visitation, durch den Pfarrer wöchentlich und durch den Superintendenten jährlich, angeordnet. Hierbei sollte besonders auf die Unterrichtsqualität, die der Lehrer an den Tag legt, geachtet werden. Zweimal im Jahr, zu Misericordias Domini und Michaelis[37], sollten Prüfungen der Schülerinnen und Schüler vom Pfarrer durchgeführt werden. Dazu hatte der Lehrer dem Pfarrer Tabellen vorzulegen, die den aktuellen

Wissensstand der Jungen und Mädchen dokumentierten. Im Zusammenhang mit den Schulprüfungen sollten vom Pfarrer sogenannte Schulpredigten gehalten werden, in denen er den Eltern den Nutzen und die Notwendigkeit des Schulbesuchs erklärte. Kinder im Alter von 14 Jahren erhielten nach bestandener Schulprüfung die Konfirmation. Erst danach waren die jungen Erwachsenen zum Abendmahl zugelassen und nicht mehr schulpflichtig. Hieran wird erneut deutlich, wie eng verschlungen die Kirche und die Schule waren. Die Konfirmation hat ihre Wurzeln in der Reformation und ist in dieser Zeit eine Folge des Pietismus.

An die Lehrer wurden ganz konkrete Anforderungen formuliert, die neben der fachlichen Kompetenz bezüglich der Unterrichtsfächer und im Umgang mit Kindern auch den Lebenswandel im Auge hatten. Der Pfarrer hatte nicht nur die Befugnis, sondern auch die Pflicht, den Lehrer in regelmäßigen Unterredungen zu ermahnen. Außerdem durfte der Lehrer ab sofort keinerlei Nebenbeschäftigung mehr nachgehen. Oft war es üblich, dass die Lehrer auf Grund des zu geringen Einkommens gezwungen waren nebenher zum Beispiel einen handwerklichen Beruf meist auch in der Schulstube auszuüben. Es war durchaus möglich, dass der Lehrer während des Unterrichts noch Näharbeiten verrichtete. Schließlich wurde, um die Qualität des Unterrichts noch mehr zu verbessern, auch ein separater Unterrichtsraum gefordert.[38]

Inwieweit die erneuerte Schulordnung umgesetzt wurde, lässt sich auch in Glösa an einigen Punkten nachvollziehen. Bevor der damalige Schulmeister Carl Traugott Schilden[39] zu Ostern 1778 mit Schultabellen[40] begann, findet sich eine Akte über die gelehrten Inhalte mit Bemerkungen über die Anwesenheit von Michaelis 1777 bis Ostern 1778.[41] Die Kinder waren in 3 Klassen mit Knaben und Mägdlein eingeteilt. Die Tabelle führte den Namen, das Alter sowie die Zeit der Re[c]eption in die Schule auf. Anschließend wurden die versäumten Schulle[c]tionen in Monaten, Wochen, Tagen und Stunden notiert. Dabei fehlten die meisten Kinder zwischen einem und fünf Monaten. Das wiederum heißt, dass die angeordnete Schulpflicht weder von den Eltern noch vom Pfarrer in Form von Strafe wie gefordert umgesetzt wurde. Dementsprechend konnte auch das Mindestmaß an Bildung bei vielen nicht erreicht werden. Unter dem Tabellenkopf, „Profectus im Lernen“, wurde das Wissen der einzelnen Kinder in der Bibel und dem [C]atechismus, des Weiteren ihre Fertigkeiten im Lesen und Buchstabieren, im Schreiben und im Rechnen beurteilt. In der letzten Spalte wurden ihre Sitten mit Adjektiven wie nachlässig, unachtsam, faul, fleißig, gehorsam, folgsam oder aufmerksam eingeschätzt. Den Abschluss bildete ein Bericht über die gelehrten Inhalte, welcher gleichsam einen Einblick in die Art und Weise des Unterrichts gewährt: „Seyd der nach Ostern gehaltenen Schulprüfung ist von der 285. biß zu der 409. frage des Dresdner Cat(echismus) gelernet und catechifirt, auf die fünff Haupt-Stücke kürzlich zweymal drauf repetirt worden. Kinder sind gelernet worden: Teuch ein zu deinen Thoren und Treuer Wächter Israel. Von Bibl. Cap. Numer: 6. 9. 10. 11. 12. 14. 15. 17. 19. 20. 21. 22. 23. 24. Deutr. 5. 6. 7. 8. 13. 18. 22. 23. 31. 32. 33. u. 34. Jos. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 23. 24. Jud.

2. 3. 6. 8. 9. 10. 11. 12. 14. 15. 16. 19. Ruth. 1. 2. 3. 4. 1.Sam. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 15. 16. 17. 18. 19. 22. 23. 24. 25. und 26. Auch von der 8. biß zu der hübnerischen Bibl. Historie, des neuern Testamentes durchgegangen worden. Dat: Glösa, nach gehaltener Schulprüfung den 6.Octobr.1778.“[42] Der Schwerpunkt des Unterrichtens lag, trotz der Anordnung auch Realien zu unterrichten, auf der Lehre des Katechismus. Obwohl Rechnen Lehrfach war, ist nicht ersichtlich, inwieweit es in den Prüfungen kontrolliert wurde. Berger beschreibt die Besoldung des Lehrers als ein „trübes Kapitel voll Unwürdigkeit und Abhängigkeit“.[43] Neben dem kirchlichen Einkommen und sonstigen Einkünften bestand das Gehalt 1774 aus den wöchentlich 6 Pf. Schulgeld pro Kind in Höhe von 9 rtl. 15 ngr. In die Zeit nach der erneuerten Schulordnung fällt auch die bereits erwähnte Erweiterung des Schulhauses an der nördlichen Seite. Aus der Aussage, die Berger hier tätigt, geht allerdings nicht hervor, ob die Schulstube tatsächlich nur als Unterrichtsraum genutzt wurde. Der Anordnung gegenüber den Pfarrherren, Bericht über die Schule an den Superintendenten zu schreiben, kam Pfarrer Christian Leberecht Schmidt[44] erst ab dem 1.7.1805 nach. In seiner Vorbemerkung schließt er: „Q.D.B.V.“[45]. Inhaltlich beschränkte sich das Protokoll meist nur auf die anwesenden Kinder und das jeweils vorherrschende Wetter. Am 29.7.1805 stellte er sogar fest: „Auch stand auf der einen Tafel eine Kaffeemühle, auf der anderen eine Schüssel voll eingeweichter Wäsche und am Ofen neben der Lesemaschine eine Waschwanne. Herr Cantor meinte, man habe nicht Raum und Gelegenheit, es anders anzubringen.“[46] Dieses Protokoll bestätigt zum einen die oben erwähnte anderweitige Nutzung der Schulstube und zum anderen lässt sich aus der Aussage des Kantors ableiten, dass er wenig Zeit hatte persönlichen Erledigungen nachzugehen, beziehungsweise ihm auch dazu der nötige Platz fehlte. Demzufolge waren sowohl seine materielle als auch soziale Lage nicht befriedigend.

[...]


[1] Johannes BERGER: Aus der Vergangenheit der Gemeinde Glösa/ Unveröffentlichtes Manuskript. Glösa 1955, 9. Johannes Berger war Schulleiter der Schule Glösa von 1929 bis 1945.

[2] Vgl. ebd,25.

[3] Kirche finanziert sich zum großen Teil aus Lehen. Das ist ein Grundbesitz, der kein Eigentum und damit nicht verkäuflich sondern Leihgabe ist und vererbbar. Dies führte bei der Trennung der Kirche von der Schule zu erheblichen Problemen. Ein Lehen der Kirche dient der Errichtung und Erhaltung des Gotteshauses und dem Unterhalt des Pfarrers sowie anderer kirchlicher Diener. Später entwickelt sich speziell das Kirchschullehen.

[4] Friedrich LEUNER: Die Parochie Glösa. In: Neue Sächsische Kirchengalerie: Die Ephorien Chemnitz I und II/ bearb. und hrsg. von den Geistlichen der Ephorie. Leipzig ca. 1902, 1119.

[5] SOLI DEO GLORIA II: Schrift der St. Jodokuskirchgemeinde anlässlich der Restauration des Pfarrhauses in den Jahren 1999/2000. Chemnitz 2000, 4f.

[6] CHEMNITZER HISTORISCHE SCHULEN/ hrsg. „Phönix“ Berufliches Bildungs- und FörderCentrum GmbH Chemnitz. Chemnitz 1997,9.

[7] Ebd, 9.

[8] Soli Deo Gloria II: Schrift der St. Jodokuskirchgemeinde …, 4.

[9] Berger: Aus der Vergangenheit der Gemeinde Glösa..., 107.

[10] Der 30-Jähriger Krieg wurde von 1618-1648 geführt aufgrund von Glaubenskonflikten im Deutschen Reich zwischen den einzelnen Deutschen Fürsten.

[11] Berger: Aus der Vergangenheit der Gemeinde Glösa..., 63.

[12] Vgl. Cathrin FUCHS: Die alte Kirchschule Glösa. Chemnitzer Roland: Mitteilungen aus dem „Blankenauer Grund“ 9(2002) 4. Beiheft ,3.

[13] Vgl. Berger: Aus der Vergangenheit der Gemeinde Glösa...,109.

[14] Vgl. DIE PAROCHIE GLÖSA. In: Sachsens Kirchen-Galerie: Achter Band:die Inspection: Chemnitz, Stollberg, Zwickau und Neustädtel. Dresden 1842, 114.

[15] Fuchs: Die alte Kirchschule Glösa...,3.

[16] Vgl. Berger: Aus der Vergangenheit der Gemeinde Glösa..., 144.

[17] Vgl. Fuchs: Die alte Kirchschule Glösa..., 4.

[18] Vgl. Gisela HELBIG: Der lange Weg zur Neuen Schule. Chemnitzer Roland 9: Mitteilungen aus dem „Blankenauer Grund“ 9(2002) 4. Beiheft , 5.

[19] 1485 wurde das Kurfürstentum Sachsen unter den beiden Söhnen Friedrichs II, Ernst und Albrecht der Beherzte, aufgeteilt.

[20] Vgl. Ralf THOMAS: Die Neuordnung der Schulen und der Universität Leipzig. In: Das Jahrhundert der Reformation in Sachsen/ im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft für Sächsische Kirchengeschichte anlässlich ihres 125- jährigen Bestehens/ hrsg. von Helmar Junghans. Leipzig 2005, 115-117.

[21] Luther sprach von sich selbst: „Ich bin eines Bauern und eines Bergmanns Sohn.“

[22] Visitatoren sind von der Kirche beauftragte Theologen und Juristen, die die Praxis in den Kirchgemeinden überprüften und in die rechte Ordnung lenkten.

[23] Vgl. Julius RICHTER: Geschichte der Sächsischen Volksschule. Berlin 1930, 451.

[24] Vgl. Berger: Aus der Vergangenheit der Gemeinde Glösa..., 108.

[25] Wilhelm PAETZOLD: Geschichte des Volksschulwesens im Königreich Sachsen. Leipzig Frankfurt a.M. 1908, 32.

[26] Gemeint sind hier Klassen, die nach den Fähigkeiten und Kenntnissen eingeteilt werden sollen.

[27] Dies schlussfolgert Julius Richter aus dem Schulgeldeinkommen. Vgl. Richter: Geschichte der Sächsischen Volksschule..., 48. Schulgeld wurde für einige Fächer wie zum Beispiel Rechnen gesondert gezahlt.

[28] Siehe dazu Anhang: Berger: Des Pfarrers zu Glesa Beschwerung über seinen Küster. 1544.

[29] Paetzold: Das Volksschulwesen …, 38f.

[30] Vgl. Richter: Geschichte der Sächsischen Volksschule...,87.

[31] Berger: Aus der Vergangenheit der Gemeinde Glösa..., 107.

[32] Ebd, 109.

[33] Vgl. Paetzold: Das Volksschulwesen..., 43. Man trifft sich in Konventikeln, kleinen Grüppchen, um in der Bibel zu lesen und Schlussfolgerungen für sein persönliches Leben zu ziehen.

Hauptvertreter sind unter anderem Philipp Jacob Spener (1635-1705) und Nikolaus Graf von Zinzendorf (1700-1760).

[34] Geboren am 22.3.1663 in Lübeck. War evangelischer Theologe, Kirchenlieddichter und Pädagoge. Gründete die Francke'schen Stiftungen für über 3000 Kinder. Fördert die Lehrerbildung. Stirbt am 8.6.1727 in Halle an der Saale.

[35] Ausführlich vgl. Richter: Geschichte der sächsischen Volksschule...,100f.

[36] Dazu gehören Erdbeschreibung, weltliche Geschichte, besonders des Vaterlandes, wirtschaftliche und handwerkliche Kenntnisse, Rechtskunde und andere „nützliche“ Dinge.

[37] Die Sonntage im Kirchenjahr tragen häufig lateinische Namen, die beispielsweise die Eingangsworte eines zu lesenden Psalms enthalten; zum Beispiel Misericordias Domini (die Barmherzigkeit des Herrn aus Ps.33,5) ist der 2. Sonntag nach Ostern. Michaelis ist zum Gedenken an den Erzengel Michael benannt und bezeichnet den letzten Sonntag vor dem Erntedankfest im September.

[38] Vgl. Hans-Martin MODEROW: Volksschule zwischen Staat und Kirche: Das Beispiel Sachsen im 18. und 19. Jahrhundert. Köln Weimar Wien 2007, 61-65.

[39] Schulmeister in Glösa 1750 bis 1806. Seit 1798 erhält er einen Substitut, Johann Samuel Keller zur Unterstützung.

[40] Akte aus dem Kirchenarchiv Chemnitz Glösa: 6/7, 1142: Schulberichte 1778-1874

[41] Siehe Anhang ebd.: Anzeige was seynd Michaelis 1777 biß Ostern 1778

[42] Ebd.

[43] Berger: Aus der Vergangenheit der Gemeinde Glösa...,.111.

[44] Geboren 1760 in Creisfeld bei Eisleben, Schüler von Schulpforta. Seit 1789 Anstaltsgeistlicher in Zwickau. Pfarrer in Glösa von 1798 als Nachfolger von M. Christian Gottlob Petsche bis zu seinem Tod 1835. Ab 1831 war ihm sein Sohn Ernst Leberecht Schmidt als Vikar zur Seite gestellt. Dieser sagte über seinen Vater: „Er war treu im Dienst des Herrn im wahren Sinne des Wortes, der liebevollste Gatte und Vater der Seinen, ein ein intellektueller und moralischer Hinsicht ausgezeichneter Mann - ein Geistlicher, wie er sein soll.“ Fragwürdig erscheint auf diesem Hintergrund nur, warum er dann erst 1805 erst mit den Schulprotokollen beginnt. (Vgl. Leuner: Die Parochie Glösa ..., 1137f.)

[45] „Quod Deus bene vertat“ heißt „Was Gott zum Besten lenken wolle“

[46] Stadtarchiv Chemnitz: A I 2/7: Acta die Revision der zur Parochie Glösa gehör. Schulen betr. 1805- 74

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Details

Titel
Das Verhältnis von Kirche und Schule in Sachsen im 19. Jahrhundert am Beispiel der Kirchschule Glösa
Hochschule
Universität Leipzig
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
55
Katalognummer
V139630
ISBN (Buch)
9783640473670
Dateigröße
1031 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verhältnis, Kirche, Schule, Sachsen, Jahrhundert, Beispiel, Kirchschule, Glösa
Arbeit zitieren
Lydia Simon (Autor), 2009, Das Verhältnis von Kirche und Schule in Sachsen im 19. Jahrhundert am Beispiel der Kirchschule Glösa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139630

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