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Der demokratische Städter und die schönen Bauernmädchen in den Revolutionsjahren 1848/49

Gewalt, Differenzen und Stereotypen der Verfolgung in Fanny Lewalds "Auf rother Erde"

Título: Der demokratische Städter und die schönen Bauernmädchen in den Revolutionsjahren 1848/49

Trabajo Escrito , 2009 , 28 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Rebekka Kochner (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana moderna
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In "Auf rother Erde" hat sich Fanny Lewald „nicht zur harmonisierenden Dorfgeschichte nach Art Berthold Auerbachs bekehrt“. Stattdessen stehen „Krisenphänomene und das jeweils ‚Andere’ einer Normgemeinschaft“ im Vordergrund ihrer Novelle.

In dem Erzähltext ist Gewalt nicht zuletzt wegen der historischen Rahmensituation ein zentrales Thema. Auch wenn das Jahr 1848 laut Gabriele Schneider „keine Zäsur im erzählerischen Werk“ bedeute, zeige sich Lewalds „durch und durch bürgerlich-liberale Haltung […] in ihrer Revolutionsnovelle“. Sie veröffentlichte den Erzähltext "Auf rother Erde" 1850 zeitgleich mit ihrer Briefsammlung "Erinnerungen aus dem Jahre 1848", als deren „fictional counterpart“ er gilt. In diesen Texten gestaltet Lewald ihre Eindrücke eines Besuchs in Paris im März 1848 sowie eine Geschichte in Westfalen vom Sommer 1848 bis zum Frühjahr 1849.

Um das Thema Gewalt in der Novelle zu untersuchen, ist es in erster Linie von Bedeutung, die Vielfältigkeit der Gewaltbegriffe zu berücksichtigen. Peter Imbusch unternimmt in seinem sozialwissenschaftlich orientierten Aufsatz einen Versuch, diese zu kategorisieren. Seine Erkenntnisse sollen in dem ersten Teil der vorliegenden Arbeit als theoretische Grundlage dienen. Imbusch geht dabei von einer begrifflichen „Ambiguität zwischen Ordnungszerstörung und Ordnungsbegründung“ aus. Diese kann als einer von mehreren Berührungspunkten gelten, an denen sich sein eigener und ein weiterer theoretischer Text ergänzen können: Um die im Text festgestellten Gewaltphänomene in einen Zusammenhang zu bringen, wird in einem zweiten Schritt René Girards „kulturübergreifendes Schema kollektiver Gewalt“ im Vordergrund stehen. Dabei sollen zuerst seine interdisziplinäre mimetische Theorie und besonders die „Stereotypen der Verfolgung“ kurz erklärt werden; danach möchte ich Entsprechungen in Fanny Lewalds literarischem Werk aufzeigen. Daher soll in dieser Arbeit die folgende Frage beantwortet werden: Wie bestimmen Gewalttaten und Stereotypen der Verfolgung die Ereignisfolgen in Fanny Lewalds "Auf rother Erde"?

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die literaturwissenschaftliche Theorie und Forschung

3 Übertragungsmöglichkeiten des sozialwissenschaftlichen Gewaltbegriffs

3.1 Dimensionen des Gewaltbegriffs in der Novelle

3.1.1 Die zentralen Dimensionen: direkt, institutionell und strukturell

3.1.2 Gewalt im ritualisierten und im übertragenen Sinne

3.1.2.1 Die Gewalt als Symbolik in einer Gemeinschaft

3.1.2.2 Der metaphorische Wortgebrauch von Gewalt

3.2 Erscheinungsformen der Gewalt in der Novelle

3.2.1 Mikro- oder Makrogewalt aus der Sicht eines unschuldigen Opfers?

3.2.2 Kollektive und staatliche Makrogewalt im Revolutionskrieg

4 René Girards Sündenbock-Theorie

4.1 Einordnung der ‚Stereotypen’ in die gesamte Theorie

4.2 Definition der ‚Stereotypen der Verfolgung’

4.3 Übertragungsmöglichkeiten der Stereotypen auf Ereignisse und Figuren

4.3.1 Die Figuren der Revolutionsnovelle im Bürgerkrieg

4.3.2 Die gesellschaftlichen Gruppen im Bürgerkrieg

4.3.3 Die Figuren der Revolutionsnovelle als Opfer

5 Ergebnisse und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und Funktion von Gewalt in Fanny Lewalds Revolutionsnovelle "Auf rother Erde". Ziel ist es, unter Einbeziehung sozialwissenschaftlicher Gewaltbegriffe und René Girards mimetischer Theorie zu erörtern, wie Gewalttaten und Stereotype der Verfolgung die Handlungsabläufe und Figurenkonstellationen in dem Erzähltext bestimmen.

  • Analyse der Gewaltformen (direkt, strukturell, rituell) in der Novelle.
  • Anwendung der Sündenbock-Theorie nach René Girard auf die Figurenkonstellation.
  • Untersuchung des Zusammenhangs zwischen privaten Konflikten und der politischen Revolutionssituation.
  • Darstellung von Rollenmodellen wie Täter und Opfer im Kontext gesellschaftlicher Krisen.

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Mikro- oder Makrogewalt aus der Sicht eines unschuldigen Opfers?

In Margarethes Binnenerzählung üben einzelne Täter „im sozialen Nahbereich“ individuelle Gewalt aus: Margarethes Vater und Bruder wurden bereits physische und psychische Gewalttaten zugeschrieben. Darüber hinaus schließen sich einzelne gleichaltrige Mitglieder der Dorfgemeinschaft zusammen, um Margarethe mit psychischen Misshandlungen aus ihrem Kreis auszuschließen. Da die Gewalt mit Mitteln ausgeübt wird, die die Psyche des Opfers angreifen, und da sie auf verschiedenen Konfigurationsebenen präsent ist, kann sie als Mischform betrachtet werden: Auf der ersten Ebene äußert sich die psychische Gewalt, die Margarethe erleidet, „als Summe individueller Gewaltakte“, die punktuell von mehreren Einzeltätern ihrer Altersgruppe ausgeübt werden. Diese einzelnen Täterfiguren haben eine private, soziale Beziehung zu Margarethe, so dass die Figur nicht als fremdes Opfer gelten kann, obwohl sie ohne persönliche Motive im öffentlichen Raum angegriffen wird. Die soziale Gruppe bildet im Dorf ein öffentliches Kollektiv, das aber das für Imbusch entscheidende Kriterium für eine kollektiv gewalttätige Gemeinschaft nicht erreicht: Es ist mit seiner „begrenzten Mitgliederzahl“ zu klein.

Die Gewalt des Täterkollektivs hat also schon auf dieser ersten Ebene eine paradox gemischte Erscheinungsform: Sie findet nicht „‚hinter den Kulissen’ der Öffentlichkeit“ statt, wirkt aber als individuelle, psychische Gewalt „im Verborgenen“. Die ‚unsichtbare’ Verletzung kann jedoch nicht als einziger Grund für das affirmative Verhalten der Öffentlichkeit gelten, das auf einer weiteren Ebene der Figurenkonfiguration von Bedeutung ist: Margarethe zeigt in ihrer Erzählung, dass die Normen des „übergeordneten Kollektivs“ im Dorf mit denen der Täter übereinstimmen: Diese große Figurengemeinschaft steht dem Mädchen zwar in keiner Konfiguration feindlich gegenüber, um ihr einen körperlichen oder psychischen Zwang anzutun. Eine solche Gewalttat wird aber nur knapp vermieden: „wenig fehlte, daß sie mir Kirchenbuße aufgelegt hätten“ (V: S. 54).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung verortet Fanny Lewalds Novelle im Kontext der 1848er Revolution und definiert Gewalt als zentrales Thema, das durch den theoretischen Rahmen von Peter Imbusch und René Girard analysiert werden soll.

2 Die literaturwissenschaftliche Theorie und Forschung: Dieses Kapitel stellt die narratologischen und figurentheoretischen Grundlagen vor, insbesondere Pfisters Analysen, um die Gewalt als zusammenhängenden Prozess innerhalb der Novellenstruktur zu erfassen.

3 Übertragungsmöglichkeiten des sozialwissenschaftlichen Gewaltbegriffs: Hier werden Gewaltkategorien wie die direkte, rituelle und strukturelle Gewalt auf die spezifischen Erzähleinheiten und das Figurenpersonal der Novelle angewendet.

4 René Girards Sündenbock-Theorie: Dieses Kapitel führt in die mimetische Theorie ein und überträgt die „Stereotypen der Verfolgung“ auf die Figurenkonstellationen, um Mechanismen der Sündenbockbildung innerhalb der Dorfgemeinschaft und der Revolutionswirren offenzulegen.

5 Ergebnisse und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass Gewalt die Dynamik der Novelle maßgeblich bestimmt und schlägt weiterführende literaturwissenschaftliche Analysen vor, etwa den Vergleich mit Goethes Gretchen.

Schlüsselwörter

Fanny Lewald, Auf rother Erde, 1848er Revolution, Gewaltbegriff, René Girard, Sündenbock-Theorie, mimetische Theorie, Figurenkonstellation, psychische Gewalt, strukturelle Gewalt, Revolutionsnovelle, Opferselektion, Interaktionsstrukturen, soziale Differenz, Iserlohn.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Repräsentation von Gewalt in Fanny Lewalds Novelle „Auf rother Erde“ und analysiert, wie diese Gewalt die Handlung und das Schicksal der Figuren im Kontext der deutschen Revolution 1848/49 formt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themenfelder sind die Typologie von Gewaltformen, die gesellschaftliche Stellung des Individuums, die Dynamik von Täter-Opfer-Beziehungen sowie der Einfluss von politischen Krisen auf das soziale Gefüge in der Novelle.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Die Arbeit zielt darauf ab zu beantworten, wie Gewalttaten und die von René Girard beschriebenen „Stereotype der Verfolgung“ die Ereignisfolgen und die Entwicklung der Figuren in Lewalds Werk konkret bestimmen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine interdisziplinäre Methode angewandt, die erzähltheoretische Ansätze (nach Pfister) mit sozialwissenschaftlichen Gewaltdefinitionen (nach Imbusch) und der kulturwissenschaftlichen Mimesis-Theorie (nach Girard) kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung von Gewaltformen sowie die praktische Anwendung der Sündenbock-Theorie auf die Figurenkonstellationen, wobei sowohl private als auch politische Konflikte beleuchtet werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Gewaltbegriff, Revolutionsnovelle, Sündenbock-Mechanismus, Stereotype der Verfolgung, Figurenkonstellation, Entdifferenzierung und soziale Stände.

Wie spielt die „Margarethe-Binnenerzählung“ eine Rolle für das Gewaltverständnis?

Sie dient als Schlüsselstelle, in der Margarethe ihre traumatische Vergangenheit als Opfer von Gewalt reflektiert, was für die spätere Rezeption der politischen Gewalt durch den Protagonisten Anton entscheidend ist.

Inwiefern beeinflusst der historische Kontext der Revolution 1848/49 die Gewalt in der Novelle?

Der historische Kontext liefert den Rahmen für den Bürgerkrieg, der als „Krise“ im Sinne Girards fungiert und die notwendigen Bedingungen schafft, um Figuren wie Marie oder Anton als „Sündenböcke“ gesellschaftlich zu stigmatisieren.

Final del extracto de 28 páginas  - subir

Detalles

Título
Der demokratische Städter und die schönen Bauernmädchen in den Revolutionsjahren 1848/49
Subtítulo
Gewalt, Differenzen und Stereotypen der Verfolgung in Fanny Lewalds "Auf rother Erde"
Universidad
University of Mannheim  (Seminar für Deutsche Philologie)
Curso
Hauptseminar 'Meistertexte' des poetischen Realismus
Calificación
1,0
Autor
Rebekka Kochner (Autor)
Año de publicación
2009
Páginas
28
No. de catálogo
V139645
ISBN (Ebook)
9783640491964
ISBN (Libro)
9783640491872
Idioma
Alemán
Etiqueta
Städter Bauernmädchen Revolutionsjahren Gewalt Differenzen Stereotypen Verfolgung Fanny Lewalds Erde
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Rebekka Kochner (Autor), 2009, Der demokratische Städter und die schönen Bauernmädchen in den Revolutionsjahren 1848/49, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139645
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