Durch die Übernahmewelle in den vergangenen Jahren haben sich in den Bilanzen der deutschen Konzerne zum Teil riesige Goodwill-Positionen gebildet. Die ProSiebenSat1 Media AG, bei der der Goodwill 2008 467,3 % des Eigenkapitals ausmachte und die Arcandor AG (248,7 %) sind nur zwei Beispiele dafür, dass der Goodwill enorm an Bedeutung gewonnen hat.
Hinzu kommt, dass das International Accounting Standards Board (IASB) und das Financial Accounting Standards Board (FASB) in Zusammenarbeit einen Paradigmenwechsel in der Goodwill-Bilanzierung vollzogen haben. Nach den neuen Regeln von US GAAP und IFRS ist der Goodwill nicht mehr planmäßig abzuschreiben, sondern einmal jährlich einem Werthaltigkeitstest zu unterziehen. Aufgrund des großen Gestaltungsspielraums, den das Management bei diesem Test hat, ist es für alle Bilanzleser schwierig, die tatsächliche Lage zu erkennen.
Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über den Goodwill und dessen Bewertung nach HGB, US GAAP und IFRS. Außerdem wird untersucht, welche Auswirkungen die Abschaffung der planmäßigen Abschreibung des Goodwills auf verschiedene Bereiche der Bilanzierungspraxis hatte und welche Rolle sie in der aktuellen Konjunkturkrise in Deutschland spielt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Goodwill
3 Die Bewertung des Goodwills
3.1 Bewertung nach HGB
3.2 Bewertung nach US GAAP
3.2.1 Entstehung der Standards SFAS 141 und SFAS 142
3.2.2 Vorgehensweise bei der Bilanzierung eines Goodwills
3.2.3 Der Impairment-Test
3.3 Bewertung nach IFRS
4 Die Folgen der Einführung des Impairment Only Approach
4.1 Vor der Einführung
4.2 Auswirkungen auf den Gewinn und andere Kennzahlen
4.3 Die aktuelle Wirtschaftskrise
5 Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Bilanzierungsmethoden für den Goodwill nach HGB, US GAAP und IFRS sowie die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Unternehmensbilanzen nach der Einführung des Impairment Only Approach.
- Vergleich der Goodwill-Bewertung in nationalen und internationalen Rechnungslegungsstandards
- Analyse des Impairment-Tests als zentrales Instrument der Wertprüfung
- Untersuchung der Auswirkungen auf Unternehmenskennzahlen wie Gewinn und Eigenkapital
- Diskussion der Rolle hoher Goodwill-Positionen in der aktuellen Wirtschaftskrise
Auszug aus dem Buch
2 Der Goodwill
Bei der Betrachtung des Goodwills sollte zunächst zwischen dem originären (selbst geschaffenen) und dem derivativen (entgeltlich erworbenen) Goodwill unterschieden werden. Aufgrund fehlender Objektivierbarkeit ist der Ansatz des originären Firmenwerts nach den gängigen Rechnungslegungsstandards verboten. Deshalb ist er auch nicht Gegenstand dieser Arbeit. Der derivative Goodwill errechnet sich als Residualgröße aus der Differenz zwischen dem Kaufpreis der Anteile des Unternehmens und dem zu Zeitwerten angesetzten (anteiligen) bilanziellen Reinvermögen.
In IFRS 3, Anhang A wird der Goodwill als „künftiger wirtschaftlicher Nutzen aus Vermögenswerten, die nicht einzeln identifiziert und separat angesetzt werden können“, definiert. Diese nicht identifizierbaren Nutzen entstehen dabei hauptsächlich aus Synergieeffekten, die sich das Unternehmen durch den Erwerb verspricht. Eine andere Bestimmungsgröße sind „immaterielle Vermögenswerte, die im konkreten Einzelfall die Ansatzkriterien nicht erfüllen“ (Moser, 2008, S. 789), wie etwa Kundenloyalität, Mitarbeiterqualifikation etc. Weitere wichtige Einflussfaktoren können etwa Bewertungsfehler, Abfindungszahlungen oder Konkurrenzverdrängungsleistungen sein (vgl. Velte, 2008, S. 192).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung von Goodwill-Positionen in deutschen Bilanzen und skizziert den Paradigmenwechsel von der planmäßigen Abschreibung zum Impairment-Test.
2 Der Goodwill: Dieses Kapitel definiert den Goodwill als derivative Größe und erläutert dessen konzeptionelle Bestandteile wie Synergieeffekte und nicht identifizierbare immaterielle Werte.
3 Die Bewertung des Goodwills: Das Kapitel vergleicht die unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards (HGB, US GAAP, IFRS) hinsichtlich der Aktivierung und Bewertung des Goodwills, wobei der Impairment-Test als zentrales Verfahren hervorgehoben wird.
4 Die Folgen der Einführung des Impairment Only Approach: Es wird analysiert, wie sich der Wegfall der planmäßigen Abschreibung auf Unternehmenskennzahlen ausgewirkt hat und welche Bedeutung dies vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise hat.
5 Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass der Übergang zum Impairment Only Approach zwar Harmonisierung fördert, aber durch Ermessensspielräume das Risiko willkürlicher Bilanzpolitik und hoher außerplanmäßiger Abschreibungen birgt.
Schlüsselwörter
Goodwill, Bilanzierung, Impairment-Test, HGB, US GAAP, IFRS, BilMoG, Unternehmenszusammenschluss, Werthaltigkeitstest, Firmenwert, Rechnungslegung, Eigenkapital, Wirtschaftskrise, Kaufpreisallokation, immaterielle Vermögenswerte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Behandlung des Goodwills in der Rechnungslegung und wie sich der Wechsel von der planmäßigen Abschreibung zum wertorientierten Impairment-Test auf Unternehmen auswirkt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den Unterschieden zwischen den Rechnungslegungsstandards HGB, US GAAP und IFRS, der technischen Durchführung des Impairment-Tests sowie der ökonomischen Analyse der Auswirkungen auf Kennzahlen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein Verständnis für die Goodwill-Bewertung zu schaffen und kritisch zu hinterfragen, ob hohe Goodwill-Positionen in der Bilanz ein tatsächliches ökonomisches Risiko darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse relevanter Rechnungslegungsstandards, wirtschaftswissenschaftlicher Fachbeiträge und empirischer Studien zur Auswirkung der Goodwill-Bilanzierung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Goodwill-Begriffs, den detaillierten Vergleich der Bilanzierungsnormen sowie eine Untersuchung der Folgen des Impairment Only Approach auf Bilanzen deutscher Konzerne.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Goodwill, Impairment-Test, Bilanzierung, Rechnungslegungsstandards und Firmenwert charakterisiert.
Wie unterscheidet sich der Impairment-Test nach IFRS von den US GAAP?
Der Hauptunterschied liegt darin, dass der Impairment-Test nach IFRS auf Ebene der zahlungsgenerierenden Einheiten (ZGE) durchgeführt wird, während US GAAP Reporting Units als Grundlage nutzen.
Welches Problem identifiziert die Autorin/der Autor bezüglich der Spielräume?
Es wird kritisiert, dass der Impairment-Test dem Management erhebliche Ermessensspielräume einräumt, was die Gefahr einer bilanzpolitischen Manipulation birgt und den Wirtschaftsprüfern die Überprüfung erschwert.
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- David Hilker (Author), 2009, Goodwill-Bilanzierung und die Auswirkungen des Impairment Only Approach, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139683