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Gewalt und Wahrheit in mittelhochdeutschen Texten

Title: Gewalt und Wahrheit in mittelhochdeutschen Texten

Term Paper , 2002 , 10 Pages

Autor:in: Michael Eugster (Author), Florian Kleffel (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Heinrich Kaufringer gilt als ein Musterbeispiel der deutschen Märenerzählung um das Ende des 14.
Jahrhunderts. Allerdings ist es beinahe unmöglich, seine persönlichen Überzeugungen anhand von
Indikatoren in seinen Texten näher zu bestimmen. Darin nämlich reduziert er die Prinzipien des
Lebens auf völlig einfache Schemata. Diese kombiniert er mit solch kühler Konsequenz und ohne
Rücksicht auf eine eventuelle emotionale Betroffenheit des Lesers, dass jegliche kleinen
Einzelhandlungen der Erzählung klar geplant und offen dazuliegen scheinen. Dasselbe gilt für den
gesamten Text, der wie vorkonstruiert wirkt. Diese Eigenheit der mittelhochdeutschen
Märendichtung steht (wie der Terminus Dichtung schon verrät) den meisten Stücken aus jener Zeit
anheim. Allerdings verarbeitet Kaufringer diese Handlungskonstellationen weiter mit implizit
sozialen Normen hin zu wesentlich komplexeren Formen der Literatur (Kasus, Novelle). Natürlich
wurde damals auch unter eben diesem Deckmantel der fiktiven Literatur heftige Kritik geübt an den
bestehenden sozialen und politischen Systemen. Ob sich Kaufringer in diese Reihe der Kritiker
einfügt, wollen wir nachstehend behandeln.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse mittelhochdeutscher Mären unter den Gesichtspunkten von Ordnung, Spiel und Gewalt

2.1 Ordnung & Unordnung

2.2 Spiel & Metaphorik

2.3 Gewalt & Wahrheit

3. Abschliessende Bemerkungen zu Kaufringers Märenliteratur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Werke "Die Suche nach dem glücklichen Ehepaar" und "Die Rache des Ehemannes" von Heinrich Kaufringer, um die Darstellung von Gewalt, Ordnung und Wahrheit in der mittelhochdeutschen Märenliteratur zu analysieren.

  • Darstellung sozialer Normen und Ordnungsprinzipien in mittelalterlichen Mären
  • Analyse der Funktion von Gewalt als ordnungsstiftende Instanz
  • Interpretation metaphorischer Bezüge zwischen Spiel, körperlicher Versehrung und sozialer Stellung
  • Kritische Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Idealvorstellungen und der "ungerechten" Realität
  • Beleuchtung der Rolle des Autors als Beobachter gesellschaftlicher Strukturen

Auszug aus dem Buch

2.1 Ordnung & Unordnung

Kaufringer zeigt in den Texten (RE und SE) zu Beginn eine Welt in Unordnung („eine von Grund auf böse Welt“), die vom jeweiligen Protagonisten in eine ordentliche Gesellschaft überführt werden soll. Die gängige Vorstellung der damaligen Zeit eines glücklichen Ehepaares (zwuo sel und ainen leib) in einer heilen Welt wird nicht romantisiert, sondern als Wunschbild demaskiert. Während für Kaufringer die gesellschaftliche Ordnung auf der körperlichen Ebene nur unter Gewaltanwendung hergestellt werden kann (Scheinlösung), ist eine wirkliche Harmonie und Ordnung nur auf dem geistigen Level von Toleranz/Akzeptanz möglich (auch in diversen anderen Schriften aus der damaligen Zeit wird starker Bezug auf die edle geistige Gesinnung genommen). So werden in RE dem Pfaffen die Genitalien abgeschnitten (körperliche Ebene), wodurch erst die kirchliche Ordnung des Zölibats für den Pfarrer (wieder) hergestellt wird. Die Ehefrau wiederum wird durch das Abtrennen ihrer Zunge für ihren Fehltritt dem gesellschaftlich korrekten Umgang beraubt: Durch diesen zweiteiligen Racheakt ist die soziale Stellung des Ehegatten wieder intakt (Unterbindung des Ehebruchs) und die Frau bleibt unfähig sich zu verteidigen. Die ordnungsstiftende Funktion der Gewalt in RE ist also offensichtlich. Auch in SE setzen die Ehemänner Gewalt ein, um die gesellschaftliche Ordnung in der Beziehung (vor allem gegen aussen) zu gewährleisten: Das allabendlich erzwungene Trinken der Frau aus dem Schädelbecher des erschlagenen Pfaffen sowie die gewaltsame Entführung und Instrumentalisierung des starken Bauern um die gesellschaftliche Ordnungsfähigkeit der Frau willen zeigen dies deutlich. In einer Kultur, die sich weitgehend über körperliche Signale definiert – oder allgemeiner, sich über den Körper definiert (lib = Körper, Leben)–, muss auch Gerechtigkeit auf der körperlichen Ebene ausgeübt werden. Als Gegenpart zu einer wirklich herrschenden Ordnung auf der körperlichen Ebene, die nach Kaufringer nicht existiert, durchläuft der grosszügige Ehemann (SE) einen längeren Lebensabschnitt von körperlicher Enthaltsamkeit und Einsamkeit, welche ihm das Vermögen Ordnung zu schaffen auf dem geistigen Level vermittelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt Heinrich Kaufringers Mären als methodisches Beispiel für die literarische Auseinandersetzung mit sozialen Normen vor und definiert die Forschungsfrage bezüglich Ordnung, Gewalt und Wahrheit.

2. Analyse mittelhochdeutscher Mären unter den Gesichtspunkten von Ordnung, Spiel und Gewalt: Dieser Hauptteil untersucht die Handlungsweisen der Protagonisten in Kaufringers Werken und deren Verbindung zu zeitgenössischen Vorstellungen von Ordnung sowie die symbolische Bedeutung von Gewalt.

2.1 Ordnung & Unordnung: Das Kapitel erläutert, wie Kaufringer Gewalt als Mittel zur Wiederherstellung einer gesellschaftlichen Ordnung einsetzt, die auf körperlicher Ebene erzwungen werden muss.

2.2 Spiel & Metaphorik: Hier wird die metonymische Verknüpfung von Spiel (z.B. Würfelspiel) und der Zerstörung körperlicher Integrität als ordnungsstiftendes Element analysiert.

2.3 Gewalt & Wahrheit: Dieser Abschnitt thematisiert, wie gewaltsame Racheakte und deren Inszenierung zur scheinbaren Wahrheitsfindung und Ordnungssicherung im Mittelalter beitragen.

3. Abschliessende Bemerkungen zu Kaufringers Märenliteratur: Das Fazit fasst zusammen, dass Kaufringers Texte die Unvollkommenheit einer auf Scheinlösungen basierenden Welt offenlegen und die gesellschaftliche Funktion von Moral und öffentlichem Ansehen kritisch beleuchten.

Schlüsselwörter

Heinrich Kaufringer, Mären, Mittelhochdeutsch, Gewalt, Ordnung, soziale Normen, Ehe, Körperlichkeit, Spielmetaphorik, Wahrheit, Rache, Literaturanalyse, Mittelalter, Geschlechterrollen, Rechtsprechung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Mären "Die Rache des Ehemannes" und "Die Suche nach dem glücklichen Ehepaar" des Autors Heinrich Kaufringer im Hinblick auf ihre Darstellung von sozialen Spannungen und Ordnungsprinzipien.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Themenkomplexe Gewalt als ordnungsstiftende Instanz, das Verhältnis von Körperlichkeit zu gesellschaftlicher Norm und die metaphorische Bedeutung von Spielhandlungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Autoren untersuchen, inwieweit Gewalt und Rache bei Kaufringer dazu dienen, eine brüchige soziale Ordnung unter dem Deckmantel von Wahrheit oder Gerechtigkeit gewaltsam wiederherzustellen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse angewandt, die sich auf die Texttiefenstruktur (Metaphorik und Metonymie) stützt und den historischen Kontext der Literatur des späten Mittelalters einbezieht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Ordnungssuche, die Interpretation des Spiels als metonymisches Element und die kritische Untersuchung der gewaltsamen Wahrheitsfindung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wesentlichen Begriffe sind Heinrich Kaufringer, Mären, Gewalt, Ordnung, Körperlichkeit, Soziale Normen, Wahrheit und Metaphorik.

Wie bewertet der Autor den Einsatz von Gewalt in den Mären?

Der Autor interpretiert die Gewalt bei Kaufringer primär als ein Mittel der Gesellschaftskritik, die zeigt, dass eine ideale soziale Ordnung durch Gewalt lediglich oberflächlich und auf Kosten der körperlichen Integrität hergestellt werden kann.

Welche Rolle spielt das Motiv des "Würfelspiels" in der Argumentation?

Das Spiel wird als metonymische Verknüpfung verstanden, in der Handlungen am Körper (z.B. Ziehen von Zähnen oder Hoden) mit dem sozialen Ansehen und der Bestrafung von Ehebruch in Verbindung stehen.

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Details

Title
Gewalt und Wahrheit in mittelhochdeutschen Texten
College
University of Zurich
Authors
Michael Eugster (Author), Florian Kleffel (Author)
Publication Year
2002
Pages
10
Catalog Number
V139684
ISBN (eBook)
9783640481163
ISBN (Book)
9783640481026
Language
German
Tags
Gewalt Wahrheit Mittelhochdeutsch
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Eugster (Author), Florian Kleffel (Author), 2002, Gewalt und Wahrheit in mittelhochdeutschen Texten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139684
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