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Schnitzler und der Traum

Title: Schnitzler und der Traum

Term Paper , 2002 , 11 Pages

Autor:in: Michael Eugster (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Arthur Schnitzler wurde 1862 in Wien als erstes von drei Kindern geboren. Trotz der Ausbildung
zum Arzt war Schnitzler seit jeher vom Schreiben fasziniert und veröffentlichte zahlreiche Werke
während seiner ärztlichen Laufbahn. Im Alter von 69 Jahren verstarb der berühmte Schriftsteller
und geschätzte Arzt, womit sein Leid und seine Qualen endlich ein Ende fanden. Obwohl sich
Schnitzler zwar zeitlebens sehr tapfer verhielt und nichts anmerken lassen wollte, so wurde er
doch innerlich zerfressen von Hypochondrie.1 Schnitzler war sich seines Problems der
Hypochondrie sehr wohl bewusst und suchte fachlichen Rat. Doch eine ständige panische Angst
vor Krankheit und Tod ist auch ein verkapptes Verlangen nach Auflösung, oder gar Erlösung. So
wird der echte Hypochonder erst durch wirkliche Krankheit ‚geheilt’, denn dann ist er am Ziel
seiner geheimen, verbotenen Wünsche und der Leidensdruck fällt von ihm ab.2 Diese
Kombination von Lebenslust und Todeswunsch durchzieht auch beinahe alle Texte von Schnitzler
und eröffnet überhaupt erst das Verständnis für diesen schreibenden Arzt. Seine latente
Todesbesessenheit ist keine typische Einstellung des Jahrhundertwechsels, sondern repräsentiert
sein Innenleben, seine Gefühlswelt. Hier wird auch die therapeutische Funktion des Schreibens
ersichtlich: „Ich verurteile mich gewissermassen zum Tode – um mich ausserhalb des Stückes um
so sicherer begnadigen zu können“ (Schnitzler 1902). Die Vorwegnahme des eigenen Todes in der
Phantasie wird zur Bedingung des Lebens.3 So bin ich geneigt zu behaupten, dass Schnitzlers
gesamtes Leben sich in einer Traumwelt abgespielt hat. In welchem Verhältnis steht also seine
Traumliteratur zur Wirklichkeit? Eben diese Traumwelt polarisiert sich an zwei Enden: Liebe und
Tod/Sterben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kleine Analyse der schnitzler'schen Traumliteratur unter dem Lichte von Liebe, Tod und Träumen

2.1 Das Ende allen Anfangs: der Tod

2.2 Der Anfang allen Endes: die Liebe

2.3 Das Leben, ein Traum? (oder: Träume, der Stoff der uns erst lebensfähig macht)

3. Abschliessende Bemerkungen zu Schnitzlers Traumliteratur

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die zentrale Rolle von Träumen, Liebe und Tod im literarischen Werk Arthur Schnitzlers, insbesondere in den Erzählungen "Der Sekundant", "Sterben" und der "Traumnovelle", um die psychologische Zerrissenheit der Protagonisten und deren Flucht in Ersatzrealitäten zu beleuchten.

  • Die polare Spannung zwischen Lebenslust und Todeswunsch bei Schnitzler.
  • Die Funktion des Traums als Kompensationsmechanismus für unbewusste Ängste.
  • Die Instrumentalisierung von Liebe als Mittel zum Zweck im Angesicht der Endlichkeit.
  • Die sogenannte "schnitzler’sche Spirale" als zyklisches Verhaltensmuster der Figuren.
  • Der Einfluss von Schnitzlers eigener Hypochondrie auf seine literarische Darstellung.

Auszug aus dem Buch

2.1 Das Ende allen Anfangs: der Tod

Die persönliche Todesangst Schnitzlers, seine Freudlosigkeit und Zerrissenheit finden sich durchgehend in der Erzählung Sterben. Der todgeweihte Protagonist, Felix, verkörpert für mich einerseits den im realen Alltag an Hypochondrie leidenden Arthur Schnitzler und andererseits seinen langjährigen Freund Richard Tausenau, der sich 1893 in Nizza erschossen hatte. Felix, der von seiner unheilbare Krankheit überzeugt ist, wendet sich von seinem Hausarzt und Freund Alfred ab, um Gewissheit über seinen nahen Tod von einem neutralen Arzt zu beziehen. Die Frage jedoch, ob Felix auch wirklich unheilbar krank sei, lässt der Autor durchgehend offen. So nimmt hier die schon erwähnte Hypochondrie ihren fatalen Lauf und mit der vermeintlichen Liebe zwischen Felix und Marie wird dieses Schicksal im Text umgesetzt.

Die erholsame Reise in die Berge wird zum grausamen Wege zur Erkenntnis des Todes. In der Einsamkeit, der Welt seiner Gedanken und in seinen Träumen wird sich Felix der Unausweichlichkeit des Todes bewusst, aber auch der genesenden Kraft der Einbildung. Immer, wenn sich Felix in dieser einsamen Traumwelt zu völliger Lebensverachtung durchdringt und Marien's Liebe überdrüssig wird, wenn er in Selbstmitleid und Melancholie versinken kann, dann erst entflammt der Pol von Lebenslust aufs Neue und gewährt Felix einige Momente des Glücks. Je mehr sich Felix also in Gedanken von Marie löst, desto stärker ist sein Verlangen sich völlig mit ihr zu vereinen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die biografischen Hintergründe Arthur Schnitzlers, insbesondere seine Hypochondrie, und führt in das zentrale Spannungsfeld zwischen Liebe und Tod in seinem literarischen Schaffen ein.

2. Kleine Analyse der schnitzler'schen Traumliteratur unter dem Lichte von Liebe, Tod und Träumen: Dieses Hauptkapitel analysiert das Wechselspiel von Todesfurcht, Liebesbeziehungen und der Flucht in Traumwelten innerhalb der ausgewählten Erzählungen.

2.1 Das Ende allen Anfangs: der Tod: Hier wird der Tod als prägendes Element analysiert, wobei besonders die psychologische Verbindung zwischen der eigenen Todesangst des Autors und der Darstellung der Protagonisten wie Felix in "Sterben" im Vordergrund steht.

2.2 Der Anfang allen Endes: die Liebe: Dieses Unterkapitel untersucht, wie Liebe in den Erzählungen instrumentell eingesetzt wird, um existenzielle Ängste zu kompensieren oder als Ventil in der Auseinandersetzung mit dem Tod dient.

2.3 Das Leben, ein Traum? (oder: Träume, der Stoff der uns erst lebensfähig macht): Der Fokus liegt hier auf der Funktion des Traums als "verkleidete Erfüllung" verdrängter Wünsche und als notwendiger Fluchtraum, der den Protagonisten hilft, mit der Realität zurechtzukommen.

3. Abschliessende Bemerkungen zu Schnitzlers Traumliteratur: Das Fazit fasst zusammen, dass die Polarität von Liebe und Tod das wesentliche Fundament bildet, auf dem Schnitzlers Figuren ihr Handeln und ihre Traumwelten aufbauen.

Schlüsselwörter

Arthur Schnitzler, Sterben, Der Sekundant, Traumnovelle, Liebe, Tod, Traumdeutung, Hypochondrie, Einsamkeit, Lebenslust, Ersatzrealität, psychologische Zerrissenheit, Melancholie, Literaturanalyse, schnitzler'sche Spirale

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die literarische Auseinandersetzung von Arthur Schnitzler mit existentiellen Themen wie dem Tod, der Liebe und der psychologischen Funktion des Traums.

Welche Werke von Schnitzler werden primär analysiert?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Erzählungen "Der Sekundant" und "Sterben" sowie Bezüge zur "Traumnovelle".

Was ist das zentrale Forschungsziel?

Ziel ist es, die Verbindung zwischen Schnitzlers eigener Biografie – insbesondere seiner Hypochondrie – und der Darstellung von Traumwelten als Kompensation für die Todesangst seiner Figuren aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Werkanalyse, die motivgeschichtliche Aspekte mit psychologischen Ansätzen (unter Rückgriff auf Freud) verknüpft.

Was ist der Kern des Hauptteils?

Im Hauptteil wird die sogenannte "schnitzler’sche Spirale" erarbeitet, ein zyklisches Muster aus Anziehung und Abstoßung in Liebesbeziehungen, das durch die Angst vor dem Tod und den Wunsch nach lebensfähigen Traumwelten bedingt ist.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Traumdeutung, Hypochondrie, Todesangst, Liebe als Kompensationsmittel und die Polariät von Leben und Tod.

Wie unterscheidet sich die Rolle des Todes in "Sterben" und "Der Sekundant"?

Während in "Sterben" die körperliche Ebene der Krankheit und das geistige Unvermögen im Vordergrund stehen, wird in "Der Sekundant" zusätzlich die Ebene der gesellschaftlichen "Ehre" als Mittel zum Zweck im Umgang mit dem Tod eingeführt.

Was versteht der Autor unter der "schnitzler’schen Spirale"?

Der Begriff beschreibt ein wiederkehrendes Verhaltensmuster der Protagonisten, das bei einer initialen Zuneigung beginnt, über Angst vor Verlust und Tod in eine traumatische Zerrissenheit führt und schließlich in der endgültigen Trennung oder dem Tod mündet.

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Details

Title
Schnitzler und der Traum
College
University of Zurich
Author
Michael Eugster (Author)
Publication Year
2002
Pages
11
Catalog Number
V139692
ISBN (eBook)
9783640478934
ISBN (Book)
9783640478637
Language
German
Tags
Traum Schnitzler Tod Sterben Leben Krankheit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Eugster (Author), 2002, Schnitzler und der Traum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139692
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