Gibt es eine Grenze, wo die Komik nicht mehr das Recht hat, alles darzustellen, respektive der komische Code aus moralischen Gründen unangebracht ist? Was binnenkulturell eindeutig erscheint, ist interkulturell oft nur schwer durchschau- und
nachvollziehbar. Diese Diskrepanz und das besondere Verhältnis von fremd und komisch, beschreiben aber auch eine grundsätzliche Kommunikations- und Interaktionsstrategie, nämlich über den Weg des Humors. Komik ist relational, jedoch ist prinzipiell alles komisierbar, da es universelle Konstanten des Komischen wohl gibt, diese in ihrer Gradualität und in ihren Inhalten aber wiederum divergent sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Differenzierung von Begrifflichkeiten
3. „fremd“ – „komisch“
4. Transkulturelle Komik
5. Humorstrategien
6. Zusammenfassung und abschliessende Bemerkungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Grenzen und Möglichkeiten des interkulturellen Humortransfers unter besonderer Berücksichtigung der gesellschaftlichen Humorstrategien, die anhand des Films Borat analysiert werden. Ziel ist es, das komplexe Verhältnis zwischen dem Fremden und dem Komischen zu ergründen und aufzuzeigen, wie kulturell geprägtes Kontextwissen über den Erfolg einer komischen Kommunikation entscheidet.
- Theoretische Grundlagen von Komik, Humor und Lachen als soziale Interaktion.
- Die relationale Natur des Komischen im interkulturellen Vergleich.
- Identifikation und Analyse transkultureller Universalien der Komik.
- Untersuchung von Humorstrategien im Kontext historischer, gesellschaftlicher und normativer Bedingungen.
- Praktische Fallanalyse anhand von Transkriptionen aus dem Film Borat.
Auszug aus dem Buch
3. „fremd“ – „komisch“
Um der Problematik des Humors auf interkultureller Ebene gerecht zu werden, scheint es mir unumgänglich, die Beziehung zwischen komisch und fremd genauer zu erläutern. Wenn man in die Welt schaut, dann gibt es wohl eine allgemeinmenschliche Reaktion auf Unbekanntes oder Fremdes. Meistens stehen diese Reaktionen im Zusammenhang mit einem Gefühl des Unbehagens oder der Bedrohung. Wahrnehmungspsychologisch könnte dies als Abhängigkeit des komischen Ereignisses vom Bezugssystem beschrieben werden, denn jede Bewertung oder Beurteilung von Erscheinungen ist abhängig vom jeweiligen Bezugssystem. Es lässt sich also schliessen, dass wenn etwas zu einem unbekannten Bezugssystem in Beziehung tritt oder ein Rezipient aufgrund seiner Fremdheit und kulturellen Distanz als komisch wahrnimmt, so geschieht dies nicht bewusst oder mit Absicht, sondern aufgrund einer (momentanen) Unfähigkeit und Unwissenheit, das Geschehnis dem entsprechenden Bezugssystem zuzuordnen.
Kulturell bedingte Feiertage und Feste, sowie religiöse Rituale sind hierfür klare Beispiele. Eine in einer spezifischen Kultur unwissende Person vermag nicht von sich aus den Sinn und Zweck hinter solchen Anlässen zu sehen, erst durch ein InBeziehung-Setzen zu einer fremden Kultur entstehen verschiedene Effekte, wie unter anderem auch komische Effekte. Das Fremde, das in einer Kultur auftaucht, wird im Normalfall auf alles Andersartige projiziert, d.h. auf den Fremden/Anderen, also einen Aussenseiter der Gesellschaft.
„Komisch wirkt der Fremde nur in der Fremde.“ (Karl Valentin - um 1940)
Beide Begriffe, fremd und komisch, sind relationale, perspektivische Begriffe, das bedeutet, dass jeweilige Ereignisse insofern vom Rezipienten abhängen, als dieser in eine bestimmte Beziehung zum Fremden/Komischen treten muss. Aus dem hier Gesagten folgt also, dass das, was für den einen fremd/komisch erscheint, es für den anderen noch lange nicht ist. Die Komik liegt nie allein im Subjekt, noch allein im Objekt, sondern besteht aufgrund ihrer relationalen Natur in der interaktiven Beziehung zwischen den beiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik interkultureller Missverständnisse ein und steckt den Rahmen für die Untersuchung der Möglichkeiten und Grenzen des Komischen ab.
2. Differenzierung von Begrifflichkeiten: Dieses Kapitel arbeitet die zentralen Begriffe Komik, Humor und Lachen theoretisch auf, um eine klare Basis für die weitere Analyse zu schaffen.
3. „fremd“ – „komisch“: Es wird untersucht, wie die Wahrnehmung des Fremden in eine komische Wirkung umschlägt, wenn das notwendige Bezugssystem beim Rezipienten fehlt.
4. Transkulturelle Komik: Hier werden universelle Konstanten der Komik diskutiert, die trotz sprachlicher und kultureller Barrieren funktionieren.
5. Humorstrategien: Dieses Kapitel analysiert, wie Humorstrategien in Abhängigkeit von historischen, gesellschaftlichen und normativen Faktoren erst durch spezifisches Kontextwissen ihre Wirkung entfalten.
6. Zusammenfassung und abschliessende Bemerkungen: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und weist auf die bleibende Relationalität von Humor und Kultur hin.
Schlüsselwörter
Interkultureller Humor, Komik, Humorstrategien, Transkulturalität, Borat, Relationalität, Normen, Bezugssystem, Lachen, Fremdheit, Soziokulturelle Systeme, Situationskomik, Universalien, Kommunikation, Rezeption.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Potenziale des Humortransfers zwischen verschiedenen Kulturen und wie gesellschaftliche Humorstrategien dabei funktionieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Fremdheit und Komik, die Funktionsweise von Humor als soziale Interaktion und die Abhängigkeit komischer Wirkung von kulturellen Normen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Mechanismen aufzuzeigen, wie Komik in interkulturellen Kontexten entsteht und warum sie stark vom Kontextwissen der Beteiligten abhängt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Synthese historischer und theoretischer Konzepte der Komik- und Humorliteratur, die auf konkrete Fallbeispiele aus dem Film Borat angewandt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsklärung, die Analyse der Beziehung zwischen Fremdheit und Komik, eine Diskussion transkultureller Universalien sowie eine Untersuchung spezifischer Humorstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Interkultureller Humortransfer, Relationalität des Komischen und gesellschaftliche Normen charakterisieren.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Komik und Humor?
Die Arbeit definiert Komik als eine objektive Erscheinung, die Lachen hervorruft, während Humor als die charakterliche Disposition beschrieben wird, mit den Unzulänglichkeiten der Welt heiter umzugehen.
Warum spielt der Film „Borat“ eine zentrale Rolle?
Borat dient als praktisches Anschauungsbeispiel, um die Brüche mit kulturellen Normvorstellungen und die daraus resultierende Situationskomik bei interkulturellen Begegnungen zu illustrieren.
- Citar trabajo
- Michael Eugster (Autor), 2007, Grenzen & Nutzen des interkulturellen Transfers von Humor, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139696