Die Ich/Du-Asymmetrie in der Commonsense Moral besteht in der
Unterscheidung, was einem Akteur erlaubt ist gegenüber sich selbst und was ihm
erlaubt ist gegenüber anderen. Aufgrund dieser Asymmetrie steht die Commonsense
Moral in Erklärungsbedarf gegenüber dem Konsequentialismus, der keine solche
Asymmetrie kennt. Diese Asymmetrie in der Commonsense Moral lässt sich
beispielsweise anhand der moralischen Autonomie begründen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Konsequentialismus und Commonsense Moral
3. Problematik der Ich/Du-Asymmetrie in der Commonsense Moral
4. Konsens als mögliches Begründungsprinzip
5. Moralische Autonomie als mögliches Begründungsprinzip
6. Zusammenfassung und abschliessende Bemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die „Ich/Du-Asymmetrie“ in der Commonsense Moral, um deren philosophischen Gehalt gegenüber dem Konsequentialismus zu rechtfertigen und als konkurrenzfähige moraltheoretische Alternative zu stärken.
- Gegenüberstellung von Konsequentialismus und Commonsense Moral
- Analyse der Ich/Du-Asymmetrie
- Deontologische Restriktionen und Akteur-Opferungs-Erlaubnisse
- Das Konsensprinzip als Begründungsversuch
- Die Rolle der moralischen Autonomie
Auszug aus dem Buch
3. Problematik der Ich/Du-Asymmetrie in der Commonsense Moral
Um der aktuellen Debatte um Konsequentialismus und Commonsense Moral gerecht zu werden, werde ich in diesem Abschnitt, angelehnt an die Darstellungsweise von Michael Slote, den Fokus auf ein wichtiges anti-konsequentialistisches Element der Commonsense Moral legen, nämlich die Ich/Du-Asymmetrie. Anhand dieser Asymmetrie soll die Unterscheidung zwischen der Commonsense Moral und dem Konsequentialismus, respektive dessen Unpersönlichkeitsanspruch, verstanden und die Commonsense Moral als eine mögliche Alternative auch gerechtfertigt werden. Dieses hochgradig komplexe Element der Commonsense Moral (=Ich/Du-Asymmetrie) besteht in der Erlaubnis, andere Personen zu bevorzugen und nicht selbst zu profitieren oder auch einfach selbst zu profitieren, selbst wenn dies zu sub-optimalen Ergebnissen in der Welt führen sollte. Wenn ich zum Beispiel die Wahl habe, entweder mir selbst einen grossen oder jemandem anderen einen kleinen Wohlgefallen zu tun, erlaubt mir die Commonsense Moral durchaus, meinen eigenen grossen Vorzug für den kleineren Vorteil eines anderen zu opfern, sofern es in dieser Situation keine anderen handlungsrelevanten Faktoren gibt.
Falls bei einer solchen Entscheidung nicht irgendwelche speziellen Beziehungen oder Verpflichtungen zwischen den beiden Personen bestehen, lässt sich im Sinne der Commonsense Moral zwar schliessen, dass die Handlung irrational, dumm oder grosszügig, aber sicherlich nicht moralisch falsch sei. Sogar wenn ich meinen kleinen, persönlichen Vorteil gegenüber einem grösseren Vorteil für jemand anderen den Vorrang gebe, kann dies in der Commonsense Moral durchaus gerechtfertigt werden. Das gleiche gilt auch, falls ich in einer Situation, die niemand anderen betrifft, die Möglichkeit nicht ergreife, Freude zu erleben oder Schmerzen zu vermeiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Debatte zwischen Konsequentialismus und Commonsense Moral und führt in die Fragestellung der Ich/Du-Asymmetrie ein.
2. Konsequentialismus und Commonsense Moral: Dieses Kapitel erläutert begriffliche Grundlagen und arbeitet die Differenz zwischen der unpersönlichen „Man-Betrachtung“ des Konsequentialismus und der „Ich/Du-Betrachtung“ heraus.
3. Problematik der Ich/Du-Asymmetrie in der Commonsense Moral: Hier wird detailliert analysiert, warum die Commonsense Moral eine Asymmetrie zwischen Eigeninteressen und Fremdinteressen erlaubt, die dem konsequentialistischen Nutzenprinzip widerspricht.
4. Konsens als mögliches Begründungsprinzip: Dieser Abschnitt untersucht, ob die Ich/Du-Asymmetrie durch ein explizites oder implizites Einverständnis der beteiligten Parteien legitimiert werden kann.
5. Moralische Autonomie als mögliches Begründungsprinzip: Das Kapitel diskutiert moralische Autonomie als fundamentale Rechtfertigung, die den Akteur als Subjekt seiner eigenen Lebensentwürfe schützt.
6. Zusammenfassung und abschliessende Bemerkungen: Das Fazit zieht eine Bilanz der Ergebnisse und reflektiert die Tragfähigkeit des Autonomie-Konzepts als Begründungsbasis.
Schlüsselwörter
Ich/Du-Asymmetrie, Commonsense Moral, Konsequentialismus, Akteur-Opferungs-Erlaubnis, Deontologische Restriktionen, moralische Autonomie, Unpersönlichkeitsanspruch, Handlungsdisposition, Utilitarismus, moralische Freiheit, Konsensprinzip, Handlungsfolgen, Integrität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die moralphilosophische Struktur der sogenannten „Ich/Du-Asymmetrie“ innerhalb der Commonsense Moral im Vergleich zum Konsequentialismus.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Akteur-Opferungs-Erlaubnis, der deontologischen Restriktionen sowie die Frage, wie persönliche Beziehungen und Handlungsintentionen moralisch zu bewerten sind.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu zeigen, dass die Commonsense Moral gegenüber dem Konsequentialismus eine moraltheoretisch ernst zu nehmende und gerechtfertigte Alternative darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine analytische Untersuchung moralphilosophischer Argumentationen, gestützt auf Fachliteratur (u.a. Michael Slote, Thomas Nagel, Julian Nida-Rümelin).
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die begriffliche Abgrenzung beider Moraltheorien, die detaillierte Darstellung der Ich/Du-Asymmetrie und die kritische Prüfung des Konsensprinzips sowie der moralischen Autonomie als Rechtfertigungsmodell.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Ich/Du-Asymmetrie, Konsequentialismus, deontologische Restriktionen und moralische Autonomie.
Wie unterscheidet sich die „Man-Betrachtung“ von der „Ich/Du-Betrachtung“?
Die „Man-Betrachtung“ ist unpersönlich und bewertet Handlungen allein anhand ihrer Folgen, während die „Ich/Du-Betrachtung“ persönliche Beziehungen und die moralische Integrität des Akteurs berücksichtigt.
Warum wird das Konsensprinzip als Begründung für die Asymmetrie abgelehnt?
Der Autor argumentiert, dass ein Konsens nicht ausreicht, um die Asymmetrie moralisch zu rechtfertigen, da moralische Handlungen nicht allein durch Einverständnis definiert werden können und bei irrationalen Entscheidungen versagen.
Welchen Stellenwert nimmt die „moralische Autonomie“ ein?
Sie dient als Kernargument, um die Freiheit des Akteurs zu begründen, eigene Lebensentwürfe auch dann zu verfolgen, wenn dies aus einer rein unpersönlichen Sicht nicht den maximalen Nutzen für die Welt darstellt.
Inwiefern korrumpiert der Konsequentialismus laut Arbeit die Integrität?
Indem der Konsequentialismus den Akteur zwingt, seine Identität und persönliche Motivation zugunsten einer globalen Nutzenmaximierung aufzugeben, zerstört er die Integrität der Person als selbstbestimmtes Wesen.
- Quote paper
- Michael Eugster (Author), 2006, Die Problematik der Ich/Du-Asymmetrie in der Common Sense Moral, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139697