In diesem ersten Band werden die statistischen Grundlagen strukturierter Datenerhebung übersichtsmässig beschrieben. Danach folgt das Schwerpunktthema der nicht apparativen Kraftmessverfahren.
(Sport-)Physiotherapie und Sportmedizin, Bewegungswissenschaften, Leistungsdiagnostik und Training in Leistungs-, Fitness- und Breitensport verfolgen grundsätzlich über angewandte Nutzung der Allgemeinen bzw. Speziellen Trainingslehre das gleiche Hauptziel: die körperliche Leistungsfähigkeit von Trainierenden zu verbessern. Die jeweiligen wissensbasierten Ansätze innerhalb der Fachgruppen sind noch nicht immer kompatibel, was die unterschiedlichen Meinungen betreffend den jeweiligen Trainingsprozess erklären.
Grundlage für eine sachliche Diskussion über Trainingsmethoden, -Inhalte und -Mittel bietet die fundierte wissenschaftliche Analyse, namentlich der Indikation, Nützlichkeit bzw. Wirksamkeit verschiedenster Trainingsinhalte. Insbesondere das Gütekriterium der Validität ist bei diversen (Leistungs-)Tests und Übungen oftmals noch nicht untersucht. Mit dieser Arbeit wird an ausgesuchten Krafttests exemplarisch aufgezeigt, wie nach den anfangs genannten Kriterien die Aussagekraft von Testübungen genauer eingegrenzt werden kann. In diesem Sinne soll die Arbeit auch dazu anregen, dass inskünftig auf universitärer Ebene oder Fachhochschulen weitere empirische Forschung im Bereich der alltagsrelevanten Testverfahren betreffend die Gültigkeit und Evidenz erfolgt, zur Verbesserung des Nutzens für die praktisch tätigen Bewegungsexperten.
Inhaltsverzeichnis
Geleitwort
Einleitung
Kapitel A: Statistische Grundlagen
1. Handlungskompetenzen
2. Assessment – Instrument für strukturierte Entscheidungsprozesse
2.1 Indikationsqualität
2.2 Strukturqualität
2.3 Prozessqualität
2.4 Ergebnisqualität
2.5 Gesundheitsfragebogen (PAR-Q)
3. Betriebliche Datenerhebungsinstrumente
3.1 Die wichtigsten Bereiche der funktionalen Gesundheit
3.2 Die Anamnese
3.3 Information des Kunden
4. Messen und Testen
5. Datenstrukturierung
6. Masse der zentralen Tendenz
6.1 Standardabweichung
7. Box-Plot
7.1 Skalenniveau
7.2 Gütekriterien von Messungen/Messinstrumenten
7.2.1 Objektivität
7.2.2 Reliabilität (Zuverlässigkeit, Messgenauigkeit, Adäquatheit)
7.2.3 Validität (Gültigkeit)
7.2.4 Statistische Signifikanz, p-Wert
7.2.5 Korrelation
Kapitel 2: Fachwissen der Kraftdiskussion
8. Konditionsfaktoren und deren Testverfahren
9. Kraftdiagnostik im Breiten- und Gesundheitssport
9.1 Vor- und Nachteile geräteunabhängiger Testverfahren
9.2 Krafttests der Rumpfmuskulatur
9.2.1 Arthromuskuläre Balance
9.3 Messmethoden zur Quantifizierung der Rumpfkraft
9.3.1 Biomechanische Besonderheiten der Hüft-Becken-Lendenregion
9.4 Klinische Schlussfolgerung
9.5 Funktionelle Anatomie des Hüft-Becken-Bereich
9.6 Isometrische Rumpfkraftmessung im Stand
9.7 Schlussfolgerungen und Wissensfragen
9.8 Allgemeines Kriterium für den Testabbruchs
9.8.1 Allgemeine Ermüdung
9.8.2 Physische Ermüdung
9.8.3 Psychische Ermüdung
9.8.4 Auswertung und Interpretation
10. Modifizierte Testübungen der Rumpfmuskulatur
10.1 Seitliche Rumpfmuskelkette
10.1.1 Side Crunch Back
10.2 Lumbale Rückenstreckmuskulatur
10.2.1 Posturale Funktion der Motorik
10.2.2 Analytische Auseinandersetzung mit dem Begriff Funktionalität
10.3 Dorsale Muskelkette (Hyperextension)
10.4 Beinhebetest (Reverse Hyperextension)
10.5 Beinhaltetest
10.5.1 Biomechanische Überlegungen
11. Krafttest der Beinmuskulatur
11.1 Einbeinige Kniebeuge (Bulgarian Split Squat)
12. Einbein-Sprungtest (Single-leg-hop)
12.1 Bewertung der Biomechanischen Belastungsindikatoren
12.2 Sprungkraft und reaktive Kraftfähigkeit
13. Qualität im Trainingsprozess – am Anfang steht der Test
13.1 Diagnostik der Kraftfähigkeit
13. 2 Testverfahren zur Rumpfkraft
14. Mit Krafttraining können Gelenke „entlastet“ werden! (?)
14.1 Gelenkmechanische Bedeutung der Druck erzeugenden Muskeln bei angulärer Bewegung
15. Analytische Auseinandersetzung mit dem Begriff Funktionalität von Trainingsübungen
15.1 Begrifflichkeiten
15.2 Die ICF – Konzept der funktionalen Gesundheit (Funktionsfähigkeit)
15.3 Exemplarische Anwendung der ICF
16. Korrelationen zwischen Intensitätsbereichen und Wieder-holungszahlen unter Berücksichtigung der Muskelfasertypen
16.1 Eigenschaften der Muskelfasertypen und ihr Einfluss auf die Kraftentwicklung
16.2 Muskelfasertest
16.3 Trainingskonsequenzen der Fasertypisierung
16.4 Muskelpotential vs. strukturelle bzw. funktionelle Spezialisierung
17. Komplexe Methode des Krafttrainings – die Nützliche „Unbekannte“
17.1 Entwicklung der Kraftausdauer
17.2 Ziele der Komplexen Methode des Krafttrainings
17.3 Ökonomisierung des aeroben und anaeroben Stoffwechsels
17.4 Die Methoden zur Komplexen Kraftentwicklung
Kapitel 3: Fachwissen in der Ausdauerdiskussion
18. Testing der Ausdauer im Trainingsalltag
18.1 Leistungsdiagnostik im Ausdauerbereich
18.2 Ergometrische Belastungsuntersuchungen
18.3 Indikationen der Ergometrie
18.4 Regulationsvorgänge des Herz-Kreislauf-Systems bei Arbeit
18.5 Maximale Sauerstoffaufnahme
18.6 Maximale Herzfrequenz
19. Leistungsdiagnostik im Ausdauerbereich
19.1 Bedeutung der Laktatwerte
19.2 Kriterien der Ausbelastung
19.3 Borg-Skala
19.4 Relevanz der Ergometrie
19.5 Hauptgütekriterien von Messungen
19.6 Beanspruchungsform Ausdauer – Leistungsphysiologische Grundlagen
19.6.1 Aerobe Schwelle (AeS)
19.6.2 Anaerobe Schwelle (AnS)
19.6.3 Leistung an der anaeroben Schwelle
19.6.4 Aerobe Kapazität
19.6.5 Aerobe Leistungsfähigkeit
19.6.6 Laktat-Steady-State
19.6.7 Sauerstoffdefizit und. Sauerstoffschuld
20. Ausdauerleistung quantifizieren
20.1 Energetischer Aufwand physischer Leistung
20.2 Intensität der höchsten Fettverbrennung
20.3 ATP-Bildungsrate
20.4 Critical Power / Critical Velocity
20.5 Belastungswahl auf dem Fahrrad-Ergometer
20.6 Performance Index (P))
21. Submaximale Ausdauertests
21.1 Biochemische Merkmale in Abhängigkeit der prozentualen Nutzung des VO2max
21.2 Wahl und Indikation des passenden Testergometer
22. Balke-Treadmill-Test
22.1 Berechnung der VO2max
23. Bruce- Test
24. Chester-Stufentest
25. Astrand-Test
25.1 Praktische Durchführung
25.1.1 Testauswertung
25.2 Klinisch-therapeutische Bedeutung des Astrand-Tests
26. Empirische Bestimmung der Aeroben Schwelle
26.1 Physiologische Grundlagen
26.1.1 Lipolyse und β-Oxidation
27. PWC-Test
27.1 Praktische Durchführung
26.2 Trainingsempfehlung
28. IPN-Test
28.1 Bestimmung der Trainingsbereiche
28.2 Erholungspuls und Trainingszustand
29. Cooper-Test
30. Conconi-Test
32.1 Physiologische Grundlage
30.2 Conconi Test Laufen (Feldtest)
30.3 Conconi Test Laufen (Laufband)
30.4 Conconi-Probst Test (Fahrrad-Ergometer)
30.5 Der Deflexionspunkt
32.6 Leistungsvergleich mit PWC-Test
30.6 Bestimmung der Trainingsbereiche
30.7 Trainingssteuerung
31. Shuttle-Run-Test
32. Laktatstufentest
32.1 Physiologische Grundlagen
32.1.1 Anaerob laktazider Energiestoffwechsel
32.2 Anaerobe Schwelle im Laktatstufentest
32.3 Entnahme von Kapillarblut
34.4 Testauswertung
32.5 Mathematische Auswertungsmodelle
32.6 Standard-Messprotokolle
33. Physiologische Trainingszonen und Belastungsintensitäten
33.1 Trainingsprinzipien
33.2 Belastungsintensität und Energieverbrauch
33.3 Intensitätsstufen und Trainingsziele
34. Biochemische Prozesse der verschiedenen Stoffwechselarten
34.1 Angewandte Biochemie im Überblick
34.1.1 Puffersysteme des Säuren-Basen-Haushalts
35. Die Aerobe Schwelle – Schnittstelle zwischen Gesundheit und Ausdauerleistung
35.1 Merkmale der Laktat-Leistungskurve
35.2 Die Atmung (Ventilation) in Kürze
35.3 Gesundheitsrelevantes Trainingswissen der Grundlagenausdauer 1
35.4 Test zur Bestimmung der aeroben Schwelle
36. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Das Buch dient als fachspezifisches Lehrmittel für Fachleute in der Bewegungs- und Gesundheitsförderung und vermittelt fundiertes Wissen über die leistungsbezogene Datenerhebung im Trainingsalltag. Das primäre Ziel ist es, Praktiker in der Anwendung von Assessment-Methoden zu schulen, um Trainingsprozesse evidenzbasiert zu strukturieren, individuelle Leistungsdaten präzise zu erheben und diese zur Optimierung der Trainingsqualität, insbesondere in den Bereichen Kraft und Ausdauer, nutzbar zu machen.
- Grundlagen des Qualitätsmanagements (QM) und Assessment im Training
- Methodik und Durchführung von Krafttests und Ausdauerdiagnostik
- Statistische Verfahren zur Datenauswertung (deskriptive Statistik)
- Anwendung des ICF-Modells zur bio-psycho-sozialen Gesundheitsanalyse
- Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die praktische Trainingssteuerung
Auszug aus dem Buch
10.2 Lumbale Rückenstreckmuskulatur
Dass die Kraft der Rückenstreckmuskulatur für eine beschwerdefreie Funktion des Rumpfes und speziell der Wirbelsäule sowohl unter statischen, als auch dynamischen Belastungen eine entscheidende Bedeutung hat, ist unbestritten. Entsprechend den biomechanischen Begebenheiten zeigt der M. erector spinae in seiner Gesamtheit einen komplexen anatomischen Aufbau seiner verschiedenartigen Muskelschichten. Die Kraftdiagnostik der Rückenmuskulatur bleibt daher wohl weiterhin Gegenstand von klinisch-funktionellen Fragestellungen. Auch wenn in vielen quantitativen Studien Einschätzungen der Kraft anhand von erhobenen Normwerten vorgeschlagen werden, ist noch kein Krafttest in der Literatur als Goldstandard deklariert worden. Dies mag unter anderem auch daran liegen, dass ein Auftreten von Rückenschmerzen durch eine grundsätzlich ausreichende Kraft der Rückenstreckmuskulatur alleine nicht immer verhindert wird (vgl. Werte in Diagramm 9 und 10).
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel A: Statistische Grundlagen: Schafft das theoretische Fundament durch die Erläuterung von Handlungskompetenzen, dem Assessment-Kreislauf, grundlegenden statistischen Kennzahlen und der Bedeutung von Gütekriterien für Messvorgänge.
Kapitel 2: Fachwissen der Kraftdiskussion: Analysiert kritisch bestehende Krafttestverfahren, stellt modifizierte Testübungen zur Rumpfkraftdiagnostik vor und diskutiert die Limitierungen sowie die funktionale Relevanz spezifischer Muskelschlingen.
Kapitel 3: Fachwissen in der Ausdauerdiskussion: Bietet einen umfassenden Überblick über die Leistungsdiagnostik im Ausdauerbereich, stellt diverse standardisierte Testverfahren (Stufentests, Feldtests) vor und erläutert deren biochemische und physiologische Grundlagen zur Trainingssteuerung.
Schlüsselwörter
Leistungsdiagnostik, Assessment, muskuloskelettale Funktionalität, Krafttest, Ausdauerleistung, Qualitätsmanagement, Stoffwechselphysiologie, Biomechanik, Laktatstufentest, Trainingssteuerung, Evidenzbasierung, Rumpfkraft, Fettstoffwechsel, VO2max, Bewegungskontrolle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Werk grundlegend?
Das Buch bietet einen praxisorientierten Leitfaden zur leistungsbezogenen Datenerhebung, der Bewegungsexperten befähigt, Trainingsprozesse mittels valider Tests und statistischer Auswertungen zu strukturieren und zu optimieren.
Welche zentralen Wissensgebiete deckt das Buch ab?
Die Arbeit behandelt schwerpunktmäßig die Bereiche Qualitätsmanagement im Training, die biostatistische Datenauswertung, die physiologischen Grundlagen des Kraft- und Ausdauertrainings sowie die spezifische Methodik zur Überprüfung der Leistungsfähigkeit.
Was ist das übergeordnete Ziel der Forschung bzw. Lehre in diesem Buch?
Das Ziel ist die Professionalisierung der Datenerhebung im Trainingsalltag durch die Vermittlung von Testverfahren, die sowohl wissenschaftlich fundiert als auch in gesundheitsorientierten Einrichtungen praktikabel umsetzbar sind.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Verwendet werden neben der theoretischen Analyse wissenschaftlicher Literatur primär deskriptive statistische Verfahren, biomechanische Analysen von Bewegungsabläufen sowie physiologische Messparameter wie Herzfrequenz, Laktatwerte und die maximale Sauerstoffaufnahme.
Welche zentralen Aspekte werden im Hauptteil fokussiert?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die detaillierte Beschreibung und kritische Reflexion von Testübungen für die Rumpfmuskulatur und Ausdauerleistung, ergänzt durch Berechnungsmodelle zur Quantifizierung des Trainingserfolgs.
Was charakterisiert die in der Arbeit verwendeten Schlüsselbegriffe?
Die Begriffe sind stark transdisziplinär geprägt und verknüpfen klinische Rehabilitation, Sportphysiologie und moderne Trainingswissenschaft zu einem ganzheitlichen Verständnis funktioneller Gesundheit.
Warum ist die Unterscheidung zwischen funktionell und nicht-funktionell laut Autor problematisch?
Der Autor argumentiert, dass diese Kategorisierung oft zu vereinfacht auf dem Kriterium "Einzelmuskel vs. Muskelkette" basiert und dabei trainingstherapeutisch relevante Faktoren wie die physiologische Zielsetzung und die individuelle Ausgangslage des Kunden vernachlässigt.
Welche Rolle spielt die ICF-Klassifikation im Kontext der Datenerhebung?
Das ICF-Modell dient als übergeordnetes Denkkonzept, um den Trainingskunden nicht isoliert auf ein körperliches Defizit zu reduzieren, sondern seine bio-psycho-soziale Situation ganzheitlich in die Trainingsplanung einzubeziehen.
Weshalb werden standardisierte Protokolle (wie beim IPN-Test) empfohlen?
Sie ermöglichen eine individualisierte Voreinstufung und Vergleichbarkeit von Testergebnissen, die weit über rein pauschale Vorgaben hinausgehen und somit eine präzisere, zielorientiertere Trainingssteuerung erlauben.
- Arbeit zitieren
- Urs Geiger (Autor:in), 2025, Leistungsbezogene Datenerhebung im gesundheitsorientierten Trainingsalltag, Band 1, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1397028