Was ist Terrorismus? Und wie kann man ihn bekämpfen? Diese beiden Fragen werden oft unmittelbar hintereinander gestellt – so als folge aus der ersten Frage logisch die zweite. Sämtliche Wissenschaftler bemühten und bemühen sich, ,,Terrorismus‘‘ bzw. ,,Terror‘‘ zu definieren. Dabei kommen sie erstaunlich schnell zu Ergebnissen. Doch hat man Terror bzw. Terrorismus erst einmal definiert, steht man plötzlich vor einer Mauer: Die zweite, ebenso dringliche Frage, wie man Terror bzw. Terrorismus bekämpfen könne, kann jetzt nicht mehr beantwortet werden. Hier wird die Definition zum Problem: Nicht nur sollte man sich darüber im Klaren sein, worauf man zeigt, sondern auch womit. Letztere Komponente berücksichtigen eine Mehrzahl der Autoren zum Thema ,,Terrorismus‘‘ nicht. Ihr Vorgehen ist unwissenschaftlich.
In dieser Arbeit soll nicht näher untersucht werden, warum viele Wissenschaftler chronisch mit der Tür ins Haus fallen; warum sie – kaum ist von Terror die Rede – ihre eigene Methodik nicht mehr reflektieren. Stattdessen werde ich in Kapitel 1 das ,,Haus‘‘ beschreiben, in dem sich der Analyse zufolge Wissenschaftler, Politiker und Terrorismusexperten bewegen, wenn sie wieder einmal von ,,Terror‘‘ sprechen.
Aufbauend auf der Kommunikationsanalyse aus Kapitel 1 werde ich mich in Kapitel 2 mit Terrorismusexperten in den Massenmedien beschäftigen: Was lässt sich über ihre Methodik sagen, welche Funktion erfüllen sie und wie groß ist ihr faktischer ,,Handlungsspielraum‘‘?
In Kapitel 3 habe ich versucht, einen konstruktiven Beitrag zu leisten: Das Problem, wie sich Politikberatung nicht nur in Hinblick auf die politischen Felder ,,Sicherheit‘‘ und ,,Risiko‘‘, sondern vornehmlich in Hinblick auf Terrorismusbekämpfung selbst etablieren kann, beschäftigt wissenschaftliche Terrorismusforscher. Hier soll ein Weg zu dieser Expertise-Form aufgezeigt werden.
Hauptziel dieser Arbeit ist es 1. – aufbauend auf einer skizierten Kommunikationskultur – Grenzen derzeitiger Terrorismusexpertise aufzuzeigen und 2. zu fragen ob – und wenn ja, inwiefern – eine alternative Form von Politikberatung für Politiker nützlich sein kann.
Übersicht
1 VORHABEN UND VORGEHEN
2 TERROR ALS SOZIALES SYSTEM
3 ZUR PRAXIS VON TERRORISMUSEXPERTEN
4 ALTERNATIVE POLITIKBERATUNG: MIT REALISTISCHEN ZIELEN AUS DER POLITIK GEGENÜBER POLITIK WERBEN
4.1 REFLEXIVE POLITIKBERATUNG
4.2 POLITISCHE IGNORANZ UND WISSENSCHAFTSSKEPSIS
4.3 EIN ZIEL VOR AUGEN: EIN WEG ZU ALTERNATIVER POLITIKBERATUNG
5 RÜCKBLICK UND AUSBLICK
6 LITERATUR (ZITIERT UND ERWÄHNT)
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Mechanismen und Grenzen der derzeitigen Terrorismusexpertise sowie die Bedingungen für eine alternative Form der Politikberatung, die über die bloße Reproduktion systemimmanenter Sicherheitsdiskurse hinausgeht.
- Analyse der Kommunikation und Wahrnehmung von "Terror" als soziales System.
- Kritische Beleuchtung der Rolle und Methodik von Terrorismusexperten in den Massenmedien.
- Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen reflexiver Politikberatung im Kontext von Sicherheits- und Risikopolitik.
- Entwicklung eines Konzepts zur Etablierung einer konstruktiven, demokratisch legitimierten Politikberatung.
Auszug aus dem Buch
3 Zur Praxis von Terrorismusexperten
Ist Terror wirklich so weltbewegend, dass er – so selbstverständlich, so gedankentragend – unsere Aufmerksamkeit von sich selbst weglenkt auf das, was (auch) er hervorbringt: Schuld, Risiko, Sicherheit? Hat sich dabei ,,Terror‘‘ als Vokabel womöglich zu einem Kampfbegriff – ähnlich dem Propagandabegriff – entwickelt, der überall und zu jeder Zeit dazu verführt, mit ihm auf anderes zu zeigen, als eine Art ,,sozialer Operator‘‘? Ein Blick auf die massenmediale Einrichtung, die angibt, sich mit Terror als Terror zu befassen, wirft da zunächst weitere Fragen auf:
Was zeichnet einen Experten aus, der sich mit Terrorismus beschäftigt? ,,Braucht man da irgendwelche Zeugnisse und Empfehlungsschreiben?‘‘ präzisiert ein Blogger die Frage. Viele, in den Massenmedien ihrem (Be)ruf nachgehenden Experten verweisen auf ,,langjährige Tätigkeiten‘‘ in selbstgegründeten Instituten (so z.B. Rolf Tophoven), andere, werden als ,,Externe‘‘, z.B. als Autor (Elmar Theveßen) wieder zurück in die jeweilige Medienanstalt eingeschleust. Bei den meisten Experten handelt es sich um Journalisten. Selten werden Fachbeamte und Wissenschaftler befragt.
Wie treten Terrorismusexperten auf? Wie man es von Journalisten erwarten darf, drücken sie sich verständlich aus und machen eine gute Figur. Tobias Kniebe stellt mit einem Blick in die Geschichte fest, dass das nicht immer so war. Im Zuge der massenmedialen Programmierung von Terror ist dieser nichts Außergewöhnliches mehr, für das man einen zerzausten Professor bräuchte; die Menschen wollen nach einem Terroranschlag wissen, wie es weiter geht – personale Programmkonstanten konservieren das Format.
Zusammenfassung der Kapitel
1 VORHABEN UND VORGEHEN: Der Autor erläutert die Problematik der Terrorismusdefinition und steckt den methodischen Rahmen der Arbeit ab, der die Analyse der Expertenkultur sowie das Ziel einer alternativen Politikberatung umfasst.
2 TERROR ALS SOZIALES SYSTEM: Dieses Kapitel beschreibt Terror als ein System, das durch eine spezifische Kommunikationskultur und die inaktive Suche nach Entschuldigungen oder Schuldzuweisungen geprägt ist, was eine sachliche Auseinandersetzung erschwert.
3 ZUR PRAXIS VON TERRORISMUSEXPERTEN: Die Untersuchung hinterfragt die Funktion und Methodik der Terrorismusexperten in Medien, die Terror primär als Event inszenieren und dabei von den eigentlichen Ursachen des Schreckens ablenken.
4 ALTERNATIVE POLITIKBERATUNG: MIT REALISTISCHEN ZIELEN AUS DER POLITIK GEGENÜBER POLITIK WERBEN: Das Kapitel schlägt ein Modell reflexiver Politikberatung vor, welches realisierbare von unrealistischen Zielen unterscheidet und Politik in den Dialog mit demokratischen Werten bringt.
4.1 REFLEXIVE POLITIKBERATUNG: Einführung in das Konzept nach Daase und Diskussion der Schwierigkeit, dieses Modell angesichts politischer Zeitnot und des Verlangens nach harten Fakten umzusetzen.
4.2 POLITISCHE IGNORANZ UND WISSENSCHAFTSSKEPSIS: Analyse der parteipolitischen Determination von Entscheidungen und der zunehmenden Skepsis der Wissenschaft gegenüber der Einbindung in mediale Politikberatung.
4.3 EIN ZIEL VOR AUGEN: EIN WEG ZU ALTERNATIVER POLITIKBERATUNG: Zusammenführung der Erkenntnisse zu einer Strategie, wie Politikberatung durch Aufklärung und kohärente Konzepte in Massenmedien den politischen Diskurs konstruktiv beeinflussen kann.
5 RÜCKBLICK UND AUSBLICK: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Forderung an die Politikberatung, sich ihrer Funktion bewusst zu werden, um demokratische Prinzipien in der Sicherheitsdebatte zu wahren.
6 LITERATUR (ZITIERT UND ERWÄHNT): Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Fachliteratur und Quellen zweiter Ordnung.
Schlüsselwörter
Terrorismus, Politikberatung, Sicherheitspolitik, Terrorismusexperten, Massenmedien, Reflexivität, Risikopolitik, Soziale Systeme, Terrorismusbekämpfung, Demokratie, Kommunikation, Bedrohungslage, Politische Entscheidungsfindung, Expertenrolle, Terror.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie gesellschaftliche Institutionen und Medien mit dem Thema Terrorismus umgehen und wie diese Praxis zur Reproduktion des Phänomens beiträgt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Kommunikationsanalyse von Terror, die Rolle von Terrorismusexperten in Massenmedien und die Möglichkeiten einer reflexiven Politikberatung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, die Grenzen derzeitiger Terrorismusexpertise aufzuzeigen und eine alternative, reflexivere Form der Politikberatung zu entwickeln, die dem Bedarf der Politik an realisierbaren Zielen entspricht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt methodisch eine Kombination aus Kommunikationsanalyse, Analogieverfahren, Frage-Antwort-Technik sowie systemtheoretische Ansätze zur Untersuchung gesellschaftlicher Funktionssysteme.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der systemischen Natur von Terror, der Kritik an den sogenannten Terrorismusexperten und der Ausarbeitung eines Modells für eine demokratisch-wissenschaftliche Politikberatung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Terrorismus, Politikberatung, Reflexivität, Sicherheitspolitik, Massenmedien und Expertenrolle.
Warum sieht der Autor Terrorismusexperten kritisch?
Der Autor kritisiert, dass viele Experten in den Medien eher als Journalisten agieren und Terror als Event inszenieren, anstatt eine fundierte Analyse oder Strategie zur Bekämpfung vorzulegen.
Was bedeutet "reflexive Politikberatung" im Kontext der Arbeit?
Sie beschreibt eine Form der Beratung, die ihre eigenen Begrenzungen erkennt und offenlegt, anstatt nur vermeintlich absolute Fakten zu liefern, um den Politiker in seiner Handlungsfähigkeit zu unterstützen.
Wie kann Politik laut dem Autor Terrorismus effektiver bekämpfen?
Durch die Entwicklung realisierbarer, langfristiger Konzepte, die an demokratische Werte gebunden sind, anstatt nur reflexhaft auf einzelne Anschläge mit Vergeltung zu reagieren.
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- Raphael Hoffmann (Author), 2009, Ein Ziel vor Augen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139725